Tachos (altägyptisch Djedhor, Djedho) war der griechische Name des zweiten altägyptischen Pharaos (König) der 30. Dynastie. Seine Regierungszeit ist nach seiner Krönung zum Pharao wohl von 360 bis 359 v. Chr. anzusetzen. Sein Vater Nektanebos I. ernannte ihn während seiner Herrschaft wahrscheinlich 363/362 v. Chr. zum Mitregenten. Die Dauer der Doppelherrschaft wird von einigen Ägyptologen in die Regierungszeit von Tachos einbezogen.In der demotischen Chronik werden indirekt drei Jahre als Mitregentschaft erwähnt, da für Nektanebos I. 16 Jahre genannt werden, zu denen drei Jahre als Zugabe kamen; Datierungen der Ägyptologen: Nektanebos I. von 378 bis 360 v. Chr., Nektanebos II. von 359 bis 341 v. Chr. gemäß Madeleine DellaMonica: Les derniers pharaons: Les turbulents Ptolémées, d’Alexandre le Grand à Cléopâtre la Grande. Les temples ptolémaïques. Maisonneuve et Larose, Paris 1998, ISBN 2-7068-1272-9, S. 6 sowie Miriam Lichtheim: Ancient Egyptian Literature: A book of readings. Bd. 3: The late Period. University of California Press, Berkeley 2006, ISBN 0-520-24844-9, S. 41; Tachos von 361 bis 359 v. Chr. gemäß Peter T. Daniels: From Cyrus to Alexander: A History of the Persian Empire. S. 663; Tachos von 361/360 bis 359/358 v. Chr. unter anderem von Dieter Arnold und Jona Lendering. Als weiterer Hinweis die Datierung vom 16. Regierungsjahr des Nektanebos II. für das Jahr 343 v. Chr. Das erste Regierungsjahr von Nektanebos II. begann somit etwa 359/358 v. Chr.; gemäß Friedhelm Hoffmann, Joachim Friedrich Quack: Anthologie der demotischen Literatur. S. 162 sowie John Ray: The Reflections of Osiris: Lives from ancient Egypt (The Magician Pharaoh Nectanebo II, reigned 359/358–343/342 BC). University Press, Oxford 2002, ISBN 0-19-515871-7, S. 127; Thomas Schneider, Werner Huß und Jürgen von Beckerath setzen dagegen Tachos Regierungszeit von 362 bis 360 v. Chr. an. In diesen Zeitraum fällt seine Einführung der altägyptischen Münzwährung.

Er war der erste Pharao nach Apries, der nach gut zwei Jahrhunderten einen Feldzug in die außerägyptische Region von Syrien-Palästina plante und begann. Tachos knüpfte damit unter anderem an die alten Traditionen von Thutmosis III. an, der seine erfolgreichen Feldzüge aufgrund der ausländischen Bedrohung in die Gebiete von Retjenu führte.

Kurz vor dem Abschluss des Vorstoßes nach Phönizien und der damit verbundenen Aussicht auf eine endgültige Abwehr der persischen Bedrohung wurde Tachos durch einen Aufstand im eigenen Land entmachtet und als Pharao durch Nektanebos II. abgelöst. Tachos war der letzte einheimische König, der eine Offensive außerhalb Ägyptens gegen die Perser führte.Werner Huß: Ägypten in hellenistischer Zeit: 332–30 v. Chr. S. 48.

Antike Namensableitungen Djedhor Tachos altägyptischer Eigenname „Djedhor/Djedho“ wurde in der griechischen Sprache unter anderem in den Varianten „Tachos“, „Thamaus“, „Thamus“, „Taos“ und „Teos“ wiedergegeben. Platon erwähnt in seinem philosophischen Dialog Phaidros einen König „Thamus“ von Theben,Phaidros, 274c–275a (deutsche Übersetzung). dem der Gott Thot – so der Mythos – die von ihm erfundene Schrift darbot.Werner Sollors: Schrift in bildender Kunst. Von ägyptischen Schreibern zu lesenden Madonnen. transcript Verlag, Bielefeld 2020, ISBN 978-3-8376-5298-7, S. 15. Plutarch erwähnte „Thamus“ im Zusammenhang mit Tiberius.

Der Verfasser einer Sammlung von Kriegslisten, Polyainos, berichtet dagegen vom athenischen Strategen Chabrias, der einem in Geldnot befindlichen altägyptischen König „Thamus“ Ratschläge gab. Chabrias, der etwa 357 v. Chr. starb, war zunächst Feldherr des Pharaos Hakor und danach Zeitgenosse Tachos. Der von Polyainos erwähnte „Thamus“ erscheint in anderen Quellen immer als Teos oder Taos.Felix Scheidweiler: Zum Platonischen Phaidros. In: Hermes 83, Nr. 1. Franz-Steiner 1955, S. 120.

Tjaihepimu Alfred Wiedemann verweist auf eine weitere Namensableitung. Der Name des altägyptischen Generals „Tjaihepimu“ (altägyptisch: Ṯ3j-Ḥp-jmw), Vater von Nektanebos II. sowie Bruder des Tachos, wurde in der griechischen Übersetzung ebenfalls als „Thamus“ beziehungsweise „Tachos“ gelesen.Alfred Wiedemann: Ägyptische Geschichte. Friedrich Andreas Perthes, Gotha 1888, S. 291.

In der griechischen Fassung des demotischen Papyrus Traum des Nektanebos wird ein „Tachos“ in der Namensform „Samaus“ als „Vater des Nektanebos II.“ genannt. Der Begriff „Samaus“ stellt eine weitere Namensvariante dar, die sich auf die literarischen Bezeichnungen „Thamaus, Thamus“ und damit verbunden auf „Taos“, „Teos“ sowie „Tachos“ bezieht.Friedhelm Hoffmann, Joachim Friedrich Quack: Anthologie der demotischen Literatur. S. 164.

Belege Die Fundlage von zeitgenössischen Belegen ist aufgrund der kurzen Regierungsdauer dürftig. Als Bautätigkeit ist die Erweiterung des Chons-Tempels in Karnak bezeugt, an dessen Nordwand Tachos eine Kapelle erstellte. Daneben existieren von ihm im Chons-Tempel Restaurierungsinschriften. Hinzu kommen Bruchstücke eines Reliefs aus Qantir sowie Fragmente eines Naos.Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. S. 281.

Als weitere Funde sind Teile von Inschriften aus Athribis, Tanis und Tura sowie ein Steinblock aus Matarije und eine Schale aus Memphisdigitalegypt: Tachos-Fragment (Schale aus Memphis). belegt. Außerdem wurde der Name von Tachos auf einem Topfdeckel und seinen Münzen erwähnt.

In Epitomen von Manethos Aegyptiaca ist Tachos in der Namensform „Teos“ mit einer Regierungsdauer von zwei Jahren aufgeführt. Manetho zählte ihn zu den drei Königen, die aus Sebennytos kamen.William Gillian Waddell: Manetho (The Loeb classical Library 350). Harvard University Press, Cambridge (Mass.) 2004 (Reprint), ISBN 0-674-99385-3, S. 183–185. In den pharaonischen Listen der demotischen Chronik wird Tachos bezüglich der Könige nach der ersten Perserherrschaft als sechster legitimer Pharao und insgesamt achter Herrscher nach den Persern mit einer einjährigen Regierungsdauer genannt.

Familie Tachos, Sohn des Nektanebos I., entstammte einer eingewanderten libyschen Familie aus Sebennytos.Werner Huß: Der rätselhafte Pharao Chababasch. In: Studi epigraphici e linguistici sul Vicino Oriente antico. Band 11, 1994, S. 104. Sein Großvater, der den gleichen Namen trug, war spätestens unter Nepherites II. als General für militärische Belange zuständig. Er war am Sturz des mendesischen Pharaos Nepherites II. (379 v. Chr.) sicher nicht unbeteiligt, da sein Sohn Nektanebos I. unter Mithilfe von Chabrias den Thron übernahm und Nepherites II. absetzte. Chabrias war bereits unter Pharao Hakor (regierte 391 bis 379 v. Chr.) in beratender Funktion für die diplomatischen Beziehungen zwischen Ägypten und Athen zuständig.Werner Huß: Ägypten in hellenistischer Zeit: 332–30 v. Chr. S. 46.

Über die Mutter von Tachos sind sich die Ägyptologen uneinig. Udjaschu wird einerseits als mögliche Mutter von Nektanebos I. angesehen,Aidan Dodson: Monarchs of the Nile. Rubicon, London 1995, ISBN 0-948695-20-X, S. 200. andererseits als seine Ehefrau.Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. S. 176. Eine andere genannte Gemahlin des Nektanebos I. ist Ptolemais, die teilweise als Tochter des Chabrias vermutet wird.Klaus Peter Kuhlmann: Ptolemais – Queen of Nectanebo I – Notes on the Inscription of an Unknown Princess of the XXXth Dynasty. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts (MDAIK) 37. Kairo 1981, S. 267. Ob weitere Geschwister außer seinem Bruder Tjaihepimu vorhanden waren, ist bislang nicht sicher geklärt. Eine Gemahlin des Tachos ist nicht belegt.

Herrschaft Mitregent und Pharao Nektanebos I. traf bereits in seiner Regierungszeit Vorbereitungen für militärische Aktionen gegen die Perser. Aufgrund seines hohen Alters ernannte er seinen Sohn Tachos zum Ende seiner Herrschaftsdauer zum Mitregenten. Im Jahr 360 v. Chr. verstarb Nektanebos I. Die genauere Ansetzung des Endes seiner Herrschaftsdauer konnte unter anderem indirekt aus dem demotischen Papyrus Traum des Nektanebos ermittelt werden. Nur die Nacht vom 5. auf den 6. Juli des Jahres 343 v. Chr. korrespondiert im julianischen Kalender mit den im Papyrus gemachten Angaben bezüglich der Vollmondnacht des 16. Regierungsjahres von Nektanebos II.Die Vollmondnacht vom 21. auf den 22. Pharmouthi, dem vierten Monat der Peret-Jahreszeit gemäß Friedhelm Hoffmann, Joachim Friedrich Quack: Anthologie der demotischen Literatur. S. 162; Jean Meeus: Astronomische Algorithmen (Anwendungen für Ephemeris Tool 4,5). Barth, Leipzig 2000 für: Ephemeris Tool, Version 4,5 (Umrechnungsprogramm 2001). In der demotischen Chronik erhielt Nektanebos I. wegen der von ihm zu verantwortenden Reduzierung der Tempelschätze als „gieriger Pharao“ insgesamt eine sehr schlechte Beurteilung:

Die negative Bewertung von Nektanebos I. schließt unter anderem die Mitregentschaft von Tachos ein, der in der demotischen Chronik als einziger Herrscher zugleich die Titel „König“ und „Pharao“ führt. Insbesondere die Aussage, dass Nektanebos I. nicht als „Mann“ handelte, verweist sehr deutlich auf Tachos, der als Mitregent bereits für die finanziellen Belange zuständig war.Heinz Felber: Die demotische Chronik. S. 91. Nach seiner offiziellen Krönung zum Pharao, die in das Jahr einer auch in Ägypten beobachteten Mondfinsternis fiel, setzte er die vorherige Politik alleine fort, die im Vorfeld gemeinschaftlich von Nektanebos I. sowie Tachos bezüglich der Unterstützung von Aufständen kleinasiatischer Satrapen gegen den persischen Großkönig Artaxerxes II. angewendet wurde. So erhielt beispielsweise Rheomithres, Abgesandter der abtrünnigen Satrapen, 500 Talente Silber und 50 Kriegsschiffe, um die Perser in Kampfhandlungen zu verwickeln. Als Sicherheit für die wertvollen Zuwendungen soll Rheomithres seine Frau, seine Kinder und die Kinder seiner Freunde bei Tachos hinterlassen haben. Rheomithres brach dennoch seinen Eid und verbündete sich mit Orontes II., um zu Artaxerxes II. überzulaufen und anschließend die 500 Talente Silber samt den Kriegsschiffen zu übergeben.Werner Huß: Ägypten in hellenistischer Zeit: 332–30 v. Chr. S. 48 und Xenophon, Cyropaedia, Buch 8,8.

Vorbereitungen auf den Krieg Um etwa 360 v. Chr. führte Tachos den Goldstater als erste altägyptische Münze ein und legte damit den Grundstein für die Münzwährung im Alten Ägypten. Ursache für die Einführung des Goldstaters war die Entlohnung der zahlreich beschäftigten Söldner, die Tachos für den geplanten Feldzug gegen die Perser anwarb.Ernst Gölitzer: Entstehung und Entwicklung des alexandrinischen Münzwesens von 30 v. Chr. bis zum Ende der julisch-claudischen Dynastie. Akademie, Berlin 2004, ISBN 978-3-05-004089-9, S. 6. mini|Naukratisstele des Nektanebos I.: Die Einkünfte des Neith-Tempels verwendete Tachos zweckentfremdet Kurze Zeit später rüstete Tachos auf Anraten seines griechischen Beraters Chabrias die Armee für den Feldzug gegen das Perserreich auf. Die finanziellen Mittel für diese militärische Operation hatte Tachos einerseits durch den Verkauf weiterer Tempelschätze aufgebracht, andererseits befolgte er den Rat von Chabrias, die Einkünfte der Tempel und Priesterschaft auf ein Zehntel zu reduzieren. Das von Nektanebos I. erlassene Naukratis-Dekret weitete Tachos auf die gesamte Schifffahrt und alle in Ägypten hergestellten Waren aus. Die veränderten finanziellen Rahmenbedingungen hatten zur Folge, dass auch die von Nektanebos I. dem Neith-Tempel in Sais zugesprochenen Abgaben dem königlichen Etat zuflossen.Eduard Meyer: Geschichte des Altertums: Das Perserreich und die Griechen. Die Schlacht bei Mantinea und ihre Folgen. Epaminondas’ geschichtliche Stellung. Cotta, Stuttgart 1969, S. 459 und Fußnote 835.

Die Priesterschaft äußerte zwar über dieses Vorgehen ihr Missfallen, doch wurden die Tempel üblicherweise nach gewonnenen Schlachten großzügig an der Kriegsbeute beteiligt.. Tachos bekam in der demotischen Chronik eine ähnlich negative Beschreibung wie sein Vater:

Angriff gegen das Perserreich mini|Skulptur des Maussolos