Graz (früher auch Gratz, Grätz, Bairisch[-]Grätz, Bayrisch[-]Grätz oder Grätz in Steyr)Christian Weyers: Ortsnamendeterminierung – Der Typ »Alhama de Aragon« in der kastilischen Toponymie. Buske, Hamburg 2006, ISBN 3-87548-408-8, S. 136 Anm. 304: „Im MIttelalter regelmäßig Bairisch-~ bzw. Bayrisch-Grätz, im 16. Jahrhundert Grätz in Steyr, Gratia Styriae, Graecium Styriae, bei DICELIUS (1696, 471) ‚Gratz oder Grätz‘. Dieses Beispiel zeigt, dass bereits geringfügige Änderungen des Namenkörpers die Aufgabe traditionell lokalisierender Determinativa begünstigen können.“ (. Zugl.: Dresden, Techn. Univ., Habil.-Schr., 2000). ist die Landeshauptstadt der Steiermark und eine Großstadt im Süden Österreichs. Sie ist mit Einwohnern (Stand: ) die zweitgrößte Stadt der Republik Österreich. Die Stadt liegt an beiden Seiten der Mur, an ihrem Austritt aus den Alpen (bzw. dem Steirischen Randgebirge) in das geologisch jüngere Vorland, im Grazer Becken. Die Metropolregion Graz ist mit 660.238 Einwohnern (Stand 2024)Eurostat: Demography statistics by metropolitan regions. In: europa.eu, abgerufen am 11. Februar 2024, doi:10.2908/met_pjangrp3. nach denen von Wien und Linz die drittgrößte Metropolregion Österreichs.
Das Grazer Feld war in der römischen Kaiserzeit eine dicht besiedelte Agrarlandschaft. Im 6. Jahrhundert wurde hier eine Burg errichtet, von der sich der Name Graz ableitet (slowenisch gradec bedeutet kleine Burg).Walter Brunner: Neues und Interessantes zur Frühgeschichte der Stadt Graz. In: Stadtarchiv und Stadtgeschichte. Forschungen und Innovationen. Linz 2004, S. 657 (steiermark.at [PDF; 135 kB]). Das Stadtwappen erhielt sie 1245. Als habsburgische Residenzstadt von 1379 bis 1619 widerstand sie mehreren osmanischen Angriffen.
Graz hat sich zu einer Universitätsstadt mit fast 63.000 Studenten (Stand: 10. Juni 2023) entwickelt. Sie wurde zur Menschenrechtsstadt erkoren und trägt den Europapreis des Europarats. Graz ist Bischofssitz der Diözese Graz-Seckau und seit 2015 eine Reformationsstadt Europas.Reformationsstadt Graz. Österreich. Auswandern oder katholisch werden. In: reformation-cities.org. Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, abgerufen am 7. Oktober 2019 (zur Reformationsgeschichte in Graz). Die Grazer Altstadt sowie das Schloss Eggenberg gehören seit 1999 bzw. 2010 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Seit März 2011 ist Graz als UNESCO City of Design Teil des Creative Cities Network.Graz wird City of Design. In: Design Bote, abgerufen am 28. Mai 2023. 2003 war Graz Kulturhauptstadt Europas.
Etymologie Während des Frühmittelalters errichteten Slawen auf dem heutigen Stadtgebiet eine Burg – grad im Altkirchenslawisch, . Frühe deutsche Versionen des Ortsnamens lauteten Gratz und bis ins 19. Jahrhundert Grätz, bevor sich mit der Änderung in Graz die Schreibweise der Aussprache anpasste (das 'e' bzw. 'ae'/'ä' hatte nicht als Umlaut fungiert, sondern als Dehnungszeichen). Im Mittelalter wurde die Stadt zur Unterscheidung von Windisch-Grätz als Bayrisch-Grätz oder Bairisch-Grätz bezeichnet.Christian Weyers: Ortsnamendeterminierung: Der Typ Alhama de Aragón in der kastilischen Toponymie (= Romanistik in Geschichte und Gegenwart. Band 13. Beiheft, ). Habil.-Schrift, Technische Univ., Dresden 2000 (),Romanistik in Geschichte und Gegenwart (= Romanistik in Geschichte und Gegenwart. Band 13). Buske Verlag, Hamburg 2006, ISBN 3-87548-408-8, S. 136, Anm. 303. Im 16. Jahrhundert lautete eine weitere Variante Grätz in Steyr (lateinisch Gratia Styriae oder Graecium Styriae). Im Slowenischen heißt die Stadt noch heute Gradec.
Geografie Lage und Stadtgliederung Graz liegt rund 150 km südwestlich von Wien, an beiden Seiten der Mur, wo diese ihren Durchbruch durch das Grazer Bergland beendet und in das Grazer Becken eintritt. Die Stadt füllt den nördlichen Teil des Grazer Beckens von Westen bis Osten fast vollständig aus und ist an drei Seiten von Bergen umschlossen, die das bebaute Stadtgebiet um bis zu 400 m überragen. Nach Süden öffnet sich das Stadtgebiet ins Grazer Feld.
Der höchste Punkt in Graz ist der Plabutsch mit im Nordwesten der Stadt, die tiefste Stelle, mit etwa , befindet sich dort, wo die Mur die Stadt im Süden verlässt. Innerhalb von Graz gibt es zwei markante Erhebungen, den Grazer Schloßberg mit dem gut sichtbaren Grazer Uhrturm und den Austein mit dem Kalvarienberg.
Die nächste Stadt mit überregionaler Bedeutung ist Maribor (Marburg an der Drau) in Slowenien, rund 60 km südlich von Graz gelegen. Die beiden Städte verbinden immer enger werdende kulturelle und wirtschaftliche Beziehungen. Die Europaregion Graz-Maribor ist ein Beispiel dafür.
mini|hochkant|Luftbild der Grazer Altstadt mini|hochkant|Der Grazer Schloßberg mit dem Wahrzeichen der Stadt, dem Uhrturm mini|Murinsel mini|199x199px|Blick vom Schloßberg in den Süden von Graz mini|hochkant|Blick vom Schloßberg in den Norden von Graz mini|hochkant|Graz gegen Süden, die Mur mit Brücken
Bezirke und Stadtteile Für die ausführliche Beschreibung der Stadtbezirke siehe den
Stadtbezirk Einw.() Fläche(km²) Dichte(Ew/km²) 1., Innere Stadt 1,16 2., St. Leonhard 1,83 3., Geidorf 5,50 4., Lend 3,70 5., Gries 5,05 6., Jakomini 4,06 7., Liebenau 7,99 8., St. Peter 8,86 9., Waltendorf 4,48 10., Ries 10,16 11., Mariatrost 13,99 12., Andritz 18,47 13., Gösting 10,83 14., Eggenberg 7,79 15., Wetzelsdorf 5,77 16., Straßgang 11,75 17., Puntigam 6,18
Das Stadtgebiet von Graz ist in 17 Stadtbezirke und weiters in Stadtteile (Stt) gegliedert. Östlich der Mur liegt in der Altstadt der 1. Bezirk Innere Stadt (Stt), rundherum reihen sich entgegen dem Uhrzeigersinn 2. St. Leonhard (Stt), 3. Geidorf (Stt) mit Landeskrankenhaus Graz, 4. Lend (Stt), 5. Gries (Stt) und 6. Jakomini (Stt). Abgesehen von der Altstadt sind fünf der sechs Kernbezirke historisch gewachsen. Innerstädtische Zentren, von denen das Wachstum ausging, waren der Murplatz, heute Südtiroler Platz in der ehemaligen Murvorstadt, der Jakominiplatz, die ehemals eigenständige Vorstadt Geidorf, die sich um die Leechkirche gebildet hatte, und der Guntarn-Hof, ein historischer Hof auf dem Areal der Leonhardkirche, der als zweites Grazer Siedlungsgebiet gilt. In der Murvorstadt entwickelten sich die Bezirke Gries um den Griesplatz und Lend um den Lendplatz.
Die restlichen Bezirke bilden den äußeren Ring von Graz: 7. Liebenau (Stt) mit Engelsdorf (Stt), Murfeld (Stt), Neudorf (Stt) und Thondorf (Stt) 8. Sankt Peter (Stt) mit Hofstatt, Messendorf (Stt), Messendorfberg, Petersbergen, Peterstal und Tiefental 9. Waltendorf (Stt) mit Ruckerlberg 10. Ries (Stt) mit Innere Ragnitz (Stt), Rohrbach, Stifting (Stt) und Zach 11. Mariatrost (Stt) mit Fölling (Stt), Grafenhofsiedlung, Kroisbach, Mariagrün, Neusitz, Rettenbach, Teichhof und Wenisbuch 12. Andritz (Stt) mit Neustift, Sankt Gotthard und Schirmleiten 13. Gösting (Stt) mit Raach 14. Eggenberg (Stt) mit Algersdorf (Stt) und Baierdorf (Stt) 15. Wetzelsdorf (Stt) mit Krottendorf 16. Straßgang (Stt) mit Am Katzelbach, Hart (Stt), Kehlberg, Landes-Sonderkrankenhaus/Psychiatrie und Webling (Stt) 17. Puntigam (Stt) mit Rudersdorf (Stt) Der gesamte äußere Ring der Vorstadtgemeinden wurde 1938 in Stadtbezirke umgewandelt. Es kam zur Bildung von „Groß-Graz“ und zu einem dadurch bedingten Bevölkerungsanstieg;Werner W. Strahalm, Peter Laukhardt: Graz. Eine Stadtgeschichte. 6., erg., aktualis. und korr. Auflage. Edition Strahalm, Graz 2008, ISBN 978-3-900526-84-9, S. 243. die Abspaltung Puntigams von Straßgang erfolgte 1988.
Katastralgemeinden Für die Fläche der Katastralgemeinden siehe den
Graz ist in 28 Katastralgemeinden126. Graz. In: Österreichischer Amtskalender online. Jusline Österreich GmbH, Wien 2002, Permalink Österreichischer Bibliothekenverbund. aufgeteilt: Die Bezirke Innere Stadt, St. Leonhard, Geidorf, Lend, Gries, Jakomini, Wetzelsdorf, Gösting sowie Waltendorf bilden je eine Katastralgemeinde.
Einige äußere Bezirke bestehen aus Katastralgemeinden, die mit dem jeweiligen Bezirk nicht deckungsgleich sind. Diese sind Engelsdorf, Messendorf (teilweise), Thondorf, Liebenau, Murfeld und Neudorf in Liebenau; Stifting und Ragnitz in Ries; Wenisbuch und Fölling in Mariatrost; Andritz, St. Veit ob Graz und Weinitzen in Andritz; Algersdorf und Baierdorf in Eggenberg; Straßgang (teilweise) und Webling (teilweise) in Straßgang; sowie Gries (teilweise), Rudersdorf, Straßgang (teilweise) und Webling (teilweise) in Puntigam.
In einigen Katastralgemeindenamen ist der Hinweis auf die alte, dörfliche Struktur erhalten geblieben. Drei Beispiele: Algersdorf war ein eigenständiges Dorf außerhalb des Stadtgebietes, so wie Thondorf im heutigen Liebenau oder Wenisbuch in Mariatrost. Andere Dörfer und Orte wie St. Johann oder Kroisbach im Bezirk Mariatrost, die vor der Eingemeindung einen geschlossenen Siedlungskern bildeten, werden nicht als Katastralgemeinden geführt.
Nachbargemeinden Graz ist umgeben vom Bezirk Graz-Umgebung, in dem sich alle benachbarten Gemeinden befinden:
Geologie Das Gebirgsland nördlich von Graz auf beiden Seiten des engen Murtals ist geologisch zweigeteilt: Unmittelbar südlich der Längstalfurche von Mur- und Mürztal befinden sich die letzten östlichen Ausläufer der zentralalpinen Ketten, die sanft gerundeten Berge der Stub-, Glein- und Koralpe westlich und der Fischbacher Alpen östlich des Murquertals, das von Bruck an der Mur als Durchbruchstal nach Süden zieht. Südlich davon und unmittelbar nördlich des Grazer Beckens befindet sich das eigentliche Grazer Bergland, das überwiegend aus Kalk besteht und mit der Lurgrotte und anderen Höhlen alte Karst-Phänomene zeigt. Eingelagert in diese Kalkzone ist beispielsweise die Kristallin-Insel von St. Radegund und dem dort angrenzenden Grazer Hausberg, dem Schöckl. Die zentralalpinen Ausläufer aus kristallinen Schiefern, die die Mur-Mürz-Längstalfurche begleiten, gehören zur mittelostalpinen Einheit (MOA).
Im ganzen Grazer Bergland überwiegen ehemalige paläozoische Sedimente und Vulkanite, die bei der variszischen und alpinen Gebirgsbildung unter mehreren Kilobar Druck und einigen Hundert Grad Celsius zu metamorphen Gesteinen wurden. So entstand aus fossilführenden Kalken fossilfreier Marmor, aus sandig-tonigen Sedimenten Glimmerschiefer oder Paragneis und aus einem basischen Vulkanit ein Amphibolit.
Im Stadtgebiet von Graz selbst bilden die jüngsten Sedimente (des Holozäns) die Flussaue der Mur, ihnen schließt sich westlich und östlich die Niederterrasse aus Ablagerungen der letzten Kaltzeiten (Pleistozän) an, die nacheiszeitlich durch lineare Erosion zerschnitten wurde; diese Niederterrasse ist im Westen breiter ausgebildet als im Osten. Reste einer altpleistozänen Hochterrasse finden sich nur in einem schmalen Saum östlich oberhalb der Niederterrasse. Westlich und östlich fortschreitend, am Rande des Grazer Beckens erscheinen ältere Gesteine, darunter sind sowohl Fest- als auch Lockergesteine; im westlichen Stadtgebiet überwiegen dabei Gesteine aus den Schichten des Neogen, im östlichen Stadtgebiet stehen dagegen eher Gesteine des Paläozoikums an.Siehe die Geologische Karte der Steiermark (gv.at).Siehe den Baugrundatlas Graz. Hrsg. vom Stadtvermessungsamt, Magistrat Graz, 2008 (graz.at [PDF; 256 kB]).
Hydrologie Das Stadtgebiet von Graz wird von der Mur auf 15,87 km Länge durchflossen. Neben diesem gibt es noch eine Reihe von Fließgewässern. Siehe Liste der Fließgewässer in Graz.
Klima Graz liegt im Bereich der illyrischen Klimazone. Die Lage am südöstlichen Alpenrand bewirkt eine gute Abschirmung gegenüber den in Mitteleuropa vorherrschenden Westwetterlagen. Größere Niederschlagsmengen dringen daher vorwiegend aus dem mediterranen Bereich ein.