mini|Bargeld verschiedener Währungen Bargeld ist Geld in physischer (körperlicher) Form als Banknoten und Münzen, das im Zahlungsverkehr als gesetzliches Zahlungsmittel für die Bezahlung von Gütern oder Dienstleistungen oder für sonstige Transaktionen (beispielsweise Schenkungen) dient. Der jeweilige Vorrat wird als Barschaft bezeichnet.

Allgemeines Bargeld ist in den meisten Staaten ein gesetzliches Zahlungsmittel. Es wird von den Zentralbanken der Staaten oder Staatengemeinschaften mit eigener Währung geschaffen und über Geschäftsbanken in Umlauf gebracht. Im Gegensatz zu Buchgeld kann der Fluss des Bargeldes nicht im Detail beobachtet und kontrolliert werden. Das ist der Grund, warum kriminelle Transaktionen wie Geldwäsche, Schwarzarbeit oder sonstige Schattenwirtschaft häufig mit Bargeld abgegolten werden, weil der jeweilige Inhaber von Bargeld nicht zurückverfolgt werden kann und Belege wie Rechnungen oder Quittungen üblicherweise nicht oder falsch ausgestellt werden. Andererseits bietet Bargeld dem Konsumenten eine Möglichkeit, die Vertraulichkeit seines Kaufverhaltens selbst durchzusetzen, ohne auf Datenschutzzusagen elektronischer Zahlungsdienstleister angewiesen zu sein. Im Gegensatz zu elektronischen Zahlungsformen ermöglicht Bargeld Zahlungsvorgänge auch bei einem Zusammenbruch der Elektrizitätsversorgung. Die Hortungsmöglichkeit von Bargeld erschwert der Politik und der Finanzwirtschaft die Durchsetzung eines Negativzinses,Warum das Bargeld wirklich abgeschafft werden sollte. In: Focus online, 1. Juni 2015. Abgerufen am 19. April 2017. macht ihn aber nicht unmöglich.

Seit dem 1. April 2023 ist es in Deutschland gemäß § 16a des Geldwäschegesetzes untersagt, Immobilienkäufe mit Bargeld zu bewirken.§ 16a Abs. 1 GwG: Verbot der Barzahlung beim Immobilienkauf, wolterskluwercom vom 16. August 2024.

Geschichte

Der Tauschhandel ist eine sehr frühe Form des Handels. In seiner einfachsten Form werden zwei Güter direkt gegeneinander getauscht (Realtausch). Bestimmte Güter wie Getreide, Vieh, Muscheln, Silber oder Gold erwiesen sich dabei als besondere Güter. Sie waren allgemein geschätzt, in beschränkter, aber nicht zu geringer Menge vorhanden und nicht verderblich. Diese Güter konnten daher nicht nur einmal gegen ein anderes unmittelbar gewünschtes Gut eingetauscht werden. Sie konnten auch als „Zwischentauschmittel“ angenommen werden, um sie später gegen die eigentlich gewünschten Güter einzutauschen. Diesen Gütern kam damit eine erste Geldfunktion als allgemeine Tauschmittel zu. Die ersten als Tauschmittel eingesetzten Güter waren Warengeld, das entweder aus Naturgegenständen (Naturalgeld), Schmuckstücken (Schmuckgeld) oder allgemeinen Gebrauchs- und Nutzgegenständen sowie Nutztieren bestand.

Bereits 1024 war in China während der Song-Dynastie das Papiergeld erfunden worden.Daniel R. Headrick, Technology: A World History, 2009, Oxford University Press, S. 85 ff., ISBN 978-0-19-988759-0. Im europäischen Mittelalter kam Gewichtsgeld zum Einsatz. Hierbei wurden Edelmetalle – insbesondere Münzen aus Silber und anderen Metallen – nicht nach Anzahl oder Nennwert getauscht, sondern nach Wägewert. Es wurden zerteilte Barren, Schmuckstücke oder auswärtige Münzen eingesetzt. Käufer und Verkäufer bestimmten das maßgebliche Gewicht durch Doppelwägung.Gerald Görmer, Geldwirtschaft und Silbervergrabungen während des 9. bis 13. Jahrhunderts im Ostseeraum, in: Geldgeschichtliche Nachrichten, Band 41, 2006, , S. 165–167. Im Jahre 1483 wurde erstmals in Spanien für die knappen Metallmünzen Papiergeld herausgegeben, es folgten am 16. Juli 1661 Schweden und 1694 England. Hier waren es die Notenbanken, die zur Ausgabe von Papiergeld berechtigt waren.Michael Brueckner, Von Bullen, Mäusen und Moneten, 2012, o. S. Daher ist der Begriff Notenbank auf ihr Ausgabeprivileg von Banknoten zurückzuführen.

In Europa kamen als Vorläufer der heutigen Banknoten Bancozettel und Kassenanweisungen in Umlauf. Banknoten wurden zunächst nicht als Bargeld angesehen, sondern waren Auszahlungsansprüche gegen Bankiers. Die Banknoten bestimmten daher, welche Münzen in Kurantgeld im Tausch gegen die Banknote auszuzahlen seien. Die Gründung des Banco di gyro d’affrancatione am 2. März 1705 in Köln durch Kurfürst Johann Wilhelm II. diente der Ausgabe solcher Bancozettel, durch die der prunkliebende Kurfürst seine Geldprobleme zu beseitigen versuchte.Peter Fuchs (Hrsg.): Chronik zur Geschichte der Stadt Köln, Band 2, 1991, S. 90. Formal waren die Bancozettel verzinslich, befristet und konnten mittels Indossament (eben Giro) übertragen werden. Nach Deutschland folgten 1716 Frankreich und ab dem 1. Juli 1762 Österreich, wo sie ebenfalls Bancozettel hießen.

Motive der Bargeldhaltung

In der Wirtschaftstheorie (nach J. M. Keynes) wird die Kassenhaltung von Bargeld (insbesondere von Sichteinlagen) grob auf drei Motive zurückgeführt: Transaktionsmotiv () Vorsichtsmotiv () Spekulationsmotiv () Das Transaktionsmotiv deckt den Bedarf für Geschäfte der Wirtschaftssubjekte, das Vorsichtsmotiv dient der Geldhaltung für Liquiditätszwecke und Vorsorge für Krisensituationen, und das Spekulationsmotiv ergibt sich Keynes zufolge aus der Ungewissheit über die künftige Zinsentwicklung und betrifft die Geldanlage.

Über diese rein volkswirtschaftliche Bedeutung hinaus gibt es weitere wichtige Aspekte der Bargeldnutzung und somit auch Aspekte gegen die Ideologie einer teilweise angestrebten Bargeldabschaffung zu argumentieren: Anonymität des Bezahlvorgangs (ohne Preisgabe persönlicher Daten) Unabhängigkeit von technischen Problem wie bspw. Stromausfall oder EDV- oder Computerproblemen. Den Ausschluss von Randgruppen (Obdachlose, Menschen ohne Bankkonten, Menschen auf der Flucht, Behinderte etc.) Vertrauen in die Zentralbank (Kontrolle und Offenlegung der Geldschöpfung) Aktivierung eines Belohnungszentrum im Hirn (Vorfreude ein ganz bestimmtes Ziel zu erreichen) Ausgabekontrolle (unmittelbares physisches Bezahlen) Tradition (haptisches Erleben, z. B. Geldspende; langfristig erfahrene Zuverlässigkeit der Werterhaltung) Inklusion (gleichberechtigte Teilhabe am Wirtschaftsleben für alle) Identifikation (Symbolcharakter, Solidarität und Gruppenzugehörigkeit) pädagogisches Werkzeug für Kinder (gegenständlicher Umgang mit Guthaben und Ausgaben) Bezahlung eines Trinkgelds als unmittelbare Anerkennung für guten Service Evangelikale Christen, die sich auf die Offenbarung des Johannes beziehen, lehnen die vollständige Abschaffung des Bargeldes ab. Die Prophezeiung lautet: Wer das Malzeichen nicht hat oder den Namen des Tieres oder seine Zahl, wird nicht mehr kaufen oder verkaufen können. (Offb 13,17)

In der Praxis liegt oft eine Kombination solcher Motive vor, wobei zum Vorsichtsmotiv die Werterhaltung und das anonyme Bezahlen ausschlaggebend sein können.Katharina Fontana: Für die Bürger wird es gefährlich, wenn es kein Bargeld mehr gibt. Interview mit Beat Kappeler (Ökonom). In: Neue Zürcher Zeitung, 4. April 2023. Abgerufen am 12. April 2023. Aufgrund seiner einzigartigen Eigenschaften gibt es keinen perfekten Ersatz für Bargeld. Demonetisierung oder Kapitalverkehrskontrollen können die Wirtschaft destabilisieren, wenn elektronische Zahlungsmittel nicht sofort verfügbar sind (wie z. B. Indien 2016).

Auf Initiative der Deutschen Bundesbank wurde im Februar 2024 in Berlin das Nationale Bargeldforum gegründet.

Kosten der Bezahlvorgänge Eine Analyse der Deutschen Bundesbank und des EHI Retail Institute für den Zeitraum 2017/2018 ergab, dass eine Bargeldzahlung im Einzelhandel durchschnittliche Kosten von 0,24 € verursacht, davon ca. 50 % für die Kassierzeit, 35 % für den Kassenhintergrund (Nachzählen etc.) und 15 % für Entsorgungs- und Wechselgeldkosten. Zahlungen mit Girocard kosteten ca. 0,33 € (oder häufig 0,3 bis 0,4 % des Umsatzes zzgl. einer Transaktionsgebühr), davon ca. 50 % für die Kassierzeit (PIN-Eingabe oder Unterschrift) und ca. 50 % für die Transaktions- und Terminalkosten. Zahlungen mit Kreditkarte kosteten ca. 0,97 bis 1,04 €, wovon ca. 75 % auf die Transaktionskosten und Gebühren des Kreditkartenunternehmens entfallen. Dies ist der Grund, warum der Einzelhandel häufig Kartenzahlungen unterhalb eines Mindestbetrags nicht annimmt. Hinzu kommen je nach Kontomodell Buchungskosten für den Kontoinhaber mit durchschnittlich weiteren 0,35 € für jede Buchung. Wegen dieser bequemen Einnahmequelle favorisieren Geschäftsbanken und Kreditkartenfirmen die bargeldlose Zahlung, während der Einzelhandel, der die Bezahlkosten meist pauschal im Verkaufspreis einkalkuliert, zumindest für kleinere Beträge Bargeld vorzieht und Kreditkarten oft nicht akzeptiert.

Eine Studie der Deutschen Bundesbank zu den Kosten im Einzelhandel ergab für 2024, dass Bargeld bei einem Medianwert des Umsatzes von 26 € (Mittelwert bei 70 €) durchschnittlich Kosten in Höhe von 0,43 € pro Transaktion verursacht und damit je Zahlungsvorgang am günstigsten ist. Bei der Girocard (Debitkarte) betragen die durchschnittlichen Kosten 0,60 € pro Transaktion und sind mit durchschnittlich 1 % des Umsatzes das effizienteste Verfahren im Verhältnis zum (typischerweise höheren) Umsatz (Mittelwert von 85 €). Internationale Debit- und Kreditkarten, also insbesondere Mastercard und Visa, belasten den Handel vor allem durch höhere Gebühren. Die durchschnittliche Bezahlung dauert bei Bargeld und kontaktlosen Kartenzahlungen rund 18 s, während Zahlungen mit Smartwatch oder Smartphone 14,0 s und Kartenzahlungen mit Einstecken 25,7 s benötigen.

Beim bargeldlosen Zahlungsverkehr findet neben der Dokumentation der Zahlung selbst in der Regel auch eine Verknüpfung der Personalien des Zahlenden mit den Daten des Zahlungsempfängers nach dem Prinzip Know your customer (KYC) statt. Dies ermöglicht eine genaue Nachvollziehbarkeit des Zahlungsvorgangs für den Zahlenden und den Zahlungsempfänger. Die stetige Zunahme der Digitalisierung führt zu einer detaillierteren Erfassung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs und deren Auswertung für Werbeaktionen. Da diese digitale Dokumentation in der Regel zentralisierter abläuft als vorher, steigt das Missbrauchspotential. Hingegen ist die eigentliche Geldfunktion des Bargelds anonym, sofern nicht mit Hilfe von Kundenkarten Einkaufsprofile erfasst werden.

Bargeldumlauf Der Bargeldumlauf ist mikroökonomisch Teil des gesamten Zentralbankgeldbestandes einer Volkswirtschaft und setzt sich aus den in Umlauf befindlichen Banknoten und Münzen zusammen. Höhe und Zeitpunkt des Bargeldumlaufs hängen von der Verkehrssitte, dem Zahlungsverhalten, dem Vertrauen in das Bankensystem und der Zahlungstechnik des Nichtbankensektors ab,Jürgen Becker: Die kontinuierliche Liquiditätsversorgung des Bankensystems. Duncker & Humblot, Berlin 1969, S. 25 (). können jedoch durch die Zentralbank nicht beeinflusst werden. Die Bargeldversorgung wird durch die Kreditinstitute sichergestellt, die das Bargeld bei der Zentralbank zu Lasten ihrer Zentralbankguthaben beschaffen und die Bargeldauszahlungen und -einzahlungen über (teilweise recyclingfähige) Geldautomaten und Bankschalter übernehmen. Zunehmend ist auch die Bargeldabhebung bis zu einem Betrag von 200 Euro im Cashback-Verfahren bei Einkäufen im Einzelhandel möglich.

Bargeldanforderungen der Banken sind aus Bilanzsicht einer Zentralbank somit ein Passivtausch (geringere Sichteinlagen von Kreditinstituten, dafür mehr Banknoten in Umlauf). Jede Veränderung des Bargeldumlaufs führt somit zu direkten Liquiditätsveränderungen im Bankensektor. Der Bargeldumlauf ist von starken saisonalen Schwankungen geprägt. Lohn- und Gehaltszahlungstermine (am Monatsende), Festtage (vor allem Weihnachten und Ostern) sowie Wochenendeinkäufe führen zu statistisch wahrnehmbaren Erhöhungen des Bargeldumlaufs.