Der Thüringer Wald ist ein bis hohes (Großer Beerberg) und gut 1000 Quadratkilometer großes waldreiches Mittelgebirge im Freistaat Thüringen in Deutschland. Im engeren Sinn ist damit das etwa 70 Kilometer lange und 20 Kilometer breite Kammgebirge zwischen dem Werratal bei Eisenach und den Tälern von Schleuse und Wohlrose südöstlich von Ilmenau gemeint. Topografisch und geologisch deutlich davon abgegrenzt ist das Thüringer Schiefergebirge als südöstliche Fortsetzung, das jedoch im allgemeinen Sprachgebrauch oft als Teil des Thüringer Waldes angesehen und ebenso vom Kammweg Rennsteig durchquert wird.

Gemeinsam mit dem Schiefergebirge, dem Frankenwald und dem Fichtelgebirge bildet der Thüringer Wald das Thüringisch-Fränkische Mittelgebirge von der Werra bis an die tschechische Grenze.Emil Meynen, Josef Schmithüsen: Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands (6. Lieferung). Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen 1959; aktualisierte Karte 1:1.000.000 mit Haupteinheiten 1960

Das Gebirge ist als Naturpark Thüringer Wald als Ganzes unter Schutz gestellt, der strenger geschützte Kernbereich bildet das Biosphärenreservat Thüringer Wald.

Topografie mini|hochkant=1.6|Die nordwestliche Hälfte des Gebirges, auf dem der Rennsteig als Kammlinie verläuft, wird als Thüringer Wald bezeichnet

Thüringer Wald und Thüringer Schiefergebirge ziehen sich als Gebirgskette von der Werra im Nordwesten bis zum Frankenwald im Südosten hin, der naturräumlich der südöstliche Teil des Thüringer Schiefergebirges ist, landläufig jedoch aus historischen Gründen von ihm getrennt aufgefasst wird. Sie bilden größtenteils die Wasserscheide zwischen Elbe im Norden und Weser (Werra) bzw. Rhein (Main) im Süden. Großteile beider Gebirge sind als Naturpark Thüringer Wald ausgewiesen.

Der Thüringer Wald im engeren Sinne erstreckt sich rund 70 Kilometer in Nordwest-Südost-Richtung. Die maximale Nordost-Südwest-Ausdehnung des Kammgebirges beträgt im Norden bei Eisenach um 7 km, an der Nahtstelle zum Schiefergebirge bei Gehren etwa 14 km. Demgegenüber weist das südöstlich anschließende Thüringer Schiefergebirge eine flächige Gestalt auf. Trotz der Unterschiedlichkeit der beiden Gebirge wird als touristische Bezeichnung oft der bekanntere Begriff Thüringer Wald für die gesamte Gebirgskette gebraucht. Über den gesamten Gebirgskamm führt der Rennsteig.

Der höchste Berg des Thüringer Waldes ist der Große Beerberg (). Die nächsthöheren Berge sind der Schneekopf (), der Große Finsterberg () und der Große Inselsberg (). Weithin bekannte Berge sind überdies der Kickelhahn () an der Nordost- sowie Großer Hermannsberg (), Ruppberg () und Adlersberg () an der Südwestabdachung des Kammes.

→ Diese und weitere Berge finden sich im Absatz Thüringer Wald des Artikels Liste der Berge in Thüringen

Flüsse Etwa zwei Drittel des Thüringer Waldes, darunter die komplette Südwestflanke, entwässern zur Werra und damit zum Stromsystem der Weser. Dabei sind Schleuse, Hasel und die etwas kleinere Schmalkalde fast reine Thüringer-Wald-Flüsse, während die Hörsel, vom äußersten Oberlauf abgesehen, nur linksseitig aus dem Mittelgebirge gespeist wird.

Von der Gera entwässern nur zwei Doppel-Quellarme über die Unstrut, von der Ilm nur der Oberlauf das Mittelgebirge zur Saale und damit zum Stromsystem der Elbe.

Von den folgenden Flusssystemen wird der Thüringer Wald im Uhrzeigersinn, beginnend im Südosten, entwässert:

Hauptfluss Hauptfluss (Vorfluter) Abschnitt Arme Einzugsgebiet[km²]Gebiets- und Gewässerkennzahlen (Verzeichnis und Karte). Thüringer Landesanstalt für Umwelt (Hrsg.), Jena 1998. 26 S. Abfluss[m³/s] Schleuse Werra bis einschließlich Nahe Schleuse, Nahe 247,9 4,4Am Pegel Rappelsdorf (256,0 km²) führt die Schleuse 4,49 m³/s. Schleuse I (Oberlauf) Werra oberhalb Nahemündung BiberDie Biber entwässert bereits das Thüringer Schiefergebirge., Neubrunn, Tanne, (Böse) Schleuse, Trenkbach 124,9 2,1per Differenzbildung aus den Teil-Werten Schleuse II (Nahe) Werra (Schleuse) gesamt Nahe, Vesser, Breitenbach, Erle 123,0 2,3Am Pegel Schleusingen (114,0 km²) führt die Nahe 2,20 m³/s. Hasel Werra bis einschließlich Schwarza Hasel, Schwarza 312,3 4,5Am Pegel Ellingshausen (327 km²) führt die Hasel 4,65 m³/s. Hasel I (Oberlauf) Werra oberhalb Schwarzamündung Hasel, Lauter, Mühlwasser, Bach aus Albrechts 139,0 2,0 Hasel II (Schwarza) Werra (Hasel) gesamt Lichtenau, Häselbach, Schwarza (Schönau) 173,3 2,5Am Pegel Schwarza (151,0 km²) führt die Schwarza 2,36 m³/s. Schmalkalde Werra bis einschließlich Stille Stille, Asbach, Flohbach, Schmalkalde 134,9 2,0Am Pegel Mittelschmalkalden (153,0 km²) führt die Schmalkalde 2,16 m³/s. Werra (rechte Zuflüsse) Werra Breitungen bis Barchfeld Truse, Farnbach, Grumbach, Schweina 120Schätzung; Addition der Flussgebiete von Truse (46,2 km²), Farnbach, Grumbach und Schweina Elte Werra gesamt Frommbach, Heidelbach 81,0 Hörsel Werra oberhalb Nessemündung Obere Hörsel, rechte Nebenflüsse des Mittellaufs 222,9 2,6per Addition aus Teil-Werten Hörsel I (Oberlauf) Werra bis einschließlich Badewasser (Kleine) Leina/Hörsel, Schilfwasser, Badewasser 91,9 1,1Am Pegel Teutleben (105,2 km²) führt die Hörsel 1,19 m³/s. Hörsel II (linke Zuflüsse) Werra (Hörsel) Laucha bis Wutha-Farnroda Laucha, Emse, Erbstrom, Alte Mosbach 131,0Addition der Flussgebiete von Laucha (30,4 km²), Emse (42,2 km²) und Erbstrom (58,4 km²) 1,5Am Pegel Eisenach-Petersberg (305,2 km²) führt die Hörsel 3,16 m³/s, am Pegel Teutleben (105,2 km²) 1,19 m³/s. Gera Saale (Unstrut) Apfelstädt bis einschließlich Ohra, Wilde und Zahme Gera bis Vereinigung Apfelstädt, Ohra, Wilde Gera, Zahme Gera 321,3 Gera I (Apfelstädt) Saale (Gera) oberhalb Ohramündung Splitterbach, Apfelstädt, Schmalwasser 100Schätzung Gera II (Ohra) Saale (Apfelstädt) gesamt Kernwasser, Ohra 80 Gera III (Wilde Gera) Saale (Gera) gesamt Lütsche, Wilde Gera 76,1 Gera IV (Zahme Gera) Saale (Gera) gesamt Wirrbach, Zahme Gera, Jüchnitz, Körnbach, Reichenbach 65,2 Ilm Saale bis einschließlich Wohlrose Ilm, Wohlrose 153,9 Ilm I (Oberlauf) Saale bis oberhalb Wohlrose Freibach, Taubach, Ilm (Lengwitz), Gabelbach, Schorte, Lohme 96,7 Ilm II (Wohlrose) Saale (Ilm) gesamt Schobse, Wohlrose, Talwasser (Ilmsenbach) 57,2

Seen Folgende Stauseen befinden sich im Thüringer Wald (wieder, analog den Flüssen, im Uhrzeigersinn geordnet):

Name Zuflüsse Einzugsgebiet[km²]* Oberfläche[ha] Höheüber NN Talsperre Schönbrunn Tanne, Gabel, (Böse) Schleuse, Trenkbach 30,2 100 543 Talsperre Erletor Erle 5,9 5 526 Talsperre Tambach-Dietharz Apfelstädt, Mittelwasser 20 11 473 Talsperre Schmalwasser Schmalwasser 30,4 80 572 Talsperre Ohra Ohra (Kernwasser, Silbergraben) 34,4 82 525 Talsperre Lütsche Lütsche (grasige Lütsche, steinige Lütsche) 9,3 14 581 * ohne Überleitungen

Nordabdachung Der Thüringer Wald stößt nach Nordosten an die naturräumliche Haupteinheitengruppe Thüringer Becken (mit Randplatten). Teilweise wird er durch die eigentlichen (Muschelkalk-)Randplatten abgedacht, teils durch Buntsandstein-Zwischenländer und teils geht er direkt ins Thüringer Becken über. Dabei folgen die Abdachungen in ihrer Richtung der Eichenberg–Gotha–Saalfelder Störungszone, die sie im Norden, in einiger Entfernung zum Thüringer Wald flankiert.

Im äußersten Nordwesten bei Herleshausen wird der Thüringer Wald nur vom Tal der Werra vom Ringgau getrennt, dessen Platte sich rechts der Werra am Hainich fortsetzt. Einen Ausläufer dieser Platte stellen die Hörselberge dar, die bei Eisenach dem Thüringer Wald jenseits der Hörsel gegenüberstehen. Sie werden dem Westthüringer Berg- und Hügelland zugerechnet, dessen Kernland bereits als Teil des Thüringer Becken angesehen wird.

Zwischen Thüringer Wald und Hörselberge schiebt sich südöstlich Eisenachs der Buntsandsteinrücken der Waltershäuser Vorberge, die entlang der Linie Mosbach – Seebach – Bad Tabarz – Friedrichroda – Georgenthal angrenzen. Zwischen der Apfelstädt und ihrem Nebenfluss Ohra grenzt der Thüringer Wald bei Gräfenhain unmittelbar an einen flachgründigen Teil des Thüringer Berg- und Hügellandes und damit ans Thüringer Becken selber.

Von Luisenthal über Gräfenroda und Geschwenda bis nach Geraberg zieht sich die Grenze des Thüringer Waldes zur Ilm-Saale-Ohrdrufer Platte; weiter südöstlich schiebt sich der Buntsandstein des Paulinzellaer Vorlandes zwischen beide Naturräume und berührt den Thüringer Wald von Elgersburg über Ilmenau bis Gehren, wo der Thüringer Wald schließlich ins Thüringer Schiefergebirge übergeht.

Südabdachung mini|Südwestabdachung bei Rotterode, im Hintergrund die Vordere Rhön Nach Südwesten wird der Thüringer Wald von Buntsandstein-Bergländern abgedacht, wobei die Grenze weitgehend der Passau-Ibbenbürener Störungszone folgt. In der Nordhälfte sind dieses die rechts der Werra gelegenen Teile des Salzunger Werraberglandes, das der Haupteinheitengruppe Osthessisches Bergland zugerechnet wird. Weiter südlich schließt sich das Südthüringer Buntsandstein-Waldland an, das den Großteil der Haupteinheit Südliches Vorland des Thüringer Waldes einnimmt, die, wie auch Thüringer Wald und Schiefergebirge, zum Thüringisch-Fränkischen Mittelgebirge gerechnet wird. Indes ist diese Zuordnung nicht unumstritten und vor allem der Gliederungsstruktur der ehemaligen Bundesanstalt für Landeskunde geschuldet. Die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) verzichtet auf eine Zuordnung zu Haupteinheitengruppen und zieht auch eine etwas andere Grenze zwischen Salzunger Werrabergland und dem eigentlichen Vorland des Thüringer Waldes.

Die Grenzlinie des Thüringer Waldes zu den Buntsandstein-Vorländern folgt in etwa der Linie Herleshausen – Unkeroda – Schweina – Trusetal – Floh-Seligenthal – Steinbach-Hallenberg – Suhl – Waldau. Demnach liegen Schmalkalden und Schleusingen knapp außerhalb des Thüringer Waldes.

Grenzverlauf zum Schiefergebirge Die Grenze des (Mittleren) Thüringer Waldes zum (Hohen) Thüringer Schiefergebirge folgt auf der Werra-Seite dem Tal der Schleuse flussaufwärts von Schleusegrund-Lichtenau bis (Schleusegrund-)Schönbrunn, weiterhin dem der Neubrunn. Vom nördlichen Besiedlungsrand Gießübels verläuft sie nach Altenfeld und von dort zum Güterbahnhof Neustadt/Gillersdorf im Westen Großbreitenbachs, von wo aus sie dem Tal des Talwassers (Ilmsenbach) und der oberen Wohlrose über Möhrenbach nach Gehren folgt.

So gerade noch zum Mittleren Thüringer Wald gehören demnach Kalter Staudenkopf (), Schwefelkopf (), Kohlhieb (), Haube (), Reischelberg (), Silberberg () und Hinterer Brandkopf (). Demgegenüber leiten die Simmersberg-Randgipfel Hohe Warth (), Schnetter Berg () und Holzberg (), am Kamm der Hohe Stock () und im Norden schließlich Silberberg () und Langer Berg () bereits das Hohe Thüringer Schiefergebirge ein.

Die exakte geologische Grenze folgt den erwähnten Tälern indes nur annähernd. Nach ihr wäre z. B. die Hohe Warth als einziger Gipfel des Simmersberg-Massivs noch im Thüringer Wald gelegen und der Sommerberg () als Südwestgipfel des Schwefelkopfs bereits im Schiefergebirge.

Naturräumliche Gliederung mini|Der Thüringer Wald und seine unmittelbare Umgebung; die halbinselartigen Südost-Ausläufer ins Schiefergebirge Masserberger und Crocker Scholle sind ebenfalls aufgehellt. Der Thüringer Wald im engeren Sinne gliedert sich entlang der Kammlinie in einzelne Abschnitte – einerseits durch geologische Übergänge (siehe unten), andererseits orografisch durch senkrecht zum Kamm verlaufende, teilweise tief eingeschnittene Flusstäler, von denen aus die wichtigsten Pässe über das Gebirge führen.