Cham [] ist eine politische Gemeinde des Kantons Zug in der Schweiz. Sie gehört zur Region Ennetsee.
Geographie Cham liegt am Nordufer des Zugersees beim Seeabfluss der Lorze in einer von flachen Gletschermoränen gestalteten Hügellandschaft östlich der Reussebene.
Neben dem Dorfzentrum liegen im Gemeindegebiet noch die Ortschaften und Weiler Lindencham, Friesencham, Rumentikon, Hagendorn, Bibersee, Niederwil, Oberwil, Hatwil, Islikon, Wannhäusern, Enikon und die Frauenklöster Frauenthal in Hagendorn und Heiligkreuz in Cham.
Die Nachbargemeinden Chams sind die Zuger Gemeinden Hünenberg ZG, Zug und Steinhausen ZG sowie Knonau und Maschwanden im Kanton Zürich. Cham ist Teil der Wirtschaftsregion ZugWest.
Geschichte
Chams Siedlungsgeschichte reicht weit zurück Auf dem Gemeindegebiet von Cham lässt sich eine Besiedlung durch Menschen belegen, die etwa 9000 Jahre zurückreicht.
Funde aus der Mittelsteinzeit in der Städtler Allmend und im Grindel beweisen, dass sich im Gebiet des heutigen Cham Menschen aufgehalten haben, bevor sie nördlich der Alpen sesshaft wurden.
Am nordwestlichen Zugerseeufer sind zahlreiche jungsteinzeitliche Siedlungen bezeugt, so die Plätze Bachgraben und St. Andreas (Pfyner und Horgener Kultur, Schnurkeramik). 1996 wurden im Seeufergebiet vor Cham-Eslen eine Siedlung der Egolzwiler oder frühen Cortaillodkultur und ein Einbaum entdeckt, die über 6000 Jahre alt sind.
Funde im Weiler Oberwil zeugen von mittel- und spätbronzezeitlichen Siedlungen, der Ortsname Cham (= Dorf), wie im Absatz Ortsname dargelegt, von einer bedeutenden keltischen Siedlung.
Westlich von Hagendorn wurde Mitte des 20. Jh. eine einzigartige, mit mehreren Wasserrädern ausgestattete römische Mühle aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. freigelegt, in deren Nähe ein noch nicht lokalisierter Gutshof vermutet wird. Ein römischer Gutshof lag auch bei Heiligkreuz in Lindencham.Renato Morosoli: "Cham", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 16.02.2005. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000788/2005-02-16/, konsultiert am 2. Juni 2023.
Vom regionalen Zentrum zur zugerischen Vogtei Die alemannische Besiedlung lässt sich durch die Schenkungsurkunde von 858, als König Ludwig der Deutsche den Königshof Cham dem Zürcher Fraumünster überschrieb, und durch Flurnamen mit den Endungen -iken/-ikon belegen, z. B. Enikon, Rumentikon, die auf eine alemannische Besiedlung im 7./8. Jahrhundert hinweisen.Dittli, Beat, Zuger Ortsnamen. Lexikon der Siedlungs-, Flur- und Gewässernamen im Kanton Zug. Lokalisierung, Deutung, Geschichten, Zug 2007, Bd. 1, S. 97, Bd. 4, S. 119.
Der Hof Cham war lange Zeit das unbestrittene Zentrum der Region, er muss weite Teile des späteren Kantons Zug sowie angrenzende Gebiete umfasst haben, wurde aber aufgeteilt, wie die Grundherrschaften der Klöster Muri 1064, Engelberg 1124, Einsiedeln 1217/1222, Kappel und Frauenthal im 13. Jahrhundert sowie der Spitäler von Zürich und Luzern im späten 14. Jahrhundert zeigen. Dem Zürcher Fraumünster verblieb neben Streubesitz das Patronat der Pfarrkirche, das jedoch 1244 dem Bischof von Konstanz abgetreten und von diesem 1271 an das Zürcher Grossmünster übergeben wurde. Der Pfarrbezirk umfasste in etwa das Gebiet der heutigen Gemeinden Cham und Hünenberg.Renato Morosoli: "Cham", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 16.02.2005. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000788/2005-02-16/, konsultiert am 2. Juni 2023.
Seit dem 13. Jahrhundert sind weltliche Grundherren nachgewiesen. Die Adeligen von Hünenberg besassen 1283 als ein Zentrum ihrer Herrschaft die Grund- und Gerichtsherrschaft von St. Andreas. Mitte des 14. Jahrhunderts versuchten sie, ihre wirtschaftliche und politische Stellung durch die Gründung einer Konkurrenzstadt zu Zug zu stärken. 1360 erhielt der vorteilhaft am Weg zwischen Zürich und Luzern liegende und mit einem alten Fährrecht ausgestattete Hof das Marktrecht und das Recht zur Bürgeraufnahme.Renato Morosoli: "Cham", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 16.02.2005. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000788/2005-02-16/, konsultiert am 2. Juni 2023. 1366 übernahmen die Habsburger, welche 1364 die Stadt Zug an die Eidgenossen verloren hatten, die Lehenshoheit und lösten 1370 die Hünenberger aus, welche in finanzielle Schwierigkeiten geraten waren.Glauser, Thomas, Der Adlige, der Söldner, die Wohltäterin. St. Andreas und seine Besitzer, in: Zug erkunden. Bildessays und historische Beiträge zu 16 Zuger Schauplätzen, Zug 2002, S. 64–87
Im Vorfeld des Sempacherkriegs eroberten die Zuger und Schwyzer 1385 das habsburgische Städtchen St. Andreas. Die Stadt Zug machte Cham in der Folge zu einem Untertanengebiet. Es dauerte aber bis in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts, bis Zug die Rechte und den Besitz von Cham und St. Andreas vollständig sichern konnte.Glauser, Thomas, Der Adlige, der Söldner, die Wohltäterin. St. Andreas und seine Besitzer, in: Zug Erkunden – Bildessays und historische Beiträge zu 16 Zuger Schauplätzen, Jubiläumsband Zug 650 eidgenössisch, Zug 2002, S. 78
Die Benutzung des Handelsweges, der unter Umgehung von Sust und Zoll der Stadt Zug über Cham führte, wurde 1491 durch ein eidgenössisches Schiedsgericht gesperrt. Fortan mussten Handelsreisende den Weg durch die Stadt Zug benutzen.Renato Morosoli: "Cham", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 16.02.2005. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000788/2005-02-16/, konsultiert am 2. Juni 2023.
Wirtschaftlich dominierte in Cham neben der Fischerei der Getreidebau. Im wirtschaftlichen Bereich konnten sich die Vogtleute selbst verwalten, soweit sie nicht städtischen Interessen zuwiderhandelten. Die Stadt Zug wachte z. B. streng darüber, dass die Chamer Untertanen ihre Waren nur über den Zuger Markt verkauften.Hoppe, Peter, Märkte unter freiem Himmel. Funktion, Häufigkeit und wirtschaftliche Bedeutung der öffentlichen Märkte in Zug, in: Zug erkunden. Bildessays und historische Beiträge zu 16 Zuger Schauplätzen, Zug 2002, S. 99f. Die Chamer Untertanen mussten am sogenannten Schwörtag dem stadtzugerischen Vogt mit erhobenen Schwurfingern unverbrüchliche Treue gegen die Stadtzuger Landesregierung und ihre Beamten zusichern.Gruber, Eugen et al., Geschichte von Cham, Bd. 1, Cham 1958, S. 252
Als Ende Januar 1798 französische Truppen in die alte Eidgenossenschaft einmarschierten, gab die Stadt ihre Herrschaftsrechte in Cham auf, sie behielt aber bis zu deren Loskauf 1807/1816 ihre Grundzinsen und Zehnten und bis 1872 das Patronatsrecht.
Chams schnelle Entwicklung als eigenständige Gemeinde Am 21. November 1798 tagte der Gemeinderat der «Provisorische[n] Municipalitet der Gemeinde Zu Chamm» zum ersten Mal. Damit wurde Cham zu einer gleichberechtigten Zuger Gemeinde.Fähndrich, Thomas, Jakob Anton Suter (1764–1822). Ein akademisch gebildeter Arzt auf der Höhe seiner Zeit und doch zwischen zwei Zeiten, in: Tugium 38, 2022, S. 153–162, S. 157
Mit der Industrialisierung setzte eine schnelle, anhaltende Entwicklung ein. Entscheidend für die gewerbliche und industrielle Entwicklung von Cham war schon immer die Lorze gewesen. Bereits 1279 sind am Fluss Mühlen nachgewiesen. 1657 erstellten zwei Stadtzuger Bürger eine Papiermühle. In den 1840er-Jahren ging dort die erste Papiermaschine in Betrieb. Ab 1881 produzierte die Chamer Fabrik, inzwischen im Besitz der aus Zürich stammenden Familie Vogel, als erste in der Schweiz Zellstoffpapier. Im 20. Jahrhundert wurde die Papierfabrik Cham AG zum grössten Betrieb in Cham.Renato Morosoli: "Cham", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 16.02.2005. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000788/2005-02-16/, konsultiert am 2. Juni 2023. 2015 wurde der Betrieb eingestellt.
Im Mai 1864 wurde die Bahnlinie Zürich-Luzern eröffnet, ein Meilenstein für Chams weitere Entwicklung. 1866 gründete die amerikanische Familie Page in Cham die Anglo-Swiss Condensed Milk Company, die zuerst Kondensmilch, später auch andere Milchprodukte herstellte. Das global tätige Unternehmen wuchs rasch und war im 19. Jh. der grösste Betrieb der Gemeinde. Nach dem Ersten Weltkrieg geriet der inzwischen mit der Firma Nestlé in Vevey fusionierte Betrieb in die Krise und stellte nach einem schrittweisen Abbau 1932 die Produktion in Cham ein. Cham ist aber bis heute neben Vevey Firmensitz von Nestlé.Renato Morosoli: "Cham", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 16.02.2005. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000788/2005-02-16/, konsultiert am 2. Juni 2023.
Zwischen 1850 und 1880 verdoppelte sich die Einwohnerzahl. 1905 zählten nur noch ein Drittel der Arbeitsplätze zum Primärsektor, mehr als die Hälfte zu Industrie und Gewerbe. Wegen Standortvorteilen wie niedrigen Steuern und wegen der guten Verkehrslage, Cham wurde 1979 an die Autobahn angeschlossen, wuchs in den letzten Jahrzehnten vor allem der Dienstleistungssektor, zu dem 2001 gut 80 % der Betriebe und 58 % der Arbeitsplätze zählten.Renato Morosoli: "Cham", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 16.02.2005. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000788/2005-02-16/, konsultiert am 2. Juni 2023.
Mit der Wirtschaft wuchs die Bevölkerung. 1990 ist Cham statistisch zur dritten Stadt im Kanton Zug geworden. Damit verbunden ist eine starke bauliche Entwicklung des Dorfs Cham und der entlang der Lorze liegenden Siedlungen. Raumplanungsziel war die Bewahrung des Charakters einer industriell geprägten Siedlung, die Bildung eines Dorfzentrums und die Erhaltung der Parklandschaft am See. Für diese Bemühungen erhielt Cham 1991 den Wakkerpreis.Renato Morosoli: "Cham", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 16.02.2005. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/000788/2005-02-16/, konsultiert am 2. Juni 2023.
2004 folgte die Verleihung des European Energy Award Gold, also des Gold-Energielabels. Cham war damals die vierte Gemeinde der Schweiz, die eine solche Auszeichnung erhalten hat.
Ortsname Cham gehört zu den ältesten Siedlungsnamen im Kanton Zug. Er geht auf keltisch *kāmā <Dorf> zurück. Durch die hochdeutsche k-Verschiebung im 7./8. Jh. wurde aus *kāmā > Chama. Die einwandernden Alemannen müssen den Namen vor 750 n. Chr. in ihre Sprache übernommen haben.
Dass Cham ein keltischer, über 2000 Jahre alter Name ist, wird durch archäologische Funde gestützt. Das Zugerseeufer bei Cham ist seit über 6000 Jahren besiedelt, Funde aus römischer Zeit belegen, dass das Gebiet von Cham auch in römischer Zeit besiedelt war.Dittli, Beat, Zuger Ortsnamen. Lexikon der Siedlungs-, Flur- und Gewässernamen im Kanton Zug. Lokalisierung, Deutung, Geschichten, Zug 2007, Bd. 1, S. 357f.
Der Name Cham ist 858 erstmals schriftlich bezeugt. Im ältesten Schriftstück aus dem heutigen Kanton Zug schenkte König Ludwig der Deutsche damals seinen nicht näher umschriebenen Hof Cham dem Zürcher Fraumünster.Glauser, Thomas, Der Adlige, der Söldner, die Wohltäterin. St. Andreas und seine Besitzer, in: Zug erkunden. Bildessays und historische Beiträge zu 16 Zuger Schauplätzen, Zug 2002, S. 64–87
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Cham besteht aus fünf Mitgliedern. Er setzt sich seit den Wahlen im Oktober 2022 wie folgt zusammen:
Georges Helfenstein (Die Mitte): Gemeindepräsident; Planung und Hochbau Drin Alaj (SP): Verkehr und Sicherheit Christine Blättler-Müller (Die Mitte): Soziales und Gesundheit; Vizepräsidentin Arno Grüter (FDP): Finanzen und Verwaltung Brigitte Wenzin-Widmer (SVP): Bildung
Kantonsratswahlen Nach den Kantonsratswahlen 2022 des Kantons Zug setzt sich die elfköpfige Delegation der Gemeinde Cham im Kantonsparlament wie folgt zusammen: Die Mitte (3 Sitze, Wähleranteil 26,60 %), SVP (2 Sitze, Wähleranteil 20,65 %), FDP (2 Sitze, Wähleranteil 16,61 %), SP (2 Sitze, Wähleranteil 13,96 %), Alternative Liste Grüne (ALG; auf Bundesebene Teil der GPS; 1 Sitz, Wähleranteil 13,35 %) und glp (1 Sitz, Wähleranteil 8,83 %).