Die ZF Friedrichshafen AG (auch ZF Group, ZF = Zahnradfabrik) mit Sitz in Friedrichshafen ist ein weltweit tätiger deutscher Automobilzulieferer.
Der ZF-Konzern ist mit 162 Produktionsstandorten in 29 Ländern vertreten.
Aktionärsstruktur Zeppelin-Stiftung (93,8 Prozent) – verwaltet von der Stadt Friedrichshafen Dr. Jürgen und Irmgard Ulderup Stiftung, Lemförde (6,2 Prozent)
Geschichte
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Das Unternehmen wurde 1915 unter dem Namen Zahnradfabrik GmbH zur Herstellung von Zahnrädern und Getrieben für Luftfahrzeuge, Motorwagen und -boote mit dem Ziel, bessere Getriebe zu bauen, in Friedrichshafen am Bodensee gegründet. Von Anfang an standen zur Ausweitung der Geschäftsgrundlage Fahrzeuggetriebe als Geschäftszweck in der Gründungsurkunde. Der Entwicklungsleiter der Zeppelin GmbH, Alfred Graf von Soden-Fraunhofen, wollte Zahnräder nach einem neuen Verfahren herstellen, das der Schweizer Ingenieur Max Maag entwickelt hatte.
Gründer waren die Luftschiffbau Zeppelin GmbH, vertreten durch Alfred Colsman, und die Max Maag Zahnräderfabrik. Graf Soden und Theodor Winz wurden Geschäftsführer. In der Folge machte sich die Zahnradfabrik als Hersteller von Getrieben und Zahnrädern für Flugzeuge, Maschinen und Lastkraftwagen einen Namen. 1921 wurde das Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und es firmierte bis 1991 unter der Bezeichnung Zahnradfabrik Friedrichshafen AG. An der Bahnstrecke Friedrichshafen Stadt–Oberteuringen (Teuringertal-Bahn), die von 1922 bis 1954 Personenverkehr aufwies, wurde der Haltepunkt Friedrichshafen-Zahnradfabrik eingerichtet. Im Jahre 1926 wurde das Werk Berlin eröffnet; 1937 folgte das Werk Schwäbisch Gmünd.
ZF produzierte im Zweiten Weltkrieg Rüstungsgüter und beschäftigte bis Kriegsende 2800 Zwangsarbeiter, unter anderem im Standort ZF Passau sowie im KZ-Außenlager Passau II.100 Jahre ZF Friedrichshafen AG: Weltkonzern im Jubiläumsjahr, Pressemitteilung vom 5. Januar 2015. Dieses Kapitel der Betriebsgeschichte fand in den 2000er Jahren allmählich den Weg in die Öffentlichkeit.Uwe Berner (ZF Friedrichshafen AG): In: Forum Wirtschaftsethik, Juli 2001, Nr. 2, . Zwischen Juni 1943 und Februar 1945 wurden elf Luftangriffe auf die Stadt Friedrichshafen geflogen,Wilfried Geiselhart: In: Südkurier, 28. April 2004. die eine nahezu totale Zerstörung der Produktionsstätten am Stammsitz zur Folge hatten. In: ZF Friedrichshafen AG, 2016, abgerufen am 2. April 2016. Seit der Nachkriegszeit ist die ZF wieder im Rüstungsgeschäft tätig, so etwa als Zulieferer für den Panzer Leopard 1. Zudem ist ZF förderndes Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik e. V.
1959 gründete ZF den ersten Standort in São Caetano do Sul (Brasilien).Die ZF-Geschichte: Meilensteine der ZF-Geschichte. In: zf.com, abgerufen am 5. Februar 2023.
Zum Jahresbeginn 1970 beteiligte sich das US-amerikanische Unternehmen Borg-Warner zu 50 % an der Produktion von Pkw-Automatikgetrieben bei der Zahnradfabrik Friedrichshafen AG.Automatik-Getriebe. Zahn um Zahn. In: Der Spiegel, Nr. 5 vom 26. Januar 1970.
1984 beteiligte sich ZF an der Lemförder Metallwaren AG, heute der Division Fahrwerktechnik der ZF Friedrichshafen AG zugeordnet. Seit Jahresbeginn 1992 ist der Name des Unternehmens ZF Friedrichshafen AG. Die Farbe des Signets änderte sich von Schwarz auf Blau. Grund hierfür war zum einen die stärkere globale Ausrichtung des Unternehmens und zum anderen das geänderte Tätigkeitsfeld. Im Jahre 1999 wurde die Sparte Lenksysteme ausgegliedert und in eine eigenständige GmbH überführt. An dieser GmbH (ehemals ZF Lenksysteme mit Sitz in Schwäbisch Gmünd) waren bis zum 10. März 2015 sowohl die ZF Friedrichshafen AG als auch die Robert Bosch GmbH mit jeweils 50 % beteiligt, danach ging die ZF-Beteiligung an Bosch (Robert Bosch Automotive Steering GmbH). 2001 akquirierte die ZF Friedrichshafen AG das bislang größte Unternehmen, die Mannesmann Sachs AG, deren Aktivitäten heute in den Divisionen Antriebs- und Fahrwerktechnik zusammengefasst sind.
Im Jahr 2009 sank der Umsatz auf 9,37 Mrd. Euro und der Verlust belief sich auf 421 Mio. Euro. Im darauffolgenden Jahr stieg der Umsatz um 38 Prozent auf 12,9 Milliarden Euro,rts/dpa: Umsatzrekord geschafft. ZF Friedrichshafen obenauf. In: n-tv, 14. Dezember 2010. das Ergebnis nach Steuern betrug 443 Millionen Euro.
ZF bekam im September 2009 im Rahmen des Deutschlandsfonds infolge der Finanzkrise vom Lenkungsausschuss einen Kredit der KfW in Höhe von 250 Millionen Euro genehmigt.Angela Maier: In: Financial Times Deutschland, 16. September 2009. Dieser wurde über Geschäftsbanken an das Unternehmen ausgezahlt. Dieser Kredit musste nach Ende der Laufzeit mit Zinsen wieder zurückgezahlt werden. Das Unternehmen wollte 600 Millionen Euro einsparen, jedoch die Stammbelegschaft halten und keine Mitarbeiter abbauen. Die Mitarbeiterzahl hatte sich nach den Worten des damaligen CEOs Hans-Georg Härter auf der Pressekonferenz am 15. September 2009 bereits von rund 63.288 auf 59.771 verringert, so dass keine weitere Reduzierung angestrebt wurde.. In: Schwäbische Zeitung, 6. Oktober 2009.
2011 übernahm ZF die Windkraftsparte des Getriebeherstellers Hansen Transmissions und integrierte sie als Geschäftsfeld ZF Windpower.Andreas Veil: ZF sichert sich 96-Prozent-Mehrheitsanteil an Hansen Transmissions International. In: Windkraft Journal, 6. Oktober 2011. Im selben Jahr wurde in Pilsen die Tochtergesellschaft Openmatics gegründet, welche die gleichnamige Telematik-Plattform entwickelt.
Im Rahmen der Neuausrichtung des Konzerns verschmolzen im August 2011 alle großen deutschen ZF-Gesellschaften auf die ZF Friedrichshafen AG. Pressemitteilung vom 1. August 2011 und als .
Am 15. September 2014 gab ZF bekannt, den Automobilzulieferer TRW Automotive zu übernehmen., Pressemitteilung vom 15. September 2014. Die Übernahme kam Mitte Mai 2015 zum Abschluss. Mit dieser Fusion wurden ein Gesamtumsatz von rund 29 Mrd. Euro und ein Konzern mit über 130.000 Mitarbeitern geschaffen. Der Kauf kostete ZF 9,6 Milliarden Euro, zuvor wurde die ZF Lenksysteme (ZFLS), die bislang Bosch und ZF gemeinsam gehörte, aus kartellrechtlichen Gründen von ZF an Bosch verkauft. Von der Fusion erwartete man vor allem im Bereich der Elektromobilität und des Autonomen Fahrens neue Impulse.Andre Tauber: Übernahme. ZF Friedrichshafen zahlt 9,6 Milliarden für Rivalen. In: Die Welt, 15. September 2014.
Im November 2016 wurde das ZF Forum als neue Konzernzentrale eröffnet. Im Erdgeschoss beherbergt es ein öffentlich zugängliches Firmenmuseum.
Ende März 2019 gab ZF bekannt, den Automobilzulieferer WABCO für 7 Mrd. US-Dollar zu übernehmen.Für 7 Milliarden Dollar: ZF Friedrichshafen kauft Bremsenhersteller Wabco, FAZ vom 28. März 2019, abgerufen am 5. Juni 2020. Am 27. Juni 2019 stimmten die Aktionäre von WABCO dem Übernahmeangebot zu. Der Abschluss des Vorgangs erfolgte am 29. Mai 2020. Dabei wurde WABCO als eigene Division in den Konzern integriert. Aus ebenfalls kartellrechtlichen Gründen verkaufte ZF den zuvor zu WABCO gehörenden Konzernteil R.H. Sheppard an die Bendix Commercial Vehicle Systems LLC, einem Tochterunternehmen von Knorr-Bremse, für 149,5 Millionen US-Dollar.
Im Oktober 2022 kündigte ZF an, die Division „Passive Sicherheitstechnik“ aus dem Konzern herauszulösen und verkaufen zu wollen. Sie fertigt hauptsächlich Sicherheitsgurte und Airbags.fr.de: Autozulieferer in den Schulden: ZF Friedrichshafen verkauft Teile des Unternehmens (21. Februar 2024).
Im Dezember 2025 wurde angekündigt, den mit 1,5 Milliarden Euro bewerteten Geschäftsbereich der Fahrerassistenzsystemen (Adas) mit 3750 Mitarbeitern in Koblenz an die Samsung-Tochter Harman zu verkaufen.
Am 16. Januar 2026 gab ZF bekannt, dass bis Ende 2028 weltweit bis zu 14.000 Arbeitsplätze wegfallen sollen, davon etwa 7.600 in Deutschland. Zudem wird in Teilen der Belegschaft die Arbeitszeit reduziert, um weitere Kosten einzusparen. Hintergrund dieser Maßnahmen sind die finanziellen Schwierigkeiten des Unternehmens. Im Jahr 2025 verbuchte ZF einen Rekordverlust von 2,1 Milliarden Euro, was eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr darstellt. Dieser Verlust resultierte aus Abschreibungen unprofitabler Projekte. Trotz eines Anstiegs des bereinigten operativen Ergebnisses bleibt ZF mit einer Nettoverschuldung von 10,2 Milliarden Euro hoch verschuldet.
Am 16. April 2026 wurde bekannt, dass der ZF-Lemförder-Achssysteme-Standort in Lebring (Steiermark) bis zum 31. Dezember 2027 vollständig geschlossen und die Produktion nach Polen und in die Slowakei verlagert werden soll. Rund 300 Beschäftigte sind von der Maßnahme betroffen. Als Gründe wurden ein schwieriges Marktumfeld, rückläufige Nachfrage sowie geopolitische und handelspolitische Unsicherheiten genannt. Hier werden "u. a. Hinterachslenkungen und elektrische Wankstabilisierungen gefertigt, die überwiegend als Sonderausstattung" in Kfz verbaut wurden. Die Nachfrage danach ging besonders stark zurück.Manfred Neuper: 300 Jobs: ZF-Werk in Lebring sperrt zu. Kleine Zeitung, Print, 17. April 2026, S. 33 f.
Tätigkeitsfelder Die Produkte von ZF umfassen Getriebe, Lenkungen, Achsen, Kupplungen, Stoßdämpfer, Fahrwerkskomponenten und -systeme, Gummi-Metallkomponenten, und andere Bauteile für Pkw, Zweiräder, Lkw, Busse, Baumaschinen, Landmaschinen, Bahn, Schiff, Windkraft und Maschinen. Im Sommer 2024 stellte ZF kompakte 48-V-E-Bike-Antriebe mit 75 und 90 Nm Drehmoment vor.
Aktive Sicherheitstechnik Die Division Aktive Sicherheitstechnik mit Hauptsitz in Alfdorf verantwortet die Entwicklung und Produktion von Lenk- und Bremssystemen für die Automobilindustrie. Zu den Produkten gehören beispielsweise elektrische und elektrohydraulische Servolenkungen, die elektronische Stabilitätskontrolle (ESC), integrierte Bremssysteme (IBC) und elektrische Parkbremsen (EPB). Im Jahr 2021 wurde ein Umsatz von 5,298 Milliarden Euro generiert.Geschäftsbericht 2021. In: zf.com, abgerufen am 1. Februar 2022.
Passive Sicherheitstechnik Die Sparte Passive Sicherheitstechnik bietet Insassenschutz für Automobile an, also Airbags, Airbag-Gasgeneratoren, Sicherheitsgurte und Lenkräder. Der Hauptsitz der Sparte, die 2021 einen Umsatz von 3,08 Milliarden Euro generierte, ist in Alfdorf.
Pkw-Antriebstechnik mini|Achtgang-Stufenautomatikgetriebe der ZF Friedrichshafen AG vom Typ 8HP70 mini|Elektro-Antriebseinheit von 2012
In der Division Antriebstechnik mit Hauptsitz in Saarbrücken bündelt ZF die Aktivitäten der Antriebstechnik für Personenkraftwagen. Dazu gehören Entwicklung, Produktion und Vertrieb von Getrieben, Achsgetrieben, Antriebsmodulen und Antriebskomponenten. Die Division gliedert sich in die drei Geschäftsfelder Getriebe, Achsgetriebe und Antriebsmodule an zwanzig Produktions- und Entwicklungsstandorten mit ca. 20.000 Beschäftigten: Das Geschäftsfeld Getriebe entwickelt, produziert und vertreibt Automatikgetriebe, manuelle Getriebe und Doppelkupplungsgetriebe an sieben Standorten. Das Geschäftsfeld Antriebsmodule ist für aktive Anfahrsysteme wie Drehmomentwandler und Doppelkupplungen, Kupplungssysteme, Zweimassenschwungräder, Automatisierung manueller Getriebe sowie elektrische Antriebe verantwortlich. Diese Produkte werden an acht Standorten weltweit entwickelt und produziert. Der Hauptsitz des Geschäftsfelds ist in Schweinfurt. 2019 betrug der Umsatz der Division 7,312 Milliarden Euro.Geschäftsbericht 2019. In: zf.com (PDF; 11,8 MB).
Anfang 2012 übernahm ZF das Neunkircher Werk der Bauknecht Hausgeräte GmbH im Saarland und 240 dort beschäftigte Mitarbeiter, wo bislang Geschirrspüler produziert wurden. Grund war die Verlagerung und Vergrößerung der bisherigen Komponentenfertigung in Saarbrücken, die an Kapazitätsgrenzen gekommen war.ZF übernimmt Bauknecht-Werk. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Juli 2011.