mini|hochkant=1.4|Festplatz nachts mit Steiger-60-Meter-Riesenrad und 43 m hohem Star Flyer mini|hochkant=1.4|Luftbild vom Schützenplatz Hannover beim Schützenfest 2014 mini|Mitglieder eines Schützenvereins auf dem Festplatz Das Schützenfest Hannover auf dem rund zehn Hektar großen Schützenplatz in Hannover gilt als das größte Schützenfest der Welt; seine Tradition reicht ins 15. Jahrhundert zurück. Die zehntägige Veranstaltung wird jedes Jahr von rund 900.000 Gästen aufgesucht, in der Vergangenheit wurde auch häufig die Millionenmarke geknackt. Traditionelles Getränk ist die Lüttje Lage. Rund 200 Schausteller sind auf dem Fest vertreten.

Geschichte mini|Szenen vom Schützenfest mit dem Rondell vor dem heute nicht mehr bestehenden Schützenhaus; Ansichtskarte Nummer „2“ von Karl F. Wunder mini|Nicht mehr bestehendes Schützenhaus Hannover von 1827 mini|links|„Papageienschießen“ mit der Armbrust als Teil mittelalterlicher Schützenfeste,Geschichtsfries am Neuen Rathaus in Hannover

Die erste urkundliche Erwähnung des hannoverschen Schützenwesens geht auf einen Brief von Herzog Wilhelm dem Siegreichen an den Rat der Stadt 1468 zurück. Darin beschwerte er sich über die wehrsportlichen Übungen der Hannoveraner. Ihm war bekannt geworden, dass die Hannoveraner auf dem Gelände der geschleiften Burg Lauenrode in der Calenberger Neustadt mit Armbrüsten auf einen an einer Stange befestigten bunten Holzpapageien schossen, wenn sie mit ihrem Landesherren in Fehde lagen. Armbrust und Gewehr waren damals Verteidigungswaffen zum Schutz der Stadt. Aus den sportlichen Übungswettkämpfen in Friedenszeiten ergab es sich, dass die besten Schützen mit Preisen und Auszeichnungen geehrt wurden.

Der Grundstein zum Fest wurde 1529 gelegt, als Herzog Erich I. von Calenberg-Göttingen Hannover mit dem Privileg ausstattete, jährlich ein Schützenfest zu feiern.

Das erste Schützenhaus wurde 1573/74 am Klagesmarkt erbaut. Um Ausschreitungen während der Feste zu verhindern, wurde bereits im Jahre 1575 eine Schützenordnung erlassen, die den Festbetrieb regelte. 1710 wurden die Bruchmeister bestellt, die als Hilfsbeamte offiziell für einen geregelten und geordneten Ablauf des Schießens zu sorgen hatten.

1797 sollte das Schützenhaus am Klagesmarkt ersetzt werden; dies scheiterte an den Kosten.Stadtlexikon Hannover…, Seite 552 Erst nachdem sich 1825 die Schützenvereine der Altstadt von Hannover mit denen der Calenberger Neustadt vereinigt hatten, entstand nach dem 4. Entwurf von Laves ein neues Schützenhaus in der Ohe. Es wurde am 15. Juli 1827 eingeweiht. Der klassizistische Bau stand in etwa am Eingang der heutigen Heinz-von-Heiden-Arena und wurde erst durch die Luftangriffe auf Hannover im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Während die Schützen von Anfang an in ziviler Kleidung antraten, entstand 1837 eine neue Schützenordnung. Sie gestattete, dass gleichmäßig gekleidete Gruppen auftraten. Daher gilt 1837 als Geburtsstunde der Schützenvereine, weil sich seitdem in den Stadtteilen unterschiedliche Schützenvereinigungen herausbildeten. 1955 wurde Hannover der offizielle Ehrentitel „Schützenstadt“ verliehen. Im VHS (Verband Hannoverscher Schützenvereine) sind derzeit 54 Schützenvereine und -gesellschaften Mitglied, davon befinden sich 40 in der Stadt Hannover (Stand: 2026).

Die Stadt Hannover kündigte 2016 beim 487. Schützenfest an, zum 500. Schützenfest bei der UNESCO seine Anerkennung als Immaterielles Kulturerbe zu beantragen.Schützenfest Hannover: Rund eine Million Besucher, 2016 2020 und 2021 fiel das Schützenfest aufgrund der Covid-19-Pandemie aus.Schützenfest in Hannover wegen Corona erneut abgesagt bei ndr. de vom 16. April 2021

Größenvergleiche Das Schützenfest in Hannover ist das größte Schützenfest der Welt. Dieser Titel ist begründet und bezieht sich hauptsächlich auf das umfangreiche Rahmenprogramm und auf den rund 10 Kilometer langen Schützenausmarsch. Dieser ist mit über 10.000 Teilnehmern aus dem In- und Ausland, über 50 Festwagen, Kutschen und sonstigen Fahrzeugen sowie einer Länge von rund 10 Kilometern der umfangreichste Schützenausmarsch der Welt. Die Stadt Hannover hat mit 40 Schützenvereinen und -gesellschaften eine große fachliche Vereinsdichte und trägt seit 1955 den offiziellen Ehrentitel „Schützenstadt“.

Das Eidgenössische Schützenfest in der Schweiz, das alle fünf Jahre stattfindet und sich nach der Zahl der teilnehmenden Schützen als das größte Schützenfest der Welt bezeichnet, ist ein reiner Schießwettbewerb und kein Volksfest. Die Größte Kirmes am Rhein in Düsseldorf ist mit rund vier Millionen Besuchern eines der größten Volksfeste Deutschlands. Die Kirmes wird zwar in Eigenregie vom St.-Sebastians-Schützenverein von 1316 e. V. veranstaltet, die Anlässe der Kirmes sind allerdings das Fest des Stadtpatrons St. Apollinaris von Ravenna und das Kirchweihfest der katholischen Basilika St. Lambertus in der Düsseldorfer Altstadt. Das Neusser Bürger-Schützenfest ist mit fast 8000 Schützen kleiner als das Schützenfest Hannover, es gilt aber als das weltweit größte von einem einzelnen Verein und ohne Gastzüge organisierte Schützenfest.

Maskottchen Der „Ballerkalle“ ist seit 1975 das Maskottchen vom Schützenfest Hannover. Die Figur stellt eine laufende Schießscheibe mit zwei Füßen und einem Schützenhut dar. Seit 2005 gibt es ihn auch als Plüschversion. Jedes Jahr erscheint der Ballerkalle als kleine Anstecknadel mit der Jahreszahl. 1975 gab es eine Ausschreibung für einen Plakatwettbewerb in Hannover. Dieser Wettbewerb wurde mit 1500 DM für den ersten Preis honoriert. Gesucht wurde ein plakatives Symbol, das das traditionelle Volksvergnügen und den Schützenausmarsch in „überzeugender und prägnanter Form herausstellt“. Es sollte der Ausmarsch der Schützen dargestellt werden. Studenten der Fachhochschule für Kommunikation- und Produktgestaltung Hannover waren zu einem „Schützenfest-Plakatwettbewerb“ aufgerufen. Den ersten Preis erhielt Klaus Kutzner, den zweiten Preis Thomas Steinhausen, den dritten Preis das Team Hartwig v. d. Heyde und Rainer Osswald. 2017 wurde das Maskottchen grundlegend überarbeitet und hat erstmals ein Gesicht. Auch hat „Ballerkalle“ seit 2017 einen weiblichen Gegenpart mit dem Namen „Ballerina“.

Ablauf des Schützenfestes Mit dem Schützenfest Hannover feiern die Schützen das Ende der mehrtägigen Schießwettbewerbe, die in der großen städtischen Schießsportanlage im Stadtteil Wülfel abgehalten wurden. Am Sonnabend vor der Eröffnung wird auf dem Kröpcke das Volkskönigschießen veranstaltet, bei dem jedes Jahr zahlreiche „Zivilisten“ teilnehmen. Umrahmt wird das Volkskönigschießen mit dem „Tag der Musikzüge“, bei dem mehrere Spielmannszüge auf dem Kröpcke spielen. Die eigentliche Schützenfesteröffnung findet am Freitag darauf statt. Zunächst gibt es einen ökumenischen Gottesdienst mit musikalischer Begleitung in der Marktkirche. Danach marschieren die Teilnehmer in die Kuppelhalle des Neuen Rathauses. Dort werden vom Oberbürgermeister die Bruchmeister verpflichtet, sowie die Besten vor den Scheiben und die niedersächsischen Landeskönige geehrt. Anschließend marschieren alle Teilnehmer mit mehreren Musikkapellen zum Schützenplatz.

2015 wurde auf Wunsch von Schützenpräsident Paul-Eric Stolle der weitere Festmarsch zum Schützenplatz erstmals unterbrochen, die Musik gestoppt und die Fahnen gesenkt, um beim Ehrenfriedhof am Maschsee-Nordufer „[…] der 526 Kriegsgefangenen und Gefangenen von Konzentrationslagern [zu] gedenken, die dort begraben liegen.“Andreas Voigt: Start ins heiße Schützenfest / Bruchmeisterverpflichtung und Fassbieranstich bei Marris, in: Neue Presse vom 4. Juli 2015, S. 19

Auf dem Schützenplatz marschieren die Teilnehmer zum „Bährenstarken Rundteil“. Dort eröffnet der Oberbürgermeister im Beisein zahlreicher prominenter Gäste mit dem Fassbieranstich das Schützenfest. Kurz danach wird der Schützensenator verpflichtet. Später am Abend wird ein Höhenfeuerwerk abgebrannt. Der Sonntag steht ganz im Zeichen des Schützenausmarsches. Vor dem eigentlichen Marsch werden die Ehrengäste im Neuen Rathaus empfangen. Nach der Ansprache des Oberbürgermeisters vor dem Rathaus setzt sich der rund zehn Kilometer lange Festumzug in Bewegung in Richtung Schützenplatz. Am Montag werden am „Bährenstarken Rundteil“ die Schilde des 1. Tages und die Jugendschilde ausgegeben. Im Biergarten Marris beginnt am Montag der Rundgang der Schützenjugend. Am Dienstag ist der Prominententag auf dem Schützenplatz mit dem VIP-Rendezvous im Festzelt „Alt Hanovera“. Ebenfalls am Dienstag erfolgt am „Bährenstarken Rundteil“ die Ausgabe der Schilde des 2. Tages und der Damenschilde sowie die Ehrung der Regionskönige, der Jugendkönige und der Volkskönige. Am Mittwoch finden im Festzelt „Alt Hanovera“ das Festessen der Schützen, die Ehrung der Stadtkönige, der Sternträger und der von der HAZ organisierte Fanfarenzugwettbewerb „Die goldene Fanfare“ statt. Ebenfalls am Mittwoch ist der Familientag mit Ermäßigungen von bis zu 50 Prozent und diversen Aktionen. Das Papagoyenschießen wird neben dem Biergarten Marris veranstaltet. Ebenfalls am Mittwoch erfolgt am „Bährenstarken Rundteil“ die Ausgabe der Schilde des 3. Tages und der durchlaufenden Scheiben. Am Donnerstag beginnt am Gilde-Tor der Bruchmeister*innenrundgang mit musikalischer Begleitung und der traditionelle Handwerker*innenabend steigt am „Bährenstarken Rundteil“. Im Festzelt „Alt Hanovera“ findet der „Tag der Vereine und des Ehrenamtes“ und im Gaypeople-Zelt der Kleingärtnertag mit Pokalschießen statt. Am Freitag wird der Tag der niedersächsischen Schützenvereine gefeiert. Aus diesem Anlass kommen circa 1.800 Schützen und Schützinnen aus 90 Schützenvereinen aus ganz Niedersachsen nach Hannover. Nach einem Empfang im Neuen Rathaus ziehen alle Beteiligten mit musikalischer Begleitung auf den Schützenplatz und am Abend wird nochmal ein Höhenfeuerwerk abgeschossen. Am Samstag Abend werden am „Bährenstarken Rundteil“ die Schützenhauspokale ausgegeben. Ebenfalls am Sonnabend findet am Kröpcke die traditionelle Bruchmeister-Aktion statt, die jedes Jahr einem anderen wohltätigen Zweck dient. Der Samstag ist ebenfalls der „Tag der Menschen mit mobiler Beeinträchtigung“. Am Abschlusssonntag gibt es im Festzelt „Alt Hanovera“ das Essen der Besten des Verbandes Hannoverscher Schützenvereine e. V. und im Festzelt „Brauhaus Live“ den Bruchmeister-Frühschoppen. Der Sonntag endet mit einem Fackelzug vom Schützenplatz in die Altstadt, wo dann vor der Marktkirche der Zapfenstreich abgehalten wird. Während des gesamten Schützenfestes ziehen täglich Spielmannszüge über den Festplatz und alle Festzelte und die meisten Eventbereiche bieten ein täglich wechselndes Programm.

Schützenausmarsch