mini|Hildegard Knef (1969) rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|hochkant=0.7|Unterschrift Hildegard Knef Hildegard Frieda Albertine Knef [] (* 28. Dezember 1925 in Ulm; † 1. Februar 2002 in Berlin) war eine deutsche Schauspielerin, Synchronsprecherin, Chansonsängerin und Autorin. Während sie im deutschsprachigen Raum als Hildegard Knef bekannt war, wurde sie (gegen ihren Wunsch) von 1948 bis ca. 1968 außerhalb des deutschsprachigen Raumes Hildegarde Neff genannt.Vgl. Chronologie bzw. Filmografie der offiziellen Seite hildegardknef.de.780.html Der natürliche Lebenshunger. In: Der Spiegel, 1952, Nr. 19, siehe auch das Titelbild. Sie war ab 1950 US-amerikanische Staatsbürgerin und erhielt im Jahr 2001 erneut die deutsche Staatsbürgerschaft.

Knef begann ihre schauspielerische Tätigkeit am Ende des Zweiten Weltkriegs in Berlin und wurde in der unmittelbaren Nachkriegszeit durch ihre Mitwirkung an Filmen wie Die Mörder sind unter uns (1946) und Film ohne Titel (1948) zum Leinwandstar. Sie spielte auch die Hauptrolle in dem umstrittenen, teils zensierten Melodram Die Sünderin (1950), wandte sich in den 1950er Jahren internationalen Rollenangeboten zu und spielte eine Musical-Hauptrolle am Broadway in New York (Silk Stockings von Cole Porter). Von den 1960er Jahren an machte sie in Deutschland Karriere als Chansonsängerin und Buchautorin (insbesondere mit ihren Lebenserinnerungen Der geschenkte Gaul).

Leben Familie, Kindheit mini|Berliner Gedenktafel am Haus Leberstraße 33 in Berlin-Schöneberg Hildegard Knef wurde 1925 als Tochter des flämisch­stämmigen Tabakkaufmanns und Prokuristen Hans Theodor Knef (1897–1926) und seiner Frau Frieda Auguste Knef, geborene Gröhn (1896–1952), in Ulm geboren. Als sie sechs Monate alt war, starb ihr Vater an Syphilis. Daraufhin zog die Mutter mit ihrer Tochter nach Berlin, wo Hildegard in Schöneberg eine Mittelschule besuchte.

Im Jahr 1933 heiratete ihre Mutter den Schuhmachermeister und Lederfabrikanten Wilhelm Wulfestieg. Aus der Ehe ging Knefs Halbbruder, der Jazzmusiker Heinz Wulfestieg, hervor. Er starb im August 1978 unter ungeklärten Umständen 43-jährig in Berlin. Seinen plötzlichen Tod verarbeitete sie 1982 in ihrem Buch So nicht.

Hildegard Knefs Stiefvater verlor seine Fabrik, weil sein jüdischer Geschäftspartner emigrieren musste und er sich nicht mit den Nationalsozialisten einigen konnte. Daraufhin betrieb die Familie in Berlin einen Schuhmacherladen. Neben der Schule kümmerte sich Knef um den Haushalt, arbeitete im Laden mit und trug nachts die reparierten Schuhe aus.

Ehen Hildegard Knef war dreimal verheiratet: von 1947 bis 1952 mit Kurt Hirsch, einem jüdischen US-Amerikaner, der aus dem Sudetenland stammte. Hirsch war vor Kriegsbeginn in die USA emigriert und als 20-Jähriger in die US-Streitkräfte eingetreten. Während der Ehe mit Knef arbeitete er in Hollywood erfolglos als Schauspieleragent.Knef – Die frühen Jahre, Dokumentarfilm, Deutschland, 2005 von 1962 bis 1976 mit dem britischen Schauspieler David Cameron (David Antonio Palastanga), der auf einer Tournee durch Deutschland in dem Stück Nicht von gestern (Born Yesterday) auch gemeinsam mit ihr auftrat. Er ist der Vater ihrer Tochter Christina Antonia, verh. Gardiner (* 16. Mai 1968 in München, genannt „Tinta“). von 1977 bis zu ihrem Tod im Jahr 2002 mit dem aus einem alten österreichisch-ungarischen Adelsgeschlecht stammenden Paul Rudolf Freiherr von Schell zu Bauschlott (* 28. November 1940).

UFA-Jahre Im Alter von 15 Jahren verließ Knef mit der mittleren Reife die Schule und begann eine Ausbildung als Zeichnerin in der Trickfilmabteilung der UFA in Berlin-Mitte. 1943 wurde UFA-Filmchef Wolfgang Liebeneiner auf sie aufmerksam, und sie erhielt eine Ausbildung zur Schauspielerin. Ihre Schauspiellehrer waren Karl Meixner und die damalige UFA-Nachwuchschefin Else Bongers, die zu Knefs Mentorin und lebenslangen Beraterin wurde. 1944 kam es zu einer Liebesbeziehung zwischen Knef und dem „Reichsfilmdramaturgen“ Ewald von Demandowsky, der zugleich Produktionschef der Filmfirma Tobis war. Noch vor Ende des Krieges trat Knef erstmals in Filmen auf (u. a. Unter den Brücken, 1946; Fahrt ins Glück, 1948).

Frühe Nachkriegszeit mini|hochkant|Hildegard Knef (links) mit Gudrun Genest in Wie es euch gefällt von William Shakespeare, Schlosspark Theater Berlin (1946) Im Jahr 1945 trat Hildegard Knef im Kabarett und Theater auf und lernte den US-Kontrolloffizier Kurt Hirsch kennen, den sie am 15. Dezember 1947 heiratete. Ihre ersten Theaterrollen gab ihr Boleslaw Barlog 1946 am Schlosspark Theater. Wolfgang Staudte sah Knef auf der Bühne und engagierte sie für den ersten deutschen Nachkriegsfilm, Die Mörder sind unter uns (1946), der sie auch international bekannt machte. Danach spielte sie weiter Theater und synchronisierte sowjetische Filme für die DEFA. Für ihr Spiel in Film ohne Titel erhielt sie 1948 in Locarno den Preis als beste weibliche Darstellerin. Am 1. August 1948 war Hildegard Knef auf der Titelseite der ersten Ausgabe der Illustrierten Stern abgebildet. Sie wurde zum ersten deutschen Nachkriegsstar.

Aufgrund des internationalen Erfolgs von Die Mörder sind unter uns und nach einem mehrseitigen Bericht über sie im US-Magazin Life unterbreitete der Hollywood-Produzent David O. Selznick ihr das Angebot, in die USA zu kommen. Anfang 1948 unterschrieb sie mit ihm einen Siebenjahresvertrag, der ihr wöchentlich einen lukrativen Scheck einbrachte, aber letztendlich keine Filmrollen. Zwischen Sprachunterricht und Probeaufnahmen lernte sie in den Vereinigten Staaten Marlene Dietrich kennen. 1950 wurde sie US-Staatsbürgerin.

Zwischen Europa und den USA mini|links|Knefs (unter ihrem Alias Hildegarde Neff) Hand- und Schuhabdrücke vor Grauman’s Chinese Theatre in Hollywood Da sie bei Selznick keine Rollen bekam und dessen Filmproduktionsfirma u. a. wegen seiner Scheidung und der damit verbundenen Teilung seines Vermögens im Niedergang begriffen war, nahm Hildegard Knef 1950 das Angebot an, die Hauptrolle in Willi Forsts erstem Nachkriegsfilm, Die Sünderin, zu spielen. Insbesondere aufgrund des Protests der katholischen Kirche wurde das Melodram, das Tabus wie die Prostitution und den Suizid thematisierte und eine kurze Nacktszene Knefs enthielt, zu einem der größten Skandale des deutschen Nachkriegskinos: mit Demonstrationszügen für und gegen Die Sünderin, verbarrikadierten Kinos, Aufführungsverboten in zahlreichen deutschen und europäischen Städten, Klageverfahren bis hin zum BundesverwaltungsgerichtUrteil vom 21. Dezember 1954, BVerwGE 1, 303–308 und Bundesgerichtshof.BGH 3 StR 151/53 BGHSt 5, 245 Der Protest gegen den Film entzündete sich vor allem an der Tötung auf Verlangen, die in der Schlussszene gezeigt wurde und die an die Euthanasiepropaganda des „Dritten Reiches“ in Ich klage an von Wolfgang Liebeneiner erinnerte. Die Sünderin wurde damals in der Bundesrepublik von mehr als sieben Millionen Kinobesuchern gesehen. Im Zusammenhang mit dem Erfolg des Films veröffentlichte Knef u. a. im Oktober 1951 die erste von ihr besungene Schallplatte, Ein Herz ist zu verschenken.

Wegen des heftigen Gegenwinds in Deutschland zog Knef zurück nach Hollywood, um für die Filmfirma 20th Century Fox, bei der sie nun unter Vertrag stand, eine Reihe von Filmen zu drehen. (Der Vertrag mit Selznick wurde nach dessen Scheidung und der Teilung seines Vermögens hinfällig.) Zwischen den Dreharbeiten in den USA, bei denen sie Marilyn Monroe kennenlernte und ihre Hand- und Schuhabdrücke im Zementboden des Vorhofs von Hollywoods legendärem Premierenkino Grauman’s Chinese Theatre verewigte, trat sie auch in deutschen, britischen und französischen Filmproduktionen auf. 1955 debütierte sie zudem am Broadway in New York in dem Musical Silk Stockings (deutscher Titel: Ninotschka oder Seidenstrümpfe) von Cole Porter. Knef ist die einzige Deutsche, der es gelang, in einer Hauptrolle am Broadway zu debütieren.

Nach zwei Jahren mit nahezu ein bis zwei Vorstellungen täglich verließ Knef 1957 die USA, nachdem sie sich mit 20th Century Fox überworfen hatte: MGM hatte die Filmrechte an Silk Stockings erworben und wollte Knef für die Hauptrolle engagieren, doch Fox gab sie nicht frei, sondern bestand darauf, dass sie zunächst die vertraglich mit Fox vorgesehenen Filme drehe, die man aufgrund ihrer Verpflichtung am Broadway verschoben hatte. Durch den Vertragsbruch mit Fox beendete Knef ihre Filmkarriere in den USA und kehrte nach Deutschland zurück.

Film und Musik mini|Hildegard Knef am Flughafen Zürich-Kloten, Foto: Jack Metzger, 1956 Den Zenit ihrer Filmkarriere hatte Hildegard Knef bei ihrer Rückkehr aus Hollywood überschritten. In Deutschland floppte Madeleine und der Legionär, und sie drehte in den späten 1950er und frühen 1960er Jahren vornehmlich im Vereinigten Königreich und in Frankreich zum Teil in anspruchsvollen und auch erfolgreichen, doch überwiegend in mittelmäßigen Produktionen (z. B. La Strada dei Giganti). 1959 lernte sie bei Dreharbeiten im Vereinigten Königreich ihren zweiten Ehemann, den damals noch verheirateten David Cameron kennen.

In diesen Jahren trat Knef öfter als Sängerin in Erscheinung, u. a. 1959 in der BBC-Fernsehshow The Hildegarde Neff Show. Bereits in ihren frühen Filmen hatte sie mitunter gesungen, z. B. in Alraune (an der Seite von Erich von Stroheim), Illusion in Moll (an der Seite von Hardy Krüger) und Schnee am Kilimandscharo (nach einem Roman von Hemingway), in dessen Originalfassung sie zwei Lieder von Cole Porter interpretierte. Dieser war von ihr derart angetan, dass er sie als Hauptdarstellerin für die Musicalinszenierung Silk Stockings engagierte, in der sie in der Rolle der Ninotschka von 1954 bis 1956 Erfolg am Broadway hatte. Auch die Schallplattenaufnahme des Stücks verkaufte sich in den USA gut. 1957 nahm Knef eine EP mit mehreren Liedern in England und später einige Jazzplatten in Frankreich auf.

mini|links|Hildegard Knef (1969) Wegen der positiven Resonanz im Ausland wurde man in Deutschland wieder auf Knef aufmerksam. Im Jahr 1962 folgte dort ihre erste deutsche Schallplattenaufnahme seit 1952. Die Single Er war nie ein Kavalier war ein Verkaufserfolg. 1963 veröffentlichte sie ihre erste Langspielplatte, So oder so ist das Leben (Platz 8 in den deutschen Musik-Charts). Auch mit Aber schön war es doch (1963), Mackie-Messer (1963) und Eins und eins, das macht zwei (1964, geschrieben von Charly Niessen) gelangte sie in die Single-Charts der Bundesrepublik Deutschland. Als Chansonsängerin erhielt Knef Shows im deutschen Fernsehen. 1965 schrieb sie erstmals einen eigenen Liedtext (Werden Wolken alt?). Die LP Ich seh die Welt durch deine Augen mit von ihr verfassten Texten wurde 1966 ein großer Erfolg. Im selben Jahr unternahm sie ihre erste Konzerttournee.

Der Erfolg ihrer Platten hielt in den folgenden Jahren an. 1968 kam ihre Tochter Christina Antonia durch einen Kaiserschnitt zur Welt. Sie selbst schwebte vorübergehend in Lebensgefahr. Im selben Jahr erschien ihr optimistisch-ironisches Chanson Für mich soll’s rote Rosen regnen, das zu ihrem Erkennungslied wurde.

Ella Fitzgerald bezeichnete Hildegard Knef als die „beste Sängerin ohne Stimme“. Das rauchige Organ, die präzise, zuweilen schnoddrige, dabei aber durchweg gefühlvolle Art des Vortrags und die von Klugheit und lakonischer Ironie geprägten eigenen Texte machten Knef zu einer einzigartigen Erscheinung in der deutschsprachigen Unterhaltungsmusik. Sie trat mit erstklassigen Begleitbands (z. B. von Kurt Edelhagen, Hans Hammerschmid, Bert Kaempfert und Gert Wilden) auf.

Ab 1970: Buchautorin und weitere Schallplattenerfolge mini|Knef beim Signieren ihrer Bücher in Amsterdam (1975) Knefs 1970 veröffentlichtes autobiografisches Buch Der geschenkte Gaul erreichte Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste. Es wurde in 17 Sprachen übersetzt und zum international erfolgreichsten Buch eines deutschen Autors seit 1945.