Bonsweiher ist ein Ortsteil der Gemeinde Mörlenbach im südhessischen Landkreis Bergstraße.

Geographie Geographische Lage Bonsweiher liegt im Vorderen Odenwald im Naturpark Bergstraße-Odenwald. Es befindet sich wenige Kilometer östlich der Bergstraße am Mittellauf des Ederbachs, eines rechten nordwestlichen Zuflusses der Weschnitz bei Mörlenbach-Mitte. Das Dorf liegt nordwestlich von Mörlenbach und seine Ortslage im Süden der Gemarkung Bonsweiher. Es ist eingerahmt von den bewaldeten Höhen des Großen Köpfchens (; Westnordwesten), der höchsten Erhebung der Gemarkung, und der Taschengrube (; Nordosten). Wenige Kilometer nordwestlich befindet sich der Gebirgspass Juhöhe (Landesstraße 3120) mit der nahen Siedlung Juhöhe und deren Ortslage Hasselhaag; dort gibt es eine kurze gemeinsame Grenze mit Laudenbach in Baden-Württemberg.

Geologie Das Gebiet um Bonsweiher zählt geologisch zum Bergsträßer Odenwald, welcher sich als westlicher Teil des Kristallinen Odenwalds von Darmstadt bis Heidelberg erstreckt und im Dreieck Heppenheim-Weinheim-Reichelsheim im Wesentlichen aus dem →Weschnitzpluton besteht. Dieser Granodiorit entstand im Unterkarbon vor etwa 333 bis 329 Mio. Jahren mit der variszischen Gebirgsbildung.Altherr, R. u. a.: Plutonism in the Variscan Odenwald (Germany): from subduction to collision. Int. J. Earth Sci. 88, S. 422–443, 1999. Solche Formationen sind noch im alten Steinbruch südlich des Zigeunerkopfes (359 m) erschlossen. Bei den tektonischen Prozessen der Gebirgsbildung rissen immer wieder in den Gesteinsmassen Spalten auf, in welche Schmelzen eindrangen und dort auskristallisierten. Ältere Granodioritbestände wurden so durch jüngere aplitartige Granite durchtrümmert (s. Flur Hofäcker). Viele Millionen Jahre später, das variszische Gebirge war inzwischen bis zu seinem Rumpf abgetragen worden, entstanden im Tertiär Granit-Felsgruppen: Das warmfeuchte Klima förderte die Verwitterung und die Bäche der Weschnitz-Seitentäler bei Mörlenbach, wie der Ederbach, schnitten sich tief ins Gelände ein und zersägten die Bergmassive. Deren obere Partien auf dem Höhenrücken der Juhöhe zerrissen in Blöcke, die anschließend durch Chemische Verwitterung abgerundet wurden (Wollsackverwitterung). Regengüsse spülten den Grus ins Tal, wo ihn die Bäche abtransportierten (Weiteres unter Geologie des Mörlenbacher Raums).

Geschichte Überblick Bonsweiher wurde, wie die benachbarten Dörfer der Weschnitznebentäler, etwa im 11. JahrhundertWagner, Otto (Bearbeiter): Heimatbuch Mörlenbach. Selbstverlag der Gemeinde Mörlenbach. 1983, S. 3,12. von Mörlenbach aus als planmäßige Waldhufensiedlung angelegt,Nitz, Hans-Jürgen: Die ländlichen Siedlungsformen des Odenwaldes. Heidelberger geogr. Arbeiten H. 7, Heidelberg/München 1962. in diesem Fall als offenes Reihendorf mit getrennter doppelseitiger TallageJungk, Arthur: Die Siedlungen des Odenwaldes nach Lage und Gestalt. Diss. Gießen 1910, d. h. die Höfe lagen in mehr oder minder regelmäßigen Abständen auf beiden Seiten der Dorfstraße und das Ackerland sowie die Wiesen erstreckten sich in zusammenhängenden Hufen bis zu den bewaldeten Höhenrücken. Damals gehörte das Gebiet zwischen Worms, Zwingenberg, Lindenfels, Hirschhorn und Weinheim (die ehemalige fränkische Heppenheimer Königsmark) zu den Ländereien des Klosters Lorsch. Während die Gemarkungen Mörlenbachs und der meisten Ortsteile 1232 in den Besitz des Kurfürsten von Mainz übergingen (s. auch Zent Mörlenbach), kam Bonsweiher schon vorher zur „Pfalzgrafschaft bei Rhein“ mit der Residenzstadt Heidelberg und nahm bis zur Bildung des Großherzogtums Hessen (1806) politisch und konfessionell eine andere Entwicklung. Der Weiler wurde nicht von Mörlenbach, sondern von Lindenfels aus verwaltet und die Eigentümer vergaben in den ersten urkundlichen Erwähnungen (1320 und 1324)Pfeifer, Johannes: Bonsweiher, Beiträge zu dessen Ortsgeschichte. In: Die Starkenburg 1931. den Ort Panzwyler (Weiler des Panzos. Wagner, 1983, S. 49ff.) als Lehen an die Lindenfelser Adelsfamilie Chreiz (oder Kreiß), die ihrerseits den steuerpflichtigen Bauern gegenüber als Lehnsherr auftrat und Verwaltungsaufgaben übernahm.Schumacher, Karl: Das Land zwischen Neckar und Main in der alemannischen und fränkischen Zeit. Heidelberg 1897, S. 6f.

Von kurzen Unterbrechungen abgesehen gehörte Bonsweiher bis 1803 zum pfälzischen, später hessischen Amt Lindenfels, danach zum Kreis Heppenheim. Zeitweise (1821 bis 1839) wurde das Dorf zusammen mit Albersbach vom Bürgermeister in Ober-Laudenbach mitverwaltet, von 1839 bis 1969 hatten Bonsweiher und Albersbach einen gemeinsamen Bürgermeister.

Da es zur damaligen Zeit noch keine verbindliche Rechtschreibung gab, variiert in den Dokumenten die Schreibweise des Ortsnamens zwischen Bantzwilre (1380)Zinsbuch für das Oberamt Heidelberg aus dem Jahr 1369. s. Generallandesarchiv Karlsruhe Sign. 66/3480., Bantzwyler (1439)Kurpfälzer Landschatzungslist von 1439. s. Bereinsammlung 3482., Banczwiler (1455)Zinsbuch von 1455. s. Hess. Staatsarchiv Darmstadt Salbuch 46a. und Bonßweyer (1721).Lindenfelser Amts-Protocoll von 1721. s. Wagner, 1983, S. 57ff.

Eine Urkunde von 1369 nennt 9 Höfe. Die Entwicklung verlief bis zum Ersten Weltkriegs. auch: Bonsweiher im ersten Weltkrieg.s. Wagner, 1983, S. 225–251. langsam, beschleunigte sich ab 1950 mit der Erschließung neuer Baugebiete, wodurch das Dorf vorwiegend zu einer Wohnsiedlung wurde (1613: 10, 1660: 5, 1742: 10, 1803: 17, 1828: 26, 1861: 48, 1900: 61, 1925: 68, 1950: 87, 1961: 109, 1968: 167, 1970: 189 Häusers. Wagner, 1983, S. 279ff.). In diesem Zusammenhang veränderte sich der landwirtschaftliche Charakter des Siedlungsbildes. Die unbebauten Flächen werden heute vorwiegend als Pferdeweiden und Streuobstwiesen genutzt. Von der einst als Erwerbszweig wichtigen Steinindustries. Wagner, 1983, S. 43. zeugen noch zwei Steinbrüche südlich des Zigeunerkopfes (359 m) im Granodiorit (s. o.).

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen schloss sich am 31. Dezember 1971 die Gemeinde Bonsweiher als letztes der ehemals selbständigen Nachbardörfer der Gemeinde Mörlenbach an. Für Bonsweiher wurde ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.

Vom Mittelalter bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts Der Ort entstand im Gebiet der ehemaligen „Mark Heppenheim“. Am 20. Januar 773 schenkte Karl der Große die Stadt Heppenheim nebst dem zugehörigen Bezirk, der ausgedehnten „Mark Heppenheim“, dem Reichskloster Lorsch. Nach langen Streitigkeiten konnten sich Kurpfalz und das Erzbistum Mainz Anfang des 14. Jahrhunderts über das Erbe aus der Lorscher Abtei einigen und die pfälzer Teile, und mit ihnen Bonsweiher, wurden durch die Amtsvogtei Lindenfels verwaltet, die bis 1737 dem Oberamt Heidelberg unterstand. Danach wurde Lindenfels ein Oberamt. Bonsweiher gehörte innerhalb des Lindenfelser Amtes zur Thalzent, dessen Zentgericht erst in Glattbach, später in Ellenbach und zuletzt in Schlierbach abgehalten wurde. Das Zentgericht hatte gemeinsam mit Lindenfels eine Richtstätte in den »Faustenbacher Hecken auf dem Bühel«. Für deren Unterhaltung musste die Thalzent die Hälfte der Kosten tragen. In seinem Siegel führte das Zentgericht ein Schild mit 3 Feldern. Im ersten Feld befand sich der Pfälzische Löwe, im zweiten die bayerischen Rauten und im dritten, untersten ein Knabe auf einem Hügel, über dessen Kopf eine Kugel schwebte.

Der Anlass der Ersterwähnung von 1320 war die Erlaubnis der Pfalzgräfin Mechthild als Lehnsherrin an Diemar Kreis von Lindenfels seiner Ehefrau ein Wittum auf Bonsweiher von 150 Pfd. zu überlassen. Im 14. Jahrhundert besitzen die Landschade von Steinach Bonsweiher pfandweise, bis dieses Pfand 1392 durch den Pfalzgrafen Ruprecht II. wieder ausgelöst wird.Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamenbuch - Starkenburg, Darmstadt 1937, S. 82

In den Anfängen der Reformation sympathisierten die pfälzischen Herrscher offen mit dem lutherischen Glauben, aber erst unter Ottheinrich (Kurfürst von 1556 bis 1559) erfolgte der offizielle Übergang zur lutherischen Lehre. Danach wechselten seine Nachfolger und gezwungenermaßen auch die Bevölkerung mehrfach zwischen der lutherischen, reformierten und calvinistischen Religion.

Am Ende des Dreißigjährigen Kriegs (1648) dürfte der Ort wie viele Gebiete der Kurpfalz fast menschenleer gewesen sein. Nach dem verheerenden Krieg betrieb die Kurpfalz auf ihrem Gebiet eine durch religiöse Toleranz geprägte Wiederansiedlungspolitik. Doch die in der unruhigen Folgezeit ausbrechenden Kriege wie der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688–1697) und der Spanische Erbfolgekrieg (1701–1714) machten viele der Bemühungen wieder zunichte und Zehntausende Pfälzer emigrierten u. a. nach Nordamerika und Preußen.

Nach dem Krieg war Bonsweiher eine Filiale der reformierten Pfarrei Schlierbach, aber auch in religiöser Hinsicht war die Zeit von großer Unruhe geprägt. 1685 starb die reformierte Linie Pfalz-Simmern aus und die katholischen Vettern der Linie Pfalz-Neuburg traten mit Kurfürst Philipp Wilhelm die Regierung in der Kurpfalz an. Dieser ordnete die Gleichstellung des katholischen Glaubens, in der mehrheitlich evangelisch bevölkerten Pfalz, an. Schon während des Pfälzischen Erbfolgekriegs hatte Frankreich versucht, in den eroberten Gebieten die Gegenreformation voranzutreiben, und etliche katholische Pfarreien gegründet. Der Krieg endete 1697 mit dem Frieden von Rijswijk, der die Stellung des zu diesem Zeitpunkt regierenden katholischen Kurfürsten Johann Wilhelm stärkte. Dies führte am 26. Oktober 1698 zum Erlass des Simultaneum. Danach waren die Katholiken berechtigt, alle reformierten Einrichtungen wie Kirchen, Schulen und Friedhöfe mitzunutzen, während dies umgekehrt nicht erlaubt wurde. Weiterhin wurde die bis dahin selbständige reformierte Kirchenverwaltung dem Landesherren unterstellt. Erst auf Betreiben Preußens kam es 1705 zur sogenannten Pfälzische Kirchenteilung in der das Simultanum rückgängig gemacht wurde und die Kirchen im Land wurden mitsamt Pfarrhäusern und Schulen zwischen den Reformierten und den Katholiken im Verhältnis fünf zu zwei aufgeteilt. Sonderregelungen gab es für die drei Hauptstädte Heidelberg, Mannheim und Frankenthal sowie die Oberamtsstädte Alzey, Kaiserslautern, Oppenheim, Bacharach und Weinheim. In den Städten mit zwei Kirchen sollte die eine den Protestanten und die andere den Katholiken zufallen; in den anderen, wo nur eine Kirche bestand, der Chor vom Langhaus durch eine Mauer geschieden, und jener den Katholiken, dieses den Protestanten eingeräumt werden. Den Lutheranern wurden nur jene Kirchen zugestanden, die sie im Jahr 1624 besaßen oder danach gebaut hatten.

Den Zehnten haben 1488 der Pfalzgraf und der Landschad von Steinach zu gleichen Teilen. 1568 und 1613 haben die Pfalzgrafen, die Propstei Lorsch und die Freiherren von Stettenberg den Zehnten zu je einem Drittel. Später gingen ein Drittel an die Kurmainzer Hofkammer im Namen des Klosters Lorsch und zwei Drittel an Kurpfalz.

Das ausgehende 18. und beginnende 19. Jahrhundert brachten Europa weitreichende Änderungen. Als Folge der Napoleonischen Kriege wurde bereits 1797 das „Linke Rheinufer“ und damit der linksrheinische Teil der Kurpfalz durch Frankreich annektiert. In der letzten Sitzung des Immerwährenden Reichstags in Regensburg wurde im Februar 1803 der Reichsdeputationshauptschluss verabschiedet, der die Bestimmungen des Friedens von Luneville umsetzte, und die territorialen Verhältnisse im Heiligen Römischen Reich (Deutscher Nation) neu regelte. Durch diese Neuordnung wurde die Kurpfalz aufgelöst und Bonsweiher kam mit dem Oberamt Lindenfels zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Dort wurde das Oberamt als hessische Amtsvogtei vorerst weitergeführt und dem „Fürstentum Starkenburg“ zugeordnet. Unter Druck Napoléons gründete sich 1806 der Rheinbund, dies geschah mit dem gleichzeitigen Reichsaustritt der Mitgliedsterritorien. Dies führte am 6. August 1806 zur Niederlegung der Reichskrone, womit das alte Reich aufhörte zu bestehen.