Sète [] oder Sete (bis zum 19. Januar 1928: Cette; im 17. und 18. Jahrhundert auch Sette, Septe, Cète, Cept geschrieben; okzitanisch: Seta [ˈseta]) ist eine Hafenstadt an der Mittelmeerküste Südfrankreichs. Sie ist mit Einwohnern (Stand ) die drittgrößte Stadt im Département Hérault in der Region Okzitanien. Das Bureau centralisateur des gleichnamigen Kantons, der identisch mit dem Stadtgebiet ist, befindet sich in Sète. Die Bewohner werden Sétois und Sétoises genannt.

Geographie Lage und Daten mini|Étang de Thau Die Stadt Sète liegt 32 km südwestlich der Stadt Montpellier direkt am Mittelmeer auf einer schmalen Landzunge zwischen dem Mittelmeer und der 18 km langen Lagune Étang de Thau (auch „Bassin de Thau“). Sète ist praktisch von allen Seiten von Wasser umgeben und wird deswegen auch als „Klein-Venedig des Languedoc“ bezeichnet. Das Zentrum der Stadt ist der Canal Royal (Königskanal), an dem viele Souvenirläden und Restaurants liegen. Stilistisch ist die Stadt eine Mischung mediterraner Stile mit deutlichem italienischem Akzent.

Das Quartier „Haut“, das sich am Stadthügel entlangzieht, hat bis heute seinen malerischen Charme behalten. Der 183 Meter hohe Stadthügel Mont Saint-Clair am südlichen Stadtrand, ein Kalksteinfelsen, bietet vom Gipfel aus in alle Himmelsrichtungen Panoramaaussichten über die Gewässer. Der Hafen besteht seit Juli 1666, der Patron von Hafen und Stadt ist der 1297 heiliggesprochene Ludwig IX.

Auf dem Weg über die Sandbank „Le Toc“ zum 19 km entfernten südwestlich von Sète gelegenen Ort Cap d’Agde befinden sich auf 15 km Länge verschiedene Sandstrände, die im Sommer von Einheimischen und Touristen zum Baden genutzt werden. Um den Étang de Thau haben sich im Laufe der Geschichte Fischer- und Winzerdörfer angesiedelt.

Geschichte mini|Straßenbahn auf der Drehbrücke Pont de la Gare vor dem Bahnhof auf einer Postkarte vor 1914 Bereits am Ende der Bronzezeit (1100–800 v. Chr.) lassen sich erste Spuren an der Stelle des heutigen Sète nachweisen. Sie wurden 1973 entdeckt und liegen im Bassin de Thau, unter 2 m Wassertiefe. In Sète wurde auch das Fragment eines Kupferbarrens in Form einer Ochsenhaut (sogenannte Ochsenhautbarren) entdeckt, das vermutlich ins späte 12. oder frühe 11. Jahrhundert v. Chr. datiert und bei dem es sich wahrscheinlich um eine in Sardinien produzierte Nachahmung zyprischer Ochsenhautbarren handelt.Fulvia Lo Schiavo: The oxhide ingot from Sète, Hérault (France). In: Fulvia Lo Schiavo, James D. Muhly, Robert Maddin, Alessandra Giumlia-Mair (Hrsg.): Oxhide ingots in the Central Mediterranean, Rom 2009, S. 421–430. Der Name der Stadt erschien schon im Altertum bei Ptolemaios (Geographie II,10.2) als (Berg Setion) und bei Avienus (Ora maritima) als „Setius mons“ mit gleicher Bedeutung und benannte den heutigen Mont Saint-Clair.

Im 16. Jahrhundert war der Ort noch kaum bewohnt, der Mont Saint-Clair diente als Seeräuberzuflucht. König Heinrich IV. plante, Cette per Dekret von 1596 zu einem Exporthafen für Waren des Languedoc auszubauen, was aber aus unbekannten Gründen nicht umgesetzt wurde. Erst Ludwig XIV. und sein Minister Jean-Baptiste Colbert ließen die Mole und den Hafen ausbauen, in Zusammenhang mit dem von 1667 bis 1681 angelegten Canal du Midi, der in Sète an das Mittelmeer angebunden ist. Am 29. Juli 1666 wurde offiziell die erste Steinmole „Saint Louis“ errichtet, 1684 besuchte der berühmte französische Festungsbaumeister Vauban die Stadt.

1703 erfolgte die Einweihung der Kirche SaintLouis. Vom 24. bis 29. Juli 1710 wurde Cette von einer englischen Flotte belagert und eingenommen, jedoch nach wenigen Stunden durch Truppen des Herzogs von Noailles, Adrien-Maurice de Noailles (1678–1766), befreit. 1711 wurden die Festungswerke Saint Pierre und Butte Ronde (runde Anhöhe/Hügel) fertiggestellt, 1794 der Ankauf des Rathausgebäudes. Der weitere Ausbau der Festung durch die Errichtung der Zitadelle Richelieu und des Turmes von Castellas erfolgte 1744.

Am 9. Juni 1839 bekam die Stadt durch die Eröffnung der Eisenbahnlinie Montpellier–Cette Anschluss an das Eisenbahnnetz, in den 1850er Jahren siedelten sich dort Fischer aus der Gegend von Neapel auf der Suche nach besseren Lebensbedingungen an. 1872 wurde die Handelskammer gegründet. 1901 erhielt die Stadt im Zuge der Stadtmodernisierung eine elektrische Straßenbahn, die 1933 stillgelegt wurde (siehe Straßenbahn Sète). Am 20. Januar 1928 wurde der Name der Stadt per Ministerialdekret auf die heutige Schreibweise Sète festgelegt. mini|Mündung des Canal de la Peyrade in den Canal Royal – im Hintergrund das nach Plänen von Adolphe Dervaux 1928 gebaute Palais consulaire, bis 2013 Sitz der Industrie- und Handelskammer

Spanischer Bürgerkrieg und Zweiter Weltkrieg Aufgrund seiner geographischen Gegebenheiten bot der Hafen von Sète eine der wenigen Möglichkeiten an der französischen Mittelmeerküste, massenhaft Flüchtlinge aufzunehmen, die über das Meer dem Spanischen Bürgerkrieg und dem Vorrücken der Franco-Truppen entkommen wollten. Die französischen Behörden trafen für diesen Fall bereits seit 1934 Vorkehrungen und verstärkt dann ab 1937.Vincento Parello: Aproximación al exilio de los refugiados españoles de la Guerra Civil en el departamento del Hérault

Als Anfang 1939 im Zuge der Retirada die Flüchtlingsströme anschwollen, standen im Département Hérault etwa 6.000 Plätze für spanische Flüchtlinge bereit, davon 750 in Sète in einem Ferienzentrum der Jeunesses laïques républicaines (Republikanische laizistische Jugend). Tatsächlich aber waren die Zahlen der Flüchtlinge, die Sète und sein Umland – vor allem das Internierungslager Camp d’Agde – unterbringen musste, deutlich höher. März 1939: 7.256 republikanische Soldaten; 612 Nicht-Kombattanten; 1.109 Frauen und Kinder; 614 Verwundete und Kranke Mai 1939: 24.985 republikanische Soldaten; 467 Nicht-Kombattanten; 718 Frauen und Kinder; 541 Verwundete und Kranke Juli 1939: 17.034 republikanische Soldaten; 191 Nicht-Kombattanten; 322 Frauen und Kinder; 150 Verwundete und Kranke (150) September 1939: 3.285 republikanische Soldaten; 149 Nicht-Kombattanten; 232 Frauen und Kinder. In Sète selber verblieb nur ein Teil dieser Flüchtlinge; der Höchststand in der Stadt wurde Mitte April 1939 mit 2.541 Personen erreicht. Nach Parello war es dank der guten touristischen Infrastruktur der Stadt möglich, Unterkünfte für die Ankommenden zur Verfügung zu stellen, besonders in Ferienkolonien und Jugendlagern. Bis Mitte Mai 1939 existierte zudem ein eigenes Lager für baskische Flüchtlinge, dessen Bewohner nun nach Pézenas verlegt wurden. Etwa zur gleichen Zeit, am 23. Mai 1939, verließen vom Hafen Sète aus 1.599 spanische Republikaner an Bord des Schiffes Sinaïa Europa. Sie waren zuvor in Frankreich interniert gewesen und hatten von Mexiko unter dessen Präsidenten Lázaro Cárdenas del Río Asyl erhalten. Die Exilanten, darunter 300 Kinder, mussten sich auf der bis zum 13. Juni dauernden Überfahrt nach Veracruz mit einem Schiff begnügen, das lediglich über eine Kapazität für 600 Personen verfügte.Patrice Castan: Sète : il y a 80 ans, partis de Sète, les exilés espagnols débarquaient à Veracruz. Midi Libre, 11. Juni 2019

Sète blieb nach Parello weiterhin ein Unterkunftszentrum für spanische Männer, die keine Soldaten gewesen waren, sowie für Frauen und Kinder. Unterbringungsorte waren – neben dem schon erwähnten Ferienzentrum der Jeunesses laïques républicaines, das vermutlich bis Ende 1939 Flüchtlinge beherbergte, und zunächst Kinder, später dann verwundete Soldaten aufnahmVincent Parello: «Des camps de réfugiés espagnols de la guerre civile dans l’Hérault», die Villa „La Raimondière“ für Kinder, das Krankenhaus-Hospiz Saint-Charles und weitere Krankenhäuser oder krankenhausähnliche Einrichtungen (Centro heliomarino). Ob Sète über das Jahr 1939 hinaus weiterhin ein relevanter Ort zur Unterbringung spanischer Flüchtlinge war, ließ sich nicht ermitteln.

Einem Zeitzeugenbericht zur Folge erreichte Sète nach den spanischen Flüchtlingen eine weitere Flüchtlingswelle nach dem Waffenstillstand von Compiègne (1940). Diesmal waren es vor allem Belgier, Niederländer und Franzosen aus Nordfrankreich, die auf der Flucht vor der deutschen Wehrmacht in die Stadt strömten. Zwei Jahre später, am 12. November 1942 wurde Sète von den Deutschen besetzt; der Hafen wurde geschlossen, den Fischern die Ausfahrt verboten.Claude avait 16 ans quand les Allemands ont investi Sète en 1942. Interview von Patrice Castan mit Claude Bonfils, Midi Libre, 13. April 2015. Claude Bonfils ist der Autor eines autobiografisch geprägten Romans über die Besatzungszeit: Ainsi qu’aux plus beaux jours, un été sous l’occupation (So wie in den schönsten Tagen, ein Sommer unter der Besatzung). Bereits seit 1941 existierte aber in Sète auch eine Widerstandsgruppe, die erst 1944 entscheidend geschwächt werden konnte. Führende Köpfe wurden von der Gestapo verhaftet und nach Deutschland deportiert.Jaques Blin, Jean-Claude Richard Ralite: Un Groupe Franc de Combat à Sète durant la Seconde Guerre mondiale auf der Website von Etudes Héraultaises

Im Frühjahr 1943 wurde die Bevölkerung von Sète evakuiert, eine von den Deutschen betriebene Aktion, wie die The New York Times am 9. Juli 1943 berichtete.The New York Times. 9. Juli 1943 Bei einem Angriff der Alliierten wurde am 25. Juni 1944 – neben anderen Zielen an der Küste des Languedoc – auch der Rangierbahnhof von Sète bombardiert.Musée de la Résistance en ligne: LES BOMBARDEMENTS (MAI-JUIN 1944) mini|Denkmal für die Opfer des Widerstands und der Deportation. Das Denkmal wurde auf einer Kasematte aus dem Zweiten Weltkrieg errichtet. Am 23. August 1944 wurde Sète von der deutschen Besetzung befreit.MAIRIE DE SÈTE: La Ville commémore sa libération. Article publié le 23/08/23 Bei einer Gedenkrede im Jahre 2023 erinnerte Bürgermeister François Commeinhes am Fuße des Rose Roc, des Denkmals für die Opfer des Widerstands und der Deportation, an die noch immer sichtbaren Folgen der Besetzung.

Sète und das Schicksal der Exodus mini|Gedenktafel auf der Mole von Sète zur Erinnerung an die Abfahrt der Exodus am 11. Juli 1947EXODUS 47 // Am 11. Juli 1947 // 4530 Widerstandskämpfer, Emigranten und blinde Passagiere // versuchten, die britische Seeblockade zu durchbrechen // gingen hier an Bord der „Exodus 47“, unterstützt von // der Bevölkerung von Sète und den Behörden der Region // um ein neues Leben in Freiheit // im angestammten Land Israel aufzubauen // Im Namen der französisch-israelischen Freundschaft Juli 1982 Am 11. Juli 1947 verließ der ehemalige Truppentransporter President Warfield den Hafen von Sète. An Bord: 4.554 jüdische Flüchtlinge, die den Holocaust überlebt hatten und in Palästina eine neue Heimat suchten.MAIRIE DE SÈTE: Cérémonie en hommage à l’Exodus : le chapitre sétois de l’exode du peuple Juif, après la 2nd guerre mondiale. Article publié le 06/06/2023 Das Schiff, das außerhalb der französischen Hoheitsgewässer den Namen Exodus 1947 erhielt, wurde vor der palästinensischen Küste von den Briten aufgebracht. Die Passagiere wurden auf andere Schiffe umgeladen und nach Europa zurücktransportiert. 75 erschöpfte Passagiere erhielten von Frankreich Asyl, die anderen wurden über Gibraltar in den Hafen von Hamburg gebracht.

Bevölkerungsentwicklung Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2017 2022 Einwohner 36.301 40.476 39.258 39.545 41.510 39.542 43.008 43.229 45.090 Quellen: Cassini und INSEE

Politik Partnerstädte Neuburg an der Donau (Deutschland) El Jadida (Marokko) Cetara (Italien)

Kultur und Sehenswürdigkeiten In den Gässchen von Sète befinden sich viele Maler-Ateliers. Den Poeten Georges Brassens und Paul Valéry sind allein schon vier verschiedene Museen gewidmet. Für Menschen, die das Wasser lieben, ist Sète ein Ort der künstlerischen Inspiration.

Museen