mini|Vorlesungen über die slowenische Sprache am Grazer Lyzeum, J.N. Primic, 1812 Janez Nepomuk Primic (auch lateinisch Johannes Nepomuc Primz, deutsch Johann Nepomuk Primitz oder Johann Nepomuk Primiz; * 23. April 1785 in Zalog pri Škofljici, Herzogtum Krain (heute Gemeinde Škofljica, Unterkrain); † 3. Februar 1823 ebenda) war ein slowenischer Dichter, Übersetzer, Schriftsteller und Slowenist der Aufklärung und Frühromantik. Er gilt als Begründer und erster Inhaber der weltweit ersten Lehrkanzel für Slowenisch an einer höheren Lehranstalt, die 1812 am Lyzeum in Graz errichtet wurde. Man zählt in zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der slowenischen Wiedergeburt (narodna prebuja).E. Prunč: Primic (Primiz, Primitz), Janez Nep. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950, Bd. 8 (Lfg. 38). Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1981, S. 281. Online: biographien.ac.at (abgerufen am 18. Mai 2026).
Leben
Herkunft und Jugend
Janez Nepomuk Primic wurde als Sohn des Bauern Matija Primic und seiner Frau Marija, geborene Košak, geboren.Josip Mal: Primic, Janez Nepomuk (1785–1823). In: Slovenski biografski leksikon, Bd. 2. Ljubljana, 1933–1952. Online: slovenska-biografija.si (abgerufen am 18. Mai 2026). Er besuchte die Normalschule 1799–1800 sowie von 1800 bis 1805 das Gymnasium und bis 1807 das Lyzeum in Ljubljana (Laibach). Als begabter Schüler erhielt er ab 1803 das Mugerlej-Stipendium in Höhe von 96 Gulden jährlich.
Gegen den Wunsch seiner Mutter, die ihn für den geistlichen Stand bestimmte, begann er im Herbst 1807 ein Rechtsstudium am Lyzeum in Graz, das er bis 1810 fortsetzte. Seinen Lebensunterhalt bestritt er als Hauslehrer in Grazer Bürgerfamilien.
Prägung durch die slowenische Nationalbewegung
Bereits während seiner Lyzealzeit in Ljubljana war Primic durch seinen Lehrer, den slowenischen Auflärer Valentin Vodnik, in Kontakt mit den aufklärerischen Kreisen rund Jernej Kopitar und Sigmund Zois gekommen. Ab 1807 studierte Primic an der juristischen Fakultät der Universität Graz und vertiefte seine Beschäftigung mit den Schriften von Kopitar.
1810 gründete Primec mit einigen slowenischen Mitstudenten die Societas slovenica, eine Gesellschaft zur Förderung der slowenischen Sprache, die die Errichtung einer slowenischen Lehrkanzel zum Ziel hatte. Primic, der ein begeisterter Katholik war, begründete die Notwendigkeit der Lehrkanzel damit, den vielen slowenischsprachigen Einwohnern der Steiermark durch die Ausbildung von slowenischen Priestern den Glauben näher bringen zu können.
Erste Lehrkanzel für Slowenisch (1812–1813)
Im Kontext der Illyrischen Provinzen, in denen Frankreich dem Slowenischen öffentliche Rechte zuerkannt hatte, sahen die steirischen Landstände die Notwendigkeit, slowenischkundige Geistliche und Beamte für die Steiermark und Kärnten auszubilden. Auf Initiative Primics und mit Unterstützung Jüstels sowie des Ständeausschussmitglieds J. N. von Kalchberg schrieben die Landstände im August 1811 eine Stelle aus. Primic bewarb sich und verfasste vom 23. bis 27. Dezember 1811 gemeinsam mit dem Juristen Janez Šmigoc eine Wettbewerbsarbeit. Mit Dekret vom 19. Februar 1812 wurde er zum Professor ernannt und begann seinen Unterrocht am 30. April 1812 mit 60 Schülern seine Vorlesungen über die slowenische Sprache – als Inhaber der ersten Lehrkanzel für Slowenisch an einer höheren Schule weltweit.
Primic las drei Semester lang. Im Herbst 1813 musste er seine Vorlesungen aufgrund einer schweren psychischen Erkrankung abbrechen.
Erkrankung und letzten Lebensjahre
Die Ursachen seiner Erkrankung werden in der Forschung auf mehrere zusammenwirkende Faktoren zurückgeführt: eine angeborene psychische Disposition, übermäßige Arbeitsbelastung, eine unglückliche Liebesenttäuschung sowie die vernichtende Kritik an seinem Lesebuch. Im Frühjahr 1814 holte ihn sein Vater aus der Grazer Nervenheilanstalt zurück nach Krain; nach kurzem Aufenthalt im Laibacher Krankenhaus wurde er in häusliche Pflege entlassen.
Die folgenden Jahre verbrachte Primic unter schwierigsten Bedingungen: in Škofljica und Zalog, geprägt durch Armut, die Krankheit von Mutter und Schwester sowie tiefe Einsamkeit. Gelegentlich unternahm er Ausflüge in die steirische Untersteiermark; zweimal mussten ihn die Behörden nach Krain zurückgeleiten. Der Grazer Gubernialat verwies einen Antrag auf erneute Aufnahme in eine Grazer Anstalt ab; schließlich wurde ihm eine Abfindung von 400 Gulden bewilligt und die Kosten seiner Pflege der Gemeinde Višnja gora auferlegt.
Janez Nepomuk Primic starb am 3. Februar 1823 in Zalog pri Škofljici an Tuberkulose, offiziell als »Folge der Geisteskrankheit« vermerkt.
Werk
Lehrwerke und Schriften
Primics Schaffen war vor allem auf die praktische Förderung des Slowenischen ausgerichtet. Sein bekanntestes Werk ist das deutschslowenische Lesebuch von 1813, das trotz moderner didaktischer Grundkonzeption einer detaillierten Fachkritik nicht standhielt und zu seiner persönlichen Krise beitrug.
Abeceda za Slovénce, katéri se hóčejo Slovénsko brati naučiti (Alphabet für Slowenen, die Slowenisch lesen lernen wollen), Graz 1812 Prava pót k Dobrimu Stanu, ali Ena beséda ob pravim časi (Der rechte Weg zum Wohlstand, oder: Ein Wort zur rechten Zeit), Graz 1812 – nach Benjamin Franklin Némško-Slovénske Branja (Deutsch-Slowenisches Lesebuch, enthaltend Erzählungen, Fabeln in gebundener und ungebundener Rede), Graz 1813 Novi Némško-Slovénski Bukvar (Neues Deutsch-Slowenisches ABC-Buch, der Fassungskraft der Kinder angemessen), Graz 1814 Kommentar zum Nachdruck des Slawenkapitels aus Herders Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit, im Grazer Aufmerksamen, 1813
Literarisches Werk
Neben den Lehrwerken verfasste Primic Gedichte und Prosatexte in frühromantischem Geist sowie Kriegslieder (Wehmannlieder) und Lehrgedichte. Außerdem sammelte er ethnographisches Material und Volkslieder und regte die systematische Sammlung des slowenischen dialektalen Wortschatzes an.
Handschriften
Ein Teil seines Nachlasses in Manuskriptform wird in der National- und Universitätsbibliothek Ljubljana (NUK) aufbewahrt.
Bedeutung
Primic gilt als zentrale Figur der slowenischen Wiedergeburt. Durch die Gründung der Societas slovenica, die Schaffung der ersten Lehrkanzel für Slowenisch, seine Lehr- und Lesebücher, seine umfangreiche Korrespondenz und die Vermittlung frühromantischen Gedankengutes – besonders Herders – trug er wesentlich zur nationalen Selbstfindung der Slowenen bei. Janez Šumrada würdigte ihn in der Slavistična revija als den treibenden Geist hinter der Institutionalisierung des Slowenischen in Graz.Janez Šumrada: Janez Nepomuk Primic in ustanovitev stolice za slovenski jezik na liceju v Gradcu 1811. In: Slavistična revija 50 (2002), H. 1, S. 51–60. Online: srl.si (abgerufen am 18. Mai 2026).
Ehrungen Zum Gedenken an Primic wurde 2001 am ehemaligen Grazer Lyzeum eine Gedenktafel enthüllt, die von slowenischen Kulturorganisationen in der Steiermark initiiert worden war.Janez Šumrada: Janez Nepomuk Primic. KUD Škofljica, Dediščina 2. kud-skofljica.si (PDF, abgerufen am 18. Mai 2026).
Weblinks
Eintrag in der Slovenska biografija (ZRC SAZU) Eintrag im Österreichischen Biographischen Lexikon (ÖBL) Šumrada (2002) in der Slavistična revija (Open Access)
Einzelnachweise
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