Der Untersberg ist als nördlichstes Massiv der Berchtesgadener Alpen eine markante Landmarke am Alpenrand. Er liegt in den Ländern Bayern (Deutschland) und Salzburg (Österreich). Bei einem sonst ausgeprägten Gipfelplateau verfügt das etwa 70 km² große Massiv über die Hauptgipfel Berchtesgadener Hochthron () und Salzburger Hochthron ().
Innerhalb des Massivs befinden sich zahlreiche Höhlen, darunter die als Schauhöhle erschlossene Schellenberger Eishöhle und die Riesending-Schachthöhle, die mit mindestens 20,3 km die längste und mit über 1149 m die tiefste Höhle in Deutschland ist. Dieser Höhlenreichtum ist Ausgangspunkt für zahlreiche Sagen und Mythen, die sich um den Untersberg ranken.
Geographie Lage Der Untersberg liegt zwischen Berchtesgaden im Süden und Salzburg im Nordnordosten und erhebt sich mit seiner Nordflanke direkt aus dem randalpinen Salzburger Becken mit einer freien Profilhöhe von über 1400 Metern. Er ist durch die Talungen Berchtesgadens vom Dürrnberg-Zug über Hallein und dem Göllstock im Südosten, der weiten inneralpinen „Beckenlandschaft“Landschaftssteckbrief – 1600 Berchtesgadener Alpen. bfn.de, Bundesamt für Naturschutz, letzte Änderung: 1. März 2012. des Berchtesgadener Kessels bzw. der geomorphologischen Einheit Berchtesgadener TalkesselZu „geomorphologische Einheit Berchtesgadener Talkessel“ siehe Planungsbüro Steinert, Landschafts + Ortsplanung (D-83236 Übersee): Markt Berchtesgaden – Flächennutzungsplan mit Landschaftsplanung (PDF; 273 kB) Kapitel: 2.6 Schutzgut Landschaft; Umweltberichte vom 6. März 2014 bis 6. März 2016, PDF-S. 16 von 48 Seiten; zudem mehrfache Nutzung der Begriffe „Talkessel“ und „Talkesselgemeinden“ ab S. 3, online unter gemeinde.berchtesgaden.de mit dem Watzmannstock im Süden und dem Lattengebirge im Südwesten getrennt, im Nordwesten erhebt sich, durch das Reichenhaller Becken getrennt, der Hochstaufen.
Rund zwei Drittel seines Gebiets liegen in Bayern, die Staatsgrenze zu Österreich läuft durch den nördlichen Teil über die Gipfel der Hauptkette von Hirschangerkopf, Ochsenkopf, Mitterberg und Salzburger Hochthron. Die Ostkante des Plateaus bilden von Nord nach Süd das Rauheck, der Gamsalpkopf und der Berchtesgadener Hochthron, der mit höchsten Erhebung des Untersbergs. Der nach Norden hin sichtbare Gipfel ist der Vorgipfel des Salzburger Hochthrons, das Geiereck. Nordostwärts bricht das Plateau in das Hochtal Rositten ab, vorgelagert ist der Kammzug der Leonhardspitze gegen Grödig.
In seiner südöstlichen Nebengipfelgruppe hat der Untersberg einige Vorberge wie Nierntalkopf, Raunenköpfe, Kneifelspitze, Kiliansberg, Gschirrkopf, Eckberg und Hochzinken.
Gipfel mini|Die Ostseite der Untersberghauptkette mit dem Berchtesgadener Hochthron (links), gesehen von Unter-Ettenberg aus mini|Blick von Maria Gern zum Berchtesgadener Hochthron mini|Blick vom Hohen Göll zum Salzburger Hochthron zwischen Mittagsscharte und Geiereck Zu den Gipfeln (Höhenangabe des höchsten Gipfels ist fett gedruckt) mit Nebengipfeln des Untersbergs und seinen Ausläufern gehören (dabei ist die Bergkette/-gruppe jeweils etwa in Nordost-Südwest-Richtung betrachtet) – mit Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN) für das deutsche Land Bayern und Meter über Adria für das österreichische Land Salzburg sowie mit Himmelsrichtungen: Westliche Hauptkette(etwa zwischen Grödig und Bischofswiesen): Geiereck () Leonhardspitze (O; ) Gemainberg (NNO; ) Kienbergkopf (OSO; ) Salzburger Hochthron () Großer Heubergkopf (S; ) Kleiner Heubergkopf (SO; ) Rauheck () Halskopf (O; ) Mitterberg (W; ) Ochsenkopf (W; ) Hirschangerkopf (W; ) Achenkopf (S; ) Stuhlwand (Felswand; ) Berchtesgadener Hochthron () Gamsalpkopf (N; ) Gemeiner Feuerbichl (WSW; ) Nierntalkopf (SW; ) Bannkopf (SSW; ) Rauhe Köpfe (SSO) Großer Rauher Kopf (auf manchen Karten Raunerkopf) () Kleiner Rauher Kopf () Südöstliche Nebengipfelgruppe(etwa zwischen Grödig und Berchtesgaden): Hochzinken () Eckberg () Ochsenberg () Kneifelspitze () Kiliansberg (SO; ) Gschirrkopf ()
Geologie und Geomorphologie Der Untersberg besteht zu großen Teilen aus Kalkstein und stellt sich als Erosionsscholle des gebankten Dachsteinkalks über einer Basis aus Ramsaudolomit dar.
In Steinbrüchen an der Nordseite des Berges wird der Untersberger Marmor abgebaut.Informationen über die Steinbrüche am Untersberg, auf untersbergmuseum.net Der witterungsbeständige, beige bis rötlich gefärbte Stein wird seit der Römerzeit europaweit als polierter Baustein und für Steinplastiken genutzt. Außerdem gibt es ein kleines Bauxitvorkommen am Thomas-Eder-Steig, gut zu erkennen an der rötlichen Färbung.
Durch die Verkarstung des Kalksteins existieren im Untersberg zahlreiche Höhlen, mehr als 400 sind bisher bekannt. Zu den bekanntesten unter ihnen zählen die Schellenberger Eishöhle und die 1845 entdeckte KolowratshöhleOBV: Die Höhle: Zeitschrift für Karst- und Höhlenkunde; Zeitschrift des Verbands Österreichischer Höhlenforscher und des Verbands der Deutschen Höhlen- und Karstforscher e. V., 57. Jahrgang, Heft 1–4. Verband Österreichischer Höhlenforscher, Wien 2006. am Dopplersteig, mit einem 300 m hohen Eingangsdom und Eingang in das bisher als Hauptsystem angenommene Kolowrat-Gamslöcher-System. Auch die nach aktueller Kenntnis (Stand Oktober 2022) tiefste (−1149 m) und längste (mindestens 23,8 km) Höhle Deutschlands, die erst 1996 entdeckte Riesending-Schachthöhle, liegt im Untersberg.Speleologie. Neue Riesenhöhle im Untersberg entdeckt. In: salzburg.orf.at, 23. Dezember 2009, abgerufen am 30. Juni 2025. Diese ist „mit ihrer Anlage an Störungen und ihrem Stockwerksbau ein Musterbeispiel für die Höhlenentstehung in den Nördlichen Kalkalpen.“Ulrich Meyer, Thomas Matthalm: . In: Mitteilungen des Verbands der Deutschen Höhlen- und Karstforscher e. V. Band 57, Nr. 2, 23. Mai 2011, , S. 36–44, online unter vdhk.de Es wird angenommen, dass diese Höhlen ebenso wie die 12,6 km langen Windlöcher über die Fürstenbrunner Quellhöhle entwässern und möglicherweise ein mindestens 70 Kilometer langes Gesamtsystem bilden.
Eine ausführliche Dokumentation des ober- und unterirdischen Karstformenschatzes entstand durch die Arbeiten von Harald Haseke-Knapczyk, in der nicht nur die geologischen und hydrogeologischen Zusammenhänge mit Markierungsversuchen festgestellt wurden, sondern auch eine geomorphologische Dokumentation und Detailkartierung im Maßstab 1:10.000 des gesamten Untersbergmassivs entstand. Auf dieser Karte im Format DIN A1 sind die neotektonischen Brüche, Zerrspalten und Wandabbrüche, der oberirdische Karstformenschatz (Karren, Dolinen, Uvalas), der unterirdische Karstformenschatz (Schächte und Höhleneingänge), die glazialen Formen (z. B. Rundhöcker, Moränen) und die Erosios- und Denudationsformen (Talformen, Terrassen, Bergstürze) detailliert dargestellt. Diese Arbeit entstand im Rahmen des Österreichischen Man-and-Biosphere-6-Projektes „Karstdynamik der Salzburger Kalkalpen“ unter der Leitung des Höhlenforschers Hubert Trimmel.Harald Haseke-Knapczyk: Der Untersberg bei Salzburg. Die ober- und unterirdische Karstentwicklung und ihre Zusammenhänge. Ein Beitrag zur Trinkwasserforschung. Universitätsverlag Wagner Innsbruck 1989 (= Veröffentlichungen des Österreichischen MaB-Programms, Band 15), ISBN 3-7030-0216-6. (Erweiterte Fassung einer Dissertation an der Paris-Lodron-Universität Salzburg aus dem Jahr 1984).
Name Der Untersberg erhielt seinen Namen wahrscheinlich von der Salzburger Seite, worauf auch die Ersterwähnung hindeutet: Erste Hinweise auf den Namen „Untersberg“ finden sich in einer Urkunde des Salzburger Erzbischofs Konrad IV. von Salzburg vom 28. Juni 1306, in der er als Vndarnsperch genannt wird. Das Wort Untarn oder Untern ist im bairischen Dialekt ein Ausdruck für die Mittagszeit, auch für das Mittagessen oder gelegentlich für die Mahlzeit am Nachmittag (Daher auch der „Unternschlaf“). Das germanische Wort untern „Zwischenzeit“ ist aber auch in der Bedeutung der Vormittagsjause bekannt, daher kommt auch der ganze Rupertiwinkel als Herkunft in Betracht. Er ist damit jedenfalls wahrscheinlich einer der zahlreichen „Mittagsberge“.Hannes Scheutz (Hrsg.): Drent und herent. Dialekte im salzburgisch-bayerischen Grenzgebiet. EuRegio Salzburg – Berchtesgadener Land – Traunstein, Freilassing 2007, OBV, DNB.Johann Andreas Schmeller: Bayerisches Wörterbuch. 2 Bände in 4 Teilen. (Sonderausgabe, Nachdruck der von G. Karl Frommann bearbeiteten 2. Ausgabe, München 1872–1877). Band 1,1. Oldenbourg, München 1985, ISBN 3-486-52602-2, OBV, Spalte 116.
Forstnutzung und Naturschutz
Der bayerische Teil des Untersbergs befindet sich im Biosphärenreservat Berchtesgadener Land, wo das Gebiet zur Entwicklungszone gehört (Kernzone ist der Nationalpark im Süden).
Das auf österreichischer Seite gelegene Gebiet des Untersbergs wurde 1981 größtenteils unter Landschaftsschutz und Pflanzenschutz nach dem Salzburger Naturschutzgesetz gestellt (Landschafts- und Pflanzenschutzgebiet Untersberg, LSG 51, PSG 1, 4.416,00 ha), darin eingebettet der kleine Naturpark Untersberg (NAP 1) entlang des Zwinkbachs (zum Kohlgraben nach Marzoll). An der Saalach grenzt das Europa- und Landschaftsschutzgebiet Untersberg-Vorland (FFH AT3227000/ESG 17, LSG 63)Untersberg-Vorland – Europaschutzgebietsverordnung, Untersberg. Landschaftsschutzverordnung 1981, Pflanzenartenschutzverordnung. (PDF; 74 kB) Sbg LGBl 2007/59, auf ris.bka.gv.at an, in Salzburg das Landschaftsschutzgebiet Leopoldskroner Moos (LSG 47).
Damit liegt der Untersberg in einem grenzüberschreitenden Schutzgebietskomplex, der sich von Laufen/Oberndorf bis in Pongau und Pinzgau erstreckt.
An den Wänden des Untersbergmassivs hat sich eine kleine Gänsegeierkolonie angesiedelt, die sich aus Zooflüchtlingen des Salzburger Zoos gebildet hat.
Eine zur Bergung von großflächigem Windfall nach schweren Winterstürmen (Kyrill Anfang 2007) errichtete Forststraße an der Nordabdachung ist zwischen den österreichischen Behörden und den Vertretern einer regionalen Bürgerinitiative heftig umstritten. Aufgrund der Dimension dieser Straße wird sie abwertend auch „Forstautobahn“ genannt. Die Salzburger Behörde und der Waldbesitzer Maximilian Mayr-Melnhof verwiesen auf die Gefahr durch Borkenkäferbefall. Vertreter des Naturschutzes kritisieren das Ausmaß des Eingriffs, die Dimensionierung der Straße im Landschaftsschutzgebiet und das Unterlassen der Prüfung alternativer Bringungsmethoden für das Holz (Seilbahnbringung, Helikopter). Die Kritiker mahnten die Einhaltung der Alpenkonvention ein. Die Orkane Paula und Emma (2008) trafen den Salzburger Raum weniger schlimm.
Erschließung und Sehenswürdigkeiten Wandern und Bergsteigen mini|Blick über die Mittagscharte und die mit Bergkiefern (Latschen) bewachsene Hochfläche, links im Hintergrund der gebankte Kalkstock des Salzburger Hochthrons mini|Teil der Ostseite des Untersbergs vom oberen Teil des Nierntals fotografiert Von österreichischer Seite her ist der Untersberg über folgende Routen zu besteigen: von Großgmain () zu den verfallenen Vierkaser-Almen (). Übergänge: Über Ochsenkopf (), Mitterberg () entweder nach Süden zum Berchtesgadener Hochthron () und zum Stöhrhaus () oder nach Norden über das Rauheck () zum Salzburger Hochthron (über die Mittagscharte) oder zur Toni-Lenz-Hütte. Über Hischangerkopf () zu den Zehnkaser (). Zur Klingeralm (). zwischen Großgmain und Fürstenbrunn führt ein Weg über die Klingeralm () zum Vierkaser. Dieser markierte Weg wurde durch den Bau einer breiten Forststraße im Landschaftsschutzgebiet bis auf im Jahr 2007 zerstört und war zeitweise nicht begehbar. Der Wanderweg ist wiederhergestellt. weiter Richtung Fürstenbrunn führt der Weg 461 (Weinsteig) über die Schweigmühlalm, beim Kühstein (), über den Großen Eiskeller zur Mittagscharte bzw. direkt zum Salzburger Hochthron. Dieser Weg verläuft teilweise entlang der Skiabfahrt nach Fürstenbrunn.