mini|Armin Horovitz, Porträt Carl Rössler, 1937 Carl Rössler (d. i. Carl Reßner; weitere Pseudonyme: Karl Rößler, Franz Reßner) (* 25. Mai 1864 in Wien, Kaisertum Österreich; † 13. Februar 1948Carl Rossler in England & Wales, Civil Registration Death Index, 1916–2007, Deaths registered in January, February an March, 1948 in London) war ein österreichischer Schauspieler, Schriftsteller, Dramatiker und Librettist. Er verkörperte zeitlebens den Typ des Bohemiens. Zahlreiche Anekdoten über „Väterchen Rössler“ finden sich im Werk seines Freundes Alexander Roda Roda.Alexander Roda Roda: Der Ritt auf dem Doppeladler. Rowohlt Reinbek bei Hamburg 1995, ISBN 3-499-13538-8, S. 234–237.Alexander Roda Roda: Das große Roda Roda Buch. Rowohlt Reinbek bei Hamburg 1990, ISBN 3-499-12532-3, S. 293–295.Alexander Roda Roda: Der Präzedenzfall. In: Roda Roda und die vierzig Schurken, Paul Zsolnay Verlag, Berlin/Wien/Leipzig 1932.
Leben und Wirken Nach dem Abitur in Wien absolvierte er zunächst eine kaufmännische Ausbildung, die er jedoch bald zugunsten des Theaters aufgab. Ab 1887 arbeitete Rössler unter Pseudonym zunächst als Schauspieler und Regisseur an Provinzbühnen der k.u.k. Monarchie sowie in der Schweiz und in Deutschland. 1900 spielte er für die „German Dramatic Society“ in London, danach war er als Oberregisseur am ersten literarischen Kabarett Deutschlands, Ernst von Wolzogens „Buntes Theater (Überbrettl)“ in Berlin tätig. 1902 bis 1905 trat er an Theatern in Deutschland sowie auf Tournée in den USA auf.
Ab 1906 war er freier Schriftsteller. Sein erstes Drama Der reiche Jüngling (1905) wurde in Deutschland kühl aufgenommen; eine stark veränderte Fassung Great Possessions (1906) wurde in England ein großer Erfolg.
Auf Anraten des Verlegers Samuel Fischer wandte er sich der Komödie zu.
In „Das Lebensfest“ (1906) persiflierte er die Maler-Bohème der Künstlerkolonie Dachau, in „Stilleben“ und „Hinterm Zaun“ (1908) setzte er sich mit dem Milieu der Provinzbühnen auseinander. Zusammen mit Alexander Roda Roda nahm er in „Der Feldherrnhügel“ (1909) das Militär auf die Schippe. Für beide Autoren bedeutete der Erfolg dieses Stückes den Durchbruch. In dem Rothschild-Stück Die fünf Frankfurter (1911) setzte er sich mit der Problematik der jüdischen Assimilation auseinander. Es war eines der meistgespielten Stücke in Deutschland vor dem Ersten Weltkrieg.
Neben mehreren Romanen verfasste Rössler zahlreiche Libretti für Kabaretts und Revuen, die Operette „Die tanzende Stadt“ und überarbeitete das Textbuch für Johann Strauss „Die Fledermaus“.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Januar 1933 durften Rösslers Stücke in Deutschland nicht mehr aufgeführt werden. Er emigrierte 1933 zunächst nach Wien, 1939 nach Großbritannien (Oxford, Cambridge, London). Dort hatte er Kontakt zu anderen Emigranten, die sich im „Bavarian Circle“ eine Heimat gegeben hatten.
Im Exil hat er nichts mehr veröffentlicht, sondern sich nur noch mit der Vorbereitung einer Filmfassung von „Die tanzende Stadt“ befasst. Wieweit dieses Projekt gediehen ist, konnte noch nicht ermittelt werden.
Carl Rössler war in erster Ehe mit Madeleine Meffert (1868–1900) verheiratet; das gemeinsame Kind Hermann (1895–1976) war auch unter dem Pseudonym Remus Fighter bekannt. Die zweite Ehe mit Marie (Mary) Emilie Hermes (1876–1944) wurde geschieden, die gemeinsamen Kinder waren Lotte (1902–?) und Gwendolina (1908–?). Ab 1935 war Henriette von Cleve (1895–1947) die Lebensgefährtin von Rössler.
Werke Der reiche Jüngling, 1905 Das Lebensfest, 1906 Stilleben, 1908 Hinterm Zaun, 1908 Wolkenkratzer, 1908 Der Feldherrnhügel, 1909, mit Alexander Roda Roda (Kommentierte Neuauflage im Verlag edition:nihil.interit, Wien 2019, ISBN 1-6710-3051-6). Im Klubsessel, 1909, mit Ludwig Heller Die fünf Frankfurter, 1911 Rösselsprung, 1914 Der Jüngling mit den Ellenbogen, 1916, mit Ludwig Heller; Musik von Ernst Steffan; Ua 22. September 1916, Deutsches Künstlertheater Berlin Eselei, 1919 Der pathetische Hut, 1920 Der heilige Crispin, 1924 Die drei Niemandskinder, 1926, Roman Wellen des Eros, 1928, Roman Das blaue Hemd von Ithaka, 1930, mit Lion Feuchtwanger, Musik von Jacques Offenbach, bearbeitet von Ernst Römer Das verfl… Geld, 1931 Die tanzende Stadt, 1935, mit A. Rebner, Musik von Hans May
Verfilmungen 1926: 1932: 1953: Der Feldherrnhügel, Regie: Ernst Marischka
1928: Die beiden Seehunde, Regie: Max Neufeld 1934: Die tanzende Stadt (mglw. nur beabsichtigt; Einzelheiten noch nicht ermittelt)
Hörspielbearbeitungen (Auswahl) 1926: Die fünf Frankfurter – Regie: Walther Ottendorf (Sendespiel – Ostmarken Rundfunk AG)ARD-Hörspieldatenbank (Die fünf Frankfurter, Ostmarken Rundfunk AG 1926) 1927: Die fünf Frankfurter – Regie: Hans Nerking (Sendespiel – Südwestdeutscher Rundfunkdienst AG)ARD-Hörspieldatenbank (Die fünf Frankfurter, Südwestdeutscher Rundfunkdienst AG 1927) 1928: Die fünf Frankfurter – Regie: Viktor Heinz Fuchs (Sendespiel – Schlesische Funkstunde)ARD-Hörspieldatenbank (Die fünf Frankfurter, Schlesische Funkstunde 1928) 1928: Die fünf Frankfurter – Regie: Alfred Braun (Sendespiel – Funk-Stunde Berlin)ARD-Hörspieldatenbank (Die fünf Frankfurter, Funk-Stunde Berlin 1928) 1928: Die fünf Frankfurter – Regie: Karl Pündter (Sendespiel – Nordische Rundfunk AG)ARD-Hörspieldatenbank (Die fünf Frankfurter, Nordische Rundfunk AG 1928)
Sendeart: Livesendungen ohne Aufzeichnung
Literatur Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften: Neue Deutsche Biographie, Bd. 21, 2002 Handbuch der deutschsprachigen Exilliteratur, 1999 Siglinde Bolbacher, Konstantin Kaiser (Hrsg.): Lexikon der österreichischen Exilliteratur. Deuticke, Wien 2000, ISBN 3-216-30548-1. Manfred Durzak (Hrsg.): Die deutsche Exilliteratur 1933–1945. Reclam Stuttgart, ISBN 3-15-010225-1
Ferdinand Kahn: Roessler-Anekdoten. In: Aufbau, 14. Jahrgang, Nummer 10, 5. März 1948, Seite 7, online:.
Kurt Pinthus: Väterchen Roessler. [Nachruf] In: Aufbau, 14. Jahrgang, Nummer 9, 27. Februar 1948, Seite 40, online:. Roessler, Carl, in: Werner Röder; Herbert A. Strauss (Hrsg.): International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933-1945. Band 2,2. München : Saur, 1983, S. 976
Weblinks
Postkarte vom 14. August 1933 von Carl Rössler an Georg Hermann
Einzelnachweise
Kategorie:Theaterschauspieler Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (Österreich) Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Drama Kategorie:Librettist Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1864 Kategorie:Gestorben 1948 Kategorie:Mann