AmigaOS ist ein Betriebssystem, das ursprünglich für die Amiga-Computer der Firma Commodore entwickelt wurde. Es wurde 1985 erstmals mit dem Amiga 1000 veröffentlicht und zeichnete sich durch eine fortschrittliche Architektur aus, die Multitasking, eine grafische Benutzeroberfläche (GUI) und erweiterte Audio- und Video-Funktionen unterstützte. Diese Merkmale machten AmigaOS besonders in den Bereichen Multimedia, Grafik- und Videobearbeitung sowie Computerspiele populär.
Das Betriebssystem war eines der ersten, das auf Heimcomputern echtes Multitasking und 32-Bit-Grafik in Verbindung mit leistungsstarker Audiounterstützung ermöglichte. Diese innovativen Funktionen setzten Maßstäbe für die Entwicklung von Betriebssystemen in der Personal-Computer-Industrie.
Nach der Insolvenz von Commodore im Jahr 1994 wurde AmigaOS von verschiedenen Unternehmen weiterentwickelt, darunter Hyperion Entertainment, welches das Betriebssystem heute pflegt. Trotz des endenden kommerziellen Erfolgs der Amiga-Computer hat AmigaOS eine treue Anhängerschaft und ist nach wie vor ein bedeutendes Thema innerhalb der Retro-Computing-Community.
Geschichte mini|AmigaOS 1.3 auf einem Amiga 500 Frühe Entwicklung und erste Versionen (1982–1985)
AmigaOS wurde in den frühen 1980er-Jahren von der Firma Amiga entwickelt. Die Arbeiten begannen 1982, und das Betriebssystem sollte eine moderne Architektur bieten, die Multitasking, grafische Benutzeroberflächen und mehr benutzerfreundliche Features ermöglichte. Die grundlegenden Komponenten von AmigaOS, insbesondere AmigaDOS und Teile des Kickstart, basieren auf dem Multiuser-Betriebssystem TRIPOS der Firma MetaComCo, das in der Programmiersprache BCPL geschrieben wurde.
AmigaOS 1.0 wurde 1985 fertiggestellt, nachdem Amiga von Commodore übernommen worden war. Diese erste Version bildete die Grundlage für alle späteren Entwicklungen und setzte den Standard für viele Technologien, die zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen steckten, wie etwa die grafische Benutzeroberfläche und das Multitasking.
AmigaOS unter Commodore (1985–1994)
Nach der Übernahme von Amiga durch Commodore im Jahr 1985 wurde die Entwicklung des Betriebssystems fortgeführt. Commodore veröffentlichte 1986 AmigaOS 1.2 und 1987 die Version 1.3, die insbesondere Stabilitäts- und Kompatibilitätsverbesserungen mit sich brachte.
Mit der Veröffentlichung von AmigaOS 2.0 im Jahr 1990, das zahlreiche Verbesserungen in der Benutzeroberfläche, bessere Multitasking-Funktionalität und Unterstützung für das Amiga 3000-Modell brachte, machte AmigaOS einen großen Sprung. Version 3.0 folgte 1992 und beinhaltete zusätzliche Funktionen und Support für die neue Amiga 1200- und Amiga 4000-Hardware. AmigaOS 3.1 wurde 1994 veröffentlicht und stellte die endgültige Version von AmigaOS unter Commodore dar, bevor das Unternehmen 1994 Insolvenz anmeldete.
Übernahme durch Haage & Partner und erste Erweiterungen (1994–2000)
Nach Commodores Insolvenz übernahm Amiga Inc. die Rechte an der Marke Amiga und entschied sich, AmigaOS zu modernisieren. Die deutsche Firma Haage & Partner erhielt die Lizenz, AmigaOS weiterzuentwickeln und veröffentlichte 1999 AmigaOS 3.5. Diese Version brachte eine verbesserte Unterstützung für moderne Hardware, verbesserte Systemfunktionen und eine Reihe neuer Features. Für Diskussionen sorgte jedoch die Aufgabe der Abwärtskompatibilität. So war die Mindestanforderung ein 68020-Prozessor. Es folgten eine Reihe weiterer Updates, auch bekannt als BoingBag-Releases 1 (Dezember 1999), 2 und 2a (beide Januar 2001).
Besonders hervorzuheben ist die Einführung von WarpOS, einer Softwarelösung, die es ermöglichte, klassische 68k-Programme auf PowerPC-Hardware auszuführen. Diese Lösung stieß auf Kontroversen, da sie nicht mit der konkurrierenden PowerUp-Software kompatibel war, was zu Spannungen innerhalb der Amiga-Community führte.
Im Dezember 2000 veröffentlichte Haage & Partner AmigaOS 3.9, das viele der Funktionen von 3.5 weiterführte und die Benutzeroberfläche sowie Systemleistung verbesserte. Mit dieser Version wurde AmigaOS zu einer modernen Plattform, die mit neuen Dateiformaten wie AVI und MP3 kompatibel war. Außerdem erhielt es Unterstützung für Festplatten >4 GB. Die Markteinführung von AmigaOS 3.9 kam überraschend, da es zunächst hieß, dass OS 3.5 das letzte offizielle Version für den Classic Amiga sein würde. Um aber ein weiteres Zusammenbrechen des Amiga-Marktes zu verhindern, wurde die Version 3.9 veröffentlicht.
Hyperion Entertainment und die PowerPC-Ära (2001–2007) Im Jahr 2001 ging die Entwicklung von AmigaOS in die Hände des belgischen Unternehmens Hyperion Entertainment über, nachdem die Lizenz von Amiga Inc. an Haage & Partner zurückgezogen worden war. Im selben Jahr begann Hyperion mit der Entwicklung von AmigaOS 4.0, einer Version des Betriebssystems, die exklusiv für die PowerPC-Architektur optimiert war. Dies stellte einen deutlichen Bruch zu den vorherigen 68k-Versionen dar, die auf den klassischen Motorola 68000-Prozessoren liefen. Programme für klassische 68k-Amiga-Systeme konnten jedoch auch weiterhin in einer Emulation des 68k-Prozessors ausgeführt werden (je nach Kompatibilität auch unter Einsatz eines JIT-Compilers).
AmigaOS 4.0 wurde zuerst auf der AmigaOne-Plattform von „Eyetech“ ausgeliefert. In den Jahren 2007 und 2008 folgten Versionen von AmigaOS 4.1, die die AmigaOne-Plattform, die SAM440-Mainboards von „ACUBE Systems“, die Pegasos-II-Boards und die PowerPC-Erweiterungskarten für klassische Amiga-Modelle vollständig unterstützten. Zu den wichtigsten Neuerungen gehörte eine modernisierte Benutzeroberfläche. Rechtliche Herausforderungen um AmigaOS 3.x (2014–2023)
AmigaOS war im Laufe der Jahre immer wieder mit rechtlichen Herausforderungen konfrontiert. Eine der größten Auseinandersetzungen war die Rechtsstreitigkeit zwischen Hyperion Entertainment und der Cloanto Corporation sowie weiteren Beteiligten wie Amiga Inc. und Itec LLC, die Ansprüche am Betriebssystem geltend machten. Im März 2023 entschied ein US-Gericht zugunsten von Hyperion, indem es die Klage abwies, die aufgrund von Urheberrechtsverletzungen und Markenrechtsfragen eingereicht worden war.
Die Entwicklung von AmigaOS hat sich durch diese rechtlichen und finanziellen Turbulenzen nicht stoppen lassen.
Im Mai 2019 hatte Hyperion Entertainment die volle Eigentümerschaft am ReAction GUI Tool Kit, was mit der OS-Version 3.5 eingeführt wurde, übernommen. Im Dezember 2024 kündigte Hyperion Entertainment eine Konsolidierung ihrer finanziellen Lage und die Fortsetzung der Entwicklung von AmigaOS unter neuer Leitung an. Die ersten Schritte in diese Richtung waren bereits mit der Veröffentlichung von AmigaOS 3.2.2.1 im April 2023 unternommen worden.
AmigaOS 3.x und dessen Weiterentwicklung (ab 2000) Die Entwicklung von AmigaOS 3.x wurde trotz der Fokussierung auf PowerPC-Versionen nicht eingestellt. So begann Hyperion Entertainment aus urheberrechtlichen Gründen auf Basis der letzten Commodore-Version AmigaOS 3.1 neue Updates zu entwickeln. Diese neueren Versionen von AmigaOS 3.x führten neue Funktionen und Fehlerbehebungen ein, ohne die grundlegende 68k-Architektur zu verlassen.
Im Dezember 2015 wurde der Quelltext von Bestandteilen aus AmigaOS 3.1 (speziell Kickstart und Workbench) im Internet geleakt, was vom Lizenznehmer Hyperion Entertainment offiziell bestätigt wurde., commodore.ninja (englisch), 29. Dezember 2015
Die erste bedeutende Veröffentlichung war AmigaOS 3.1.4 im Jahr 2018, die ursprünglich als Bugfix-Veröffentlichung gedacht war, aber weit mehr Änderungen und Verbesserungen brachte als ursprünglich erwartet. AmigaOS 3.1.4 modernisierte viele Systemkomponenten und behob Probleme, die über die Jahre hinweg aufgetreten waren.
Darauf folgten AmigaOS 3.2 (2021) sowie AmigaOS 3.2.1 und 3.2.2 (2021–2023), die kontinuierlich neue Funktionen und Korrekturen einführten, die die Nutzung auf klassischer Hardware verbesserten und das System langfristig relevant hielten. AmigaOS 3.2.3 erschien im April 2025. Es umfasst mindestens 50 Bugfixes, Updates für das GUI-Toolkit ReAction und den Texteditor sowie eine Performance-Optimierung: Amiga OS 3.2.3 soll 12 KiB weniger RAM belegen.
Hyperon Entertainment kündigte im Oktober 2025 an, dass das Release von AmigaOS 3.3 für 2026 geplant sei.https://www.facebook.com/photo/?fbid=1471319487668005&set=pcb.1471321207667833 Nach einer Präsentation von Chefentwicklerin Camilla Boemann sollen unter anderem eine erweiterte Version von AmigaGuide, ein neues HD-Partitionierungstool namens PartitionEdit, ein neues Moonlight-Iconset, eine verbesserte AmigaShell sowie zahlreiche Leistungsverbesserungen enthalten sein.
AmigaOS 4.1 und dessen Entwicklung (ab 2007)
Mit der Veröffentlichung von AmigaOS 4.1 Final Edition im Dezember 2014 präsentierte Hyperion eine stabile und voll funktionsfähige Version des Betriebssystems für verschiedene PowerPC-basierte Amiga- und AmigaOne-Modelle sowie den Pegasos 2.Auslieferung von AmigaOS 4.1 Final Edition Diese Version beinhaltete weitere Verbesserungen in der Benutzeroberfläche sowie erweiterte Hardware-Unterstützung.
Im Oktober 2022 wurde ein aktualisiertes Software Development Kit (SDK) für AmigaOS 4.1 veröffentlicht, das Entwicklern neue Möglichkeiten zur Erstellung von Software für die AmigaOS-Plattform bot. Dennoch blieb das Betriebssystem eine Nischenlösung, die von einer kleinen, aber engagierten Nutzergruppe verwendet wurde, die über PowerPC-Hardware verfügte.
Im Oktober 2025 veröffentlichte Hyperion Update 3 für AmigaOS 4.1 Final Edition, was vor allem als Wartungs- und Stabilitätsupdate beschrieben wird. So soll es mehr als 60 neue Funktionen, 70 Updates und über 135 Fehlerbehebungen im gesamten System umfassen. Als wichtigste Verbesserungen wurden ein aktualisierter TCP/IP-Stack Roadshow, neue Kernel für verschiedene PowerPC-System, ein verbesserter USB-Stack sowie eine aktualisierte Grafikbibliothek genannt, die 4K/UHD-Monitore automatisch erkennen soll.
Architektur und Kernkomponenten mini|rechts|Netzwerkfähigkeiten Allgemeine Architektur AmigaOS ist ein Einzelbenutzer-Betriebssystem, das auf einem präemptiven Multitasking-Kernel basiert. Dieser Kernel trägt den Namen Exec und ermöglicht das effiziente Verwalten von Prozessen und Systemressourcen. Eine der Besonderheiten von AmigaOS ist, dass es eine enge Integration mit der Hardware bietet, die eine hohe Leistung und Flexibilität gewährleistet.
Hauptkomponenten Exec (Kernel) Der zentrale Kernel von AmigaOS übernimmt das Management der Systemprozesse und bietet grundlegende Funktionen wie Multitasking, Speicherverwaltung und Task-Scheduling.
AmigaDOS Ein Diskbetriebssystem, das die Interaktion mit Dateisystemen und Speichermedien regelt. Es stellt eine abstrakte Schnittstelle zur Hardware zur Verfügung und ermöglicht die Nutzung von Dateien und Ordnern.
Intuition (Fenster-System) Das Fenstersystem von AmigaOS, das für die grafische Benutzeroberfläche zuständig ist. Intuition bietet Funktionen wie Fensterverwaltung, Benutzerinteraktionen und die Darstellung von grafischen Elementen.
Workbench Der Desktop-Manager und Dateimanager, der die grafische Benutzeroberfläche (GUI) von AmigaOS bildet. Workbench ermöglicht den Zugriff auf Dateien und Programme, verwaltet die Arbeitsumgebung und bietet eine benutzerfreundliche Oberfläche für den Nutzer.
Plattformübergreifende Unterstützung AmigaOS 4.x erfordert beispielsweise einen PowerPC-Prozessor, was eine Weiterentwicklung des Systems nach dem Ende von Commodore darstellt. Ältere Versionen des Systems unterstützten den Motorola 68000, was das ursprüngliche AmigaOS auf den ersten Geräten der Amiga-Serie (wie dem Amiga 1000) zum Leben erweckte.
Besondere Merkmale und Innovationen AmigaOS war eines der ersten Betriebssysteme, das echtes präemptives Multitasking und cooperative Multitasking im Desktop-Bereich integrierte, was zu seiner Zeit eine technologische Innovation war.