mini|Modernes Porträt von Giordano Bruno nach einem Holzschnitt aus dem „Livre du recteur“, 1578 mini|Der junge Giordano Bruno. Illustration in: Neue Bibliothec, oder Nachricht und Urtheile von Neuen Büchern. Frankfurt und Leipzig 1715, S. 622, fig. 38 Giordano Bruno (* Januar 1548 in Nola als Filippo Bruno; † 17. Februar 1600 in Rom) war ein italienischer Mönch, Priester, Dichter und Philosoph, der vor allem durch seine kühne Kosmologie hervortrat. Von der Inquisition der Ketzerei und Magie für schuldig befunden, wurde er 1600 zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt.
Am 12. März 2000 erklärte Papst Johannes Paul II. nach Beratung mit dem Päpstlichen Rat für die Kultur und einer theologischen Kommission, dass die Hinrichtung nun auch aus kirchlicher Sicht als Unrecht zu betrachten sei.
Bruno ist bekannt für seine kosmologischen Vorstellungen, die das damals neue kopernikanische Modell gedanklich erweiterten: Er verwarf das noch bei Kopernikus vorhandene Bild der konzentrischen Sphären, auf denen alle Himmelskörper angeordnet sind, wobei die äußerste Sphäre alle Fixsterne trägt und die Welt vom Reich Gottes und der Seligen abgrenzt. Bruno lehrte dagegen, dass die Fixsterne unterschiedlich weit entfernte Sonnen sind, die von eigenen Planeten umkreist werden, und dass auf diesen Planeten eigenes Leben möglich sei, auch menschliches. Bruno war von der räumlichen und zeitlichen Unendlichkeit des Kosmos überzeugt, der deshalb auch kein Zentrum haben könne. Im Inquisitionsprozess verteidigte Bruno seine Kosmologie standhaft. Das Todesurteil wurde jedoch sowohl mit seinen kosmologischen Auffassungen als auch mit seinen pantheistischen Thesen begründet, die mit der Trinitätslehre, dem christlichen Gottesbegriff und der Menschwerdung Christi unvereinbar seien.
Leben Jugend Giordano Bruno wurde im Jahre 1548 unter dem Namen Filippo Bruno in Nola bei Neapel geboren. Von seinem Heimatort ist seine spätere Selbstbezeichnung „Nolano“ (der Nolaner) abgeleitet. Sein Vater war Giovanni Bruno, ein Soldat, seine Mutter Fraulissa (Flaulisa?) Savolino.
Bruno studierte zunächst ab 1562 in Neapel (privat und in öffentlichen Vorlesungen) und trat am 15. Juni 1565 in den Orden der Dominikaner ein, und zwar in das Kloster San Domenico Maggiore, wo er den Taufnamen Filippo ablegte und den Ordensnamen Jordanus/Giordano (nach dem zweiten Ordensmeister Jordan von Sachsen) annahm. Bald darauf (1566/67) geriet er in Konflikt mit der Ordensleitung, da er sich der Marienverehrung verweigerte Er hatte einem Novizen empfohlen, ein anderes Buch als Die sieben Freuden Mariens zu lesen. und Heiligenbilder verschenkt hatte. Doch wurde dies als jugendliche Verirrung aufgefasst und blieb zunächst folgenlos.Volker Reinhardt: Der nach den Sternen griff. Giordano Bruno. Ein ketzerisches Leben. C. H. Beck, München 2024, ISBN 978-3-406-81362-7. 1572 empfing er die Priesterweihe. Er studierte als Mönch ab 1566 Philosophie und absolvierte 1570 bis 1575 ein Studium der Theologie, das er mit einer Verteidigung der Summa contra gentiles von Thomas von Aquin und der Sentenzen von Petrus Lombardus abschloss.
Verbannter Flucht aus Italien 1576 wurde gegen Bruno ein ordensinternes Verfahren eröffnet, weil er Zweifel an der Menschwerdung Gottes geäußert, den Arianismus verteidigt und die Schriften des Kirchenvaters Hieronymus in einer Ausgabe mit den geschwärzten Anmerkungen des Erasmus von Rotterdam gelesen (und später in die Latrine geworfen) hatte.Paul Blum, Giordano Bruno, 2012, S. 117/118 (Chronologie) Bruno fühlte sich in Neapel nicht mehr sicher und ging nach Rom, weil er annahm, dass sein Prozess inzwischen dort stattfand und er ihn da besser verfolgen konnte. Er fand Aufnahme im Kloster Santa Maria sopra Minerva unter dem Abt Sisto Fabri di Lucca. Als ihm eine Gewalttat gegen einen Ordensbruder vorgeworfen wurde, trat Bruno aus dem Orden aus und floh vor Inquisition und Pest aus Rom.Die Pest erfasste im Frühjahr 1576 weite Teile Italiens. Nach einem längeren Aufenthalt in seiner Heimatstadt Nola, wo er Latein und Astrologie unterrichtete, bereiste er Norditalien: Turin, Venedig (wo er die verlorene Abhandlung De segni de tempi veröffentlichte), Padua, Brescia, Bergamo, Mailand. Meist wohnte er bei Dominikanern, aber die Vorwürfe gegen ihn verbreiteten sich und er wurde immer feindseliger behandelt. In Chambéry, wo er den Winter 1578/79 verbrachte, entschied er sich für das Exil, in der Hoffnung auf mehr Toleranz. Dies war der Beginn einer mehr als zehnjährigen Wanderschaft durch Europa.
Die wiederentdeckten Ideen der antiken Naturphilosophie übten große Anziehung auf ihn aus. Zu dieser Zeit verbreitete sich unter den Astronomen das von Nikolaus Kopernikus zur Vereinfachung der Berechnungen verwendete heliozentrische Weltbild. Davon inspiriert, entwickelte Bruno in den folgenden Jahren seine Kosmologie.
Genf, Frankreich, England Bruno wollte sich in Lyon, einem intellektuellen und publizistischen Zentrum, niederlassen, verwarf diesen Plan jedoch wegen der Religionskriege in Frankreich und ging im Frühjahr 1579 nach Genf. Bruno arbeitete als Korrektor bei einem Drucker und schrieb sich im Mai 1579 an der Genfer Akademie als „Professor der heiligen Theologie“ ein.
Durch Calvin war die Stadt zu einem protestantischen Zentrum geworden. Bruno trat der calvinistischen Kirche bei und hoffte, so Schutz vor der römischen Inquisition zu finden. Infolge unüberbrückbarer theologischer Differenzen wurde Bruno im August 1579 für kurze Zeit inhaftiert und mit Maßnahmen der calvinistischen Kirchenzucht belegt. Denn einige Positionen des Calvinismus fanden seine Kritik, so verfasste und verbreitete er eine Streitschrift gegen den Philosophieprofessor Antoine de La Faye (1540–1615), einen führenden Calvinisten, letztlich die Ursache seiner kurzzeitigen Inhaftierung. Um freizukommen, widerrief er. Bruno verließ schließlich Genf und zog 1579 nach Toulouse, wo er zunächst Privatvorlesungen in Astronomie abhielt. Er erwarb seinen Magister artium und wurde Ordentlicher Lektor für Philosophie an der Universität von Toulouse. Unter anderem hielt er Vorlesungen über Aristoteles (De Anima) ab. Zu dieser Zeit begann sein phänomenales Gedächtnis Furore zu machen – Bruno arbeitete offenbar mit einer speziellen Mnemotechnik. Zeitgenossen erklärten sich seine Fähigkeiten freilich mit magischen Fähigkeiten.
Als 1581 die Konflikte zwischen Hugenotten und Katholiken (Hugenottenkriege bzw. Siebter Hugenottenkrieg) wieder heftiger wurden, verließ Bruno Toulouse und ging nach Paris. Dort blieb er bis 1583 und wurde von König Heinrich III. gefördert. Er hielt private Vorlesungen über die Attribute Gottes. mini|Kolorierte Aquatinta der High Street, Oxford, mit dem University College im linken Vordergrund, der Kuppel des Queen’s College im rechten Vordergrund und weiter unten in der geschwungenen Straße die Turmspitze der St. Mary’s Church
Mit einem Empfehlungsschreiben Heinrichs III. an den französischen Botschafter Michel de Castelnau (um 1520–1592) ging er 1583 nach England, versuchte zunächst in Oxford zu lehren, verursachte mit seinen Angriffen auf Aristoteles und wegen eines PlagiatsvorwurfsVgl. E. Samsonow: Giordano Bruno. Diederichs, München 1995, S. 51. jedoch einen Skandal und erhielt keinen Lehrstuhl. Bis Mitte 1585 lebte er dann im Haus seines Freundes und Förderers Michel de Castelnau in London. Er machte Bekanntschaft mit Philip Sidney und mit Mitgliedern von John Dees hermetischem Zirkel. Ob Bruno John Dee persönlich begegnete, bleibt ungewiss. Seine Ansichten setzten in Oxford eine intensive Kontroverse in Gang, an der John Underhill, der Rektor des Lincoln College und spätere Bischof von Oxford, sowie George Abbot, der spätere Erzbischof von Canterbury, beteiligt waren.
Dort veröffentlichte er seine „italienischen Dialoge“, darunter Cena de le Ceneri (Das Aschermittwochsmahl, 1584), in denen er schonungslose Polemik gegen den Oxforder Gelehrtenstand übte und das Londoner Geistesleben heftig karikierte, sowie De l’Infinito, Universo e Mondi (Über die Unendlichkeit, das Universum und die Welten). In letzterem Werk erklärte er die Sterne damit, dass sie wie unsere Sonne seien, dass das Universum unendlich sei, es eine unendliche Anzahl von Welten gebe und diese mit einer unendlichen Anzahl intelligenter Lebewesen bevölkert seien.
Bruno konnte in England nicht die erhoffte Förderung durch Philip Sidney oder die Königin erhalten und ging 1585 im Gefolge des Botschafters Castelnau wieder nach Paris, die Stimmung dort war aber nicht so aufgeschlossen wie noch zwei Jahre zuvor. Nach Tumulten, die durch seine 120 Thesen gegen die aristotelische Naturlehre und ihre Vertreter entfacht wurden, über die er am Collège de Cambrai eine öffentliche Disputation organisiert hatte, und nach einer Schmähschrift gegen den Mathematiker Fabrizio Mordente musste er im Juni 1586 Paris verlassen.
Deutschland, Prag, Genf, Zürich mini|Tafel für Giordano Bruno in Wittenberg, Leucorea Bruno reiste nach Deutschland. Nach kurzen Aufenthalten in Mainz und Würzburg immatrikulierte er sich am 25. Juli an der Universität Marburg, wo ihm Rektor Petrus Nigidius aber die Erlaubnis verweigerte, öffentliche Vorlesungen über Philosophie zu halten. Im Sommer 1586 kam Bruno nach Wittenberg. Auf Fürsprache des Juristen Alberico Gentili wurde er als außerordentlicher Professor an der Artistenfakultät der Universität Wittenberg aufgenommenGentilis Fürsprache ist nur durch Brunos eigene Aussage vor der venezianischen Inquisition belegt. und erhielt das Recht auf freie Vorträge über Philosophie. Bruno hielt nachweislich Vorlesungen über das Organon des Aristoteles und über Rhetorik.
In Wittenberg erschienen 1587 zwei BücherDe Lampade combinatoria Lulliana und De progressu et lampade venatoria logicorum. über Logik und Gedächtniskunst, die Bruno dem Kanzler der Universität Georg Mylius widmete. Beide Werke beziehen sich auf den mallorquinischen Philosophen Ramon Llull und behandeln Fragen und Techniken der Logik.
Am 8. März verließ Bruno die Stadt und ging für ein halbes Jahr nach Prag an den Hof Kaiser Rudolfs II. Vor der Inquisition gab Bruno später an, das Erstarken der Calvinisten an der Universität habe ihn aus Wittenberg vertrieben; Volker Reinhardt bezweifelt dies und sieht den Grund für den Weggang in Brunos prekärer finanzieller Lage: Er hatte keine feste Anstellung und keine sicheren Einnahmen, aber erhebliche Ausgaben für den Druck seiner Bücher. In Prag bemühte sich Bruno intensiv um die Gunst des Kaisers. Er ließ das Buch Articuli centum et sexaginta adversus huius tempestatis mathematicos atque philosophos (160 Artikel gegen die Mathematiker und Philosophen dieser Zeit) drucken, das von Brunos Kosmologie handelte und den Mathematikern vorwarf, sie hätten versäumt, die Analogie zwischen Makrokosmos und Mikrokosmos zu beweisen. In der Vorrede wandte er sich direkt an den Kaiser, aber statt der ersehnten Anstellung am Hof erhielt er am Ende 300 Taler als eine Art Abschiedsgeschenk.
Bruno wandte sich nach Tübingen, wo er im November 1588 als „ein gewisser Italiener, der aus religiösen Gründen vertrieben wurde“ vom Senat der Universität abgelehnt wurde.Norbert Georg Hofmann: Quidam Italus … Die Tübinger Episode des Giordano Bruno. In: Attempto. Nachrichten für die Freunde der Universität Tübingen 41/42 (1971), S. 108–115. Am 13. Januar 1589 schrieb sich „Jordanus Brunus Nolanus Italus“ an der Academia Julia in Helmstedt ein, erhielt aber weder eine Anstellung noch einen Lehrauftrag. Der einzige nachweisbare öffentliche Auftritt ist die „Trostrede des Giordano Bruno“ auf den Tod des Herzogs Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel, die er am 1. Juli 1589 hielt.