Roberto Baggio (* 18. Februar 1967 in Caldogno, Provinz Vicenza) ist ein ehemaliger italienischer Fußballspieler. Der Offensivspieler verbrachte seine erfolgreichste Zeit im Vereinsfußball bei Juventus Turin.

Trotz mehrerer schwerer Knieverletzungen im Laufe seiner Karriere lief er 456 Mal in der Serie A auf und liegt mit 205 Toren aktuell auf dem siebten Rang der Rekordtorschützenliste. Roberto Baggio gilt als einer der besten Offensivspieler aller Zeiten. Er wurde im Jahr 1993 als FIFA-Weltfußballer des Jahres sowie Europas Fußballer des Jahres (Ballon d’Or) ausgezeichnet und ist unter anderem Teil der Hall of Fame des Italienischen Fußballs und der FIFA 100.

Er lief 56 Mal für die italienische Nationalmannschaft auf, mit der er 1994 Vize-Weltmeister wurde.

Aufgrund seiner Fähigkeiten und der Zopffrisur, die Baggio über die meiste Zeit seiner Karriere trug, bekam er den Spitznamen „Il Divin Codino“ (Das göttliche Zöpfchen).

Familie Roberto Baggio stammt aus der oberitalienischen Kleinstadt Caldogno (Region Venetien) und ist das zweitjüngste von insgesamt acht Kindern der Eheleute Matilde und Florindo Baggio. Beim örtlichen Verein Caldogno Calcio begann er als Siebenjähriger mit dem Jugendfußball und „Robi“ erwarb sich den Ruf eines Ausnahmetalents. Sein jüngerer Bruder Eddy (* 1974) war später ebenfalls Fußballprofi in der Serie B.

Zu dem gleichnamigen Fußballer Dino Baggio besteht keine Verwandtschaftsbeziehung.

Vereinskarriere Lanerossi Vicenza mini|Roberto Baggio im Trikot von Vicenza (1984) Mit 13 Jahren wechselte Baggio in die Nachwuchsabteilung des Drittligisten Lanerossi Vicenza aus der zehn Kilometer entfernten Provinzhauptstadt Vicenza. Schon als Jugendlicher gehörte er zum Kader der Seniorenmannschaft und gab am letzten Spieltag der Serie C1 (5. Juni 1983) mit 16 Jahren unter Bruno Mazzia sein Debüt. Nachdem Baggio es in der folgenden Saison 1983/84 auf sechs Einsätze (ein Tor) gebracht hatte, gelang ihm in seiner dritten Saison endgültig der sportliche Durchbruch. Unter Trainer Bruno Giorgi entwickelte er sich zu einem Leistungsträger und hatte mit zwölf Saisontoren großen Anteil an Vicenzas Aufstieg in die zweitklassige Serie B. Baggio war das Aushängeschild des Vereins und wurde im selben Jahr für die U-16 Juniorennationalmannschaft nominiert. Nach dem ersten Erfolg seiner Karriere hatte Baggio das Interesse verschiedener Vereine aus der Serie A auf sich gezogen und am 5. Mai 1985 unterschrieb er einen Profivertrag bei der AC Florenz. Der Klub aus der Toskana ließ sich den Transfer stattliche 2,7 Milliarden Lire (umgerechnet 1,39 Millionen Euro) kosten. Doch in seinem letzten Spiel für Vicenza, zwei Tage nach der Vertragsunterzeichnung mit Florenz, zog sich Baggio einen Kreuzband- und Meniskusriss im rechten Knie zu.

AC Florenz Aufgrund der schweren Knieverletzung befürchtete man sogar ein frühzeitiges Karriereende und Baggio musste in einer aufwendigen Operation mit insgesamt 220 Stichen genäht werden. Somit verpasste er seine komplette Premierensaison und obwohl der AC Florenz die Möglichkeit zum Rücktritt von dem bereits geschlossenen Vertrag hatte, hielt die Vereinsführung an Baggio fest, der seinerseits auf einen Teil des Gehalts verzichtete. In dieser Phase der Ungewissheit und erzwungenen Ruhe geriet der Spieler in eine tiefe persönliche Krise, die ihn zum buddhistischen Glauben brachte. Am 21. September 1986 feierte Baggio im Heimspiel gegen Sampdoria Genua (2:0) unter Trainer Eugenio Bersellini sein Debüt in Italiens höchster Spielklasse. Doch schon eine Woche nach seinem Comeback folgte der nächste Rückschlag, als er sich erneut schwer am Meniskus verletzte und auch einen Großteil der Saison 1986/87 ausfiel. Nach hartem Aufbautraining kehrte Baggio gegen Ende der Rückrunde in die Mannschaft zurück und schloss die Saison versöhnlich ab: Am vorletzten Spieltag erzielte er beim 1:1 gegen den neuen italienischen Meister SSC Neapel um Diego Maradona seinen ersten Treffer in der Serie A.John Foot: Calcio: A History of Italian Football. Fourth Estate, 2010.

Nach zwei von Verletzungen geprägten Jahren war Baggio vollständig genesen, was ihn endlich in die Lage versetzte, sein enormes fußballerisches Talent abzurufen.John Foot: Calcio: A History of Italian Football. Fourth Estate, 2010. S. 189 Unter Trainer Sven-Göran Eriksson schaffte er in der Saison 1987/88 mit konstanten Leistungen den Sprung zum Stammspieler und er zahlte das ihm entgegengebrachte Vertrauen zurück. Neben seiner Abschlussstärke zeichnete sich Baggio durch Torgefahr bei Standardsituationen aus und er avancierte 1988/89 zum Shootingstar der Serie A, die zu dieser Zeit als beste Liga der Welt angesehen wurde. Der elegante und spielstarke Edeltechniker erzielte 15 Tore und bildete mit Stefano Borgonovo ein torgefährliches Angriffsduo, das 29 der insgesamt 44 Saisontreffer des AC Florenz beisteuerte. Im Entscheidungsspiel um die UEFA-Pokal-Qualifikation gelang Baggio der umjubelte 1:0-Siegtreffer gegen den punktgleichen AS Rom. In der folgenden Spielzeit (1989/90) steigerte sich Baggio nochmals und belegte mit 17 Saisontoren hinter Marco van Basten den zweiten Platz der Torschützenliste (sog. Capocannoniere). Obwohl die Violetten in der Liga lange Zeit gegen den Abstieg kämpften und die Saison nur auf dem 12. Platz beendeten, sorgte die Mannschaft international für Aufsehen und erreichte das Finale des UEFA-Pokals. In der 3. Runde gegen Dynamo Kiew war Baggio sein erstes internationales Tor gelungen und in Anerkennung seiner Leistungen zeichnete ihn die Sportzeitschrift Il Guerin Sportivo mit der Trofeo Bravo als besten Nachwuchsspieler Europas aus. In den Endspielen des UEFA-Pokals war Florenz allerdings chancenlos und unterlag dem favorisierten Juventus Turin (1:3 und 0:0).

Nach dieser Niederlage verkündete Vereinspräsident Flavio Pontello am 19. Mai 1990 den Transfer Baggios zu Juventus, das die damalige Rekordsumme von 25 Milliarden Lire (umgerechnet 12,9 Millionen Euro) zahlte. Die Nachricht vom Verkauf ihres Starspielers an den verhassten Erzfeind löste in Florenz gewalttätige Ausschreitungen der Ultra-Gruppierungen aus, bei denen etwa 50 Menschen verletzt wurden.John Foot: Calcio: A History of Italian Football. Fourth Estate, 2010. S. 190 Baggio selbst hielt sich in der Angelegenheit zurück und vermied unbedachte Äußerungen in der Öffentlichkeit. Später sagte er zu seinem spektakulären Vereinswechsel:

Juventus Turin Nach der Weltmeisterschaft 1990 nahm Baggio den Spielbetrieb bei Juventus Turin auf und die Erwartungen an den teuersten Fußballer der Welt waren dementsprechend hoch. Baggio erhielt das prestigeträchtige Trikot mit der Rückennummer 10 und wurde von der ambitionierten Vereinsführung des Rekordmeisters als legitimer Nachfolger von Michel Platini angesehen. Der Umstand, dass er bei seiner Präsentation ohne den obligatorischen Juventus-Schal erschien, kam bei den Fans seines neuen Arbeitgebers allerdings nicht gut an.John Foot: Calcio: A History of Italian Football. Fourth Estate, 2010. S. 192 Sein offizielles Debüt gab er am 1. September 1990 bei der 1:5-Niederlage in der Supercoppa Italiana gegen den SSC Neapel und erzielte den Ehrentreffer.

Die Alte Dame befand sich in einer Phase der sportlichen Neuorientierung und Trainer Luigi Maifredi setzte auf die offensive Durchschlagskraft des Sturmtrios Roberto Baggio, Salvatore Schillaci und Pierluigi Casiraghi.Raffaele Nappi: Roberto Baggio. Divine ponytail. Giulio Perrone Editore. Rom, 2018. S. 153 Doch nach der durchwachsenen Saison 1990/91 erreichte der Klub nur den enttäuschenden siebten Platz, womit man erstmals seit 1962 die Qualifikation für den internationalen Wettbewerb verpasste. Auch mit dem frühzeitigen Ausscheiden in der Coppa Italia (Viertelfinale) und dem Scheitern am FC Barcelona im Halbfinale des Europapokals der Pokalsieger blieb Juve deutlich hinter den eigenen Ansprüchen zurück. Während Baggio mit neun Treffern bester Torschütze des Pokalsiegerwettbewerbs war, verlief sein erstes Jahr in der Liga mit 14 Toren und vier Vorlagen zufriedenstellend. In der Rückrunde kam es am 7. April 1991 zur lang erwarteten Rückkehr bei der AC Florenz. Die Stimmung im Stadio Artemio Franchi war regelrecht feindselig und Baggio wurde bei jedem Ballkontakt gnadenlos ausgepfiffen. Obwohl er als einer der besten Elfmeterschützen Italiens galt, ließ er Luigi De Agostini in der Partie gegen seinen Ex-Klub den Vortritt. Als Baggio nach seiner Auswechselung einen Fiorentina-Schal vor die Füße geworfen bekam, nahm er diesen auf und winkte sogar in Richtung der Ultras. Daraufhin erschienen zwei Tage später etwa 300 Juve-Anhänger beim Training und stellten Baggio zur Rede. Sie kritisierten die Szene mit dem Schal und warfen ihm Feigheit vor, weil er nicht zum Elfmeter angetreten war und Juventus dadurch mit 0:1 verloren hatte.

Im Sommer 1991 übernahm Giovanni Trapattoni den Trainerposten und unter seiner Verantwortung stabilisierten sich die Leistungen der Mannschaft wieder. Trapattoni setzte Baggio zumeist hinter den beiden Stürmern ein, womit er das Angriffsspiel auf ihn zuschnitt und seinen trequartista zum unumstrittenen Fixpunkt in der Offensive machte. Dabei stattete er Baggio mit zahlreichen Freiheiten aus und entband ihn weitgehend von Defensivarbeit.John Foot: Calcio: A History of Italian Football. Fourth Estate, 2010. S. 193 Mit 18 Saisontoren belegte Baggio hinter Marco van Basten erneut den zweiten Platz der Torschützenliste und als „Meister des ruhenden Balles“ zählte er mittlerweile zu den besten Elfmeter- und Freistoßschützen der Welt. Juventus Turin kehrte in die Spitzengruppe der Serie A zurück und wurde hinter dem übermächtigen AC Mailand Vizemeister der Saison 1991/92. In den Endspielen der Coppa Italia unterlag Juve dem AC Parma (1:0 und 0:2). In der folgenden Spielzeit 1992/93 präsentierte sich Baggio, der von Trapattoni zum neuen Mannschaftskapitän ernannt worden war, in absoluter Topform und er spielte den wohl besten Fußball seiner Karriere. Wenngleich Juves Offensive durch die Neuzugänge Gianluca Vialli, Fabrizio Ravanelli und Andreas Möller verstärkt wurde, erreichte Baggio seine persönliche Bestmarke von wettbewerbsübergreifend 30 Toren.John Foot: Calcio: A History of Italian Football. Fourth Estate, 2010. S. 194 Ihm gelang beim 5:1-Sieg über Udinese Calcio ein Viererpack und er belegte mit 21 Treffern zum dritten Mal den zweiten Platz der Torschützenliste. Obwohl Juventus im Meisterschaftskampf als Viertplatzierter erneut das Nachsehen hatte, war der Gewinn des UEFA-Pokals ein versöhnlicher Saisonhöhepunkt – der erste Titel für die Bianconeri seit drei Jahren. Der formstarke Baggio hatte sich im Halbfinale gegen Paris Saint-Germain mit drei Toren als Matchwinner erwiesen und stellte seine Klasse mit einem vorentscheidenden Doppelpack auch in den Finalspielen gegen Borussia Dortmund (3:1 und 3:0) unter Beweis. Der Gewinn des UEFA-Pokals blieb sein einziger internationaler Erfolg. Folgerichtig erhielt Baggio nach der für ihn überragenden Saison 1993 den Ballon d’Or als Europas Fußballer des Jahres und von der FIFA die Auszeichnung als Weltfußballer.

1993/94 untermauerte Baggio seinen Status als führender Offensivspieler Italiens mit 17 Saisontoren und belegte bei der Wahl zum Weltfußballer 1994 hinter Romário und Christo Stoitschkow den dritten Platz. Beim 4:0-Sieg gegen Genua 1893 erzielte er am 31. Oktober 1993 einen Hattrick, darunter sein 100. Tor in der Serie A und am 5. Dezember 1993 bestritt er sein 200. Ligaspiel. Auch in seiner vierten Saison mit der Alten Dame verpasste Baggio die ersehnte Meisterschaft und Juventus wurde mit drei Punkten Abstand hinter dem AC Mailand Vizemeister.