Der Attersee (auch Kammersee) ist ein See im oberösterreichischen Teil des Salzkammergutes im Bezirk Vöcklabruck und liegt auf Der südlichste Teil des Ufers gehört zum Bundesland Salzburg. Der Ablauf des Attersees ist die Ager, die über die Traun in die Donau entwässert. Der nährstoffarme See bietet mit seinen vielgestaltigen Ufern Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten und ist seit 2006 als Natura-2000-Gebiet ausgewiesen. Mit über 46 km² Wasserfläche ist er der größte ganz in Österreich liegende See. Mit 169 Metern ist er nach dem Traunsee der zweittiefste See in Österreich und wird beim Wasservolumen von fast 4 Milliarden Kubikmetern nur vom (gesamten) Bodensee übertroffen. Der Attersee im Besitz der Österreichischen Bundesforste ist ein bedeutendes Tourismusziel in Oberösterreich und ein beliebter Badesee sowie ein Tauch- und Segelrevier. Am Atterseeufer befinden sich Überreste jungsteinzeitlicher Pfahlbausiedlungen, die Teil der UNESCO-Welterbestätte Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen sind.
Geographie Der Attersee liegt im oberösterreichischen Salzkammergut im Bezirk Vöcklabruck. Größere Orte am Ufer sind Seewalchen und Schörfling im Norden, Weyregg und Steinbach im Osten sowie Unterach, Nußdorf und Attersee im Westen. Zusätzlich zu diesen Gemeinden hat die Gemeinde Berg im Attergau Anteil an der Seefläche. Das Südufer zwischen Unterach und Weißenbach am Attersee gehört zum Bundesland Salzburg. Dort befindet sich die kleine Ortschaft Unterburgau, eine Katastralgemeinde der Gemeinde Sankt Gilgen.
Der von Nord nach Süd langgestreckte See hat eine Länge von 18,9 km und eine maximale Breite von 3,3 km. Die Oberfläche beträgt etwa 46,2 km², die durchschnittliche Tiefe 85 m. Die tiefste Stelle ist in der ÖK 50 mit 169 m angegeben. 2014 haben Taucher nach eigenen Angaben eine Stelle mit einer Tiefe von 172,6 m entdeckt.Neue tiefste Stelle mit 172,60 Metern im Attersee entdeckt, salzi.at vom 16. September 2014, abgerufen am 15. Juli 2016. Das Wasservolumen beträgt 3943 Millionen Kubikmeter.
Ufer Die Uferlänge des Attersees beträgt 48,5 km. Sämtliche Ufer sind stark verbaut und der größte Teil der Uferstrecken ist im Privatbesitz und nicht öffentlich zugänglich. Viele Gemeinden am Attersee haben ihren Siedlungskern am Ufer oder in Ufernähe. Es gibt Kirchenweiler wie Weyregg am Attersee, aber auch planmäßige Kirchenorte wie Unterach oder Steinbach. Zwischen den Siedlungszentren verstreut liegen einzelne Bauernhöfe, kleine Weiler und Siedlungen mit Wohn- und Wochenendhäusern. Die Uferbereiche wurden in den 1970er und 1980er Jahren massiv verbaut. Geschäfte, Restaurants, Wohnhäuser und Zweitwohnsitze reihen sich aneinander. Das Verbauen der Uferkante mit Steganlagen, Bootshäusern, Bootsrutschen, Treppen, Mauern, Blocksätzen oder Steinschüttungen waren die Folge. In jenen Uferbereichen, die für eine Bebauung zu steil sind, verlaufen meist Straßen mit Uferbefestigungen, die das natürliche Ufer ersetzt haben. Etwa 87 Prozent des Atterseeufers sind deutlich beeinträchtigt. Besonders davon betroffen sind das Ostufer, das Nordufer und der nördliche Teil des Westufers und der Abschnitt zwischen Misling und Unterach. Nur noch 13 Prozent können als naturnah bzw. natürlich eingestuft werden. Die längsten zusammenhängenden natürlichen Abschnitte liegen zwischen Dexelbach und Parschallen, zwischen Aufham und Dickau, bei Schwend und in Burgbachau.
Morphologie mini|Das Schloss Litzlberg befindet sich auf der einzigen Insel im See
Am Südufer befinden sich die Ausläufer des Schafbergs, am Südostufer, bis Steinbach am Attersee, das Westende des Höllengebirges. Die Berge erreichen dort bis und fallen mit steilen Flanken zum See ab. Der größte Teil des Ostufers sowie das gesamte Westufer sind von bewaldeten, sanften Bergen und Hügeln umrahmt, die am Nordrand auslaufen.
Das Seebecken gliedert sich in drei Teilbecken: ein südliches Becken, ein Zentralbecken und ein nördliches Becken. Im südlichen Becken befindet sich mit 169 m die tiefste Stelle etwa 1 km nördlich von Weißenbach am Attersee. Es erstreckt sich bis zur Linie Stockwinkel – Seefeld. Das maximal 164 Meter tiefe Zentralbecken erstreckt sich bis zur Linie Nußdorf am Attersee – Alexenau. Die Unterwassermorphologie ist von den umgebenden Gesteinen bestimmt. Vereinzelt finden sich Härtlinge, die nicht vollständig erodiert wurden. Im Zentralbecken befinden sich drei markante Erhebungen: ein Unterwasserberg, der bis etwa 12 m Tiefe heraufreicht, der A.-Müller-Peak und der Laichberg. Letzterer liegt in der Seemitte in der Nähe der Ortschaft Nußdorf, inmitten eines Beckens von 120 Meter Tiefe und ragt bis auf 49 Meter unter die Wasseroberfläche. Die Ufer sind an der Ostseite wesentlich steiler als an der Westseite, da das Höllengebirge seine Felswände unter Wasser fortsetzt, wie bei der Schwarzen Brücke bei Seeleiten. Das maximal 131 m tiefe nördliche Becken ist überwiegend durch flach abfallende Ufer gekennzeichnet. Die Bucht von Litzlberg wird durch einen großen Wall vom übrigen Seebecken getrennt. Auf diesem Wall befindet sich eine kleine Insel mit dem Schloss Litzlberg.
Verkehr Das Gebiet ist durch die West Autobahn mit den Anschlussstellen Seewalchen und St. Georgen erreichbar. Entlang des Sees führen zwei Bundesstraßen, diese sind die Attersee Straße (B151) am Westufer sowie die Seeleiten Straße (B152) am Ostufer. Das Nordende des Sees ist ebenfalls mittels zweier Nebenbahnen erreichbar. Die 1882 fertiggestellte normalspurige Nebenbahn „Kammerer Hansl“ zweigt in Oberthalheim von der Westbahn ab und führt nach Kammer am Attersee. Die Strecke ist mit 15 kV 16,7 Hz elektrifiziert, befindet sich im Eigentum der ÖBB Infra und wird von der ÖBB-Personenverkehr bestellt. Die dabei zum Einsatz kommenden Züge von Typ Cityjet werden von Kammer zum Teil auch über Vöcklabruck nach Attnang-Puchheim durchgebunden. Die 1913 eröffnete meterspurige Atterseebahn verbindet den Ort Attersee mit Vöcklamarkt. Die Strecke befindet sich mehrheitlich im Eigentum der Stern & Hafferl Verkehrsgesellschaft und ist mit 750 V Gleichstrom elektrifiziert. An der Haltestelle Vöcklamarkt ist ein Bahnsteiggleiches Umsteigen auf Züge der ÖBB möglich. Die Lokalbahn Unterach–See verband von 1907 bis 1949 die Schiffsanlegestellen Unterach am Attersee und See am Mondsee. Sie wurde Stern & Hafferl als meterspurige Straßenbahn mit 550 V Gleichstrom Elektrifizierung ausgeführt.
mini|Bis 1914 geplante Bahnstrecken zur Anbindung des Attersee (grau strichliert) Bis vor 1914 wurden mehrere Bahnstrecken entlang des Attersee geplant, welche jedoch aufgrund des Ersten Weltkriegs und des daraus resultierendem Materialmangels nie ausgeführt wurden. Die geplanten Strecken waren bereits kommissioniert und vermessen. Geplant waren eine normalspurige Strecke die in Frankenmarkt von der Westbahn abzweigen und über St. Georgen, Attersee a. A., Seewalchen, Kammer, Weyregg, Weißenbach bis nach Bad Ischl verlaufen sollte, um dort an die Salzkammergutbahn anzuschließen. Diese Strecke hätte zum Teil den Oberbau der Atterseebahn genutzt der dafür zwischen St. Georgen und Attersee a. A. auf Normalspur umgeschlagen worden wäre. Ebenfalls geplant war eine normalspurige Strecke, welche von Straßwalchen kommend in Rabenschwand von der Westbahn abzweigend und über Zell am Moos, Mondsee, Innerschwand und Unterach, die Verbindung zur zuvor genannten Strecke in Weißenbach herstellen sollte. Um die Weststrecke zu entlasten, war ebenfalls eine Bahnstrecke von Weyregg über Kammer nach Gmunden geplant, die nördlich von Gmunden an die Salzkammergutbahn anschließen sollte, die Streckenführung entsprach grob dem Verlauf der späteren Westautobahn zwischen Schörfling und Regau. Für diese Strecke lag 1913 bereits der Parlamentsbeschluss vor.
Hydrologie mini|Ein Klauswehr reguliert den Wasserstand des Attersees Das hydrologische Einzugsgebiet des Attersees hat eine Gesamtfläche von 464 km². Der Attersee bildet das Endglied einer Kette von Seen, die im Südwesten mit dem Fuschlsee und im Nordwesten mit dem Irrsee beginnt. Das Wasser aus beiden Seen fließt in den Mondsee und von diesem über die 2,9 Kilometer lange Seeache im Südwesten bei Unterach in den Attersee. Die Seeache erbringt 58 Prozent des Gesamtzuflusses. Daneben gibt es eine Reihe weiterer Zuflüsse wie den Weyregger Bach, den Alexenauer Bach, den Kienbach, den Äußeren Weißenbach, den Loidlbach, den Burggrabenbach, den Parschalenbach, den Dexelbach, den Nösstalbach und den Ackerlingbach sowie zahlreiche kleinere ober- und unterirdische Zuflüsse. Der Abfluss erfolgt am Nordende auf dem Gebiet der Gemeinde Seewalchen in die Ager. Die Wassererneuerungszeit beträgt 7 Jahre und ist die höchste theoretische Wasseraustauschrate aller oberösterreichischen Seen. Die durchschnittliche Wassertemperatur beträgt 13,7 °C. Die minimale Wassertemperatur war bei oberflächennahen Messungen in den Jahren 2007 bis 2010 3,5 °C, die maximale 21,1 °C.
mini|Extremes Niederwasser am Badeplatz Weyregg am Attersee (Pegel Kammer am 4. August 2026: 100 cm; Grenze Mittelwasser bei 146 cm) Der Wasserstand wird durch ein Klauswehr am Seeausrinn reguliert. Durch diesen künstlichen Eingriff liegt der durchschnittliche Pegel um 20 cm höher und der natürliche Jahresgang des Wasserstands ist gedämpft. Dennoch gibt es regelmäßig starke Frühjahrshochwässer. Während die maximalen mittleren Wasserstände früher etwa von April bis Mai erreicht wurden, treten sie heute etwa einen Monat früher auf (März bis April). Die niedrigsten Wasserstände werden, heute wie früher, vor allem im Herbst (Oktober bis November) erreicht. Laut Aufzeichnungen wies der Attersee von 1897 bis 1913 bei einem Mittelwasserstand von maximale Wasserstandsschwankungen von 137 cm und mittlere jährliche Schwankungen von 69 cm auf. Die Spannweite der Monatsmittelwerte betrug 27 cm. Im Zeitraum 1976 bis 2000 liegen die entsprechenden Werte bei , 109 cm, 51 cm und 13 cm.
Die anhaltende Dürre und Hitze in Europa führte 2026 zu einem drastischen Rückgang des Wasserstands. Im August lag der Pegel in Kammer bei nur noch 90 cm – deutlich unter der Mittelwassergrenze von 146 cm. Um ein weiteres schnelles Absinken des Attersees zu stoppen und ökologische Schäden in der Ager zu vermeiden, wurde der Abfluss am Klauswehr per einstweiliger Verfügung auf konstant 4,5 Kubikmeter pro Sekunde begrenzt (Regulär bis zu 7,5 m³/s).
Geologie
Tektonik Der Attersee liegt im Bereich dreier großtektonischer Einheiten. Im Süden sind es die Kalkalpen, daran schließt die Flyschzone mit dem rhenodanubischen Flysch an, der vereinzelt vom Ultrahelvetikum unterbrochen ist. Die Nördlichen Kalkalpen bestehen aus der Staufen-Höllengebirgs-Decke (Tirolikum), der ein schmaler Streifen der Langbathzone (Bajuvarikum) vorgelagert ist. Dieser Bereich bildet das Südufer und reicht am Ostufer etwa bis zur Ortschaft Forstamt. Der überwiegende Teil des Atterseegebiets wird vom rhenodanubischen Flysch eingenommen. In einem schmalen Bereich zwischen Nußdorf am Attersee im Westen und Alexenau im Osten tritt das Ultrahelvetikum zu Tage.
Ehemalige Vergletscherung und Entstehung mini|Der Traungletscher schürfte das Seebecken von Süden nach Norden aus