Prostějov (deutsch Proßnitz) ist eine Stadt in der Region Olomoucký kraj in Mähren. Sie ist zugleich Sitz des Okres Prostějov. 2012 wurde Prostějov zur Statutarstadt erhoben.
Geographie Prostějov liegt in der fruchtbaren Hanna-Ebene in Mähren, 18 Kilometer südwestlich von Olmütz. Nahe der Stadt befindet sich der Zusammenfluss der Romže und der Hloučela.
Geschichte Die erste Erwähnung Prostějovs stammt aus dem Jahr 1131/1141 in einem Besitzverzeichnis des Bistums Olmütz. 1213 ist für die Marktsiedlung die tschechische Schreibweise Prosteyow belegt, 1258 die deutschen Form Prosteys, die bis zu den Hussitenkriegen dominierte. links|mini|Stadtpfarrkirche zur Kreuzerhöhung mini|links|Schloss Prostějov (1903) In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstand die Altstadt mit der Marienkirche und in den Jahren 1393–1406 die Neustadt. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gehörte Proßnitz den Markgrafen von Mähren, nach 1350 den Herren von Schellenberg, die es 1372 den Herren von Krawarn verkauften. Sie verbanden Proßnitz mit ihrer Herrschaft Plumenau. 1390 erteilte Marggraf Jobst von Mähren dem opidum Prostanum das Privileg eines Jahrmarkts. 1391 gründete der Oberste Kämmerer von Olmütz, Peter (I.) von Krawarn († 1411) das Augustiner-Chorherrenstift Proßnitz. Im 15. Jahrhundert bekannten sich die Bürger zum Utraquismus. 1430 zerstörten die Hussiten die Gebäude und die Stiftskirche der Augustiner-Chorherren. Auf dem Areal des zerstörten Stifts ließen sich 1454 aus Olmütz vertriebene Juden nieder, die hier eine Synagoge errichteten. Um 1500 entstand eine Siedlung der Böhmischen Brüder, die 1503 ein Gebetshaus erbauten.
1492–1599 gehörte Proßnitz den Herren von Pernstein. Johann IV. von Pernstein errichtete im Nordwesten der Stadt ein Schloss, das sein Sohn Vratislav mit steinernen Arkaden umgeben ließ.
1599 gelangte Proßnitz an das Haus Liechtenstein. Karl I. (Liechtenstein) ließ Stadt und Herrschaft Proßnitz gewaltsam rekatholisieren. Zugleich ließen sich wieder vermehrt Deutsche in Proßnitz nieder. Gewaltige Schäden erlitt Proßnitz im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648). 1730–55 erbauten die Liechtensteiner ein Kloster der Barmherzigen Brüder mit der St.-Nepomuk-Kirche sowie einem Spital und 1756–64 ein Kapuzinerkloster, das 1784 durch die Josephinischen Reformen aufgelöst wurde.
Im 18. Jahrhundert erlebte die Tuchmacherei einen wirtschaftlichen Aufschwung. 1801 gründete der Unternehmer Veith Ehrenstamm eine Tuchfabrik, die sich während der Napoleonischen Kriege nicht erfolgreich entwickeln konnte, aber schon 1840 war Proßnitz ein Zentrum der Konfektionsindustrie. Außerdem wurden Landmaschinen produziert. Bedeutung erlangte auch die Nahrungsmittelindustrie. 1855 wurde Proßnitz Sitz des gleichnamigen Bezirks. 1870 erhielt Proßnitz einen Eisenbahnanschluss an der Strecke Brünn–Olmütz. Damals befanden sich in der Stadt eine deutsche und eine tschechische Oberrealschule, eine Webschule, ein städtisches Krankenhaus und ein Spital der Barmherzigen Brüder sowie Gasbeleuchtung.
Die jüdische Gemeinde, die seit dem 15. Jahrhundert belegt ist, entwickelte sich zu der größten und bedeutendsten in Mähren nach Mikulov (Nikolsburg). Als eines der religiösen, kulturellen und geistigen Zentren des mährischen Judentums galt Proßnitz über Jahrhunderte hinweg auch als Hannakisches Jerusalem. Neben bedeutenden Rabbinern zählten dazu auch im 19. Jahrhundert Gelehrte wie Gideon Brecher, Moritz Steinschneider oder Edmund Husserl.
1880 wurden 18.417 Einwohner gezählt, darunter 1800 Juden. 1892 wurde erstmals ein Tscheche, Karel Vojáček, zum Bürgermeister gewählt. Um 1900 hatte Proßnitz bereits 25.466 vorwiegend tschechische Einwohner.mini|Fabrik F. Wichterle im Jahr 1900 mini|355x355px|Das neue Rathaus Nach dem Zerfall des Vielvölkerstaats Österreich-Ungarn wurde Prostějov nach dem Ersten Weltkrieg 1918 Teil der neu gebildeten Tschechoslowakischen Republik. Im Dezember 1918 entstand durch den Zusammenschluss der Firmen Wichterle und Kovářík das Maschinenbauunternehmen Wikov. 1930 bekannten sich 1442 Einwohner zur jüdischen Religionsgemeinde.
Nach der Besetzung und Annexion durch das Deutsche Reich war die Stadt bis 1940 Sitz des Oberlandratsbezirks Proßnitz und gehörte danach bis 1945 zum Oberlandratsbezirk Mährisch Ostrau. Im Juni und Juli 1942 wurde die gesamte jüdische Gemeinde mit anderen aus Mittelmähren in vier Transporten von Olmütz nach Theresienstadt deportiert und bald mit Zügen ins Vernichtungslager Maly Trostinez und nach Baranawitschy gebracht. Es 1227 Namen von im Holocaust ermordeten Juden aus Prostějov belegt. Als Folge des Zweiten Weltkriegs wurden die deutschsprachigen Bewohner 1945/1946 vertrieben.
Während des Prager Frühlings 1968 wurden in Prostějov bei einem Schusswechsel mit den Interventionstruppen des Warschauer Paktes drei Menschen getötet.
1990 wurde das historische Stadtzentrum zur Denkmalschutzzone erklärt.
Stadtgliederung Die Stadt Prostějov besteht aus den Ortsteilen: Čechovice (Tschechowitz) – 1050 Ew. (2001). Čechůvky (Tschechuwek) – 163 Ew. Domamyslice (Domamislitz) – 1056 Ew. Krasice (Krassitz) – 2046 Ew. Prostějov (Proßnitz) – 38.857 Ew. Vrahovice (Wrahowitz) – 3402 Ew. Žešov (Scheschow) – 325 Ew.
Grundsiedlungseinheiten sind Anenské Předměstí (St.-Anna-Vorstadt), Brněnské Předměstí (Brünner Vorstadt), Čechovice, Čechovice-Záhoří, Čechůvky, Chutěbory, Domamyslice, Husovo náměstí, K Seloutkám, Kolářovy sady, Místní nádraží, Náměstí Spojenců, Nemocnice, Nová nemocnice I, Nová nemocnice II, Plumlovské Předměstí (Plumenauer Vorstadt), Pololání, Přední díly, Příčky, Prostějov-historické jádro, Průmyslový obvod, Šárka, Sídliště Hloučela, Sídliště Svobody, Štér, U kostelecké silnice, U remízku, U trati, Vrahovice, Vrahovická, Za brněnskou silnicí, Za Hloučelou, Za nemocnicí, Za Olomouckou bránou, Zadní trávníky und Žešov.
Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Čechovice u Prostějova, Čechovice-Záhoří, Čechůvky, Domamyslice, Krasice, Prostějov, Vrahovice und Žešov.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1837 8.552 ohne die Judengemeinde (1.742 Einwohner in 58 Häusern), in 778 Häusern, bis auf drei Evangelische sämtlich katholische Einwohner, die beide Landessprachen sprechenGregor Wolny: Die Markgrafschaft Mähren, topographisch, statistisch und historisch geschildert. Brünn 1839, S. 671; books.google.de 1854 11.174 Katholiken mährischer und deutscher Sprache nebst 2.000 JudenGregor Wolny: Kirchliche Topographie von Maehren. Teil I: Olmuetzer Erzdioecese. Band 2. Nitsch und Gross’esche Buchhandlung, Brünn 1857, S. 2; books.google.at 1857 12.542 Carl Kořistka: Die Markgrafschaft Mähren und das Herzogthum Schlesien in ihren geographischen Verhältnissen. Wien / Olmüz 1861, S. 268–269; books.google.de 1880 18.417 darunter 1.800 Juden; 1060 Häuser 1900 25.466 mit der selbständigen Israelitengemeinde, vorwiegend tschechische Einwohner; 1515 Häuser 1910 31.462 1901 HäuserHistorický lexikon obcí České republiky 1869–2005. Teil 1. S. 666–667. 1921 31.092 darunter 28.821 Tschechen, 1181 Deutsche und 562 Juden; 2178 HäuserProsečné – Prostředkovice. In: Chytilův místopis ČSR. 2. aktualisierte Ausgabe. 1929, S. 1030; zanikleobce.cz 1930 33.481 2707 Häuser 1950 33.183 3336 Häuser 1961 33.502 3510 Häuser 1991 41.556 3665 Häuser 2001 38.857 3662 Häuser; einschließlich der Ortsteile 48.159 Einwohner und 5981 Häuser
Garnisonsstadt Der Ort war Garnison folgender militärischer Einheiten: Kürassier-Regiment Nr. 5 (1798–1799) K.u.k. Dragonerregiment „Kaiser“ Nr. 11 (1832–1846) K.u.k. Husarenregiment „Graf Nádasdy“ Nr. 9 (1847) K.u.k. Dragonerregiment „Friedrich Franz IV. Großherzog von Mecklenburg-Schwerin“ Nr. 6 (1848–1849) K.u.k. Husarenregiment „Kaiser“ Nr. 1 (1849–1852) K.u.k. Dragonerregiment „Graf Montecuccoli“ Nr. 8 (1855–1859) K.u.k. Husarenregiment „Arthur Herzog von Connaught und Strathearn“ Nr. 4 (1861–1866) K.u.k. Husarenregiment „Friedrich Leopold von Preußen“ Nr. 2 (1866–1870) K.u.k. Dragonerregiment „Kaiser Franz I.“ Nr. 1 (1870–1871) K.u.k. Dragonerregiment „Nikolaus Nikolajewitsch Großfürst von Rußland“ Nr. 12 (1871–1879) K.u.k. Ulanenregiment „von Böhm-Ermolli“ Nr. 13 (1879–1883) 2./3. Eskadrons des Landwehr-Ulanenregiments 4. (1890)
Während des Zweiten Weltkrieges waren auf dem Fliegerhorst Kosteletz bei Proßnitz stationiert: 1944: Schlachtflieger-Ergänzungsgruppe 154 August 1944 – Februar 1945: IV./Schlachtgeschwader 151 Dezember 1944: 5./Jagdgeschwader 300 Januar 1945: I. und II./Jagdgeschwader 77 März 1945: Stab, I. und III. Schlachtgeschwader 4
Als Garnison der Streitkräfte der Tschechischen Republik Seit 2003 601. skupina speciálních sil generála Moravce. In der früheren Organisationsstrukturen seit 1960.
Sehenswürdigkeiten mini|Národní dům (städtisches Museum) mini|Altes Rathaus mini|Das Schloss Schloss Prostějov Pfarrkirche der hl. Kreuzerhöhung; sie wurde im Jahre 1391 von Herren von Krawarn für das Stift der Augustiner-Chorherren durch die Herren von Krawarn errichtet. Pestsäule aus dem Jahr 1714 mit der Statue der Jungfrau Maria Barockkirche des böhmischen Landesheiligen Johannes von Nepomuk mit Kloster der Barmherzigen Brüder Peter-und-Paul-Kirche mit der Barockkapelle des hl. Lazarus Kirche der hl. Kyrill und Method Volkshaus „Národní dům“ Jugendstilbau; 1905–1907 nach Entwurf des Architekten Jan Kotěra errichtet. Altes Rathaus – Renaissancebau aus den Jahren 1521–1530 Neues Rathaus – errichtet 1911–1914 nach Entwurf des Brünner Architekten Karel Hugo Kepka.
Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt mini|hochkant|Geburtshaus von Jiří Wolker mini|hochkant|Masaryk-Denkmal
Jan Filipec (1431–1509), Bischof von Großwardein und Administrator von Olmütz Matěj Rejsek (≈1445–1506), gotischer Steinmetz und Baumeister Veith Ehrenstamm (1763–1827), Industrieller Gideon Brecher (1797–1873), Arzt und Schriftsteller Franz Mandelblüh (1807–1878), österreichischer Notar und Politiker Wenzel Messenhauser (1813–1848), Offizier und Schriftsteller Moritz Steinschneider (1816–1907), Orientalist und Begründer der modernen hebräischen Bibliographie Johann Nepomuk Berger (1816–1870), Politiker, Schriftsteller und Rechtsanwalt Franz Kuhn von Kuhnenfeld (1817–1896), Reichskriegsminister Adolf Beer (1831–1902), Historiker Eugen Felix (1836–1906), Maler Max Fleischer (1841–1905), Architekt Ignaz Brüll (1846–1907), österreichischer Komponist und Pianist Alois Czerny (1847–1917), Volkskundler Georg Schmiedl (1855–1929), Lehrer und Gründer der Naturfreunde-Bewegung Konrad Loewe (1856–1912), Schauspieler und Dramatiker Richard Mandl (1859–1918), österreichischer Komponist Edmund Husserl (1859–1938), Philosoph, Begründer der Phänomenologie Gustav Paul (1859–1935), Immunologe und Serotherapeut Moritz Freiberger (1861–1937), Textilchemiker und Unternehmer Richard Stein (1871–1932), Verleger Otto Zweig (1874–1942), Komponist Arthur Scheller (1876–1929), Astronom Arnold Heller (1877–1933), österreichischer Ingenieur und Schriftleiter Rudolf Alfred Höger (1877–1930), österreichischer Genre- und Kriegsmaler Pankraz Schuk (1877–1951), österreichischer Schriftsteller Zdeněk Bažant (1879–1954), Bauingenieur Franz Fiedler (1885–1956), Fotograf Ada Hirsch-Elias (1885–1975), österreichische Kinderärztin, Mitbegründerin der „Organisation der Ärztinnen Wiens“ und Verfolgte des Naziregimes Wilhelm Schmid (1888–1963), österreichisch-deutscher Mathematiker Vladimír Ambros (1890–1956), Komponist Carmen Cartellieri (1891–1953), Schauspielerin Albert Peters (1892–1944), Opernsänger Max Zweig (1892–1992), Dramatiker Emanuel Kaláb (1895–1982), tschechischer Militärkapellmeister, Dirigent und Komponist Jiří Wolker (1900–1924), Dichter Bernhard Heilig (1902–1943), Ökonom und Historiker František Wolf (1904–1989), Mathematiker Josef Mach (1909–1987), Regisseur Otto Wichterle (1913–1998), Chemiker, Erfinder der Kontaktlinse