Das Höllengebirge ist ein nach Norden vorgeschobenes Faltengebirge im oberösterreichischen Teil des Salzkammergutes und wird den Nördlichen Kalkalpen zugerechnet. Das durchschnittlich auf liegende Hochplateau hat seinen höchsten Punkt im Großen Höllkogel mit Das stark verkarstete Gebirge besteht vorwiegend aus Wettersteinkalk und entwässert größtenteils unterirdisch. Durch Alpenvereinshütten und ein großes Wegenetz ist das Höllengebirge für den Tourismus erschlossen. Am Feuerkogel und beim Taferlklaussee befinden sich Wintersportgebiete. Der Feuerkogel ist ganzjährig mit der Feuerkogelseilbahn von Ebensee am Traunsee aus erreichbar. Wälder sind nur an den Flanken des Gebirges vorhanden. Das Plateau selbst ist mit ausgedehnten Beständen der Latschenkiefer (Pinus mugo) bedeckt. Das Höllengebirge ist Eigentum der Österreichischen Bundesforste. Der Name stammt vom Talkessel „In der Höll“ an der Südseite des Gebirges.
Geographie Umgrenzung mini|Topografische Karte des Höllengebirges mini|Die Südseite des Höllengebirges von Südwesten aus der Luft gesehen Die Nordgrenze bilden der Kienbach, der vom Sattel Krahbergtaferl zum Attersee fließt, sowie der Oberlauf der Aurach vom Taferlklaussee bis zur Großalm. Die Grenze verläuft dort hinauf zum hohen Sattel Lueg, hinunter zum Hinteren Langbathsee und entlang des Langbathbaches bis zu dessen Mündung in den Traunsee in Ebensee. Im Südosten wird das Gebiet zwischen Ebensee und Mitterweißenbach durch die Traun begrenzt. Die südwestliche Grenze zwischen Mitterweißenbach und Weißenbach am Attersee bildet das Weißenbachtal. Entlang des Atterseeufers zwischen Weißenbach und Seefeld wird die Grenze geschlossen.
Das Höllengebirge besitzt eine maximale Ausdehnung zwischen dem Attersee im Westen und dem Traunsee im Osten von 17 und von Nord nach Süd von 11 Kilometern; es umfasst eine Gesamtfläche von 126,8 km².
Zuordnung Nach der Alpenvereinseinteilung der Ostalpen (AVE) gehört das Höllengebirge zu den Salzkammergut-Bergen (17a). Verwaltungsmäßig befindet sich das Gebirge in dem zum Hausruckviertel gehörenden Bezirk Vöcklabruck (Westen) und in dem zum Traunviertel gehörenden Bezirk Gmunden (Osten). Während historisch das Höllengebirge zur Gänze zu dem seinerzeit bis zur Traun reichenden Hausruckviertel zählte, wird die Grenze zwischen Hausruck- und Traunviertel heute entlang der Bezirksgrenze gezogen und verläuft vom Krahbergtaferl zum Hochleckenhaus, über den Grünalmkogel und zur Hohen Rehstatt bis zur Weißenbacher Straße im Süden.
Folgende Gemeinden des Bezirkes Gmunden haben Anteil am Höllengebirge: die Stadtgemeinde Bad Ischl mit einem Teil der Katastralgemeinde Jainzen, die Marktgemeinde Ebensee mit der Katastralgemeinde Langwies und Teilen der Katastralgemeinde Oberlangbath sowie die Marktgemeinde Altmünster mit Teilen der Katastralgemeinde Neukirchen. Im Bezirk Vöcklabruck erstreckt sich das Höllengebirge auf einen Großteil der Orts- und Katastralgemeinde Steinbach am Attersee.
Verkehr Im Norden verläuft die Großalm Straße L544 von Steinbach am Attersee bis nach Neukirchen bei Altmünster. Sie hat ihren höchsten Punkt an der Taferlhöhe , unweit des Taferlklaussees. Im Osten führt von Ebensee die Langbath Straße L1297 zum Vorderen Langbathsee. Entlang der Traun führt im Osten die Salzkammergutstraße. Im Süden führt die Weißenbacher Straße durch das Weißenbachtal. Sie beginnt bei der Salzkammergutstraße und endet in Weißenbach am Attersee im Westen. Entlang des Ostufers des Attersees befindet sich die Seeleiten Straße. Die Feuerkogelseilbahn ist eine Luftseilbahn und führt von Ebensee auf den Feuerkogel. Vom Ebenseer Ortsteil Langwies führt von Südosten eine als Schotterpiste ausgeführte Straße auf den Feuerkogel. Diese ist für den öffentlichen Verkehr gesperrt, ein Befahren mit Fahrrädern ist jedoch gestattet.
Topographie mini|Die Ostwände des Hohen Spielbergs fallen steil zum Hinteren Langbathsee ab Das Höllengebirge ist ein Plateaugebirge mit einer durchschnittlichen Höhe von Die Hochfläche ist von Gräben und Gruben zerfurcht und mit Dolinen übersät. Die Senke des Pfaffengrabens, der teilweise unter liegt, trennt die Hochfläche in das kleinere westliche und das größere östliche Höllengebirge. Das Höllengebirge hat den höchsten Punkt im Großen Höllkogel mit Die Nordabstürze sind sehr steil, felsig und haben teilweise bizarre Felstürme wie die Adlerspitze und die Steinernen Männer. Sie beginnen beim Attersee und erreichen bei der Madlschneid bereits eine Wandhöhe von 600 Metern.
Die Wände sind von flacheren Abschnitten unterbrochen, wie der Brennerriese, dem Bleggagraben und dem Langen Graben. Am östlichen und westlichen Ende werden die Felswände immer steiler und unzugänglicher. Die 600 Meter hohe Gamswand des Hohen Spielbergs bildet den Abschluss des Langbathtales. Die Südhänge sind weniger exponiert. In steilen Hängen und Plattenschüssen steigt das Gebirge zur Hochfläche an. Charakteristisch für den Mittelteil der Südhänge sind die Lawinenstriche Brunnlahngang, Klauslahngang und Hasellahngang. An den Südabhängen befindet sich auch das namensgebende Kar In der Höll.
Gipfel Durch markierte Wege erschlossene Gipfel des Höllengebirges (Auswahl): + Westliches Höllengebirge Gipfel Höhe Grünalmkogel 1821 Brunnkogel 1708 Hochleckenkogel 1691 Brennerin 1602 Dachsteinblick 1559 Schoberstein 1037
+ Östliches Höllengebirge Gipfel Höhe Großer Höllkogel 1862 Hochhirn 1821 Vorderer Kesselgupf 1822 Eiblgupf 1813 Helmeskogel 1633 Feuerkogel 1592
Gewässer mini|Blick vom Brunnkogel auf den Vorderen Langbathsee Rings um das Höllengebirge gibt es eine Reihe von Bächen, die zum größten Teil am Gebirgsfuß entspringen. Die allgemeine Wasserscheide verläuft von der Taferlhöhe über den Hochleckenkogel zum Sulzberg und über die Hohe Rehstatt zum Jagdhaus Umkehrstube im Weißenbachtal. Im Kienbach und im Äußeren Weißenbach sammeln sich die Bäche, die zum Attersee fließen. Die wichtigsten Zubringer sind der Zwieselbach im Norden und der Gimbach im Süden.
Die Aurach entspringt am Ende des Langen Grabens und bildet kurz darauf den Taferlklaussee. Der Hintere und der Vordere Langbathsee sammeln das Wasser aus dem nordöstlichen Teil des Gebirges. Direkt zur Traun fließen nur einige kleinere Bäche aus der Gegend der Spitzalm. Der Mitterweißenbach führt die Wässer aus dem Süden des Gebirges zur Traun und hat mit dem Höllbach und dem Wambach seine größten Zuflüsse.
Geologie Tektonik mini|hochkant|Senkrecht stehender Wettersteinkalk des Alberfeldkogels an der Stirn der Höllengebirgsdecke Tektonisch ist das Höllengebirge eine mächtige, nach Norden gekippte (nordvergente) aufgewölbte Falte (Antiklinale) der Staufen-Höllengebirgs-Decke, die zur Tirolischen Deckeneinheit (Tirolikum) gehört, wobei im Süden der Hangendschenkel mit einem Winkel zwischen 25 und 35 Grad ansteigt und sich bis zum Höllengebirgs-Nordrand allmählich in eine saigere bis leicht überkippte Schichtstellung dreht. Unter der Höllengebirgsdecke liegt die Langbathzone (Bajuvarikum), die im Gebiet des Vorderen Langbathsees mit etwa vier Kilometer Nord-Süd-Erstreckung ihre größte Breite erreicht. In der mittleren Kreide vor etwa 80 Millionen Jahren fand die erste Auffaltung des Gebirges statt, das danach wieder vom Gosaumeer überflutet wurde. Im Tertiär wurde das Höllengebirge zusammen mit den Alpen ein weiteres Mal angehoben und nach Norden verschoben. Damit hatte die Deckenbildung ihren bisherigen Abschluss. Im Zuge der Aufschiebung der Höllengebirgsdecke wurde die darunter lagernde Langbathzone mitgeformt, sodass sie im Stirnbereich der Höllengebirgsdecke ebenfalls leicht nach Norden einfällt.
Lithostratigraphie In ihrem zentralen Teil besteht die Höllengebirgsdecke fast ausschließlich aus Wettersteinkalk, der vom Anisium bis zum frühen Karnium der Trias vor etwa 247 bis 235 Millionen Jahren aufgebaut wurde. Im Süden, östlich bis zum Wambachtal, bildet Wettersteindolomit den Fuß des Gebirges. Dieser bildete sich während derselben Epoche, weist jedoch einen höheren Magnesiumanteil auf. Die Mächtigkeit des Wettersteinkalks beträgt im Westen 1000 bis 1200 und im Osten knapp 1000 Meter. Im Südosten bildet der stratigraphisch höhere, also jüngere Hauptdolomit den Rahmen des Gebirges. Dazwischen befinden sich wenige Zehnermeter mächtige Schichten der Lunz-Formation, die den Trennungshorizont zwischen dem Wettersteindolomit und dem Hauptdolomit bildet. Die Lunz-Formation wird von der Opponitz-Formation begleitet.
Die Langbathzone wird von einem schmalen Band aus Lunzer-Schichten von der Höllengebirgsdecke getrennt. Sie besteht überwiegend aus Hauptdolomit und darüberliegendem Plattenkalk (Norium), über dem in Ost-West gerichteten Mulden Sedimente der Kössen-Formation (Rhaetium) und der Schrambach-Formation (Unterkreide) folgen. Diese bestehen vorwiegend aus Mergel, Radiolarit, Sandstein, Konglomerat und Brekzie.
Ehemalige Vergletscherung mini|Blick auf den Ostabfall zwischen Grünalmkogel (links) und Brunnkogel (rechts) sowie auf den ehemaligen Gletscherabfluss durch das Langbathtal Das Höllengebirge war während der Eiszeiten immer vergletschert, wobei am Plateau der Gletscher wenig floss und die Altlandschaft erhalten blieb. An den Flanken jedoch schürfte das Eis Kare und Lahngänge aus. Durch die markanten Endmoränen sind die Gletscherverläufe des Würm besonders gut erkennbar. Der mächtigste Gletscher entwickelte sich im Einzugsgebiet des Langbathbaches aus den Karen zwischen dem Brunn- und dem Alberfeldkogel. Er füllte das Tal bis auf eine Höhe von mehr als , konnte jedoch den Sattel des Lueg zum Aurachtal nicht überschreiten. Eine weitere Gletscherzunge entwickelte sich aus dem Kar um das Antoniusbründl. Die Endmoräne befindet sich beim Wirtshaus Kienklause. Im Aurachkar bildete sich ebenfalls ein Gletscher, der das Becken um den Taferlklaussee füllte. Endmoränen gibt es beim Wirtshaus Großalm; sie bilden auch den Sattel Krahbergtaferl. Die südlich abfließenden Gletscher vereinigten sich mit dem Traungletscher, und zwar mit dessen Seitenast, der durch das Weißenbachtal nach Westen floss.
Hydrogeologie mini|Der Aurachursprung im Aurachkar an der Nordseite Der tiefgründig verkarstete Wettersteinkalk des Höllengebirges entwässert unterirdisch. So befinden sich am Plateau keine Seen oder Bäche und nur sehr wenige Quellen wie das Antoniusbründl. Die meisten und sehr ergiebigen Karstquellen gibt es am Südfuß, nur wenige am Nordfuß. Dies ist auf das Einfallen der Höllengebirgsdecke und der Langbathzone zurückzuführen, da die Deckengrenze von wasserstauenden Sedimenten begleitet wird und ein leichtes Gefälle in Richtung Süden existiert. Nachgewiesen wurde der Abfluss nach Süden erstmals 1983 bei einem Markierungsversuch der Hydrologischen Untersuchungsstelle Salzburg, als westlich des Hochleckenkogels an der Nordgrenze ein Tracer eingespeist wurde und ausschließlich im Gimbach-Ursprung an der Südseite ein Farbdurchgang zu verzeichnen war. + Schüttungscharakteristik der größten Quellen des Höllengebirges auf Basis von Monatswerten der Jahre 1981 bis 1984 Quelle Lage Seehöhe[m ü. A.] Minimale beobachteteSchüttung [l/s] Mittlere beobachteteSchüttung [l/s] Maximale beobachteteSchüttung [l/s] Schwarzenbachquelle Süd 520 70 538 2500 Gimbach-Ursprung Süd 650 50 342 3500 Höllbach-Ursprung Süd 600 50 326 2500 Miesenbachquelle Ost 455 24 916 9581
Karst mini|hochkant|Rinnenkarren im Hinteren Aurachkar