mini|Selbstbildnis Murillos. London, National Gallery Bartolomé Esteban Murillo (* getauft 1. Januar 1618Es wird heute angenommen, dass Murillo in den letzten Dezembertagen des Jahres 1617 geboren wurde. Am 1. Januar 1618 wurde er ins Taufregister seiner Geburtsstadt eingetragen, seine erste urkundliche Erwähnung, siehe: Enrique Valdivieso González: Murillo, Bartolomé Esteban, Biografie auf der Website des Prado, gesehen am 14. Februar 2022 (spanisch). in Sevilla, Königreich Kastilien; † 3. April 1682 ebenda) war ein spanischer Maler des Barocks und ab der Mitte des 17. Jahrhunderts der führende und berühmteste Maler Sevillas.

Leben Murillo wurde Ende 1617 als jüngstes der 14 Kinder des Barbiers und Feldschers (Chirurgen) Gaspar Esteban und seiner Frau María Pérez Murillo im andalusischen Sevilla geboren. Nur seine Taufe ist urkundlich belegt, am 1. Januar 1618 in Sevilla.Biografie in der Enzyklopädie Britannica. in: britannica.com Seine Mutter stammte aus einer Maler- und Silberschmiedefamilie und er nutzte zur Signatur seiner Werke ihren Muttersnamen. Als er neun bzw. zehn Jahre alt war, starben seine Eltern (1627 der Vater, 1628 die Mutter), und der verwaiste Junge wuchs im Haushalt seiner Schwester Ana auf. Ana war mit dem wohlhabenden Arzt Juan Augustin de Lagares verheiratet, mit dem Murillo lebenslang eng verbunden blieb. Als 15-Jähriger wollte er nach Amerika fahren, doch fand eine solche Reise nicht statt.Enrique Valdivieso González: Murillo, Bartolomé Esteban, Biografie auf der Website des Prado, online, gesehen am 16. August 2018 (spanisch)Eine Amerikareise erwähnt z. B. Joachim von Sandrart (1675). Zeit seines Lebens wirkte er in Sevilla, das damals noch auf dem Höhepunkt als führende Handelsstadt Spaniens, insbesondere im Handel mit den Kolonien, stand. Bei der Pestepidemie von 1649 kam fast die Hälfte der Bevölkerung um. Auch Erdbeben trugen dazu bei, dass die Stadt in den Niedergang geriet und später im Rang von der Hafenstadt Cádiz abgelöst wurde.

mini|links|Die Armenspeisung des heiligen Diego de Alcalá aus dem Zyklus für das Franziskanerkloster in Sevilla, 1645–1646, 173 × 183 cm, Real Academia de Bellas Artes de San Fernando, Madrid Murillo ging zunächst bei Juan del Castillo in Sevilla in die Lehre, der mit seiner Mutter entfernt verwandt war. Beeinflusst wurde er zunächst von spanischen Malern wie Jusepe de Ribera, Alonso Cano und dem bis zur Jahrhundertmitte führenden sevillanischen Künstler Francisco de Zurbarán, die alle einen realistischen Tenebroso-Stil pflegten, der stark von dem Italiener Caravaggio beeinflusst war. Darüber hinaus auch getragen durch niederländische Werke wie die von van Dyck und Peter Paul Rubens. Als Castillo 1638 nach Cádiz ging, machte sich Murillo als Maler selbständig. Der Legende nach lebte er in Armut und fertigte billige Andachtsgemälde an, die er auf Jahrmärkten verkaufte. Über seine frühe Schaffensperiode in den 1630er und 1640er Jahren ist jedoch nur wenig bekannt, Bilder sind kaum erhalten oder nicht identifiziert.Ludmila Kagané: Bartolomé Esteban Murillo – der spanische Meister des 17. Jahrhunderts, Parkstone/Aurora-Verlag, Bournemouth/St. Petersburg, 1995, S. 9. Nach Berichten älterer spanischer Autoren soll er um 1642 eine Reise nach Madrid unternommen haben, wo er in den königlichen Gemäldesammlungen studiert haben soll. Das lässt sich zwar dokumentarisch nicht belegen, liegt aber durchaus im Rahmen des Möglichen. Denn von diesem Zeitpunkt an trat ein deutlicher Wandel seines Malstiles ein.Ludmila Kagané: Bartolomé Esteban Murillo..., 1995, S. 9.Enrique Valdivieso González: Murillo, Bartolomé Esteban, Biografie auf der Website des Prado, online, gesehen am 16. August 2018 (spanisch) Ein erhaltenes Beispiel dafür ist das um 1642 entstandene Gemälde Jungfrau mit dem Rosenkranz.

Am 26. Februar 1645 heiratete Murillo in der Kirche de la Magdalena in Sevilla Beatriz Sotomayor y Cabrera, mit der er mindestens zehn Kinder hatte, von denen jedoch einige schon früh starben.Enrique Valdivieso González: Murillo, Bartolomé Esteban, Biografie auf der Website des Prado, online, gesehen am 16. August 2018 (spanisch)

Seinen künstlerischen Durchbruch hatte Murillo dann 1645/46, als er 11 große Gemälde für den Kreuzgang des Klosters des Heiligen Franziskus in Sevilla fertigte, die sich heute in verschiedenen Museen befinden, darunter die Armenspeisung des hl. Diego de Alcalá (Real Academia de San Fernando, Madrid), die Engelsküche des hl. Diego de Alcalá (Louvre, Paris) und der Tod der heiligen Klara (Gemäldegalerie, Dresden). Mitte der 1650er Jahre wurde er bereits als einer der führenden Maler Sevillas angesehen und erhielt mehrere Aufträge für die Kathedrale, darunter auch monumentale Bildnisse der sevillaner Stadtheiligen Isidor und Leander. Vor allem aber wurde er durch die Vision des heiligen Antonius von Padua (1656) für die Taufkapelle, die ihn als einen ausgereiften Maler des Barock zeigt, bekannt.Ludmila Kagané: Bartolomé Esteban Murillo..., 1995, S. 14. Bis zu diesem Zeitpunkt war auch sein Malstil und die Auswahl von Motiven soweit gereift, dass er sich vom Stil der meisten Zeitgenossen deutlich abhob. Dies förderte seinen Ruf, und er war nunmehr ein gefragter Maler. Einen besonderen Erfolg hatte er mit seinen Marienbildnissen in Form der in Spanien ohnehin sehr beliebten und verehrten Unbefleckten Empfängnis (lat. Immaculata conceptio) und mit dem Thema Jungfrau mit Kind. Daneben malte er unzählige andere Werke zu verschiedensten religiösen Themen, viele davon in einem so natur- und volksnahen Stil, dass sie teilweise „kaum von Genrebildern zu unterscheiden“ sind.Ludmila Kagané: Bartolomé Esteban Murillo..., 1995, S. 12. Landschaften und Genreszenen nahmen in seinem Werk überhaupt einen recht größeren Platz ein als bei anderen spanischen Künstlern seiner Zeit. Seine ganz persönliche Eigenheit, die ihn in der Kunstöffentlichkeit bis heute prägen, waren seine Darstellungen armer Kinder aus dem Volk in verschiedensten Posen („Murillos Kinder“ – beim Würfelspiel, Melone essend usw.), die neben seinen Madonnen auch außerhalb Spaniens stark nachgefragt waren (siehe Galerie unten).

mini|Erscheinung der Jungfrau Maria vor dem Heiligen Bernhard, ca. 1655, 311 × 249 cm, Prado, Madrid Die Zeichen seines Wohlstandes mehrten sich. Murillo, von der franziskanischen Ethik geprägt, war gern bereit, einen Teil seines Reichtums für mildtätige Zwecke einzusetzen. 1657 investierte er in eine amerikanische Handelscompagnie und kaufte Sklaven für seinen Haushalt. Für 1658 ist eine etwa einjährige Reise Murillos nach Madrid dokumentiert, bei der er den Maler Diego Velázquez traf und die königlichen Sammlungen besuchte, um Gemälde von Tizian, Rubens und van Dyck in den königlichen Gemäldesammlungen zu studieren. Einige Autoren bezweifeln einen angeblichen Madrid-Aufenthalt in den 1640er Jahren, der zum Beispiel von Palomino überliefert wird. Eine Begegnung mit Velázquez in Madrid 1658 ist dagegen dokumentiert. 1660 gründete er die Akademie der schönen Künste in Sevilla und wurde ihr Präsident, neben Francisco de Herrera d. J.Ludmila Kagané: Bartolomé Esteban Murillo..., 1995, S. 14. Dabei lag ihm sehr viel daran, sein Wissen den nachfolgenden Künstlergenerationen zur Verfügung zu stellen und die Malkunst akademisch aufzuwerten. Er hatte zahlreiche Schüler in seiner Werkstatt, die er selbst anleitete und auf ihrem Weg als Künstler begleitete. 1662 wurde er Mitglied mehrerer religiöser Gesellschaften in Sevilla. Zwischen 1660 und 1665 arbeitete Murillo u. a. an einem alttestamentlichen Gemäldezyklus über das Leben Jakobs für den Marquis de Villamanrique, von dem aber nur vier Arbeiten erhalten geblieben sind, die heute in ausgewählten Museen besichtigt werden können.Ludmila Kagané: Bartolomé Esteban Murillo. 1995, S. 16–17. Der Schwerpunkt dieses Zyklus betraf die Landschaftsmalerei.

1663 starb seine Frau, und er blieb allein zurück mit vier seiner Kinder, die nach und nach das Haus verließen.Enrique Valdivieso González: Murillo, Bartolomé Esteban, Biografie auf der Website des Prado, online, gesehen am 16. August 2018 (spanisch) Das war ein schwerer Schlag für Murillo, der dazu führte, dass er über ein Jahr nicht in der Lage war, neue Bilder zu malen. Das war für ihn auch der Grund, sich dem Orden der Barmherzigen Brüder anzuschließen. Von diesem Zeitpunkt an lebte Murillo als Witwer mit seinen Dienern und Gaspar Esteban, der wahrscheinlich einer seiner Söhne war und nach vielfach geübter Landestradition den Namen des bereits 1627 verstorbenen Großvaters trug.Enrique Valdivieso González: Murillo, Bartolomé Esteban, Biografie auf der Website des Prado, online, gesehen am 16. August 2018 (spanisch) 1665 trat er dann dem Orden der Barmherzigen Brüder endgültig bei,Ludmila Kagané: Bartolomé Esteban Murillo..., 1995, S. 120. für dessen Spitalensemble und Kirche de la Caridad er in den folgenden Jahren (1666–1672) eine Serie von Bildern zum Thema Barmherzigkeit schuf.Ludmila Kagané: Bartolomé Esteban Murillo..., 1995, S. 19–20 und 120. In der folgenden Zeit malte er viele seiner religiösen Hauptwerke und erhielt verschiedene bedeutende Aufträge, zum Beispiel das Altargemälde für das Augustinerkloster (1680) und Gemälde für Santa Maria La Blanca (1665),Ludmila Kagané: Bartolomé Esteban Murillo..., 1995, S. 17–18. sowie für das Hospital de los Venerables Sacerdotes (1665–1667).Über die Gemälde für das Hospital de los Venerables Sacerdotes und die Beziehung Murillos zu seinem Auftraggeber und Freund Justino de Neve. Alexandra Matzner über die Ausstellung „Murillo and Justino de Neve“ in der Dulwich Picture Gallery 2013. Abgerufen am 24. März 2013.

Murillos Ruf als gereifter und künstlerisch unverwechselbarer Maler von Sevilla verbreitete sich schon zu Lebzeiten über ganz Spanien und ins europäische Ausland. Laut dem Biographen Antonio Palomino soll ihm vom Hof König Karl II. von Spanien um 1670 angeboten worden sein, nach Madrid zu ziehen, um dort als Hofmaler weiter wirken zu können.Enrique Valdivieso González: Murillo, Bartolomé Esteban, Biografie auf der Website des Prado, online, gesehen am 16. August 2018 (spanisch) Diese Anekdote ist allerdings dokumentarisch nicht belegt und Murillo blieb bis an sein Lebensende in Sevilla wohnen.

Der Legende nach starb er in Armut, vor allem weil er bereit war, sehr viel Geld für karitative Zwecke abzugeben, und sein Nachlass war bescheiden. 1682 erhielt er den Auftrag für das Gemälde der Hochzeit der Hl. Katharina und begab sich dafür erstmals für eine größere Arbeit in eine andere Stadt, nach Cádiz. Dort stürzte er beim Malen in der Kapuzinerkirche von einem Gerüst und starb einige Monate später an den Folgen des Sturzes in Sevilla.Enrique Valdivieso González: Murillo, Bartolomé Esteban, Biografie auf der Website des Prado, online, gesehen am 16. August 2018 (spanisch)

Die meisten Informationen über Murillos Persönlichkeit überliefert sein Biograph Palomino, der ihn als einen Menschen beschrieb, der „... nicht nur vom Himmel begünstigt war durch die Erhabenheit seiner Kunst, sondern auch durch die Gaben seiner Natur, als ein guter Mensch, von liebenswürdigem Charakter, demütig und bescheiden“.«...no solo favorecido del cielo por la eminencia de su arte, sino por las dotes de su naturaleza, de buena persona y de amable trato, humilde y modesto». Siehe: Enrique Valdivieso González: Murillo, Bartolomé Esteban, Biografie auf der Website des Prado, online, gesehen am 16. August 2018 (spanisch)

mini|links|200px|Statue Murillos in Madrid

Würdigung