mini|Elbwiesen und Flussbögen − der Blick vom „Balkon Dresdens“ (Luisenhof) in Richtung Innenstadt vor dem Beginn der Bauarbeiten an der Waldschlößchenbrücke mini|Schautafel zum Welterbe Dresdner Elbtal an der Sandsteinmauer der Pillnitzer Landstraße unweit der Talstation der Schwebebahn mini|Welterbe „geschändet“ (Neumarkt 2010)
Als Kulturlandschaft Dresdner Elbtal werden bzw. wurden die elbnahen, für großstädtische Verhältnisse relativ dünn besiedelten Flächen des Elbtalkessels innerhalb der sächsischen Landeshauptstadt Dresden bezeichnet. Die Eingrenzung dieses Areals und die Erörterung seines kulturlandschaftlichen Charakters erfolgte im Rahmen des Antragsverfahrens zur Aufnahme in das UNESCO-Welterbe.ICOMOS-Gutachten: Dresden Elbe Valley (Germany), No 1156 (PDF; 292 kB) – Evaluierungsbericht in englischer und französischer Sprache, März 2004 In ihrer Begründung für die Verleihung des Titels würdigte die UNESCO neben den landschaftlichen und architektonischen Qualitäten des Elbtals auch „die Schätze der staatlichen Kunstsammlungen und die lebendigen Traditionen in Musik und bildender Kunst“.
Die 2004 erfolgte Aufnahme in das Weltkulturerbe wurde anlässlich der Übergabe der Ernennungsurkunde im Sommer 2005 feierlich begangen.Dresdner Elbtal wird offiziell Weltkulturerbe, Spiegel Online, 24. Juni 2005 Ein Jahr darauf, im Juli 2006, wurde das Elbtal in die Liste des gefährdeten Welterbes eingetragenDeutsche UNESCO-Kommission: , Pressemitteilung, 11. Juli 2006 und ihm nach weiteren drei Jahren, im Juni 2009, als einer von nur drei Stätten in der Geschichte des Welterbes der Titel aberkannt, weil die UNESCO die 2007–2013 erbaute Waldschlößchenbrücke als landschaftszerstörend betrachtet: Der Verkehrszug Waldschlößchenbrücke überquert die geschützten Elbwiesen auf einer Strecke von knapp 800 m und zerteilt laut Gutachten „den zusammenhängenden Landschaftsraum des Elbbogens an der empfindlichsten Stelle“.Kunibert Wachten, Lehrstuhl und Institut für Städtebau und Landesplanung der RWTH Aachen: Die beiden
Beschreibung der Kulturlandschaft Die Prägung Dresdens durch die Landschaft der Elbe drückt sich bereits im Stadtnamen aus; Dresden ist dem altsorbischen Drežďany entlehnt, welches Auwaldbewohner bedeutet.
Die Ausgestaltung der Kulturlandschaft wird einerseits durch die weiter unten folgenden Abschnitte erläutert, sowie darüber hinaus auch in den hier tabellarisch aufgezählten Einzelartikeln zu Objekten innerhalb des ehemaligen Welterbe-Areals: Landschaften und Freiflächen(in der Welterbe-Kernzone)BorsbergElbhängeElbinselElbwiesenOstragehegeParkanlagen:– Blasewitzer Waldpark– Elbschlösser-Parks– Pillnitzer Schlosspark– RosengartenPlätze:– Brühlsche Terrasse– Neumarkt– Neustädter Markt– Schillerplatz– Schloßplatz– TheaterplatzDorfkerne(beim Welterbe erwähnt)BlasewitzHosterwitzLaubegastLoschwitzMicktenNiederpoyritzOberpoyritzPieschenPillnitzSöbrigenÜbigauWilsdruffer VorstadtWachwitzSpezielle Objekte(beim Welterbe erwähnt)Staatliche KunstsammlungenSächsische DampfschiffahrtSchwebebahnStandseilbahn Bauwerke(in der Welterbe-Kernzone)AlbertinumAlte Feuerwache LoschwitzAltstädtische HauptwacheBärenzwingerBlockhaus (Neustädter Wache)ErlweinspeicherFernsehturm WachwitzGeorgentorKunstakademie (Hochschule für Bildende Künste)JohanneumLandtagsgebäudeLeonhardi-MuseumLuisenhofWasserwerk SaloppeSchillergartenSchillerhäuschenSekundogeniturSemperoperGebäude der StaatskanzleiStallhofSynagogeZwinger Denkmale, Monumente:– Cholerabrunnen– Fürstenzug– Goldener ReiterKirchen:– Frauenkirche– Katholische Hofkirche– Loschwitzer Kirche– Maria am Wasser– Weinbergkirche PillnitzSchlösser/Palais:– Schloss Albrechtsberg– Coselpalais– Schloss Eckberg– Japanisches Palais– Kurländer Palais– Lingnerschloss– Schloss Pillnitz– Residenzschloss Dresden– Taschenbergpalais– Schloss Übigau– Schloss Wachwitz Elbbrücken:– Albertbrücke– Augustusbrücke– Blaues Wunder– Carolabrücke– Marienbrücke– WaldschlößchenbrückeVillen:– Brücke-Villa– Villa Fallnichtein– Villa Hartmann– Villa Ilgen– Villa Marie– Villa Marienlust– Villa Muttersegen– Villa Orlando– Villa San Remo– Villa Stockhausen– Therese-Malten-Villa– Villa Thorwald– Villa Wollner– Mietvilla Wollnerstraße 3
Lage mini|Das Dresdner Elbtal ist eine großstädtische Kulturlandschaft mit naturnahen und urbanen Teilräumen (hier: Filmnächte am Elbufer)
Die Kulturlandschaft Dresdner Elbtal umfasst den etwa 20 km langen Abschnitt des Flusslaufs der Elbe auf dem Gebiet der sächsischen Landeshauptstadt zwischen der südöstlichen Stadtgrenze bei Dresden-Söbrigen und dem Dresden-Übigauer Elbbogen nahe der westlichen Stadtgrenze.
Der Kulturraum liegt in einem engen Bereich des Elbtalkessels, der hier in Mäandern vom Strom durchflossen wird. Entlang seiner östlichen Hälfte wird das geschützte Tal nach Nordosten hin vom größtenteils bewaldeten Elbhang begrenzt. Da das Elbtal klimatisch begünstigt liegt, wird am Elbhang an mehreren Stellen Wein angebaut. Die Jahresdurchschnittstemperaturen mit 9,3 Grad in Radebeul und fast 10 Grad in Dresden-Neustadt zählen zu den höchsten in ganz Deutschland.
Auf Grund verschiedener Aspekte, insbesondere dem des Hochwasserschutzes, durften und dürfen viele flussnahe Teile der Kulturlandschaft nicht bebaut werden. Dadurch wurden die weitläufigen Grünflächen des Dresdner Elbtals erhalten und in die Struktur der angrenzenden Stadtteile einbezogen.
Landschaft
Landschaftseinheiten mini|Elbhang zwischen Blauem Wunder und Innenstadt
Die Kulturlandschaft im Elbtal steht großräumig unter Landschaftsschutz und ist als Fauna-Flora-Habitat ausgewiesen. Dieser Schutz wird durch kleinräumige Naturschutzgebiete und (Flächen-)Naturdenkmale ergänzt. Die vom Menschen überformte Landschaft lässt Platz für Habitate naturnaher Vegetation, beherbergt bedrohte Arten und stellt als Flusslandschaft Zwischen- oder Winterquartiere im Vogelzug bereit.
mini|links|hochkant|Entlang der Elbhänge findet jährlich am letzten Juniwochenende das Elbhangfest statt Die Elbhänge ziehen sich über 12,5 km von Pillnitz im Südosten bis zur Radeberger Vorstadt. Die Hänge sind sehr unterschiedlich ausgeprägt, aber fast durchgängig bewaldet. Den westlichen Beginn markieren die hängenden Gärten der Elbschlösser. In Pillnitz befinden sich Teile der Hänge unter Naturschutz und erreichen Höhenunterschiede von bis zu 200 Metern. Die Hänge sind die markante Grenze zwischen Elbtalkessel und Westlausitzer Hügel- und Bergland. Die Weinberge an den Elbhängen in Pillnitz, Wachwitz und Loschwitz bilden die Großlage Elbtal im Weinbaugebiet Sachsen. Die Elbhänge werden unterbrochen von engen Nebentälern wie dem Mordgrund und dem Keppgrund. Der Loschwitzgrund war und ist in Vergangenheit und Gegenwart ein wichtiger Verkehrsweg, die Grundstraße überwindet darin etwa 125 Höhenmeter auf dem Weg nach Bühlau und ins Schönfelder Hochland.
mini|Die Elbwiesen gegenüber der Altstadt und auf Höhe des Waldschlösschens im Hintergrund
Die Elbwiesen erstrecken sich über die gesamte Länge des ehemaligen Weltkulturerbegebiets. Der Charakter der Wiesen ist sehr unterschiedlich und die Breite dieser Uferwiese durch Bebauung (z. B. Brühlsche Terrasse) und die Elbhänge eingegrenzt. Die Flächen werden landwirtschaftlich und wasserwirtschaftlich genutzt. Die Elbwiesen verbinden viele andere Landschaftseinheiten. Die rechte Elbwiese schließt an der Inneren Neustadt an die kleinen Parks Rosengarten, Königsufer und Palaisgarten an. Als Überflutungsgebiet spielen die Elbwiesen für den Hochwasserschutz Dresdens eine besondere Rolle. An einigen Stellen sind Talglatthaferwiesen als Flächennaturdenkmal ausgewiesen (so am Johannstädter Elbufer und im Ostragehege), um ihren reichen Pflanzenbestand zu schützen. Diese Pflanzengesellschaft wie auch viele einzelne Arten in diesen Verbänden gelten in Deutschland als vom Aussterben bedroht.. In: Themenstadtplan Dresden, Landeshauptstadt Dresden.
Das Ostragehege im Westen des Stadtbezirks Altstadt befindet sich auf dem Umlaufberg eines engen Elbbogens. Ursprünglich Teil der flachen Auenlandschaft und wegen der stetigen Hochwassergefahr kaum bebaut, änderte sich der Charakter des Ostrageheges durch die Flutrinne und den neuen Städtischen Vieh- und Schlachthof auf einem künstlich erhöhten Bereich. Der Elbe zu reiht das etwa 5 Hektar große Flächennaturdenkmal Pieschener Allee vier Lindenhecken auf. Die Allee führt zu einer ehemaligen Fährstelle im Pieschener Winkel, wird heute aber als Sackgasse kaum noch genutzt und ist auch nicht als Straße ausgebaut.Themenstadtplan: Pieschener Allee (ND 39)
mini|Die Elbe westlich der Innenstadt: Links hinter der Marienbrücke die Pieschener Allee, rechts im Hintergrund Pieschen
Der Waldpark in Blasewitz ist ein Rest des ursprünglich bis zur Stadtfestung reichenden Waldgebiets Blasewitzer Tännicht. Auf Grund des sehr sandigen Untergrunds bestand dieser nicht aus typischer Auenbewaldung, sondern aus Kiefern und Fichten. Ähnliche hochstämmige Nadelbäume der ursprünglichen Vegetation befinden sich in Kleinzschachwitz und Zschieren. Er entstand in einer Zeit, als durch die starke Grundstücksnachfrage in den Villenkolonien anderwärts fast alle ursprünglichen Waldparzellen überbaut wurden.
Auf Höhe des Schlosses Pillnitz befindet sich die Pillnitzer Elbinsel. Außer der Pillnitzer Elbinsel und der Gauernitzer Elbinsel bei Coswig wurden alle Inseln im Elbtalkessel im Zuge des Flussausbaus abgetragen. Die Pillnitzer Elbinsel entstand aber in ihrer heutigen geschlossenen Form erst durch den Ausbau und die Zusammenführung mehrerer Schotter und Sandbänke. Sie ist ein Naturschutzgebiet, darf nicht betreten werden und wird demnach auch nicht gepflegt. Zu ihrer naturnahen, selbstregulierenden Vegetation gehören eine Weich- und Hartholzauenzone und eine Glatthaferwiese, die durch ausbleibende Pflege wieder verwaldet.
Landschaftlicher Charakter Das Dresdner Elbtal ist keine durchgängig arrangierte Parklandschaft, der ein gestalterisches Gesamtkonzept zu Grunde liegt. Vielmehr ist sie über Jahrhunderte überformt worden, wobei stellenweise planerisch eingegriffen wurde. Im Bereich der Innenstadt nimmt das Elbtal zunehmend den Charakter einer Stadtlandschaft an. Am Königsufer (gegenüber der Dresdner Altstadt) gehen die Elbwiesen in kleinere Parks über, so zum Beispiel der Palaisgarten. Auch das Ostragehege ist mit dem künstlichen Umlaufberg und den Alleen durch Hans Erlwein mit ersten Methoden der Stadtplanung gestaltet worden. Wichtiges Element der Kulturlandschaft sind die Elbwiesen, die alle Bestandteile verbinden.
Siedlungsstruktur und Architektur Zum ehemaligen Weltkulturerbe zählen zahlreiche Objekte aus verschiedenen Jahrhunderten. Sie dokumentieren an verschiedenen Stellen die Siedlungs- und Wirtschaftsgeschichte Dresdens seit der Renaissance. Dazu zählen auch verschiedenartige Sakral- und Profanbauwerke entlang der Elbe.
Stadtteile und Dorfkerne mini|Altpieschen
Das Dresdner Elbtal schließt verschiedene Stadtteile ein. Dazu zählen neben der Dresdner Altstadt zahlreiche alte Dorfkerne aus der Zeit der sorbischen Besiedlung auf beiden Seiten der Elbe. Erwähnt werden die Dorfkerne von Söbrigen, Oberpoyritz, Pillnitz, Hosterwitz, Niederpoyritz, Laubegast, Wachwitz, Loschwitz und Blasewitz oberhalb der Innenstadt sowie flussabwärts die von Pieschen, Mickten und Übigau. Daneben gibt es noch weitere Dorfkerne in der Pufferzone, so Kleinzschachwitz oder Tolkewitz.
Einige Dorfkerne wie der von Blasewitz, Pieschen und Mickten sind während der Industrialisierung und vor allem während der Gründerzeit suburban um- und überbaut worden. In verkleinerter Form blieben aber auch dort die dörflichen Kerne bis heute erhalten. Eine Besonderheit ist der erhaltene Dorfkern in der Wilsdruffer Vorstadt, der im innerstädtischen Vorstadtgürtel liegt.