Der Graupapagei (Psittacus erithacus; in älterer Literatur und einigen Sprachen auch weiterhin Jako) ist eine Vogelart aus der Familie der Eigentlichen Papageien (Psittacidae). Er ist die einzige Art der Gattung Psittacus. Mit ca. 33 cm Körperlänge und bis zu 450 g Körpergewicht ist er einer der größten Papageien Afrikas.Größenangaben: Lantermann, W. (1999): Papageienkunde. Berlin; Robiller, F. (1997): Papageien Bd. 2. Walsrode; Juniper, T./ Parr, M. (1998): Parrots. London - New Haven
Graupapageien werden auch in Europa häufig in Zoos und Privathaltung gehalten und gezüchtet. Aufgrund ihrer hohen Intelligenz und ihrer Sprachbegabung zählen sie in der Kognitionsforschung zu den bedeutenden Tierarten. Berichte und Forschungen an freilebenden Graupapageien sind dagegen seltener. Sie tauchen auf Bildern europäischer Künstler nach dem erstmaligen Erreichen des afrikanischen Verbreitungsgebietes durch europäische Seefahrer auf.
Unterarten, Verbreitung Beschreibung der Art und Unterarten Heute werden zwei Formen des Graupapageis unterschieden. Zum einen der Kongo-Graupapagei, der durch Linné 1758 als Psittacus erithacus und in Gabun vorkommend beschrieben wurde.Carl von Linné: Systema Naturae. Tomus I. 10. Auflage. Stockholm 1758, S. 99. Zum anderen der 1844 von Fraser nach seinem Fundort im Timneh County, Sierra Leone, als Psittacus timneh beschriebene Timneh-Graupapagei.Fraser (1844), Proceedings of the Zoological Society of London. Band 12, 1844, S. 38 Es bestehen unterschiedliche Auffassungen, ob beide Formen als Arten oder Unterarten zu behandeln sind.Howard & Moore (1994), S. 105, sowie Juniper & Parr (1998), S. 376, behandeln beide Formen als Unterarten. Die Unterscheidung einer dritten Unterart (P. e. princeps)Erstbeschreibung mit Artstatus durch Boyd Alexander (1909) von der Insel Principe: Boyd Alexander: Description of a new species of Grey Parrot (Psittacus princeps) from Princes Island, W. Africa. In: Bulletin of the British Ornithologist's Club. Band 23, 1909, S. 74 (online). von den Inseln Príncipe und Bioko, deren Vertreter größer und dunkler als der Kongo-Graupapagei des Festlands sein sollen, gilt heute als fragwürdig.Juniper & Parr, M. (1998), S. 376. mini|links|Kongo-Graupapagei mini|Timneh-Graupapagei
Graupapageien besitzen ein namensgebendes überwiegend graues Gefieder, das Gesicht ist weiß und um die Augen unbefiedert, das Gefieder am Kopf heller. Die Wachshaut ist weiß, der Schnabel schwarz, die Iris gelb bzw. weißgelb. Weibchen sind wie Männchen gefärbt, oft etwas kleiner. Jungtiere besitzen ein leicht braungraues Gefieder am Rücken und den Flügeln sowie eine abweichende Schwanzfärbung. Die Iris färbt bei ihnen von schwarz über dunkelgrau, grau nach 6–8 Monaten nach weißgelb um.Wolfgang de Grahl (1990): Papageien in Haus und Garten. Stuttgart. S. 124 Die Nominatform hat einen leuchtend hellroten Schwanz. Der Timneh-Graupapagei ist etwas kleiner, seine Schwanzfedern sind schmutzig weinrot, der Oberschnabel ist nicht schwarz, sondern heller bräunlich-rosa und das Gefieder dunkler grau. Je nach Herkunftsgebiet weist der Kongo-Graupapagei Unterschiede in der Körpergröße und in der Färbung auf. So sind Vögel aus Kamerun dunkler grau gefärbt als Vögel aus dem Kongo.
Mutationszucht spielt bei Graupapageien keine Rolle. Bei den sogenannten Königsgraupapageien, die zahlreiche rote Federn am Körper besitzen, und deren Existenz vor allem in seichter Literatur, bei Haltern und Züchtern sowie in Internetforen ein Thema ist, liegt vermutlich eine krankhafte oder ernährungsbedingte Abweichung der Gefiederfärbung vor.https://www.vogelforen.de/archive/index.php/t-17542.html
Verbreitung mini|Verbreitungsgebiet des Graupapageis
Der Graupapagei bewohnt Zentral- und Westafrika und ist in seinem gesamten Areal Standvogel. Die Verbreitung gibt recht genau das Vorkommen tropischer Regenwälder wieder und reicht an den Arealrändern noch etwas in den Bereich der Feuchtsavannen hinein. Der Kongo-Graupapagei ist nordwärts bis Süd-Nigeria, Kamerun und in die Zentralafrikanische Republik verbreitet, nach Osten bis West-Kenia und Nordwest-Tansania. Kernbereiche der Verbreitung sind Gabun, die Republik Kongo sowie der Norden und die zentralen Teile der Demokratischen Republik Kongo. Westliche Arealaußenposten liegen in Süd-Ghana und im Südosten von Côte d'Ivoire sowie als „Príncipe-Graupapagei“ auf den Inseln Bioko (Fernando Poo), São Tomé und Príncipe. Der Timneh-Graupapagei kommt im Südwesten von Côte d'Ivoire, in Sierra Leone, Liberia und im Südosten von Guinea vor.
Lebensraum Der Graupapagei ist ein typischer Baumbewohner. Sein Lebensraum umfasst tropische Regenwälder, Mangroven und Feuchtsavannen. Er hält sich gern im Randbereich der Wälder zur offenen Landschaft hin auf, besucht dort auch Kulturland und Gärten, meidet aber menschliche Siedlungen.
Lebensweise Ernährung mini|links|Leberwurstbaum, Graupapageien fressen an der Rinde und nehmen möglicherweise Baumsaft auf mini|Tamarinde (Frucht) mini|Akeepflaume (Frucht)
Der Graupapagei bevorzugt vegetarische Nahrung wie Früchte (Nüsse, Beeren), Samen, Blüten und Knospen. Er ist als wenig spezialisierter Generalist anzusehen. Die Hauptnahrungsquellen der Papageien sind Früchte und Pflanzenteile, die auf Gehölzen wachsen. Graupapageien sind aufgrund ihres Kletterfußes und des zum Klettern genutzten Schnabels hervorragend an das Leben in Baumwipfeln angepasst.
Zu den von ihnen gefressenen Pflanzen gehören: Elaeis guineensis (Afrikanische Ölpalme), Kigelia pinnata (Leberwurstbaum), Bombax sp., Ceiba sp., Dacryodes sp., Tamarinde Tamarindus indica, Carica papaya (Papaya), Harungana sp., Combretum sp. (bushwillow), Terminalis sp., Macaranga sp., Heisteria sp., Parkia sp., Ficus sp., auch Ficus sykomorus und Ficus sur, Musa sp. (Bananen), Hirse, Zea mays (Mais), Raphia sp., Prunus africana (African Almond), Prunus sp., Akeepflaume Blighia sapida, Cola tragacantha, Celtis sp. (Zürgelbaum).Zusammenstellung der Nahrungspflanzen aus: Juniper, T./ Parr, M. (1998): Parrots. London - New Haven; Reichenow (1902–1903); Fry, H.C. & Keith, S.& Urban, E.K. (1988): Birds of Africa. London Academic Press Die Hauptnahrungspflanzen unterscheiden sich vermutlich regional und saisonal nach dem Angebot, unterschiedliche Beobachter geben unterschiedliche Präferenzen an, was auch schon in der älteren Literatur deutlich wird.Zusammenstellung von Beobachtungen z. B. in Reichenow (1902–1903) Unter den Nahrungspflanzen finden sich auch gebietsfremde Arten wie etwa Bananen oder Mais, was für das Anpassungsvermögen der Graupapageien spricht.
Für eine Teilpopulation der Graupapageien ist die Aufnahme von Erde bzw. Lehm vermutlich zur Mineralaufnahme oder Entgiftung von Nahrung im Verdauungstrakt belegt.
Stimme im Freiland In freier Wildbahn verständigen sich Graupapageien mit Kreischlauten und schrillen Pfiffen. Oft fliegen sie in großer Höhe und kommunizieren untereinander lautstark.
mini|Graupapagei im Flug mini|Porträt eines Kongo-Graupapageis
Tagesablauf und Sozialstruktur Die scheuen Vögel halten sich tagsüber paarweise oder in Kleingruppen auf. In der Dämmerung finden sie sich oftmals zu durchaus größeren Schwärmen zusammen.
Fortpflanzung Graupapageien gehen vermutlich eine lebenslange Paarbindung ein. Sie brüten außerhalb der regenreichsten Jahreszeit. Die Brutsaison wechselt je nach Lage der Regenzeit von Region zu Region. Die Vögel brüten in Baumhöhlen, oft in großen abgestorbenen Bäumen. Die Nesthöhle wird mit Moderholz ausgepolstert. Das Weibchen legt 2–5 Eier und bebrütet sie etwa 4 Wochen lang, während es vom Männchen bewacht und mit Nahrung versorgt wird. Die Jungvögel, um die sich beide Eltern kümmern, brauchen fast 3 Monate, bis sie flügge werden.
mini|Psittacus erithacus Die Reproduktionsleistung eines Paares in Gefangenschaft kann sehr hoch sein. Von 1962 bis 1974 wurden in den USA von einem einzigen Paar mittels Handaufzucht 87 Jungvögel großgezogen.Lantermann: Papageienkunde S. 440 Dies entspricht 7,25 Jungtieren pro Jahr. Die Reproduktionsrate in der freien Natur liegt sicher niedriger.
Natürliche Feinde Zu den natürlichen Feinden zählen Greifvögel, Schutzverhalten wird gegenüber fliegenden Schwarzachseladlern (Cassinaëtus africanus), nicht aber von Palmgeiern (Gypohierax angolensis) ausgelöst, obwohl sie bei erfolgreicher Jagd auf die recht unbeholfen fliegenden Graupapageien beobachtet wurden.Reichenow (1902–1903), S. 4 Auch Habichte jagen Graupapageien.Reichenow (1902–1903), S. 5 Nester werden oft von Affen und Schlangen ausgeraubt.
Gefährdung und Artenschutz Eine besondere Bedrohung sind Fang und Handel. Die IUCN geht davon aus, dass die Bestände im Rückgang begriffen sind. Seit 2016 stuft sie die Art als „gefährdet“ ein. Zu den Ursachen des Rückgangs der Art zählt der Fang für den internationalen Vogelhandel und der zunehmende Habitatverlust.IUCN Red List: Psittacus erithacus 2016 ([ HTML-Datei]); Anastasia Ngenyi: African Grey Parrot Trade in Cameroon. In: PsittaScene. Band 14, Nr. 2, 2002, lfd. Nr. 51, S. 2–3. (PDF-Datei; 2,5 MB) Siehe auch: Handel mit Graupapageien. Übersetzung aus dem Englischen von Franziska Vogel. (MS Word-Datei; 152 kB); Abiodun Raufu (2000): Schmuggler fangen Nigerias bedrohte Graupapageien bis zum Rand der Ausrottung. (); Itayi Viriri (2000): SPCA beschuldigt die Armee Zimbabwes des Papageienschmuggels.
Seit 1981 fällt die Art unter das Washingtoner Artenschutzübereinkommen und ist in Anhang I gelistet (engl. CITES, dt. WA) und seit 1987 ist sie nach europäischem Recht besonders geschützt. Seit 4. Februar 2017 ist sie in Anhang A der Verordnung (EG) Nr. 338/97 (EU-ArtenschutzVO) gelistetRecherche über das WISIA-Portal des deutschen Bundesamtes für Naturschutz und genießt somit in der Europäischen Union den höchsten Schutzstatus. Ohne formelle Genehmigung der zuständigen Behörde ist daher jede Einfuhr in die EU und jede Vermarktung in der EU verbotenArt. 4 Abs. 1 (Einfuhr) und Art. 8 Abs. 1 (Vermarktung) VO (EG) Nr. 338/97; in Deutschland ist das eine Straftat"streng geschützt" nach §7 Abs. 2 Ziff. 14 Bundesnaturschutzgesetz; Straftat nach §71 Abs. 1 Ziff. 3 (Einfuhr) bzw. §71 Abs. 2 (Vermarktung) Bundesnaturschutzgesetz; das gilt für lebende Exemplare ebenso wie für Teile aus Tieren dieser Art oder für Eier.
Haltung mini|Unbekannter Mann und Graupapagei, Gemälde von Francesco Melzi 1525 mini|Porträt des Kardinal Albrecht von Brandenburg als Der heilige Hieronymus im Gehäus mit Graupapagei, Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren 1526 mini|Graupapagei in einem Käfig Jan Steen ca. 1650–75 mini|Graupapageien sind sehr intelligente Vögel. Sie können die menschliche Sprache nachahmen.
Geschichte der Haltung in Europa