mini|Die evangelische Kirche (früher: Unserer lieben Frau) in Ebhausen Ebhausen ist eine Gemeinde im Landkreis Calw in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Nordschwarzwald.

Geographie Lage Ebhausen liegt in 425 bis zwischen Nordschwarzwald und Hecken- und Schlehengäu, welches sich als ein etwa 10 bis 15 km breiter Landschaftsstreifen links und rechts des Nagoldtales hin zum Nordschwarzwald zieht. Die Böden gehören zur Lage des Unteren- und Mittleren Muschelkalks. Zwischen die vom Muschelkalk gebildeten Höhenrücken und Bergkuppen hat sich im Bereich von Ebhausen der Fluss Nagold in die Schicht des Oberen Buntsandstein eingegraben.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Ebhausen gehören die ehemals selbständigen Gemeinden Ebershardt, Rotfelden und Wenden. Zur ehemaligen Gemeinde Rotfelden gehören der Ort Ziegelhütte, das Gehöft Gärtenfeld und die Schwarzenbachmühle.

Geschichte Ebhausen und Wöllhausen Bei Bauarbeiten im Gewann Frauenhof stieß man im Jahr 1995 in einer Tiefe von etwa 1,30 m auf Brandreste und Scherben von Tongefäßen. Durch Karl Kempf, Historiker in Rotfelden, wurde eine vorläufige Bestimmung der Funde vorgenommen. Die grobe, ungemusterte Keramik war etwa 1 cm dick. Auffallend war die starke Magerung mit Glimmer. Die Scherben hatten eine flache Krümmung, so dass ein Gefäß mit einem Durchmesser von rund einem Meter angenommen werden konnte. Im Zusammenhang mit den Brandresten kann eine Urnenbrandbestattung angenommen werden. Karl Kempf datierte die Funde in die frühe Bronzezeit bzw. Jungsteinzeit. Leider wurde die Fundstätte durch ein Missverständnis ganz abgetragen. Die sichergestellten Funde gingen an das Landesdenkmalamt.Nagold/Ebhausen „Baggerfahrer entdeckt Urnengrab“. In: Schwarzwälder Bote. 14. September 1995.

Im Jahr 1834 wurden am südlichen Ende des Ortes Ebhausen alamannische Reihengräber mit Waffen und Gefäßen gefunden. Ähnliche Grabstätten fanden sich auch in der Nähe der Kirche und des Schulhauses.Beschreibung des Oberamts Nagold, herausgegeben von dem kgl. statistisch-topographischen Bureau. Stuttgart 1862. Es ist bekannt, dass die Alamannen im süddeutschen Raum bevorzugt Land besiedelten, das davor kultiviert worden war. Der Flurname „auf Mauren“ auf dem Gebiet des heutigen Friedhofs weist vermutlich auf Gebäudereste eines römischen Gutshofes hin. Da einige römische Gutshöfe auch in umliegenden Gemeinden gefunden wurden, scheint es gut möglich zu sein, dass Ebhausen schon in römischer Zeit besiedelt war. Bis jetzt fehlen allerdings Belege für diese Annahme.

Ebhausen ist aus den ursprünglich selbständigen Dörfern Ebhausen und Wöllhausen zusammengewachsen. Allerdings hatten beide Orte schon immer eine gemeinsame Markung. Nach dem Codex maior traditionum Weingartiensium und der Historia Welforum gehörte der Zehnte der Kirche in Wöllhausen (ecclesia in Welnhusen) vor 1089 den Grafen von Buchhorn. Diese Kirche, nach späteren Quellen St. Martinskirche, wurde im 16. Jahrhundert profaniert. In einer 1245 in lateinischer Sprache abgefassten Urkunde, in welcher der Ritter Heinrich von Nagold seiner Frau Adelheid Güter als Unterpfand verschreibt, wird mit weiteren Personen ein „advocatus de Wellehusin“, also der Vogt von Wellehusin, als Zeuge genannt.Karl Kempf: Ebhausen und Wöllhausen – Jubiläumsschrift zur ersten schriftlichen Nennung von Wöllhausen. Ebhausen 1995. Der Burgstall auf dem Stuhlberg in Wöllhausen wird schon im württembergischen Lagerbuch aus dem Jahr 1623 als „ganz abgegangen“ bezeichnet. Das Wappen der Vögte von Wöllhausen fand mit seiner Aufteilung Eingang in das heutige Wappen der Gemeinde Ebhausen.

Ebhausen wurde im Jahr 1275 als „Ebehusen“ erstmals im „Liber decimationis“ des Bistums Konstanz erwähnt.Liber decimationis cleri Constanciensis pro Papa de anno 1275. In: Freiburger Diözesan-Archiv 1, 1875. Die beiden Ortschaften kamen von dem Grafen Burkhard von Hohenberg 1364 an den Pfalzgrafen Ruprecht. Dieser belehnte Wetzel von Ebhausen mit dem hiesigen Mannlehen. Aus dem Wappen der Wetzel von Ebhausen fand das Beil ebenfalls Eingang in das heutige Wappen der Gemeinde Ebhausen. Im Jahr 1440 kamen die Orte mit Wildberg an Württemberg.

mini|Wappenstein des ehemaligen Ebhauser Tores Ebhausen hatte zwei Tore, das Ebhauser und das Wöllhauser Tor. Vom Ebhauser Tor befindet sich noch ein Wappenstein in einer Sandsteinmauer in der Nähe des ehemaligen Tores an der Kreuzung Johanniter Straße / Torweg.

Die Kirche, der Mutter Gottes geweiht („Unsere liebe Frau“ bereits um 1400 erwähnt), besaß im Mittelalter einen großen Sprengel. Er umfasste die Orte Rohrdorf (bei Nagold), Berneck, Pfrondorf, Gaugenwald, Ebershardt, Wart, Martinsmoos, Zwerenberg, Hornberg, Neuweiler, Oberweiler, Aichhalden, Hofstett, Hünerberg, Aichelberg und Nonnenmiß. Dieser große Sprengel ist ein Indiz dafür, dass Ebhausen im frühen Mittelalter ein Ausgangspunkt für die Rodung und Besiedlung des Schwarzwaldes war. Der Kirchensatz wurde durch die Grafen von Hohenberg im Jahr zuerst 1305 an das Kloster Kniebis, dann 1318 dem Johanniterorden zu Rohrdorf überlassen, der ihn bis 1568 besaß.kgl. Statistischen Landesamt (Hrsg.): Das Königreich Württemberg – Eine Beschreibung nach Kreisen, Oberämtern und Gemeinden. Band 2: Schwarzwaldkreis. Stuttgart 1905. Bei Ausgrabungen in der Ebhauser Kirche in den Jahren 1962 durch das Staatliche Amt für Denkmalpflege Tübingen wurden Grundmauern von drei Vorgängerbauten freigelegt. Das älteste Fundament zeigt eine kleine Saalkirche aus karolingischer Zeit.Calwer Kreisnachrichten. 11. September 1968.

Im Herbst des Jahres 1634, nach der für den Heilbronner Bund verlorenen Schlacht bei Nördlingen, als Württemberg schutzlos den umherziehenden kaiserlichen Soldaten ausgeliefert war, fiel Ebhausen zu großen Teilen einem Brand zum Opfer. Bei der Erweiterung des Rathauses im Jahr 1987 wurde in einer Tiefe von 20 bis 40 cm eine Brandschicht sichtbar, die Brandschutt, Dachziegel und auch Ofenkacheln enthielt.

mini|Schreiben an das Oberamt Wildberg über die Erlaubnis eines Jahrmarktes auf Johannis Baptista Der Ort Ebhausen besitzt Marktrecht. Alljährlich finden zwei Markttage statt. Ein Markt wird auf das Fest Johannis Baptista am 24. Juni abgehalten. Der zweite Markt ist wohl älter und wird nach dem Erntedankfest veranstaltet. 1730 baten Schultheiß und die Richter der Gemeinde Ebhausen den Landesherrn um die Erlaubnis, wieder zwei Jahrmärkte abzuhalten. Hieraus ist zu schließen, dass es in der Vergangenheit ein Marktrecht gab. 1731 wurde dies durch Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg höchstpersönlich erteilt. Allerdings wurde der Zeitpunkt für die Märkte noch nicht festgelegt. Die Gemeinde ist in Besitz eines Schreibens, datiert vom 17. Juni 1761, in dem Herzog Carl Eugen von Württemberg das Marktrecht für den Johannistag erteilte. Dieser Markt scheint aber eine Zeit lang nicht mehr stattgefunden zu haben, denn am 4. Juli 1816 beschloss der Gemeinderat, diesen Markt nicht mehr zu halten. Konrad Dussel: Ebhausen, Geschichte und Gegenwart der Nagoldtal-Gemeinde, Geiger Verlag, Horb am Neckar 2016, Seite 112.

Zu Ebhausen gehörte bis 1834 auch der Weiler Monhardt (heute ein Stadtteil von Altensteig) der ursprünglich ein Gutshof war.

Der Haupterwerb der Bevölkerung war neben der Landwirtschaft verschiedene Handwerkstätigkeiten. Innerhalb dieser, bereits im Spätmittelalter einsetzenden Spezialisierung, erfuhr im 16. Jahrhundert die Zeugmachertätigkeit eine Blüte. Im 17. und 18. Jahrhundert bestimmte die Calwer Zeughandlungskompagnie die Produktion, in deren Abhängigkeit die Meister in Ebhausen geraten waren. Im Steuerkataster aus dem Jahr 1730 werden für die Handwerkerschaft in Ebhausen folgende Zahlen angegeben: 112 Männer mit Bürgerrecht, 1 Beisitzer, 10 Witwen. Von den Männern waren 77 Handwerker und von diesen wieder 45 Zeugmacher. Im 19. Jahrhundert führten Absatzschwierigkeiten zu einer erhöhten Auswanderung, vor allem nach Polen, Russland und Nordamerika.Karl Kempf: Ebhausen und seine Ortsteile – Geschichte und Sehenswürdigkeiten. Rotfelden 1985. Fanden noch um 1820 etwa 80 selbständige Meister mit 150 Webstühlen in Ebhausen ihr Auskommen, so waren es 1853 nur noch zehn.Karl Kempf: Aufsatz zur Geschichte Ebhausens. Ebhausen 1968. Gleichzeitig wurde die Textilherstellung in moderneren Verfahren vorangebracht. Es entstanden auch in Ebhausen Textilfabriken. Heute ist Ebhausen Gewerbestandort und Pendlerwohngemeinde.

Nach der Gründung des Königreichs Württemberg kam Ebhausen 1807 vom aufgelösten Oberamt Wildberg zum Oberamt Nagold. 1938 wurde Ebhausen auf Grund der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg dem Landkreis Calw zugeordnet. 1945 wurde Ebhausen Teil der Französischen Besatzungszone und kam somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging.

Liste der Schultheißen und Bürgermeister von Ebhausen 1886–1924: David Dengler 1924–1945: Gottlob Mutz 1945–1948: Karl Schöttle 1949–1950: Wilhelm Dengler 1950–1957: Gottlob Mutz 1957–1991: Hermann Maier seit 1991: Volker Schuler

Seit dem 1. Dezember 1930 heißen die Schultheißen Bürgermeister.

Die heutige Gemeinde wurde am 1. Januar 1975 durch Vereinigung der Gemeinden Ebhausen, Ebershardt, Rotfelden und Wenden neu gebildet.

Ortsteile Rotfelden mini|Georgskirche in Rotfelden 70px|links Der Ortsteil Rotfelden liegt auf 409 bis in der Talhanglage am südöstlichen Ende der Enz-Nagold-Platte.

In den 1960er Jahren wurden im Rotfelder Steinbruch Kössig Fossilien aus dem Trias im roten Buntsandstein entdeckt. Herausragend ist der Schädel eines Ur-Lurches. Rotfelden wird unter Paläontologen weltweit als eine der bedeutendsten Fossillagerstätten des Buntsandsteinerdzeitalters gezählt.

Auf der Markung von Rotfelden wurde im Jahr 1870 ein vorgeschichtlicher Fund entdeckt. Im Gewann Ottenbühl nördlich vom Ort wurde im Bereich des neu angelegten Friedhofgeländes ein Skelett gefunden. Als Beigabe enthielt das Grab ein etwa 10 cm langes Steinbeil. Das Beil besteht aus braunem und grauen Gabbron. Der Fund wird in die Jungsteinzeit datiert. Mehrere mit -mauren zusammengesetzte Flurnamen könnten Hinweise auf keltische und römische Besiedlung geben. Östlich und westlich des Ortes wurde je eine römische Münze gefunden. Die von Nagold ausgehende „Alte Weinstraße“, die auch „Römerstraße“ genannt wird, tangiert den Westteil der Gemarkung. Unweit dieser Höhenstraße lag am sogenannten Kirch- oder Totenweg die älteste Pfarrkirche. Zwischen dieser Kirche und der Alten Weinstraße befand sich der „Viehmarkt“, weil der Pfarrer für die Viehzucht verantwortlich war. Als ecclesia wird sie im liber decimationis 1275 erstmals erwähnt. Sie war Tauf- und Begräbniskirche für Rotfelden und Wenden. Der romanische Taufstein in der heutigen St. Georgskirche dürfte von dieser Kirche stammen. Der Deutsche König und spätere Kaiser Heinrich II. übergab im Jahr 1005 „Rahtfelda“ dem Kloster Stein am Rhein. Damit war die Kirche mit Widem und Zehnten gemeint. Ein halbes Jahrtausend lang gehörten diese kirchlichen Rechte dem Kloster, bis Württemberg sie 1543 durch Kauf erwarb. Im Unterschied zu dieser alten Pfarrkirche gehörte die heutige St. Georgskirche, die aus einer Kapelle hervorging, nie dem Kloster Stein/Rhein. Ihr „St. Jergen“ Patrozinium wird 1423 erstmals erwähnt. Unter den Markgrafen von Baden wurde sie zur Pfarrkirche erhoben, nachdem die Kloster Steinische Kirche abgegangen war.