Die japanische Schrift besteht aus mehreren Schriften. Im japanischen Schriftsystem nutzt man Kanji, Kana und Romaji funktional gleichberechtigt nebeneinander als Schreibschrift.

Die Kanji () entstammen der chinesischen Schrift (chin. ) und bilden als Logogramme meist den Wortstamm ab. Kana, d. h. Hiragana ( oder ) und Katakana ( oder ), sind dagegen Silbenschriften (genauer Morenschriften) aus dem historischen Man’yōgana, die sich von der chinesischen „Grasschrift“ (auch Konzeptschrift) herleitet. Diese drei Schriften werden im ISO-15924-Code mit dem Kürzel Jpan zusammengefasst.

Als weitere Schrift wird in der modernen japanischen Sprache das lateinische Alphabet verwendet, das in Japan Rōmaji () genannt wird. Zahlen werden unter Verwendung von Kanji oder arabischen Ziffern geschrieben.

Die verschiedenen Schriftarten haben spezifische Funktionen (z. B. Hiragana oft für grammatikalische Formen, Katakana hauptsächlich für Fremdwörter, Kanji oft für den Sinninhalt). Diese historisch gewachsene komplexe Schriftkultur mit den verschiedenen Schriften werden in Alltagstexten parallel verwendet.

Schreibweise und -richtung mini|links|Werbeplakat aus dem Jahr 1938 mit drei Schriftrichtungen. Oben der Name des Produkts rechtsläufig: (n mi ta vi ken ri), auf dem abgebildeten Fläschchen derselbe Name linksläufig: (ri ken vi ta mi n), auf der Schachtel daneben von oben nach unten. mini|Yokogaki – Im Japanischen werden Wörter gewöhnlich ohne Leerzeichen aneinandergereiht und am Zeilen- oder Spaltenende an fast beliebigen Stellen ohne Trennstrich getrennt (je nach „Regel“ allerdings nicht direkt vor einem Satzzeichen oder einem kleinen Kana). Die Zeichen werden in gleich große gedachte Quadrate geschrieben: Anders als z. B. in der lateinischen Schrift, wo ein „i“ viel schmaler ist als ein „m“, erhält jedes Zeichen (auch jedes Satzzeichen) gleich viel Platz, rund um schmalere oder kleinere Zeichen bleibt also etwas mehr Leerraum. Allerdings werden im Schriftsatz auch oft proportionale Schriften verwendet, sodass ein kleines im vertikalen Satz beispielsweise kein Quadrat mehr einnimmt.

Im traditionellen Japanisch wird, wie auch im klassischen Chinesisch, von oben nach unten geschrieben, wobei die Spalten von rechts nach links aneinandergereiht werden (tategaki, ). Diese Schreibrichtung findet heutzutage bei literarischen Texten, Zeitungsartikeln und Manga Anwendung. Waagerechte Überschriften in historischen Texten werden ebenso von rechts nach links geschrieben.

(Sach-)Texte, die viele Rōmaji (lateinische Zeichen) enthalten sowie (waagerechte) Hinweisschilder werden heutzutage meist nach westlichem Vorbild in horizontalen Zeilen von links nach rechts geschrieben (yokogaki, ). Nur bei historischer (waagerechter) Namensbeschilderung von alten Gebäuden o. Ä. – meist über dem Eingang – sowie sehr alten Spruchbannern in Kanji (z. B. beim Shurei-mon) sieht man heute gelegentlich noch die traditionelle horizontale Schreibung von rechts nach links. Fahrzeuge und Schiffe sind mitunter auf der rechten Seite linksläufig und auf der linken rechtsläufig beschriftet. In Zeitungen kommt sowohl die horizontale als auch die vertikale Schreibrichtung vor, teils auch gemischt.

Die Schriftzeichen behalten in allen Schreibrichtungen dieselbe Form, werden also nicht bei umgekehrter Schreibrichtung gespiegelt.

Schriftarten Kanji

mini|klasse=skin-invert-image|Yamada () Tarō () – v. l. n. r. – japanischer Personenname in Kanji

Kanji () bedeutet Han-Zeichen, wobei „Han“ (chin. ), japanische Lesung „Kan“ (), als Synonym für China bzw. Chinesen steht.

Zum Verständnis des Folgenden ist es hilfreich zu wissen, dass die japanische und die chinesische Sprache weder verwandt noch typologisch ähnlich sind.

Die Schrift an sich, in der Form der chinesischen Zeichen, kam spätestens ab dem 5. Jahrhundert über Korea nach Japan. Ursprünglich wurden Texte in reinem Chinesisch aufgezeichnet, dem sogenannten Kanbun, ein Stil, der mit Lesehilfen, beginnend mit der Setsuwa-Literatur des 9. Jahrhunderts, für offizielle Dokumente in modifizierter Form bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs verwendet wurde.

Die Kanji haben (im Gegensatz zu den Kana) eine eigenständige Bedeutung und werden auch als Logogramme bezeichnet, die wiederum in drei Gruppen aufgeteilt werden können: Piktogramme, Ideogramme und Phonogramme. Viele Kanji sind dabei aus mehreren (oft zwei) verkleinerten Zeichen zusammengesetzt. Diejenigen Ideogramme unter diesen Bestandteilen, die oft für die Kernbedeutung der jeweiligen Kanji stehen und nach denen sie in Kanji-Lexika geordnet werden, nennt man Radikale bzw. Bushu; das andere Element in zweiteiligen Zeichen bezeichnet oft die originale chinesische Aussprache, die im Allgemeinen nicht identisch ist mit der oder den japanischen Aussprachen. In der Folge wurde auch eine relativ kleine Zahl eigener japanischer Kanji entwickelt, die so genannten „Landeszeichen“ (genauer: „Landeseigene Schriftzeichen“) oder Kokuji, wie z. B. (dō, ), (tsuji, ) und (tōge, ).

Viele Kanji haben zwei oder noch mehr unterschiedliche Lesungen, die man in zwei Gruppen zusammenfassen kann:

Die on-yomi (wörtlich: „Klang-Lesung“) nennt man auch sino-japanische Lesung (bei der drei Untergruppen, nach dem Zeitpunkt der Rezipierung, unterschieden werden). Sie wurde aus dem Chinesischen abgeleitet (es ist eine an das japanische Lautsystem angepasste Variante der ursprünglichen chinesischen Aussprache des Zeichens) und wird daher auch oft chinesische Lesung genannt. Die ON-yomi wird meistens verwendet, wenn ein Zeichen zusammen mit anderen Kanji steht, um ein zusammengesetztes Wort (genauer: Kompositum oder Silbenwort) zu ergeben. ON-yomi werden in Aussprachelisten (etwa in Lexika) meist mit Katakana angegeben, bei lateinischer Schreibung solcher Listen oft in Großbuchstaben. Die kun-yomi (wörtlich: „Begriff-Lesung“) heißt auch reinjapanische Lesung. Bei einer solchen Lesung handelt es sich in der Regel um ein japanisches Erbwort (das also nicht aus dem Chinesischen stammt), für das das Schriftzeichen nur von seiner Bedeutung her übernommen wurde, aber nicht vom Klang her. Diese Lesung wird meistens (aber nicht immer) benutzt, wenn ein Kanji alleine steht und selbst ein ganzes Wort bildet. kun-yomi werden in Aussprachelisten meist mit Hiragana wiedergegeben, bei lateinischer Schreibung der Listen oft in Kleinbuchstaben.

Fast alle Kanji, mit Ausnahme einiger weniger Kokuji, haben eine oder mehrere On-Lesungen, aber nicht alle haben Kun-Lesungen. Die oft mehreren verschiedenen On-Lesungen eines einzigen Zeichens entstanden dadurch, dass viele Zeichen mehrmals zu verschiedenen Zeiten bzw. Epochen aus verschiedenen Landesteilen Chinas übernommen wurden, und damit auch die verschiedenen Aussprachen des Zeichens in den unterschiedlichen chinesischen Sprachen. Welche der Lesungen jeweils zu verwenden ist, richtet sich nach der Kanji-Kombination, in der das Zeichen jeweils auftaucht.

Es heißt in japanischen Legenden (10. Buch des Nihon Shoki), dass ein in Baekje (jap. Kudara), einem Staat im heutigen Korea, wirkender chinesischer Gelehrter namens Achiki (, kor. Ajikgi) im 15. Jahr des Kaisers Ōjin (berichtigtes Datum: 404) nach Japan geschickt wurde und Lehrer des Thronfolgers Uji no Waka-iratsuko () wurde. Auf Achikis Empfehlung hin wurde der Gelehrte Wani (, koreanisch Wang-in, chin. Wang-ren) an den Hof des Yamato-Reiches eingeladen und von Aredawake und Kamu-nagi-wake im Frühling des zweiten Monats des 16. Jahres (unter Ōjin) aus Baekje herübergeholt.Die Litteraturen des Ostens in Einzeldarstellungen. Band X Geschichte der japanischen Litteratur von Karl Florenz, Leipzig, C.F.Amelangs Verlag, zweite Ausgabe, 1909, S. 7.

Wani brachte so im späten 4. Jahrhundert die chinesischen Schriftzeichen nach Japan, um den Konfuzianismus zu lehren, und dabei die chinesischen Bücher Analekten des Konfuzius und den Tausend-Zeichen-Klassiker nach Japan zu bringen.Volker Grassmuck: Die japanische Schrift und ihre Digitalisierung. In: Winfried Nöth, Karin Wenz (Hrsg.): Intervalle 2. Medientheorie und digitale Medien. Kassel University Press, Kassel 1999., ISBN 3-933146-05-4 , abgerufen am 23. April 2019; Unterabschnitt „Die Zeichen der Han“. Wani wird im Kojiki und im Nihon Shoki erwähnt. Ob Wani wirklich lebte oder nur eine fiktive Person ist, ist unklar, denn die heute bekannte Version des Tausend-Zeichen-Klassikers ist erst später, zur Zeit der Regentschaft von Kaiser Liang Wu Di (502–549) entstanden. Es wird von einigen Wissenschaftlern für möglich gehalten, dass bereits im 3. Jahrhundert chinesische Werke ihren Weg nach Japan fanden. Als gesichert gilt, dass spätestens ab dem 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung die Kanji in mehreren Wellen aus verschiedenen Teilen Chinas importiert wurden. Heute nennt man die klassische Schreibweise der chinesischen Texte für Japan Kanbun.

Nach dem Zweiten Weltkrieg (1946) wurde die Anzahl der „Schriftzeichen für den täglichen Gebrauch“ () vom Amt für kulturelle Angelegenheiten Bunka-chō, einer Unterabteilung des Bildungsministeriums, auf zuerst 1850 Zeichen reduziert und im Jahre 1981 wurde deren Nutzung durch Ersatz und Adaptierung in die Jōyō-Kanji () auf 1945 Zeichen etwas erweitert. 2010 wurde die Anzahl der Jōyō-Kanji auf 2136 festgelegt, die auch in der Schule gelehrt werden. Amtliche Texte und viele Zeitungen beschränken sich auf diese Zeichen und geben alle anderen Begriffe in Kana wieder. Daneben gibt es weitere ca. 580 so genannte Jinmeiyō Kanji, die nur für die Verwendung in japanischen Eigennamen offiziell sind.

Grundsätzlich entsprechen die Kanji den traditionellen chinesischen Langzeichen. Einige Zeichen aber wurden mit der Schriftreform in Japan („Problem der nationalen Schriftzeichen der japanischen Sprache“, ) (siehe Tōyō-Kanji vom 1946) vereinfacht, in einer ähnlichen Weise, aber weniger radikal als die Kurzzeichen bei der chinesischen Schriftreform von 1955.

Insgesamt gibt es mehr als 50.000, in der Mehrzahl aber ungebräuchliche Kanji. Gebildete Japaner beherrschen nicht selten (zumindest passiv) über 5000 Kanji, was vor allem zum Lesen von literarischen Texten notwendig ist. In manchen seit alters her bestehenden gelehrten Berufsfeldern, etwa Jura, Medizin oder buddhistischer Theologie, wird die Beherrschung von bis zu 1000 weiteren Kanji, die in diesem Bereich eine Rolle spielen, vorausgesetzt. Dabei handelt es sich jedoch um Fachbegriffe. Moderne Berufsfelder wie Naturwissenschaft und Technik schreiben ihre Fachbegriffe üblicherweise in Katakana oder gleich in lateinischer Schrift.

Japanische Texte für Erwachsene lassen sich bei Bedarf mit hoher Geschwindigkeit „querlesen“. Da der wesentliche Inhalt mit Kanji geschrieben wird und auch komplexe Begriffe mit nur wenigen Kanji dargestellt werden können, kann man durch Springen von Kanji zu Kanji unter Nichtbeachtung der anderen Zeichensysteme den Sinn eines Textes rasch erfassen. Andererseits kann man am Gesamtanteil und dem Schwierigkeitsgrad der Kanji eines Textes erkennen, für welche Alters- bzw. Bildungsgruppe er vorzugsweise geschrieben wurde.

Durch den starken chinesischen Einfluss auf Korea waren chinesische SchriftzeichenDie chinesische Schriftzeichen werden auch als Hanzi (chin. ) bezeichnet. Dieselben Zeichen werden in Japan als Kanji (jap. ) und in Korea als Hanja (kor. ) ausgesprochen. (kor. Hanja) traditionell auch in Korea gebräuchlich, seit der Kabo-Reform Ende des 19. Jh. sind diese aber weitgehend (in Nordkorea vollständig) durch die Hangeul-Zeichen ersetzt worden.

Insgesamt geht die Anzahl der verwendeten Kanji immer mehr zurück, was möglicherweise auch daran liegt, dass aufgrund der heute vorhandenen elektronischen Schreibhilfen japanischer Textverarbeitungssysteme die jüngeren Japaner sie zwar noch lesen, aber besonders die selteneren Kanji immer öfter nicht mehr handschriftlich schreiben können. In zahlreichen Printmedien werden inzwischen über komplizierten Kanji die dazugehörigen Kana (Furigana) abgedruckt.