mini|Ein Geldautomat von Wincor Nixdorf (heute Diebold Nixdorf) „Cineo 2550“ in Koblenz, 2011
Ein Geldautomat, Geldausgabeautomat (GAA), Bankautomat, Bankomat, Bancomat oder wie im Englischen ATM (automated teller machine) ist ein technisches Gerät zur Bargeldabhebung in Selbstbedienung bei Geld- und Kreditinstituten vom eigenen Giro- oder Kreditkartenkonto (siehe auch Electronic Cash). Mittlerweile kann bei vielen Automaten auch eingezahlt werden, und bei einigen davon ist das auch in Fremdwährungen möglich. Der Geldausgabeautomat war – noch vor dem PC – das erste Computerterminal, das breiten Bevölkerungsschichten weltweit zugänglich war. mini|Schwedischer Geldautomat der Wincor Nixdorf („ProCash 2150“)
Bezeichnung, Abgrenzung und Unterteilungen In Deutschland hat sich der Begriff Geld(ausgabe)automat durchgesetzt. In Österreich ist der Begriff Bankomat gebräuchlich, aber auch die Bezeichnungen Bankautomat und Geldausgabeautomat sind etabliert. In der Schweiz und in Liechtenstein wird der Begriff Bancomat für Automaten, deren Betreiber eine Bank ist, sowie Postomat für Automaten der Post verwendet.
Geldautomaten werden unterteilt in Ausgabeautomaten Geldeinzahlungsautomaten Kombinationsgeräte: beinhalten beide Funktionen (KEGA – kombinierte Ein- und Auszahlungsgeldautomaten), bei der „Cash-Recycling“-Variante (CRS) kann eingezahltes Geld selbst wieder durch den Automaten an Dritte ausgezahlt werden
Eine Unterteilung wird gleichfalls nach standortbedingter Bauform vorgenommen. Weitere Selbstbedienungsterminals im Bankbereich sind Kontoauszugsdrucker zum Drucken von Kontoauszügen und Überweisungsterminals zur Eingabe von Überweisungen. Um das Vorhandensein von Kleingeld auch außerhalb der Banköffnungszeiten zu garantieren, werden gelegentlich Münzwechselautomaten eingesetzt. Im Schalterbereich werden Automatische Kassentresore eingesetzt, die im Gegensatz zum GAA vom Personal der Bank bedient werden.
Die Bezahlmöglichkeit per Karte und einen ähnlichen Aufbau sowie ähnliche Sicherheitsproblematik wie ein Geldautomat besitzen Fahrkartenautomaten und andere Selbstbedienungsautomaten.
Aufbau, Handhabung und Sicherheit mini|Schnitt durch einen Geldautomaten
Bestandteile Hardware Das Kernstück eines „GAA“ ist ein gepanzerter Tresor, der in Deutschland in der Regel vier Geldkassetten enthält, die jeweils 2800 Scheine Euro-Geldnoten aufnehmen können. Der Tresor ist in der Regel fest eingemauert oder auf andere Weise mit dem Boden oder der Wand armiert. Weitergehende Sicherungsmaßnahmen können eine Videoüberwachung und eine Zugangskontrolle durch einen Türöffner sein, denn viele GAA befinden sich in Vorräumen der Geschäftsstellen der Banken, sodass sie auch außerhalb der Schalteröffnungszeiten zugänglich sind. Zunehmend werden Geldautomaten in Gebäuden von Einkaufszentren, in Bahnhöfen oder an anderen öffentlich zugänglichen Orten aufgestellt.
Neben dem Tresor ist der Hauptbestandteil ein herkömmlicher PC mit angeschlossener Spezialperipherie, wobei die Peripheriegeräte in der Regel zur Ausstattung von Geldautomaten gehören: ein Auszahlmodul (bei reinen Geldausgabeautomaten) zum Vereinzeln und Präsentieren von Geldscheinen oder anderen papierbasierten Medien wie Quittungen ein ID-Kartenleser zum Lesen von Debitkarten oder Kreditkarten ein Encrypting PIN Pad (EPP) zur Erfassung und verschlüsselten Verarbeitung der Geheimzahl, weiteren Bedienfunktionen und zur sicheren und verschlüsselten Kommunikation ein Bildschirm zur Ausgabe von Meldungen, zur Funktionsauswahl mit Touchscreen (ersetzt meist Softkeys) und zur Interaktion mit dem Nutzer Softkeys: dies sind unbeschriftete Tasten am Bildschirmrand, deren Funktion am Bildschirm angezeigt wird
mini|Geldautomat mit Quittungsausgabe (NCR) Optional können weitere Einheiten angeschlossen sein: ein Cash-Recycling-Modul ermöglicht das Ein- und Auszahlen von Banknoten ein Münzauszahler wird eingesetzt, um centgenaue Beträge auszahlen zu können ein Münzeinzahlmodul zur Einzahlung von Münzen ein Quittungdrucker, über den der Kunde einen Beleg über seine Transaktion erhält ein Touchscreen kann den klassischen Bildschirm und die Softkeys ersetzen.
mini|hochkant|Geldautomat als Multifunktionsgerät (NCR) Als Erweiterung in Richtung Multifunktionsgerät gibt es Journaldrucker. integrierte Kontoauszugdrucker. alphanumerische Tastaturen zur Eingabe von Text, z. B. für Überweisungsaufträge. Vorrichtungen zur Scheck-Einzahlung. Einwurfmöglichkeiten zum Einwurf und Lagerung von Briefumschlägen Verarbeitungseinheiten von Sparbüchern. Barcode-Scanner.
mini|Geldautomat ProCash 2050 (Wincor-Nixdorf)
Geldautomaten sind häufig mit zahlreichen Sensoren versehen, die verschiedene Aktivitäten erkennen Bewegungen: falls der GAA unautorisiert bewegt wird, werden entsprechende Sicherheitsprotokolle ausgelöst Fremdkörper: in Eingabefächern werden metallene Fremdkörper wie Münzen, Büroklammern oder ähnliches erkannt und der Kunde aufgefordert, den Fremdkörper aus dem Fach zu entfernen, bevor der Geldscheineinzug weiterläuft.Vom Geldautomat zum Cash-Center. Gasdetektion: GPU-Einheiten können einströmendes Gas erkennen oder sogar neutralisieren.
Die Leistungsaufnahme eines Geldautomaten (mit Röhrenbildschirm) beträgt 120–150 Watt, mit TFT-Bildschirm 100–120 Watt.
Software Die Softwareausstattung besteht aus einem üblichen Betriebssystem wie beispielsweise Windows XP, Gerätetreibern, einer Kommunikationsschicht (z. B. CEN/XFS oder J/XFS) und einer Anwendung, die den Geldautomaten steuert und die Kommunikation mit der Gegenstelle (Server/Host) organisiert.
Frühe Geldautomaten wurden hardwarenah durch einen Großrechner gesteuert. Heutzutage sind neben einem Standard-PC auch PC-typische Betriebssysteme im Einsatz. Im Jahr 2007 waren früh eingesetzte Betriebssysteme wie MS-DOS und OS/2 bei Geldautomaten bereits selten anzutreffen, während Microsoft Windows den Markt bei Geldautomaten zu dominieren begann. Linux-basierte Systeme sind zurzeit nur in wenigen lokalen Märkten wie Brasilien anzutreffen.
mini|GAA in der Vatikanstadt mit lateinischem Menü
Barrierefreiheit Viele Automaten verfügen mittlerweile über eine Sprachauswahl, damit der Kunde die Sprache auswählen kann, die der GAA auf dem Bildschirm anzeigt. Für den barrierefreien Zugang verfügen einige GAA über größere Tasten und Displays sowie über einen Kopfhöreranschluss oder Lautsprecher zur Sprachausgabe, um Menschen mit einer Sehbehinderung die Bedienung zu erleichtern oder überhaupt erst möglich zu machen.
2003 stellte Wincor Nixdorf den ersten blindengerechten GAA in Deutschland vor, der in Serie ging. Prototypen waren in Gelsenkirchen und Gütersloh im Einsatz.Serienproduktion von Deutschlands erstem blindengerechten Geldautomaten angelaufen – Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband beriet bei Entwicklung. netzwerk-artikel-3.de; abgerufen am 13. August 2013.
Einige GAA wurden für Rollstuhlfahrer oder kleine Menschen optimiert: Zugänge zu Bankautomaten wurden mit Rampen versehen, um Treppen umgehen zu können. Bei einigen Automaten wurde die Greifhöhe abgesenkt; Tastatur und Ein/Ausgabe-Schächte befinden sich in einem geringeren Abstand zum Boden als bei Standardgeräten.
Insbesondere in den USA, Kanada und einigen Golfstaaten gibt es auch Bankautomaten, die aus dem Auto heraus bedient werden können.
mini|Mobiler Geldautomat
Standorte Geldautomaten waren ursprünglich in Bankfilialen installiert, aber mit der Netzanbindung kamen andere Standorte hinzu. Besonders verbreitet sind Geldautomaten in Tankstellen, Einkaufszentren, Supermärkten, Bahnhöfen und Flughäfen. mini|hochkant|"Cashcorner": frei stehender ATM/GAA in Wigoltingen Die mobile Installation ist möglich. Geldautomaten gehören auf großen Kreuzfahrtschiffen und Fährschiffen zum Standard. Große US-amerikanische Kriegsschiffe der US Navy haben ebenfalls Geldautomaten an Bord.. Fms.treas.gov. Abgerufen am 8. Februar 2013. (englisch). Mobile Bankfilialen – vor allem in ländlichen Regionen eingesetzt – führen einen Geldautomaten mit sich.
In einigen Ländern ist eine Installation in privaten Haushalten möglich. Der US-amerikanische Basketballspieler DeShawn Stevenson hat sich 2012 einen Geldautomaten in seiner Küche installieren lassen.NBA-Spieler stellt in eigener Küche Geldautomat auf. auf german.ruvr.ru vom 1. Juni 2012; abgerufen am 18. August 2013.Bild des GAA in der Küche von DeShawn Stevenson, incl. desselben. Abgerufen am 18. August 2013.
Als der am nördlichsten aufgestellte Automat gilt ein GAA in Longyearbyen auf Spitzbergen in Norwegen. Der südlichste ist in der McMurdo Station in der Antarktis installiert.antarcticsun.usap.gov (PDF; 70 kB)Interview mit dem Vizepräsidenten ATM banking division von Wells Fargo Der höchste verbaute GAA befindet sich auf einer Höhe von rund 4500 Metern über dem Meeresspiegel in der Provinz Nagchu in Tibet und wird von der Agricultural Bank of China betrieben. Der niedrigste GAA befindet sich mit 421 Metern unter dem Meeresspiegel am Toten Meer in En Bokek in Israel und wurde in einem Supermarkt aufgestellt.
mini|hochkant|Through-the-Wall ATM in Großbritannien: Peebles Post Office
Der Ort der Aufstellung hat Auswirkungen auf die Bauform und Sicherheitsaspekte, die bei der Installation berücksichtigt werden müssen. In Anlehnung an die englische Bezeichnungen ATM (siehe #Bezeichnung, Abgrenzung und Unterteilungen) werden Geldautomaten unterteilt in:
Lobby-ATMs (in Österreich Foyer-Geldausgabeautomaten) im Inneren einer Bank, also beim Betreiber selbst, aufgestellte Geldautomaten. Diese Geräte stehen in der Regel in einem Verbund mit anderen Selbstbedienungsgeräten und können innerhalb des Gesamtsicherheitssystems der Bank mitgeschützt werden. Häufig sind sie schon barrierefrei installiert oder stehen in einer Gruppe von mehreren Automaten, wobei zumindest ein Gerät speziell gerüstet ist. Sollen sie 24 Stunden zugänglich sein, müssen entsprechende Zugangsmöglichkeiten geschaffen und geeignete Aufstellungsorte gewählt werden. Through-the-Wall ATMs Geldautomaten, die „durch die Wand“, also in einem Loch der Außenwand oder Fensterfront, eingebaut sind. Zumindest die Straßenseite muss witterungsunempfindlich sein. Die Geldautomaten werden in der Regel innerhalb der Bank von hinten bestückt, was Auswirkungen auf die Bauform hat; dafür benötigt der Kunde außerhalb der Öffnungszeiten keinen Zugang zum Bankgebäude selbst. Outdoor-ATMs im Freien oder im offenen Eingangsbereich von Bahnhöfen o. ä. Gebäuden aufgestellte Geräte. Diese Geräte müssen als Gesamtsystem besonders witterungsunempfindlich und robust sein. Außerdem ist für die Bestückung ein Geldtransport nötig, weshalb die Befüllung häufig durch Anbieter dieser Branche vorgenommen wird. Off-Premises ATMs Standorte außerhalb der Bank in anderen Gebäuden, insbesondere Supermärkten. Häufig besteht auf Grund mangelnder Aufstellfläche die Notwendigkeit, sehr kompakte Geräte einzusetzen. Drive-through ATMs Geldautomaten, die aus einem Kfz heraus bedient werden können.
Handhabung Bedienung mini|Tastenfeld eines EPP von NCR zur sicheren Eingabe der Geheimzahl
Nahezu jeder Bankkunde kann mit seiner Debit- oder Kreditkarte bargeldlos über ein Kartenlesegerät (Schnittstelle zum Kreditinstitut oder zum Bankautomat) seine Einkäufe bezahlen und über Geldausgabeautomaten in vielen Ländern der Welt Bargeld beziehen. Zur Geldabhebung steckt der Kunde seine Karte in das Kartenlesegerät des Automaten und gibt seine (nur ihm bekannte) Geheimzahl (PIN) ein.
Der Bargeldbezug an Geldausgabeautomaten verläuft typischerweise wie folgt: Die Karte (EC-Karte, Debit- oder Kreditkarte) wird eingeschoben. Die Option „Bargeldabhebung“ wird gewählt (andere Menüpunkte sind unterschiedlich nach Modell, Land und Region – siehe #Weitere Funktionen). Der Betrag wird gewählt und bestätigt. (Bei einigen Automaten kann die Stückelung gewählt werden.)