Seckbach ist seit dem 1. Juli 1900 ein Stadtteil von Frankfurt am Main.
Die Einwohnerzahl beträgt .
Geographie mini|zentriert|hochkant=4|Panoramablick vom Lohrberg auf Frankfurt
Geografische Lage Das Stadtteilzentrum liegt rund 5 km nordöstlich vom Zentrum der Frankfurter Innenstadt, oberhalb eines ehemaligen Mainarmes, beiderseits einer dem Höhenrücken flussauf folgenden Fernstraße am Hang des Lohrbergs. Der Lohrberg gehört zur geologischen Formation des Berger Rückens. Er ist der östlichste Ausläufer des Weinanbaugebietes Rheingau und verfügt über dessen kleinste Weinlage, den Lohrberger Hang.
Am östlichen Rand Seckbachs an der Berger Warte und der Leopoldsäule auf dem Berger Rücken liegt mit der höchste Geländepunkt Frankfurts.
Gemarkungsgrenze Im Westen verläuft die Stadtteilgrenze Seckbachs in der Fahrbahnmitte der A 661, im Süden in der Mitte des Riedgrabens nördlich der Straße Am Erlenbruch, einschließlich eines großen Teilstücks der Borsigallee bis einschließlich Kruppstraße. Das Seckbacher Industriegebiet grenzt an das kleinere Enkheimer Industrie- und Gewerbegebiet, an den Stadtteil Riederwald und an Fechenheim. Der östlichste Punkt der Gemarkung befindet sich östlich der Vilbeler Landstraße, oberhalb des Florianweges (Bergen) und schließt dortige Bebauung ein.
Der westlichste Punkt Seckbachs liegt an der Kreuzung der Friedberger Landstraße über A 661. Im Norden umfasst die Seckbacher Gemarkung das Alte Zollhaus (1775), das Areal des ehemaligen Großsenders Heiligenstock (1926–1945) bzw. des DENA-Senders (ab 1947), den größeren südlichen Teil des Parkfriedhofes Heiligenstock, reicht bis kurz vor die Berger Warte, bis zur Leopoldsäule und dem Groß-Umspannwerk Berger Warte.
Siedlungsgeografie Seckbach hat seine ursprüngliche Dorfstruktur teilweise noch bewahrt, dies gilt insbesondere für den historischen Ortskern und eine kleine noch verbliebene landwirtschaftliche Nutzfläche. Der Dorfkern besitzt eines der am besten erhaltenen fränkischen Fachwerk-Ensembles in Frankfurt. Die historische Siedlung mit der Kirche in der Mitte hat sich modern nach Südwesten in Richtung zur Frankfurter Innenstadt entwickelt.
Der Stadtteil besteht heute aus einem weitgehend gewerbefreien kleinen Gebiet mit Bebauung und Parklandschaft im Westen, einem zusammenhängend besiedelten Wohngebiet mit einem geringen Anteil von Kleingewerbetreibenden, etwa in der Mitte des Stadtteils, und einer weiteren Parklandschaft. Ein größeres Industrie- und Gewerbegebiet schließt sich im Südosten, in der Seckbacher Niederung, an.
Wirtschaftsgeografie Für Seckbach ist Weinbau seit dem 9. Jahrhundert belegt: Die Erwähnung des Ortes aus dem Jahr 882 nennt den Anbau von Wein. Die hanauischen Landesherren beanspruchten bis 1836 den Weinzehnten zu Seckbach und Bergen; die Trauben ließen sie in der herrschaftlichen Kelter in einem heute noch erhaltenen Fachwerkhaus an der Wilhelmshöher Straße 158 pressen. Aus einer Statistik der Einwohner und Orte der Grafschaft Hanau geht hervor, dass Seckbach im Jahr 1754 das drittgrößte Weinanbaugebiet der Grafschaft war; die Ortschaft verfügte über 442 Morgen Weinberge, was einer Fläche von 110 Hektar entspricht.
Im Siebenjährigen Krieg und in der Schlacht bei Bergen (1759) sowie 1813 durch französische und russische Soldaten wurden die Weinberge schwer beschädigt; die Ernten fielen gering aus. Nach einer kurzen Erholung zwischen 1840 und 1850 führten der Echte Mehltau und die Reblaus zur Rodung der Weinberge und zum Verbrennen der befallenen Rebstöcke. Immer mehr Winzer suchten ihr Glück in der aufkommenden Industrie in Frankfurt und Offenbach; mit Beginn des 20. Jahrhunderts endete der großflächige Weinbau auch in Seckbach. Auf den aufgegebenen Weinbergen entstanden Obstwiesen, die insbesondere mit Apfelbäumen bestanden waren. Eine Obstbaumzählung im Jahr 1913 ergab, dass Seckbach von allen Frankfurter Gemarkungen die meisten Apfelbäume aufwies; statt Weintrauben wurden nun Äpfel für den regionaltypischen Apfelwein gekeltert. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts prägen ausgedehnte Streuobstwiesen das Landschaftsbild des Berger Hangs.
Der früher umfangreicher als heute betriebene Weinbau ist großteils Streuobstwiesen gewichen, die zum größten zusammenhängenden Streuobstwiesengebiet Hessens gehören und daher auch ökologisch landesweiten Stellenwert besitzen.
Geschichte Ur- und Frühgeschichte Die Gemarkung weist prähistorische Bodendenkmäler auf, aus römischer Zeit wurden hier Reste einer Jupitergigantensäule, jetzt im Historischen Museum in Frankfurt, gefunden.
Mittelalter mini|hochkant|Fränkisches Fachwerkhaus in der Hintergasse 10 im historischen Ortskern des Stadtteils mini|Alte Lutherische Schule Seckbachs (1709) Die älteste erhaltene Erwähnung von Seckbach als Seckibah stammt aus dem Jahr 882. Etwa zur gleichen Zeit wurde es im Lorscher Codex als Seckebac erwähnt. Es lag im Niddagau. Im Jahre 947, am 14. Februar, schenkt König Otto I. seinem Meier Wetti (nostro villico Wetti) eine königliche Hufe zu Seckbach. Wetti gilt als Ahnherr der von Hagen-Münzenberg, von Heusenstamm und von Dornberg.Johannes Gutenberg-Universität. Institut für Geschichtliche Landeskunde: Ministerialitäten im Mittelrheinraum. 1978, ISBN 3-515-02774-2, S. 80 ff.Regesta Imperii Regestendatenbank: RI II,1 n. 147, in: Regesta Imperii Online (online, abgerufen am 8. Dezember 2012) 1178 wird in einer Mainzer Urkunde der ausgegangene Ort Kirchberg erstmals erwähnt. Kirchberg lag zwischen Seckbach und Bergen-Enkheim. Die Kirchberger Kirche, auch Bergkirche genannt, war anfänglich die Pfarrkirche von Seckbach, Bergen und Enkheim.
Seckbach gehörte zum Gericht und späteren Amt Bornheimerberg. Im Jahr 1320 verpfändete König Ludwig IV. den Bornheimerberg – und so auch Seckbach – an Ulrich II. von Hanau. 1336 gestattete der Kaiser der Stadt Frankfurt, den Bornheimerberg an seiner Stelle von Hanau einzulösen. 1351 erneuerte Kaiser Karl IV. die Pfandschaft für Hanau. Das widersprüchliche Verhalten des Reichs führte zum Streit zwischen Frankfurt und Hanau, zumal Frankfurt sich so von Hanauer Gebiet „umzingelt“ sah. 1434 wurde Graf Reinhard II. von Hanau von Kaiser Sigismund mit dem Bornheimerberg belehnt. Bei der Teilung der Grafschaft Hanau 1458 kam der Bornheimerberg zur Grafschaft Hanau-Münzenberg. Frankfurt versuchte der Stärkung Hanauer Ansprüche durch das Reich zu begegnen, indem es den Seckbachern 1438 das Burgrecht, also das Recht gewährte, sich in Kriegszeiten hinter die Stadtmauern von Frankfurt flüchten zu dürfen. Außerdem kaufte Frankfurt 1477 Anteile am Dorfgericht von Seckbach von den Schelmen von Bergen, um seine Position zu stärken.
Alle Versuche Frankfurts, den weiteren Zugriff Hanaus auf den Bornheimerberg zu verhindern, scheiterten letztendlich. Zwar wurden die Ansprüche Frankfurts auf die neunzehn Dörfer des Amtes nach einem über hundert Jahre dauernden Prozess vom Reichsgericht bestätigt, jedoch verfügten weder Frankfurt noch das Reich über die Macht, das Urteil durchzusetzen. So ließ sich die Stadt Frankfurt schließlich 1481 auf einen Vergleich ein: Hanau verzichtete zugunsten Frankfurts auf alle Ansprüche auf die Dörfer Bornheim, Hausen und Oberrad und erhielt das Amt Bornheimerberg im Übrigen exklusiv. Seckbach wurde damit hanauisch.
Örtliche Grundbesitzer in dieser Zeit waren das Kloster Haina, die Herren von Falkenstein und von Cronberg sowie die Schelme von Bergen. Letztere besaßen auch einen Teil des Zehnten als Lehen von den Herren von Eppstein.
Im Jahr 1387 waren die Schelme von Bergen zu 7/8 und Walter VI. von Cronberg zu 1/8 Inhaber des Dorfgerichts. Die Schelme trugen die Hälfte ihres Anteils von den Grafen von Isenburg als büdingische Erben zu Lehen. 1477 verkauften die Schelme die Hälfte ihres Anteils an die Stadt Frankfurt, das cronbergische Achtel war 1461 mit dem Tod von Frank dem Reichen an die Grafen von Solms gefallen. 1503/04 überließen beide ihre Anteile den Grafen von Hanau. Nach dem Vergleich von 1481 hatte Frankfurt am Einfluss auf das Dorfgericht kein Interesse mehr.
Historische Namensformen mini|Ehemaliges Seckbacher Rathaus (1542), jetzt Bürgerhaus mini|hochkant|Ehemalige Seckbacher Mühle (1773) in der Hintergasse 16
Seckebac (830–850) Seckibah (882) Seggibah (947) Siccenbach (977) Sekebach (11. /12. Jahrhundert) Sekebach (1230) Sekebach (1238) Seckebach (um 1247)
Frühe Neuzeit Seckbach in der Grafschaft Hanau-Münzenberg Im Bauernkrieg forderten die Seckbacher am 3. Mai 1525 von Graf Philipp II. von Hanau-Münzenberg unter anderem die Begründung der ihnen aufgebürdeten Lasten und das Recht, ihren Pfarrer selbst zu wählen. Der als Rädelsführer ausgemachte Zentgraf und sein Büttel wurden daraufhin ihrer Ämter enthoben, und die Seckbacher mussten den Huldigungseid erneut leisten.
Die Reformation setzte sich in der Grafschaft Hanau-Münzenberg in der Mitte des 16. Jahrhunderts zunächst in ihrer lutherischen Ausprägung durch. In einer „zweiten Reformation“ wurde die Konfession der Grafschaft Hanau-Münzenberg erneut gewechselt: Graf Philipp Ludwig II. verfolgte ab 1597 eine entschieden reformierte Kirchenpolitik. Er machte von seinem Jus reformandi, seinem Recht als Landesherr Gebrauch, die Konfession seiner Untertanen zu bestimmen, und setzte dies für seine Grafschaft weitgehend als verbindlich durch. Die Seckbacher aber leisteten Widerstand und blieben in ihrer Mehrheit weiter lutherisch, in enger Bindung an das Frankfurter Dorf Bornheim. Jedoch erhielt die reformierte „Staatskirche“ der Grafschaft Hanau-Münzenberg das exklusive Verfügungsrecht über alle vorhandenen kirchlichen Einrichtungen, wie Kirchengebäude, Schule und Friedhof. In der Folgezeit war die reformierte Gemeinde in Seckbach wegen ihrer geringen Stärke bis 1737 Teil der Pfarrei Bergen. Die Lutheraner waren nach Bornheim eingepfarrt.
Im Dreißigjährigen Krieg zerstörten kaiserliche Truppen im Januar 1635 Seckbach zu zwei Dritteln. Die Einwohner waren im November 1634 hinter die Landwehr nach Bornheim und Frankfurt geflohen und kehrten erst im Frühjahr 1636 zurück. In dieser Zeit der „Ausflucht“ verstarben 129 der Seckbacher Einwohner, vor allem Kinder, Jugendliche und Frauen, etwa ein Drittel der Bevölkerung.
1642 starb Graf Johann Ernst von Hanau-Münzenberg. Damit war die reformierte Linie Hanau-Münzenberg erloschen. Nächster männlicher Verwandter war Graf Friedrich Casimir aus der lutherischen Linie Hanau-Lichtenberg der nun die Grafschaft Hanau-Münzenberg erbte. Dies führte in den nächsten Jahrzehnten dazu, dass sich neben der reformierten Landeskirche in der Grafschaft Hanau-Münzenberg auch eine lutherische Landeskirche etablierte. Sehr zum Missfallen der auch für Seckbach zuständigen reformierten Pfarrer in Bergen wurden lutherische Gottesdienste im Seckbacher Rathaus und unter Nutzung der dortigen Glocke abgehalten.K. Henß: Das Gebiet der Hanauer Union. In: Die Hanauer Union = Festschrift zur Jahrhundertfeier der evangelisch-unierten Kirchengemeinschaft im Konsistorialbezirk Cassel am 28. Mai 1918. Hanau 1918, S. 72. 1672 fanden die Gottesdienste in einem Privathaus statt, von 1673 an stand dafür die herrschaftliche Kelter in der heutigen Wilhelmshöher Straße 158 zur Verfügung, die damals noch ein erstes Obergeschoss besaß, das als Kirchenraum diente. 1709 entstand das erste lutherische Schulgebäude (Wilhelmshöher Straße 135), doch reichten die Anfänge der lutherischen Schule bis in die 1660er Jahre zurück. Der Unterricht fand im Rathaus statt. 1710 wurde die lutherische Marienkirche eingeweiht, am damaligen südlichen Ende des Dorfes in einem Weinberg, den die lutherische Gemeinde von den Schelmen von Bergen erworben hatte.
Seckbach in der Landgrafschaft Hessen-Kassel mini|hochkant|Leopoldsäule, 370 m Luftlinie von der Berger Warte entfernt mini|Blick durch die Zentgrafenstraße zur Marienkirche