Die Barmer Ersatzkasse (Kurzbezeichnung: Barmer; Eigenschreibweise: BARMER) ist eine deutsche Krankenkasse aus der Gruppe der Ersatzkassen. Im Mai 2026 hatte sie 8,3 Millionen Versicherte. Als Teil der gesetzlichen Krankenversicherung ist die Barmer Ersatzkasse eine Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Selbstverwaltung. Sie ist Mitglied im Verband der Ersatzkassen (vdek).
Die neue Barmer Ersatzkasse entstand am 1. Januar 2017 durch die Integration der Deutschen BKK in die Barmer GEK. Die Barmer GEK entstand am 1. Januar 2010 aus der Fusion der am 27. Oktober 1884 errichteten Barmer Ersatzkasse (BEK) und der am 4. Mai 1878 gegründeten Gmünder Ersatzkasse (GEK).
Der Sitz der Barmer Ersatzkasse ist Berlin. Sie verfügt über 348 Geschäftsstellen.
Geschichte
1867–1990
Im Jahr 1912 entstand aus dem 1867 gegründeten Kaufmännischen Verein für Handlungsgehilfen in Barmen, der späteren Krankenkasse für Handelsangestellte in Barmen e. H. (eingetragene Hilfskasse; 1904) und der am 27. Oktober 1884 gegründeten Krankenkasse des Vereins junger Kaufleute in Görlitz (Mutterkasse genannt, Basis für Jubiläumsdaten), deren amtliche Zulassung als Ersatzkasse 1914 folgte, die ursprüngliche Barmer Ersatzkasse. Zur Zeit der Gründung war Barmen eine selbstständige Großstadt.
Als eine Tochtergesellschaft der Barmer wurde 1922 die Barmenia Versicherungsbank für Mittelstand und Beamte VaG zu Barmen als private Krankenversicherung gegründet. Das Unternehmen fusionierte im Jahr 1931 mit der Gewerbekrankenkasse zu Leipzig und bot bald auch andere Versicherungsleistungen außer Krankenhilfe an.
mini|hochkant|Mitgliedskarte, 1955
Die Kasse verlegte 1932 ihre Hauptverwaltung nach Berlin in die Lindenstraße (heute Axel-Springer-Straße). Nachdem die Gebäude durch Kriegseinwirkung stark beschädigt worden waren, siedelte sich die Hauptverwaltung der Barmer zunächst im ostwestfälischen Nieheim und Bad Hermannsborn an, kehrte 1956 nach Wuppertal-Barmen zurück. Hinzu kam ein Neubau, der an den inzwischen denkmalgeschützten Bereich angegliedert wurde. Beide bilden den Gebäudekomplex Ort der Erinnerung. Die damals rund 7,2 Millionen Versicherten der Barmer wurden von ca. 19.500 Mitarbeitern in rund eintausend Geschäftsstellen und der Zentrale in Wuppertal betreut. Die Barmer war eine der größten Krankenkassen in Deutschland und Europa.
Seit 1990 Am 1. Januar 2010 fusionierten die Barmer und die am 4. Mai 1878 gegründete Gmünder Ersatzkasse (GEK) zur Barmer GEK. Die Zentralverwaltungen der beiden Vorgängerkassen in Wuppertal (ca. 1700 Mitarbeiter) und Schwäbisch Gmünd (ca. 800 Mitarbeiter) blieben auch nach der Fusion die administrativen Hauptsitze.
2014 teilte die Barmer GEK mit, dass die Zahl der Geschäftsstellen bis 2018 auf rund 400 reduziert werden und gleichzeitig in den Aufbau der Telefon- und Onlineservices investiert werden soll. Mit einer Neuausrichtung der Organisationsstruktur soll demnach auch der Personalbestand mittelfristig um 3.500 Stellen reduziert werden, so dass rund 11.500 Vollzeitstellen verbleiben sollen.
Am 2. März 2016 teilten die Deutsche BKK und die Barmer GEK mit, dass sie einen Vereinigungsvertrag zwecks Zusammenschluss per 1. Januar 2017 unterzeichnet haben. Am 1. Januar 2017 fusionierten beide Krankenkassen zur neuen Barmer Ersatzkasse mit der Kurzbezeichnung Barmer.
Unternehmensstruktur mini|Sitz der Barmer Ersatzkasse in Berlin-Kreuzberg
Finanzen Das für das Jahr 2021 waren die größten Ausgabenposten Krankenhäuser mit 11 Mrd. Euro, ärztliche Leistungen mit 6 Mrd. Euro sowie der Arzneimittelbereich mit 6,5 Mrd. Euro.Barmer Geschäftsbericht 2021. (PDF; 15 MB) barmer.de; abgerufen am 31. März 2026
2024 beträgt der Beitragssatz 16,79 % inklusive 2,19 % Zusatzbeitrag.Neue Zusatzangebote – Satzungsänderungen beschlossen. barmer.de, Pressemitteilung, 20. Dezember 2023; abgerufen am 30. März 2026.
Ab Januar 2025 beträgt der kassenindividuelle Zusatzbeitrag 3,29 %.
Auch für das Jahr 2026 legte der Verwaltungsrat den Zusatzbeitrag stabil bei 3,29 % fest, was einem Gesamtbeitragssatz von 17,89 % entspricht. Der Haushaltsplan für 2026 sieht ein Rekordvolumen von rund 48 Mrd. Euro vor.
Organe Der Vorstand der Barmer besteht aus drei Mitgliedern. Der Verwaltungsrat als Selbstverwaltung für die Mitglieder besteht aus 30 Mitgliedervertretern.
Niederlassungen mini|Verwaltungssitz der Barmer in Schwäbisch Gmünd Der Sitz der einstigen Berliner Hauptverwaltung ist der heutige Unternehmenssitz der Barmer. Die zwei Hauptverwaltungen der Barmer liegen in Wuppertal-Barmen und Schwäbisch Gmünd. Die Barmer unterhält 13 Ländervertretungen, die jeweils für ein oder zwei Länder verantwortlich sind. Außerdem gibt es 348 Geschäftsstellen.
Wissenschaftliches Institut und Berichtswesen Das BARMER Institut für Gesundheitssystemforschung (bifg), 2020 gegründet, ist das wissenschaftliche Institut der Barmer mit Sitz in Berlin. Es ist organisatorisch eine selbstständige Einheit innerhalb der Krankenkasse ohne eigene Rechtspersönlichkeit, wird von einem Geschäftsführer geleitet und gliedert sich in die vier Forschungsbereiche Strategische Analysen, Gesundheitssystemforschung, Medizin und Versorgungsforschung sowie Klimawandel und Gesundheit. Das Institut untersucht auf Basis der Abrechnungsdaten der Versicherten Fragen der Gesundheitsversorgung, der Finanzierung und der Versicherungssysteme. Ein sechsköpfiger wissenschaftlicher Beirat unter Vorsitz der Klinischen Pharmakologin Petra Thürmann begleitet die Arbeit.
Das bifg gibt die jährlichen Barmer-Reporte heraus – Arzneimittelreport, Arztreport, Gesundheitsreport, Krankenhausreport, Pflegereport, Zahnreport sowie den Heil- und Hilfsmittelreport –, die als Online-Publikationen mit interaktiven Grafiken erscheinen und jeweils ein wechselndes Schwerpunktthema behandeln. Daneben veröffentlicht es ePaper als Open-Access-Beiträge mit DOI, den Morbiditäts- und Sozialatlas mit regionalen Auswertungen zu 49 Erkrankungen sowie den Monitor pallCompare zur Hospiz- und Palliativversorgung. Das Institut richtet jährlich den BARMER Versorgungs- und Forschungskongress in Berlin aus.
IT-Kooperation Zur weiteren Entwicklung der IT und zur Nutzung von Synergie-Effekten hat sich die Barmer im Jahr 2006 im Bereich des IT-Service mit der AOK Berlin, AOK Brandenburg, AOK Mecklenburg-Vorpommern, AOK Rheinland/Hamburg, AOK Sachsen-Anhalt, AOK Schleswig-Holstein und der AOK Westfalen-Lippe zu einer Arbeitsgemeinschaft in der Rechtsform einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts zusammengeschlossen, der GKV Informatik (GKVI). Weitere IT-Bereiche wie Anwendungsentwicklung, Spezifikation und Test sind bei den jeweiligen Kassen verblieben. Zum 31. Dezember 2024 verließen die Gesellschafter Barmer Ersatzkasse und Hanseatische Krankenkasse aus strategischen Gründen die GKV Informatik.
Logo mini|Logo bis Ende 2025 Im Dezember 2025 änderte die Barmer ihr Logo grundlegend und wechselte von der 20 Jahre zuvor eingeführte gelbgrünen Wortmarke auf eine Variante mit weißer Schrift auf dunkelgrünem Grund in Pillenform.designtagebuch.de: "Barmer Krankenkasse mit neuer visueller Identität", vom 1. Dezember 2025, abgerufen am 18. Dezember 2025 Der Schutz der entsprechenden Marke erfolgte bereits im März des gleichen Jahres, allerdings noch mit grüner Schrift auf weißem Grund.register.dpma.de Registerauskunft zur Registernummer 302025211933, abgerufen am 18. Dezember 2025 In der Vergangenheit gab es mehrere Änderungen des Logos, die unter anderen durch die Fusion mit der Gmünder Ersatzkasse zur Barmer GEK (2010) und der erneuten Umbenennung zur Barmer im Zuge der Fusion mit der Deutschen BKK (2016) erforderlich wurden.
Weblinks
Offizielle Website Barmer Institut für Gesundheitssystemforschung
Einzelnachweise
Kategorie:Ersatzkasse Kategorie:Berliner Organisation (Gesundheitswesen) Kategorie:Mitglied des Netzwerks Evidenzbasierte Medizin Kategorie:Unternehmensgründung 2017