Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW) ist eine Institution zur Förderung der Wissenschaft mit Sitz in Berlin und Potsdam, die 1992 durch einen Vertrag zwischen den Ländern Berlin und Brandenburg gegründet wurde.BBAW: Staatsvertrag über die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften zwischen dem Land Berlin und dem Land Brandenburg von 1992 mit Änderungen von 2001 und 2011 (PDF; 143 kB) (abgerufen am 26. Februar 2026). Als Akademie ist die BBAW eine Gelehrtengesellschaft, also eine Gemeinschaft von gewählten Wissenschaftlern, die gemeinsam und mit weiteren Mitarbeitenden Forschungsprojekte betreibt. Sie ist eine am Gemeinwohl orientierte Arbeitsakademie, die überwiegend auf historischem und geisteswissenschaftlichen Gebiet tätig ist.BBAW: Mission Statement der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. (Januar 2026) (PDF; 291 kB) (abgerufen am 26. Februar 2026).

Die BBAW hat etwa 400 Mitglieder, die aufgrund herausragender Leistungen zugewählt wurden und sich in 5 Klassen organisieren, welche regelmäßige Treffen zu organisatorischen und wissenschaftlichen Zwecken durchführen.BBAW: Satzung mit Angabe der Funktion der Organe der BBAW und der Rechte und Pflichten ihrer Mitglieder. (PDF; 160 kB) (abgerufen am 26. Februar 2026).

In 25 Projekten betreibt die Akademie eigene Forschung in Form von Langzeitunternehmungen mit spezialisierten Mitarbeitern. Weiterhin organisiert sie interdisziplinäre Arbeitsgruppen für wichtige aktuelle Themen der Gegenwart, deren Ergebnisse der Öffentlichkeit und der Politik in Publikationen, Vorträgen und öffentlichen Diskussionsveranstaltungen vorgestellt werden.BBAW: Übersicht über die Institution und deren Aktivitäten (abgerufen am 19. Februar 2026).BBAW: Übersicht über die Formen der von BBAW durchgeführten Forschung, Politikberatung und Öffentlichkeitsarbeit sowie die Kooperationspartner. (abgerufen am 19. Februar 2026).BBAW: Tabellarische Übersicht über laufende und abgeschlossene Langzeitprojekte und Projekte der Gesellschafts- und Politikberatung. (PDF; 676 kB) (abgerufen am 23. Februar 2026).

Die Finanzierung der BBAW erfolgt über die Länder Berlin und Brandenburg, den Bund, das Akademienprogramm der 8 deutschen über die Akademienunion koordinierten Akademien sowie über Drittmittel, zu denen auch Stiftungen gehören.BBAW: Finanzierung der BBAW. (abgerufen am 26. Februar 2026).BBAW: Die Akademie (abgerufen am 1. Januar 2026).

Die BBAW sieht sich als Traditionsnachfolgerin der Preußischen Akademie der Wissenschaften, zu deren Mitgliedern unter anderem die Brüder Grimm, Wilhelm und Alexander von Humboldt, Lise Meitner, Theodor Mommsen, Albert Einstein und Max Planck gehörten.

Geschichte bis in die Gegenwart mini|BBAW: Hauptgebäude Jägerstraße 22/23 am Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte. (ehemalige Akademie der Wissenschaften der DDR, vor 1945 Preussische Staatsbank).Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Eine über 300-jährige Geschichte. Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, vormals Preußische Akademie der Wissenschaften. Berlin 2020. ISBN 978-3-939818-82-3. S. 87. (Abgerufen am 6. Februar 2026).

mini|Friedrich I., erster König in Preußen, Gründer der Akademie der Wissenschaften

Die Akademie führt ihre Tradition auf die im Jahr 1700 vom brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III. nach einem Plan von Gottfried Wilhelm Leibniz gegründete Kurfürstlich Brandenburgische Societät der Wissenschaften zurück. Als Preußische Akademie der Wissenschaften gelangte sie zu Weltruhm.

Am 1. Juli 1946 wurde sie nach Verhandlungen mit der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland umbenannt in Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin und in Ost-Berlin im früheren Gebäude der Preußischen Staatsbank in der Jägerstraße 21–23 feierlich mit einem neuen Statut wiedereröffnet.Conrad Grau: Die Preußische Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Eine deutsche Gelehrtengesellschaft in drei Jahrhunderten. Spektrum Akademischer Verlag, Berlin 1993. ISBN 3-86025-088-4. S. 248–255. (Abschnitt: Von der Preußischen zur Deutschen Akademie der Wissenschaften.) In der DDR fungierte sie sowohl als Gelehrtengesellschaft als auch, vergleichbar beispielsweise mit der Max-Planck-Gesellschaft in Westdeutschland, als Trägerorganisation einer Forschungsgemeinschaft von außeruniversitären Forschungsinstituten. Im Jahr 1972 erfolgte ihre Umbenennung in Akademie der Wissenschaften der DDR (AdW).

Im Zuge der Wiedervereinigung Deutschlands kam es zum Jahresende 1991, wie im Einigungsvertrag festgelegt, zur Trennung der Gelehrtensozietät der AdW von ihren Instituten und sonstigen Einrichtungen. Letztere wurden nach Evaluierung teilweise aufgelöst, teilweise von anderen Institutionen weitergeführt.Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften: Jahrbuch 1992/1993. S. 167. Eine solche neue Institution ergab sich durch die Neukonstituierung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) welche gemäß Staatsvertrag der Bundesländer Berlin und Brandenburg vom 21. Mai 1992 als rechtsfähige Körperschaft des öffentlichen Rechts mit dem Recht der Selbstverwaltung gegründet wurde. Die BBAW übernahm von der AdW Langzeitprojekte, Bibliotheken, Archive, Gebäude und Vermögen. 1993 begann die BBAW unter der Leitung des Gründungspräsidenten Hubert Markl ihre Tätigkeit und wählte neue Mitglieder. Akademiepräsident ist seit 2020 Christoph Markschies. Die Institution hat ihren Hauptsitz in Berlin in der Jägerstraße 22–23, einem ehemaligen Bankgebäude, das bis 1945 die Preußische Seehandlung beherbergte und bis 1991 der Hauptsitz der AdW war.

80 Nobelpreisträger prägen die Geschichte der Akademie und ihrer Vorgängerinstitutionen. Heute ist sie mit rund 400 gewählten Mitgliedern eine Fach- und Ländergrenzen überschreitende Wissenschaftlervereinigung und trägt eine besondere Verantwortung für den Wissenschaftsstandort in der Hauptstadtregion. In interdisziplinären Arbeitsgruppen befassen sich die Akademiemitglieder mit Zukunftsfragen unserer Gesellschaft. Zudem werden derzeit 25 Akademienvorhaben zur Erschließung und Sicherung des kulturellen Erbes sowie zahlreiche Drittmittelprojekte gefördert. Mit rund 400 Mitarbeitern ist die Akademie die größte außeruniversitäre Forschungseinrichtung in Berlin-Brandenburg. International ist sie vertraglich mit rund 20 Akademien auf vier Kontinenten vernetzt.

Sie hat mit der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina die Junge Akademie gegründet, eine international singuläre Form der Förderung des exzellenten Nachwuchses. Seit 2008 nimmt die BBAW unter Leitung der Leopoldina mit acatech (Deutsche Akademie der Technikwissenschaften) sowie den anderen mit ihr in der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften zusammengeschlossenen Akademien Aufgaben der "Nationalakademie" wahr, insbesondere im Bereich der Politikberatung. 2010 wurde mit Unterstützung der BBAW die Global Young Academy gegründet, die sich als Akademie für junge Wissenschaftler aus der ganzen Welt versteht. Die Arab-German Young Academy of Sciences and Humanities (AGYA) wurde auf Initiative der Jungen Akademie an der BBAW 2013 gegründet und dient dem Austausch von Wissenschaftlern mit der arabischen Welt.

Es besteht eine anhaltende Kontroverse, ob die Leibniz-Sozietät der Wissenschaften oder die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften oder auch beide als legitime Nachfolge-Organisationen der im Jahre 1700 gegründeten Societät der Wissenschaften zu betrachten sind.Josef Zens (2000). Ein Streitfall für Akademiker. Berliner Zeitung, 10. Mai 2000. Die Leibniz-Sozietät beruft sich auf die personelle Kontinuität, die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften auf den politischen Auftrag. Weiterhin hat die BBAW, wie im Vertrag zu ihrer Gründung 1992 festgelegt, Infrastruktur (d. h. Gebäude, Bibliothek und Archiv) ihrer Vorgängerinstitutionen übernommen und führt deren Langzeit- und Editionsunternehmen weiter.Staatsvertrag über die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften zwischen dem Land Berlin und dem Land Brandenburg von 1992 mit Änderungen von 2001 und 2011. Hier: Artikel 11: Vermögen.

Historische Namen der Akademie Die Berliner Akademie der Wissenschaften hieß seit:Die Berliner Akademie und ihre Leitung in drei Jahrhunderten (BBAW). 11. Juli 1700: Kurfürstlich Brandenburgische Sozietät der Wissenschaften 18. Januar 1701 (Königskrönung Friedrichs III. von Brandenburg): Königlich Preußische Sozietät der Wissenschaften 24. Januar 1744: Königliche Akademie der Wissenschaften, vereinigt mit der 1743 gegründeten Société littéraire 10. Mai 1746: Académie Royale des Sciences et Belles-Lettres 24. Januar 1812: Königlich Preußische Akademie der Wissenschaften zu Berlin (gebräuchlich bereits seit der Wende zum 19. Jahrhundert) 28. November 1918, Novemberrevolution: Preußische Akademie der Wissenschaften 20. Dezember 1945, Viermächte-Status: Akademie der Wissenschaften zu Berlin (vorläufiger Name bis zum 1. Juli 1946) 1. Juli 1946: Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin 7. Oktober 1972: Akademie der Wissenschaften der DDR 23. März 1987 bis 31. Dezember 1990: Akademie der Wissenschaften zu Berlin (Neugründung in Westberlin) 1. August 1992: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (vormals Preußische Akademie der Wissenschaften)

Präsidenten der BBAW Hubert Markl Präsident von 1993 bis 1995 Dieter Simon Präsident von 1995 bis 2005 Günter Stock Präsident von 2006 bis 2015 Martin Grötschel Präsident von 2015 bis 2020 Christoph Markschies Präsident seit 2020

(Siehe auch: Galerie der Präsidenten der BBAW und ihrer Vorgängerinstitutionen auf bbaw.de.)

Standorte mini|Leibniz-Saal der BBAW im Hauptgebäude am Gendarmenmarkt für Vorträge und Kongresse mit Catering-Bereich.

Das Haus Jägerstraße 22/23 ist das älteste erhaltene Gebäude der Randbebauung am Berliner Gendarmenmarkt. Es entstand in den Jahren 1901–1903 als Sitz der Seehandlungsgesellschaft und späteren Preußischen Staatsbank nach Plänen und unter Leitung des Architekten Paul Kieschke. Das dreigeschossige Bauwerk im Stil des Neobarock an der Jägerstraße ist mit einer Sandsteinfassade ausgestattet. Die Schmuckwerke am Haus wurden 1936–1940 reduziert. Im Inneren gab es in diesen Jahren dadurch Veränderungen, dass ein viergeschossiger Verwaltungsbau angegliedert wurde (Nummer 23). Dieser besitzt eine Muschelkalkstein-Verkleidung und entstand nach Entwurf von Hubert Lütcke.Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Berlin. Deutscher Kunstverlag, Berlin 2006, ISBN 3-422-03111-1, S. 123. Anlässlich der Umnutzung des Bankgebäudes zum Sitz der Deutschen Akademie der Wissenschaften wurden im großen Kassensaal die Wände samt Säulen baulich verkleidet, um einen Plenarsaal zu schaffen. Der Plenarsaal und weitere Räume wurden zum 300-jährigen Bestehen der Akademie zu einem Konferenz- und Veranstaltungszentrum umgestaltet und ausgebaut, das 2002 offiziell eröffnet wurde. Der ehemalige Plenarsaal trägt nun den Namen Leibnizsaal, ein weiterer großer Vortragsraum den Namen Einsteinsaal. Die Räumlichkeiten mit Veranstaltungstechnik und Catering können auch von externen Veranstaltern genutzt werden.Veranstaltungszentrum der BBAW mit dem neu gestalteten ehemaligen Kassensaal der Preußischen Staatsbank. (abgerufen am 17. Februar 2026).

Weitere Standorte der Akademie sind heute der ehemalige Sitz der Preußischen Akademie der Wissenschaften im Ostflügel der Staatsbibliothek Unter den Linden in Berlin-Mitte und das ehemalige Haus Stichnote Am Neuen Markt 8 in Potsdam.

Aktivitäten mini|Gedenktafel zur Geschichte des Hauptgebäudes der BBAW am Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte (Markgrafenstraße 38)