mini|Sondermann-Denkmal in Frankfurt-Bonames (2014) Sondermann ist eine Cartoon-Figur des Malers und Cartoonisten Bernd Pfarr, die bis August 1994 im Rahmen einer Kolumne gleichen Namens des Schriftstellers Simon Borowiak und von 1987 bis August 2004 auch regelmäßig im Satiremagazin Titanic erschien. Vorbild für den Namen war Gerhard Sondermann, der erste Titanic-Verleger.
Sondermann ist die Schöpfung eines Zeichners, der, wie Bernd Pfarr selbst einmal sagte, „den Bildern die Realität austreiben“ will.
Der Comic
Die Welt Sondermanns unterliegt eigenen, eigenwilligen Gesetzen: So ist in Sondermanns Firma das „Negerschrubben“ ein traditionelles Ritual, Sondermann und sein Chef bändigen ihren Hunger, indem sie „sich weich aneinander schmiegen“, das Verzehren eines Schnitzels oder das Hinaustragens des Abfalls sind gängige Yoga-Übungen, und Sondermann besiegt „den lieben Gott“ beim Tennisspiel.
Sondermanns Welt ist bevölkert von seltsamen Kreaturen: einem Nachbarn Schulze, der stets „zum Sprengen kommt“; dem lieben Gott; dem Fön-bewaffneten Superhelden Supererpel, der gar nicht so heldisch ist; den Gebrüdern Strittmatter, auch Nachbarn Sondermanns, die Pinguine sind und „in ihrer Freizeit Saurier sprengen“; dem von Sondermann aus unerfindlichen Gründen ungeliebten Mr. Sharp, „Herr über sieben Fliegen“, ebenfalls Pinguin und „neuester Stecher“ von Sondermanns Mutter; Herrn Detlev Siehlbeck, der stets einen toten Fisch mit sich führt und erwartet, dass man diesen streichelt; dem kleinen Hündchen Willi, dessen „freigeistige Ausführungen der Zubereitung seines Fresschens betreffend“ den Weltgeist derart beeindrucken, dass sie bei ihm zur Levitation führen; und nicht zuletzt Sondermann selbst: Buchhalter, alleinstehend und bildungsbeflissen, mit ausgeprägter musischer Seite und dabei nicht unempfänglich für erotische und homoerotische Reize.
Die frühen Sondermann-Folgen beschränkten sich weitgehend auf die Herr-Knecht-Beziehung zwischen Sondermann und seinem Chef. Aus diesem Grundkonflikt erwuchs erst im Lauf der Zeit das Pandämonium der oben aufgeführten Figuren. Nach Bekunden des Schriftstellers Robert Gernhardt entwickelte die Figur sehr schnell ein „Eigenleben“, auf das selbst die Titanic-Redaktion nicht vorbereitet war.
Sondermann-Preis mini|Otto Waalkes und Fredi Bobic bei der Sondermann-Preisverleihung in Frankfurt a. Main, November 2018. Der Sondermann ist ein nach Bernd Pfarrs Figur benannter Kulturpreis, der zum ersten Mal 2004 verliehen wurde. Bis 2012 wurde der Preis von und auf der Frankfurter Buchmesse als Publikumspreis für Comics vergeben, gemeinsam mit der Frankfurter Rundschau (ab 2005) und dem Fachportal Comicforum. 2004 und 2006 war auch das Fachmagazin Comixene beteiligt, von 2007 bis 2010 Spiegel Online. Seit 2005 wurde von einer Jury Zeichnern jenseits des Comics der Bernd-Pfarr-Sonderpreis für komische Kunst zuerkannt.
Seit 2011 wird der Sondermann-Preis in Fortführung des Bernd-Pfarr-Sonderpreises als Preis für Komische Kunst von dem gemeinnützigen Verein Sondermann e. V. verliehen, dem auch die Erben Bernd Pfarrs angehören. Der Hauptpreis ist mit 5000 Euro dotiert, der Förderpreis mit 2000 Euro. Die Preise werden im Rahmen einer Gala verliehen, die traditionell am 11. November, dem Geburtstag Bernd Pfarrs, stattfindet. Seit 2014 hat der Verein mehrfach auch Stipendium zur Förderung der Komischen Kunst vergeben. Die Preisverleihung für 2020 fand pandemiebedingt erst 2022 statt. 2021 wurde der Preis nicht vergeben.
Preisträger 2004 Publikumspreis: Comic international: Asterix plaudert aus der Schule von Albert Uderzo und René Goscinny, Egmont Ehapa Comic-Eigenpublikation (national): Nichtlustig 2 von Joscha Sauer, Carlsen Manga/Manhwa international: Angel Sanctuary von Kaori Yuki, Carlsen Manga-Eigenpublikation (national): Without Identity von Sascha Schätzchen, EMA
Jurypreis: Newcomer 2004: Joscha Sauer (Nichtlustig 2)
Preisträger 2005 Publikumspreis: Comic international: Onkel Dagobert von Don Rosa, Egmont Ehapa Comic-Eigenpublikation (national): Die Chronik der Unsterblichen von Wolfgang Hohlbein, Benjamin von Eckartsberg und Thomas von Kummant, Egmont Ehapa Manga/Manhwa international: One Piece von Eiichirō Oda, Carlsen Manga-Eigenpublikation (national): Dystopia von Judith Park, Carlsen Cartoon: Shit happens! von Ralph Ruthe, Carlsen
Jurypreis: Newcomer 2005: Arne Bellstorf (Acht, neun, zehn) Bernd-Pfarr-Sonderpreis für komische Kunst: Rudi Hurzlmeier
Preisträger 2006 Publikumspreis: Comic international: Sin City von Frank Miller, Cross Cult Comic-Eigenpublikation (national): Adolf – der Bonker von Walter Moers, Piper Manga/Manhwa international: Shinshi Doumei Cross von Arina Tanemura, Tokyopop Manga-Eigenpublikation (national): Jibun-Jishin von Nina Werner, Carlsen Cartoon: Shit happens! von Ralph Ruthe, Carlsen
Jurypreis: Newcomer 2006: Moki (Asleep in a foreign place) Bernd-Pfarr-Sonderpreis für komische Kunst: Greser & Lenz
Preisträger 2007 Publikumspreis: Comic international: Calvin & Hobbes von Bill Watterson, Carlsen Comic-Eigenpublikation (national): Cash – I See a Darkness von Reinhard Kleist, Carlsen Manga/Manhwa international: Death Note von Takeshi Obata und Tsugumi Ōba, Tokyopop Manga-Eigenpublikation (national): Gothic Sports von Anike Hage, Tokyopop Cartoon: Shit happens! von Ralph Ruthe, Carlsen
Jurypreis: Newcomer 2007: Dirk Schwieger Bernd-Pfarr-Sonderpreis für komische Kunst: Rattelschneck (Stulli, das Pausenbrot)
Preisträger 2008 Publikumspreis: Comic international: Prinz Eisenherz von Hal Foster, Bocola Comic-Eigenpublikation (national): Die Sache mit Sorge von Isabel Kreitz, Carlsen Manga/Manhwa international: One Piece, 44. Teil, von Eiichirō Oda, Carlsen Manga-Eigenpublikation (national): Stupid Story 1 von Anna Hollmann, Tokyopop Cartoon: Shit happens! von Ralph Ruthe, Carlsen
Jurypreis: Newcomer 2008: Barbara Yelin Bernd-Pfarr-Sonderpreis für komische Kunst: Stephan Rürup
Preisträger 2009 Publikumspreis: Comic international: Der Dunkle Turm von Jae Lee u. a. (Zeichnungen), Peter David und Robin Furth (Text), nach Der Dunkle Turm von Stephen King, Heyne Comic-Eigenpublikation (national): Prototyp von Ralf König, Rowohlt Manga/Manhwa international: One Piece, 48. Teil, von Eiichirō Oda, Carlsen Manga-Eigenpublikation (national): Stupid Story 2 von Anna Hollmann, Tokyopop Cartoon: Nichtlustig 4 von Joscha Sauer, Carlsen
Jurypreis: Newcomer 2009: Michael Meier Bernd-Pfarr-Sonderpreis für komische Kunst: Kamagurka
Preisträger 2010 Publikumspreis: Comic: Asterix & Obelix feiern Geburtstag von René Goscinny und Albert Uderzo, Egmont Ehapa Manga/Manhwa: Legend of Zelda 1 von Akira Himekawa, Tokyopop Cartoon: Das schwarze Buch von Uli Stein, Lappan Webcomic (dotiert mit 1.000 Euro): Beetlebum von Johannes Kretzschmar.
Jurypreis: Newcomer 2010: Felix Mertikat und Benjamin Schreuder (Jakob) Bernd-Pfarr-Sonderpreis für komische Kunst: Ari PlikatComicpreisträger der Buchmesse (anm. 2010), aufgerufen am 10. Oktober 2010
Preisträger 2011 Publikumspreis: Comic international: Das Leben von Anne Frank von Ernie Colón (Zeichnungen) und Sid Jacobson (Text), Carlsen Comic-Eigenpublikation (national): Haarmann von Isabel Kreitz (Zeichnungen) und Peer Meter (Text), Carlsen Manga international: Fairy Tail, 4. Teil, von Hiro Mashima, Carlsen Manga-Eigenpublikation (national): Die Wolke von Anike Hage, nach Die Wolke von Gudrun Pausewang, Tokyopop Webcomic (dotiert mit 1.000 Euro): Entoman von David Füleki
Jurypreis: Newcomer 2011: Asja Wiegand Bernd-Pfarr-Sonderpreis für komische Kunst: Eugen Egner
Preisträger 2012 Publikumspreis: Comic international: Habibi von Craig Thompson, Reprodukt Comic-Eigenpublikation (national): Steam Noir von Felix Mertikat (Zeichnungen) und Benjamin Schreuder (Text), Cross Cult Manga international: Pretty Guardian Sailor Moon von Naoko Takeuchi, EMA Manga-Eigenpublikation (national): Stupid Story 3 von Anna Hollmann, Tokyopop Webcomic (dotiert mit 1.000 Euro): Das Leben ist kein Ponyhof von Sarah Burrini
Jurypreis: Newcomer 2012: Aisha Franz Bernd-Pfarr-Sonderpreis für komische Kunst: Christoph Niemann
Preisträger 2013 Sondermann-Preis für Komische Kunst: Hilke Raddatz Förderpreis: Katharina Greve
Preisträger 2014 Sondermann-Preis für Komische Kunst: Ernst Kahl Förderpreis: Sebastian Lörscher Stipendium: Leonard Riegel
Preisträger 2015 Sondermann-Preis für Komische Kunst: Michael Sowa Förderpreis: Leonard Riegel Stipendium: Ella Carina Werner
Preisträger 2016 Sondermann-Preis für Komische Kunst: Thomas Kapielski Förderpreis: Jan Böhmermann Stipendium: Fabian Lichter
Preisträger 2017 Sondermann-Preis für Komische Kunst: Hans Traxler Förderpreis: Kathrin Fricke Stipendium: Daniel Sibbe
Preisträger 2018 Sondermann-Preis für Komische Kunst: Otto Waalkes Förderpreis: Anna Haifisch Stipendium: Paula Irmschler
Preisträger 2019 Sondermann-Preis für Komische Kunst: Nicolas Mahler Förderpreis: Stefanie Sargnagel Stipendium: Adrian Schulz
Preisträger 2020 Sondermann-Preis für Komische Kunst: Elias Hauck und Dominik Bauer Förderpreis: Shahak Shapira
Preisträger 2022 Sondermann-Preis für Komische Kunst: Sven Regener Förderpreis: Teddy Teclebrhan
Preisträger 2023 Sondermann-Preis für Komische Kunst: Nikolaus Heidelbach Förderpreis: Nadine Redlich
Preisträger 2024 Sondermann-Preis für Komische Kunst: Rainald Grebe Förderpreis: Samuel Eschmann
Preisträger 2025 Sondermann-Preis für Komische Kunst: Anna Haifisch Förderpreis: Renke Brandt
Sondermann-Verein Seit 2011 existiert der gemeinnützige Sondermann e. V., der den Sondermann-Preis sowie ein jährliches Stipendium zur Förderung der Komischen Kunst vergibt. Er ist dem Andenken Bernd Pfarrs sowie der Förderung komischer Produktionen allgemein verpflichtet. Außerdem begleitet der Verein den Bau komischer Skulpturen im Stadtgebiet Frankfurt-Main, wie etwa des Sondermann-Denkmal in Frankfurt-Bonames. Neben den Erben Bernd Pfarrs sind unter anderen Andreas Platthaus, Uwe Wittstock und Hans Zippert Mitglieder.
Weblinks
sondermannverein.org
Einzelnachweise
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