Fantômas ist die Hauptfigur einer französischen Serie von Kriminalromanen, die das Autorenduo Pierre Souvestre und Marcel Allain zwischen Februar 1911 und September 1913 bei Arthème Fayard im Monatstakt mit jeweils 400 Seiten Umfang veröffentlichte. Nach Souvestres Tod im Jahr 1914 schrieb Allain dann als Einzelautor zwischen 1926 und 1963 vierzehn weitere Fantômas-Abenteuer.

Entstehungsgeschichte mini|Buchcover des ersten Bandes der Fantômas-Serie (1911) Die arbeitsteilig verfassten Romane wurden gleichzeitig, kapitelweise, in getrennten Zimmern auf Phonographenwalzen gesprochen und später von zwei Gruppen von Stenografinnen ausgewertet. Nur so war es möglich, das Pensum von einem Buch pro Monat zu bewältigen. In Vorgesprächen losten Souvestre und Allain die zu erstellenden Kapitel aus und verständigten sich auf Anschlussformulierungen zwischen den unterschiedlichen Arbeitspaketen, denn für das Gegenlesen und für Korrekturen fehlte den nach Zeilen bezahlten Autoren die Zeit.Fantômas - Das grausame Genie. (Frankreich 2008) Siehe:

Der Name Fantômas geht auf einen Lesefehler des Verlegers Fayard zurück, als dieser den von Souvestre handschriftlich vorgelegten Titelvorschlag Fantomus entgegennahm.

Die Fantômas-Figur ist ein skrupelloser und zugleich genialer Schurke. Seine Verbrechen zeichnen sich durch Brutalität und Einfallsreichtum aus. So füllt er Parfümflaschen in einem Kaufhaus in Paris mit Schwefelsäure, setzt pestverseuchte Ratten auf einem Passagierschiff aus oder zwingt ein Opfer, seine eigene Hinrichtung zu erleben, indem er es mit dem Gesicht nach oben in eine Guillotine schnallt. Faszinierend wird dieser „Meister des Verbrechens“ durch seinen Widerspruch zur geltenden Gesellschaftsordnung:

Gerade der Umstand, dass die Figur auch als Prototyp des Faschismus interpretierbar war, dürfte zur Abkühlung der Fantômas-Begeisterung bei den europäischen Avantgarde-Bewegungen in den späten 1930er und den 1940er Jahren geführt haben und mitverantwortlich dafür sein, dass die späteren populären Verfilmungen mit Louis de Funès und Jean Marais weitgehend entpolitisiert waren.

Liste der Fantômas-Romane + Von Allain und Souvestre Band Untertitel Erscheinungsjahr 1 Fantômas 1911 2 Juve contre Fantômas 1911 3 Le Mort qui Tue 1911 4 L’Agent Secret 1911 5 Un Roi Prisonnier de Fantômas 1911 6 Le Policier Apache 1911 7 Le Pendu de Londres 1911 8 La Fille de Fantômas 1911 9 Le Fiacre de Nuit 1911 10 La Main Coupée 1911 11 L’Arrestation de Fantômas 1912 12 Le Magistrat Cambrioleur 1912 13 La Livrée du Crime 1912 14 La Mort de Juve 1912 15 L’Evadée de Saint-Lazare 1912 16 La Disparition de Fandor 1912 17 Le Mariage de Fantômas 1912 18 L’Assassin de Lady Beltham 1912 19 La Guêpe Rouge 1912 20 Les Souliers du Mort 1912 21 Le Train Perdu 1912 22 Les Amours d’un Prince 1912 23 Le Bouquet Tragique 1912 24 Le Jockey Masqué 1913 25 Le Cercueil Vide 1913 26 Le Faiseur de Reines 1913 27 Le Cadavre Géant 1913 28 Le Voleur d’Or 1913 29 La Série Rouge 1913 30 L’Hôtel du Crime 1913 31 La Cravate de Chanvre 1913 32 La Fin de Fantômas 1913 + Von Allain alleine Band Untertitel Erscheinungsjahr 33 Fantômas est-il ressuscité? 1925 34 Fantômas, Roi des Recéleurs 1926 35 Fantômas en Danger 1926 36 Fantômas prend sa Revanche 1926 37 Fantômas Attaque Fandor 1926 38 Si c’était Fantômas? 1933 39 Oui, c’est Fantômas! 1934 40 Fantômas Joue et Gagne 1935 41 Fantômas Rencontre l’Amour 1946 42 Fantômas Vole des Blondes 1948 43 Fantômas Mène le Bal 1963

Verfilmungen Die Romanserie diente als Vorlage für zahlreiche Verfilmungen. Das fünfteilige Serial von Louis Feuillade mit René Navarre in der Titelrolle gehörte zu den größten Filmerfolgen ihrer Zeit.Patrice Gauthier, Francis Lacassin: Louis Feuillade. Maître du cinéma populaire. Gallimard, Paris 2006, S. 63.

In den Jahren von 1916 bis 1920 wurden einige Romane auch in Deutschland mit Erich Kaiser-Titz, Rolf Loer und A. Lör in der Hauptrolle unter dem Namen Phantomas verfilmt. Es war eine mindestens 16-teilige Serie.

Die drei in den 1960er-Jahren von André Hunebelle inszenierten Fantômas-Filme mit Jean Marais in der Doppelrolle als Fantômas sowie als Reporter Jérôme Fandor, Louis de Funès als Kommissar Paul Juve und Mylène Demongeot als Reporterin Hélène waren ebenfalls sehr beliebt. Mit den Romanen von Souvestre und Allain haben diese Verfilmungen allerdings wenig zu tun.

Im Jahr 1980 drehten die Regisseure Juan Luis Buñuel (der Sohn von Luis Buñuel) und Claude Chabrol eine vierteilige Mini-Serie unter Beteiligung des ZDF, mit Helmut Berger als Fantômas, Jacques Dufilho als Inspektor Juve und Pierre Malet als Journalist Jérôme Fandor, die sich wieder enger an die Romanvorlage hielt.

1913–1914: Französische Filmreihe, fünf Teile: 1913: Fantômas – À l’ombre de la guillotine. 1913: Juve contre Fantômas. 1913: Le mort qui tue. 1914: Fantômas contre Fantômas. (Fantomas. II) 1914: Le faux magistrat. 1920/1921: Fantomas. Zwanzigteilige US-Serie von Edward Sedgwick 1931/1932: Fantômas. (erste Tonfassung nach Motiven der Fortsetzungsromane. Regie: Paul Fejos)Ronald M. Hahn, Volker Jansen: Lexikon des Science Fiction-Films. Heyne, München 1997, ISBN 3-453-11860-X, S. 275. 1947: Fantômas (von Jean Sacha), auch Fantômas, der Schrecken von Paris 1949: Fantômas contre Fantômas. 1964–1967: Französische Filmreihe, drei Teile: 1964: Fantomas. 1965: Fantomas gegen Interpol (Fantômas se déchaîne). 1967: Fantomas bedroht die Welt (Fantômas contre Scotland Yard). Ein geplanter vierter Film der Reihe wurde von Marcel Allain gerichtlich verhindert. 1980: Fantomas, französisch-deutscher Fernsehvierteiler.

Titel in der German Early Cinema Database Fantomas. I (1913, Fantômas) Fantomas. II (1914, Fantômas contre Fantômas [Fraglich]) Fantomas. III (1914, Le Mort qui tue) Fantomas. VI (1916)

Titel im Filmportal

Fantomas: Verhängnisvolles Rendezvous (1979) Fantomas: Tödliche Umarmung (1979) Fantomas: Der rote Diamant (1979) Fantomas: Ein Toter mordet nicht (1979)

Abgeleitete Auftritte In der tschechischen Fernsehproduktion Die Märchenbraut erscheint Fantômas (dargestellt im Stil der Louis-de-Funès-Filme mit blauer Maske) als Herrscher der Märchenwelt der Erwachsenen. Er ist hier jedoch kein Gauner, sondern hilft den Protagonisten. In der Fortsetzung Die Rückkehr der Märchenbraut taucht Fantômas ebenfalls als Helfer auf.

Auch in der vom gleichen Produktionsteam erstellten deutsch/tschechischen Serie Luzie, der Schrecken der Straße hat Fantômas einen Auftritt: Während ein Fantômas-Film im Fernsehen läuft (außer einer Person in Maske und Zylinderhut, diversen „Fantômas“-Rufen und den Schreien einer Frau kann man kaum auf eine Handlung oder Besetzung schließen), verschaffen sich die Knetfiguren Friederich und Friederich einen Blick auf das Fernsehgerät, indem sie ein Loch durch die Wand bohren. Daraufhin verwandelt sich der orangefarbene Friederich mit Maske und Hut ebenfalls in Fantômas und der grüne schließlich in Batman.

Fantômas inspirierte die italienischen Zeichner der europäischen Donald Duck-Comics dazu, die Figur Paperinik (dt. Phantomias) zu erschaffen.

Der Roman Die Erfindung des Lächelns von Tom Hillenbrand präsentiert Vincenzo Peruggia als Leser von Fantômas.Tom Hillenbrand: Die Erfindung des Lächelns. Köln 2023. S. 20f.

Literatur Thomas Brandlmeier: Fantomas – Beiträge zur Panik des 20. Jahrhunderts. Verbrecher Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-935843-72-0.

Weblinks Fantômas allgemein:

Fantomas Lives, Umfangreiche kulturgeschichtliche Informationen zum Thema Fantômas, Inhaltsangaben aller Romane und Filme (engl.) Fantômas in Romanen und Comics (englisch) Hans Schmid: Meister des Grauens. Fantômas, ein Mythos des 20. Jahrhunderts. Auf: Telepolis, 26. Februar 2012. Zuletzt gesehen am 27. Februar 2012. Zur Stummfilmserie von Louis Feuillade: Jonathan Rosenbaum: The Lure of Crime: Feuillade’s FANTOMAS Films. Zuletzt gesehen am 11. Dezember 2013.

Einzelnachweise

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