Mississippi Burning – Die Wurzel des Hasses ist ein Filmdrama unter Regie von Alan Parker mit Gene Hackman und Willem Dafoe in den Hauptrollen. Die Handlung des Filmes basiert lose auf den Mississippi-Bürgerrechtsaktivisten-Morden des Jahres 1964. Der Film erschien 1988 zu guten Kritiken.
Handlung 1964 im US-Bundesstaat Mississippi: Drei junge Männer sind nachts auf einer abgelegenen Straße unterwegs, als sie von sieben Männern in drei Fahrzeugen verfolgt und bedrängt werden. Als sie auf einem Fahrzeug ein Polizeilicht sehen, halten sie an. Daraufhin werden sie als „Judenbengel“ und „Niggerfreunde“ beschimpft und erschossen. Bei den drei Männern (zwei Weißen und einem Schwarzen) handelt es sich um Bürgerrechtler, die sich für das Wahlrecht für Schwarze eingesetzt hatten. Nachdem die Männer als vermisst gemeldet worden sind, werden zwei FBI-Agenten zur Aufklärung des Falles ins ländliche Jessup County geschickt: der junge, getreu nach den Buchstaben des Gesetzes agierende Alan Ward aus dem Norden sowie der ältere Rupert Anderson, der früher einmal selbst Sheriff in diesem südlichen Bundesstaat war.
Der am Ort herrschende offene Rassismus, die mangelnde Kooperationsbereitschaft der lokalen Polizeibehörden und die – durch gegen sie gerichtete Brandstiftungen – eingeschüchterten Schwarzen erschweren die Ermittlungen. Als versucht wird, beide Agenten einzuschüchtern, indem ihnen ein brennendes Kreuz vor die Tür gestellt wird, fordert Ward zusätzliche Agenten an. Sie finden den ausgebrannten Wagen der jungen Männer in einem Sumpfgebiet in der Nähe. Jetzt sind beide überzeugt, dass die Vermissten das Gebiet nie verlassen haben und tot sein müssen. Daraufhin fordert Ward eine Hundertschaft von Mitarbeitern des FBIs und Militärpersonal an, um mit deren Hilfe das gesamte Sumpfgebiet nach den Toten zu durchsuchen. Sie finden die Leichen nicht.
Anderson sucht währenddessen den Kontakt zu der Ehefrau des Hilfssheriffs Clinton Pell, weil er durch ein Foto darauf aufmerksam wurde, dass dieser Mitglied des Ku-Klux-Klans ist. Sie verschafft ihrem Mann ein Alibi für die Tatzeit, gesteht aber später, entsetzt über das Geschehene, dass ihr Mann an den Morden beteiligt war und die Leichen auf einer Farm unter einem Erdwall vergraben sind. Als das FBI die Leichen birgt, vermuten die Täter sogleich, dass Pells Frau geredet hat; diese wird deshalb von ihrem Mann und einigen Mittätern in ihrem Haus brutal zusammengeschlagen. Ward und das FBI akzeptieren daraufhin aufgrund der neuen Erkenntnisse Andersons dessen illegale Methoden: dieser ist wegen der Misshandlung von Pells Frau besonders entschlossen, auch solche Methoden zu nutzen.
Sie lassen den Bürgermeister Tilman von einem schwarzen FBI-Kollegen entführen, weil sie aufgrund seiner mit der Zeit immer stärker werdenden Aggressivität merken, dass er über das Geschehene Bescheid weiß. Der FBI-Mann zwingt ihn unter Folterandrohung zur Aussage und lässt ihn dann laufen. Laut dessen erpresster Aussage haben Clinton Pell und sein Freund Frank Bailey die Bürgerrechtler erschossen, wobei auch andere, indirekt auch der Sheriff, geholfen haben, und sie dabei auch ihre Möglichkeiten innerhalb der lokalen Polizeibehörde dafür missbraucht haben. Alle sind Mitglieder des Ku-Klux-Klans, was Tilman vor der Tat auch wusste, und wurden zu dieser Tat durch ihr Oberhaupt Clayton Townley angestiftet. Aufgrund der illegalen Methode der Aussageerzwingung kann diese Aussage jedoch für eine Anklage nicht verwendet werden, und eine Anklage wegen Mordes ist in Mississippi auch bei ausreichendem Beweismaterial wegen des herrschenden Rassismus nicht erfolgversprechend. Deswegen beschließen sie, die Täter wegen Verletzung der Bürgerrechte vor ein Bundesgericht zu bringen und entsprechende legale Beweise gegen die Täter dafür zu sammeln.
Mit Hilfe der illegalen Aussage können die FBI-Ermittler später durch Manipulationen, Lügen und Täuschungsmanöver diese legalen Beweise sammeln und einen Insider zum Reden bringen, der alles bestätigt. Daraufhin werden alle Beteiligten verhaftet und angeklagt. Clinton Pell, Frank Bailey und Clayton Townley werden zu je zehn Jahren Haft verurteilt, Floyd Swilley und Wesley Cooke zu je sieben Jahren und Lester Cowens, der Insider, zu drei Jahren Haft verurteilt. Sheriff Stuckey wird wegen mangelnder Beweise freigesprochen, weil er sich ein Alibi verschaffen und somit auch Zweifel hinsichtlich seiner Schuld begründen konnte, während Tilman sich erhängt, um der Verhaftung wegen Beihilfe durch Unterlassen entgehen zu können.
Historischer Hintergrund Der Film wurde inspiriert vom tatsächlichen Fall der Ermordung von drei Bürgerrechtlern (James Earl Chaney, Michael Schwerner und Andrew Goodman) durch Mitglieder des White Knights of the Ku Klux Klan in Neshoba County am 21. Juni 1964.Bernd Pickert: Spätes Urteil im Rassismus-Mord. In: TAZ, 15. Juli 2007.Bernadette Calonego: Morde des Ku-Klux-Klan: Aufklärung am Mississippi. Wie ein Dokumentarfilmer 43 Jahre nach dem Mord an zwei schwarzen Teenagern den rassistischen Täter fand. In: Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010. Der Filmtitel greift den damaligen Decknamen der FBI-Untersuchung auf: Mississippi Burning, abgekürzt MIBURN.Frankfurter Rundschau: Mississippi Burning. In: FR-Online, 25. Juli 2008.Der Spiegel: Tief im Süden. In: Der Spiegel, 20. März 1989. Der Fall wurde bereits 1975 unter dem Titel Attack on Terror: The FBI vs. the Ku Klux Klan als zweiteiliges TV-Doku-Drama für den Fernsehsender CBS verfilmt, das 1980 unter dem deutschen Titel FBI – Kampf dem Terror auch im ZDF ausgestrahlt wurde.
Dem im Film beschriebenen Anschlag auf Homer Wilkes liegt der echte Fall des Afroamerikaners Judge Edward Aaron zugrunde. Dieser wurde von sechs Mitgliedern des Ku-Klux-Klans 1957 zusammengeschlagen, lebensgefährlich verletzt und kastriert.Eskew, Glenn T. But for Birmingham: The Local and National Movements in the Civil Rights Struggle, Chapel Hill: University of North Carolina Press, 1997. (S. 115) Zwei der Täter sagten als Kronzeugen gegen die anderen aus und erhielten eine reduzierte Haftstrafe. Als der rassistische Gouverneur George Wallace sein Amt antrat, begnadigte er sofort die Täter – allerdings nicht die beiden Kronzeugen. Eine Begründung nannte er nicht.
Lawrence A. Rainey, der 1964 Sheriff von Neshoba County war, verklagte nach dem Erscheinen des Films die Produktionsfirma Orion wegen Verleumdung. Nachdem Orion angekündigt hatte, neue Zeugen zu präsentieren, die seine Verwicklung in die Morde bestätigen würden, ließ er die Klage 1989 fallen.Aimee Edmondson, In Sullivans Shadow. The Use And Abuse Of Libel Law During The Civil Rights Movement, Dissertation, University of Missouri 2008, S. 111–115, pdf
Entstehung und Veröffentlichung Die Dreharbeiten zum Film begannen am 7. März 1988 und endeten im Mai 1988. Gedreht wurde im Bundesstaat Mississippi sowie in La Fayette (Alabama).
Im Dezember 1988 startete der Film als „Limited Release“ in ausgewählten US-Regionen, der bundesweiter Kinostart folgte am 27. Januar 1989. In die deutschen Kinos kam Mississippi Burning am 6. April 1989. Zuvor wurde der Film im Rahmen des Wettbewerbs der Internationalen Filmfestspiele Berlin 1989 gezeigt. Gegenüber einem geschätzten Budget von 15 Mio. US-Dollar spielte er an den US-Kinokassen rund 34,6 Mio. US-Dollar ein. Inflationsbereinigt entspricht dies inzwischen Einnahmen von etwa Mio. US-Dollar.
Kritiken
Mississippi Burning erhielt ein gutes Presseecho, was sich auch in den Auswertungen US-amerikanischer Aggregatoren widerspiegelt. So erfasst Rotten Tomatoes überwiegend freundliche Besprechungen und ordnet den Film damit als „Frisch“ ein. Laut Metacritic fallen die Bewertungen im Mittel „Grundsätzlich Wohlwollend“ aus. Es folgen einige repräsentative Kritikerstimmen:
Auszeichnungen Bei der Oscarverleihung 1989 gewann Kameramann Peter Biziou einen Oscar in der Kategorie Beste Kamera. Darüber hinaus war der Film in sechs weiteren Kategorien für einen Oscar nominiert: Bester Hauptdarsteller (Gene Hackman), Beste Nebendarstellerin (Frances McDormand), Beste Regie (Alan Parker), Bester Schnitt (Gerry Hambling), Bester Film sowie Bester Ton. Zur Verleihung der Golden Globe Awards 1989 war der Film in vier Kategorien nominiert: Beste Regie (Alan Parker), Bester Hauptdarsteller – Drama (Gene Hackman), Bestes Filmdrehbuch (Chris Gerolmo), sowie Bester Film – Drama. Im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Berlin 1989 gewann Gene Hackman den Filmpreis Silberner Bär als Bester Darsteller, Regisseur Alan Parker war zudem für den Filmpreis Goldener Bär nominiert. Bei der Verleihung der britischen BAFTA Film Awards gewann der Film in drei Kategorien einen Preis (für Kamera, Schnitt und Ton) und war zudem in zwei weiteren Kategorien nominiert (für Regie und Filmmusik). 1989 wurde der Film mit dem Political Film Society Award für Menschenrechte ausgezeichnet.
Siehe auch
Edgar Ray Killen
Weblinks
Caroline Jalfin: Mississippi Burning. Eintrag bei Mississippi Encyclopedia, 11. Juli 2017, zuletzt aktualisiert am 23. September 2025.
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1988 Kategorie:US-amerikanischer Film Kategorie:Thriller Kategorie:Film über den Ku-Klux-Klan Kategorie:Alan Parker Kategorie:Rassentrennung im Film