Mudersbach ist ein Ortsteil der Gemeinde Hohenahr im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis.
Geographie Das Straßendorf liegt im Gladenbacher Bergland direkt am südlichen Ende der Aartalsperre. Im Ort treffen sich die Landesstraßen 3052 und 3287. Mudersbach hat etwa 500 Einwohner.
Geschichte Ortsgeschichte Die Landschaft des oberen Aartals war in fränkischer Zeit altes Reichsgut. Das Gemarkungsgebiet von Mudersbach gehörte damals zum Erdehe-Gau. Die Zehnten gehörten hier im Hochmittelalter dem Bistum Speyer. Von einem Dorf selbst ist zu jener Zeit allerdings noch nicht die Rede. Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Mudersbach erfolgte im Jahr 1212 unter dem Namen Mudirsbach.
mini|Wappen der Herren von Mudersbach Das Bistum Speyer hatte seinen umfangreichen Besitz an verschiedene adlige Familien zu Lehen gegeben. Eine dieser Familien dürften die erstmals 1212 erwähnten Ritter von Mudersbach gewesen sein, die ihren Sitz auf einer am südwestlichen Ortsrand gelegenen Wasserburg gehabt haben sollen, von der sich jedoch keine Reste erhalten haben. Noch 1937 wird allerdings die Flurbezeichnung Im Burggraben aufgeführt. Die Burg, die vielleicht nur ein von Gräben gesichertes Steinhaus gewesen sein mag, wurde vermutlich in der Dernbacher Fehde zerstört. Eine weitgehende Übereinstimmung der Wappen lässt eine Verwandtschaft des Mudersbacher Rittergeschlechts mit den Dynasten von Greifenstein vermuten. Die Nachfahren der Familie standen als Amtsleute oder Burgmänner in den Diensten anderer Territorialherren. Im Mudersbacher Raum selbst hatten sie nach dem 13. Jahrhundert keine politische Bedeutung mehr. Mit Daniel von Mudersbach starb das Geschlecht im Jahre 1600 aus.
Im 13. Jahrhundert waren dann zunächst die Herren von Bicken begütert, die ihren Zehnten zu Mudersbach jedoch 1294 und 1295 an die Grafen von Solms verkauften, wodurch diese hier wie in weiteren Dörfern der Umgebung die Landesherrschaft errangen. Bei einer späteren Teilung der Grafschaft Solms in die Linien Solms-Braunfels und Solms-Lich in den Jahren 1432 und 1436 fiel Mudersbach an Solms–Lich und wurde verwaltungstechnisch dem Amt Hohensolms zugeordnet.
Seit 1351 mussten sich die Grafen von Solms die Landesherrschaft mit den Landgrafen von Hessen teilen. Mudersbach lag damit für die nächsten Jahrhunderte im gemeinsamen Einflussbereich von Hessen und Solms. Als das gemeinschaftlich verwaltete Gebiet 1629 aufgeteilt wurde, wurde Mudersbach ganz dem Haus Solms-Hohensolms (ab 1718 Solms-Hohensolms-Lich) zugeschlagen und blieb dem Amt Hohensolms zugeordnet. Es stand unter der Leibeigenschaft und war zunächst den hessischen Landgrafen sowie den Grafen von Solms, ab 1629 dann nur noch den Grafen von Solms frondienst- und abgabenpflichtig, bis es 1806 an Nassau und 1815 an Preußen kam. Es gehörte fortan zur preußischen Amtsbürgermeisterei Hohensolms im Landkreis Wetzlar. 1934 erlangte der Ort nach Auflösung der Amtsbürgermeistereien im Kreis für knapp vier Jahrzehnte seine Selbstständigkeit.
In kirchlicher Hinsicht gehört der Ort schon seit dem Mittelalter ununterbrochen als Filial zum Kirchspiel Altenkirchen. Im 16. Jahrhundert wurde im Rahmen der Reformation das evangelisch-lutherische Bekenntnis eingeführt. 1606 wechselte die Kirchengemeinde vorübergehend zum reformierten Bekenntnis, kehrte jedoch 1624 zum lutherischen zurück. Unter dem Einfluss Hessen-Darmstadts, das in geistlichen Fragen ein Mitspracherecht besaß, blieb dies in der Folge, trotz diverser Bekenntniswechsel der eigentlichen Landesherren in Hohensolms, unangetastet. Eine früher im Ort gelegene Kapelle wurde im Jahr 1876 abgerissen und weiter südlich 1878 die heutige Evangelische Kirche errichtet, die bis 1916 die Dorfschule und bis 1964 eine Turnhalle integrierte.
Darüber hinaus mag früher noch ein weiteres Gotteshaus existiert haben. So erwähnt der Pfarrer von Niederweidbach in einer Beschreibung von 1741: So ist 1/8 stund weit von hier (also von Niederweidbach) auf Solmisch territorio ein zerfallenes Wallfahrts Capellg, das heilig häußgen genant, zu sehen. Diese Kapelle dürfte sich, da auf solmsischem Gebiet gelegen, in der Mudersbacher Gemarkung befunden haben, wo auch der Flurname Heilige-Haus auf diesen Zusammenhang hinweist. Als Wallfahrtsort mag Mudersbach so im späten Mittelalter eine gewisse Bedeutung gehabt haben.
Zum Ort gehörte früher auch die Kräusmühle. Die vom Wasser des Stadterbachs angetriebene Mühle wurde bereits 1468 als möln vor den greußen im Königsberger Salbuch erwähnt und gehörte damit zu den ältesten im Raum des oberen Ahrtals. Ihr Name rührte von dem oberhalb gelegenen Wald der Kräus. Der Mühlenbetrieb wurde wohl in den Jahren um 1900 eingestellt und die Gebäude später abgerissen. Heute befindet sich in diesem Bereich die Teichanlage des Angelsportvereins Hohenahr. Im ehemaligen Mühlgraben, der waldseitig noch zu sehen ist, steht das Vereinsheim der Angler. Bei den Erdaushubarbeiten wurden 1980 die Pfeiler der Hofeinfahrt aus Rotsandstein entdeckt.
Darüber hinaus deutet der Flurname Hinter der Mühle am Ortsausgang von Mudersbach in Richtung Ahrdt darauf hin, dass dort noch eine weitere Mühle gestanden hat.mini|Das ehemalige Leiterhaus, heute im Hessenpark
Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Mudersbach am 1. Januar 1977 kraft Landesgesetz in die 1972 gegründete Gemeinde Hohenahr eingemeindet. Für Mudersbach wurde wie für die übrigen Ortsteile ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Gemeindevorsteher errichtet. Sitz der Gemeindeverwaltung blieb der Ortsteil Erda.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Mudersbach angehört(e):
1245: in Mudersbach vor 1351: Heiliges Römisches Reich, Haus Solms (Gemeinsamer Besitz der Linien Solms-Braunfels, Solms-Burgsolms und Solms-Königsberg) ab 1351: Heiliges Römisches Reich, Grafschaften Solms-Braunfels, Solms-Burgsolms und Landgrafschaft Hessen ab 1415: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Braunfels und Landgrafschaft Hessen, Gemeinschaftliches Amt Hohensolms und Königsberg ab 1432: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Lich in verschiedenen Teilungskonstellationen und Landgrafschaft Hessen, Gemeinschaftliches Amt Hohensolms und Königsberg 1567–1604: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Lich in verschiedenen Teilungskonstellationen und Landgrafschaft Hessen-Marburg, Gemeinschaftliches Amt Hohensolms und Königsberg 1604–1648: hessischer Anteil strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1622: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen(-Darmstadt) (4/8), Grafschaften Solms-Hohensolms (3/8) und Solms-Lich (1/8), Gemeinschaftsamt Hohensolms und Königsberg ab 1629: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Hohensolms (3/4) und Grafschaft Solms-Lich (1/4), Amt Hohensolms ab 1718: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Hohensolms-Lich, Amt Hohensolms ab 1792: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Solms-Hohensolms-Lich, Amt Hohensolms ab 1806: Herzogtum Nassau,Mediatisierung infolge der Rheinbundakte. Amt Hohensolms1815; Abtrennung der Justiz (standesherrliches Justizamt Hohensolms). ab 1816: Königreich Preußen, Provinz Großherzogtum Niederrhein, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Braunfels, Amtsbürgermeisterei Hohensolms ab 1822: Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar, Amtsbürgermeisterei Hohensolms1849: Endgültige Trennung zwischen Justiz (Kreisgericht Wetzlar) und Verwaltung. ab 1866: Norddeutscher BundmDer Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar, Amtsbürgermeisterei Hohensolms ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar, Amtsbürgermeisterei Hohensolms ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Freistaat Preußen, Rheinprovinz, Regierungsbezirk Koblenz, Kreis Wetzlar, Amtsbürgermeisterei Hohensolms ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Kreis Wetzlar ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wetzlar ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Wetzlar ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Gemeinde HohenahrAm 1. Januar 1977 wurde Mudersbach als Ortsteil der neu gebildeten Gemeinde Hohenahr eingegliedert. ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Lahn-Dill-Kreis, Gemeinde Hohenahr
Einwohnerentwicklung
Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1834: 233 evangelische Einwohner • 1961: 315 evangelische (= 91,30 %), 25 katholische (= 7,25 %) Einwohner
Sehenswürdigkeiten und Kulturdenkmäler Siehe Liste der Kulturdenkmäler in Mudersbach
Das ehemalige Leiterhaus von Mudersbach steht heute im Hessenpark.
Literatur Geschichte des Großherzogtums Hessen. Band 2, Gießen 1819.
Timo Zimmermann: Hohensolms. Tal, Stadt, Gemeinde und Ortsteil. Zimmermann, Hohenahr 2000.
Weblinks
Ortsteil Mudersbach im Internetauftritt der Gemeinde Hohenahr.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise Kop. XV. Jh. Lich, Rotes Buch, fol. 202 v, vgl. hierzu Solmser Urkunden 1, S. XII. Abbildung in: Tiefenbacher Chronik S. 13
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