Die Westbahn ist eine elektrifizierte Hauptbahn in Österreich von Wien über St. Pölten und Linz nach Salzburg. Die Strecke wurde von der privaten k.k. privilegierten Kaiserin Elisabeth-Bahn gebaut und 1860 in Betrieb genommen. Heute wird die Strecke von den ÖBB Infra betrieben und gehört zu deren Kernnetz.
Strecken Die Westbahn besteht aus der zweigleisigen Alten Westbahn (Strecke 1) und der zweigleisigen Neuen Westbahn (Strecke 30). Die zwei Strecken bilden dort, wo sie parallel geführt sind, betrieblich die sogenannte viergleisige Westbahn. Sie wird von rund 550 Zügen pro Tag befahren.
Zur betrieblichen Verstärkung wird die Westbahn von zusätzlichen lokalen Strecken ergänzt, die als Nahverkehrsgleis (Strecke 23) von Wien Hütteldorf nach Unter-Purkersdorf oder als Staugleis, also als ein Gleis, auf das ein Zug ausweichen kann, bis die Hauptstrecke frei ist, (Strecke 3) von Pottenbrunn über St. Pölten nach Prinzersdorf geführt sind.
Am östlichen Ende der Westbahn konkurriert seit Dezember 2014 der historische Wiener Westbahnhof, ein Kopfbahnhof, mit dem als Durchgangsbahnhof errichteten neuen Wiener Hauptbahnhof.
Das seit Dezember 2011 operativ tätige Eisenbahnverkehrsunternehmen Westbahn GmbH hat angekündigt, seine zwischen Salzburg und Wien verkehrenden Züge auch weiterhin vom Westbahnhof aus zu führen. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2015 führen die ÖBB den gesamten Fernverkehr der Westbahn in Wien durch den Lainzer Tunnel zum Bahnhof Wien Meidling und weiter zum Wiener Hauptbahnhof. Stündlich zwei Fernzüge fahren nach dem Halt am Hauptbahnhof weiter bis zum Bahnhof Flughafen VIE Wien. Die Westbahn GmbH ließ von Ende 2017 bis Ende 2019 zusätzlich Taktzüge von Wien Praterstern aus verkehren, die auf ihrem Weg nach Westen Trassen auf der S-Bahn-Stammstrecke belegten, auf denen sie den Hauptbahnhof und weitere S-Bahn-Stationen einbanden, deren Benutzung mit Tickets des Verkehrsverbundes aber nicht möglich war.
Geschichte
Die Strecke wurde am 15. Dezember 1858 von Wien Westbahnhof bis Linz eröffnet und war ab 1. August 1860 durchgehend bis Salzburg befahrbar. Die weiterführende Strecke bis München Hauptbahnhof ging am 12. August 1860 in Betrieb.
Bau Die Bahnstrecke wurde von der Gesellschaft k.k. privilegierte Kaiserin Elisabeth-Bahn unter Hermann Dietrich Lindheim gebaut. Neben der Strecke Wien – Salzburg waren darin gleichfalls die Bahnstrecke Wels–Passau (1861), St. Valentin – Summerau – Budweis (1872) enthalten. Darüber hinaus mussten die Strecken Linz – Lambach – Gmunden und Linz – Budweis, die ehemalige Pferdeeisenbahn Budweis – Linz – Gmunden der k.k. privilegierte Erste Eisenbahngesellschaft als Schmalspurbahn übernommen werden (1857), die allerdings zumeist neu trassiert werden mussten. Die Kaiserin Elisabeth-Bahn verwaltete noch zahlreiche andere Strecken, selbst heute sind noch vereinzelt Grenzsteine mit den Initialen K.E.B. anzutreffen. Der Name der „Kaiserin Elisabeth Westbahn“ wurde vom Publikum schlicht durch „Westbahn“ ersetzt. Die Bauarbeiten für die Strecke Wien–Linz begannen am 31. Juli 1856 bei Rekawinkel, wobei die Trasse und die Bahnhofsanlagen wegen der militärischen Strategie mehrmals geändert wurden.H. Strach: 1898, Band 1.1, S. 450, 452, 453
Eröffnung Bereits 1851 war in einem Staatsvertrag zwischen Bayern und Österreich eine Bahnverbindung vereinbart worden;H. Strach: 1898, Band 1.1, S. 295 1858 wurde die Strecke Wien – Linz fertiggestellt, nach der Probefahrt mit der Lokomotive Maria-Zell. 1859 wurde die Bauarbeit aktiv ausgeführt, sodass der Teil Linz–Lambach am 1. September eröffnet werden konnte. Dieser Teil stimmte beinahe mit der Strecke der Ersten Eisenbahn-Gesellschaft überein. Am 1. Februar 1860 ging die Strecke Lambach – Frankenmarkt für den Güterverkehr in Betrieb, einen Monat später für den Gesamtverkehr. Die letzte Strecke Frankenmarkt – Salzburg wurde am 1. August dem Verkehr übergeben. Die Fahrzeit von Wien nach Salzburg betrug anfangs neun Stunden. Bereits einige Wochen vor der offiziellen Eröffnung hatte Kaiserin Elisabeth die Strecke benutzt, um in ihre Heimat Bayern zu reisen. Bei der offiziellen Eröffnung am 12. August 1860 waren Kaiser Franz Joseph und König Maximilian II. von Bayern anwesend.
Verstaatlichung 1884 wurde die Bahnstrecke in staatlichen Besitz übergeführt (siehe k.k. Staatsbahnen). Die Verlängerung der Bahnstrecke auf österreichischem Gebiet, die Salzburg-Tiroler-Bahn („Giselabahn“) über Zell am See nach Wörgl in Tirol (KEB seit 1875), war ebenfalls in staatlicher Hand.
Ausbau, Elektrifizierung Der zweigleisige Ausbau wurde am 14. August 1902 fertiggestellt und erfolgte schrittweise: Linz – Wels am 7. August 1870, St. Valentin – Linz am 22. August 1874, Wels – Lambach am 1. November 1898, Lambach – Attnang-Puchheim am 14. August 1899, Attnang-Puchheim – Salzburg am 14. August 1902.
Die Elektrifizierung der Strecke wurde nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Wegfall von Kohlereserven forciert. Sie begann von Westen her, aber erst kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs: 3. Oktober 1938 bis Steindorf, 6. Oktober 1941 bis Attnang-Puchheim, 15. Mai 1949 bis Linz, 28. Juni 1951 bis Amstetten. Mit der Einweihung des fast zur Gänze in der sowjetischen Besatzungszone gelegenen Streckenabschnittes Amstetten – Wien Westbahnhof konnte die Elektrifizierung am 19. Dezember 1952 abgeschlossen werden.
Während der Zeit der Betriebsführung durch die Deutsche Reichsbahn wurden zahlreiche Erweiterungen und Ausbauten vorgenommen. So wurden die Betriebsausweichen Hutten und Ederbauer erbaut und in Wels ein neuer Verschiebebahnhof (nördlich der Westbahn) errichtet. Ebenfalls wurde der Bau eines zweiten Verschiebebahnhofes in Wels begonnen (südlich der Westbahn), der jedoch infolge des Kriegsendes nicht mehr zur Ausführung gelangte. Der Sinn dieses Planes war, in Wels sowohl einen Verschiebebahnhof mit Rollrichtung West-Ost (heutiger Vbf) als auch einen in der Rollrichtung Ost-West (geplanter) zu erhalten. Der Verschiebebahnhof Linz Ost erfuhr durch die Gründung der „Hermann-Göring-Werke“ (heute voestalpine) eine großzügige Erweiterung.
Zerstörte Bauwerke wurden nach dem Zweiten Weltkrieg wiederhergestellt.
Auf einer Pressekonferenz stellte Verkehrsminister Karl Lausecker 1983 in Einzelheiten gehende Pläne für den Ausbau der Westbahn vor. Der Baubeginn wurde für 1987 erwartet, die Inbetriebnahme sollte 1992 erfolgen. Dabei sollten zwischen Attnang-Puchheim und Salzburg Neubauabschnitte entstehen, Ausbauabschnitte waren zwischen St. Pölten und Linz sowie zwischen Linz und Attnang-Puchheim vorgesehen. Die geplante Höchstgeschwindigkeit betrug 250 km/h.
Lauseckers Nachfolger als Verkehrsminister, Ferdinand Lacina, beauftragte gemeinsam mit den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) nach einer internationalen Ausschreibung 1985 die Firma Arthur D. Little International (ADL) mit einem Gutachten zur Konzeption und Erarbeitung der Planungsvorgaben für das Hochleistungsstreckennetz Österreichs; im Juni 1986 wurde dann diese sogenannte ADL-Studie präsentiert. In der Studie wurden drei Servicebereiche empfohlen: HL-Intercity-Service, HL-Interregio-Service und HL-Güterservice, jeweils mit einem umfangreichen Streckenbauprogramm. Lacinas Nachfolger als Verkehrsminister, Rudolf Streicher (ab Juni 1986), beauftragte auf dieser Basis die ÖBB mit dem Planungskonzept Die Neue Bahn. In diesem Konzept waren eine Reihe von Ausbaumaßnahmen für die Westbahn vorgesehen. Nachdem 1989 auf Basis des Hochleistungsstreckengesetzes die staatliche Eisenbahn-Hochleistungsstrecken AG (HL-AG) als unmittelbare Tochter der Republik Österreich gegründet worden war,Bundesgesetz vom 1. März 1989 über Eisenbahn-Hochleistungsstrecken (Hochleistungsstreckengesetz), (), 23. März 1989. verordnete Streicher anschließend unter anderem die Planung und den Bau folgender Westbahnneubauabschnitte an die HL-AG:Übertragung der Planung und des Baues von Hochleistungsstrecken oder von Teilen derselben an die Eisenbahn-Hochleistungsstrecken-AG, , 11. August 1989. St. Pölten – Prinzersdorf, Melk, Krummnußbaum – Säusenstein, Haag – St. Valentin, Lambach, Breitenschützing – Schwanenstadt, Volders – Baumkirchen (Umfahrung Innsbruck) und St. Jakob – St. Anton
1990 beauftragte Verkehrsminister Streicher die HL-AG mit Verordnung:Änderung der Verordnung über die Übertragung der Planung und des Baues von Hochleistungsstrecken oder von Teilen derselben an die Eisenbahn-Hochleistungsstrecken-AG, , 23. Februar 1990.Änderung der Verordnung über die Übertragung der Planung und des Baues von Hochleistungsstrecken oder von Teilen derselben an die Eisenbahn-Hochleistungsstrecken-AG, , 21. August 1990.
zur Planung und zum Bau: Traun – Marchtrenk (Verbindungsstrecke Westbahn – Pyhrnbahn)
zunächst nur zur Planung: St. Pölten – Raum Wien einschließlich einer Verbindungsstrecke zur Südbahn (Lainzer Tunnel) und Attnang/Puchheim – Salzburg
Ziel dieser Maßnahmen war vor allem die Erreichung eines Österreichischen Taktverkehrs, wesentliche Fahrzeitbeschleunigungen und zusätzliche Kapazitäten für den Güterverkehr.
Um die alten Streckenabschnitte für den Nahverkehr zu erhalten (es standen bei kürzeren Streckenverbesserungen Rückbauten zu Gunsten von Radwegen im Raum), sprach 1993 der damalige Generaldirektor der HL-AG, Gustav Hammerschmid, im Ministerbüro von Verkehrsminister Viktor Klima vor. Um durchgehende Hochgeschwindigkeitszüge zu ermöglichen, um eine durchgehende Kapazitätserhöhung zu erreichen und um ein Nebeneinander von Schnellzügen mit Nahverkehrszügen zu gewährleisten, verordnete Klima die Übertragung der Planung einer möglichst 4-gleisigen Westbahn zwischen St. Pölten und Wels an die HL-AGÜbertragung einer weiteren Planungsaufgabe (St. Pölten—Wels) an die EisenbahnHochleistungsstrecken-AG, , 4. August 1993. und verordnete den Trassenverlauf der Umfahrung St. Peter—Seitenstetten im Zuge der Hochleistungsstrecke St. Pölten—Attnang/Puchheim.Bestimmung des Trassenverlaufes der Umfahrung St. Peter—Seitenstetten im Zuge der Hochleistungsstrecke St. Pölten—Attnang/Puchheim, , 4. August 1993.
Mit diesem Bündel an Übertragungsverordnungen an die HL-AG durch Streicher und Klima war die Planung einer durchgehenden Hochleistungsstrecke von Wien Meidling bis Salzburg möglich geworden.
Der Abschnitt Krummnußbaum – Säusenstein mit dem Sittenbergtunnel wurde als erster Neubauabschnitt der neuen Westbahn am 21. März 1994 eröffnet und von der HL-AG an die ÖBB zum Betrieb übergeben. Am 19. Mai 1994 wurde die Schleife Marchtrenk – Traun vollständig von der HL-AG den ÖBB zum Betrieb übergeben und Ende Mai die Umfahrung Innsbruck (Baumkirchen – Gärberbach). Am 2. Jänner 1995 folgte die Umfahrung Lambach mit dem Kalvarienbergtunnel, 1997 Breitenschützing – Schwanenstadt mit dem Römerbergtunnel. Drei Jahre später wurden die Abschnitte St. Pölten – Prinzersdorf und Groß Sierning – Pöchlarn mit den Bauwerken Grüntunnel Rohr, Wachberg-Tunnel II und Melker Tunnel für 200 km/h freigegeben. Nur wenige Monate später, 2001, folgten Prinzersdorf – Groß Sierning und St. Peter-Seitenstetten – St. Valentin (Grüntunnel St. Peter und Siebergtunnel). Seit 2003 (Eröffnung Amstetten – St. Peter-Seitenstetten) kann von Amstetten bis St. Valentin durchgehend mit 200 km/h gefahren werden. 2004 folgten die beiden Knoten Wagram und Rohr, und 2007 wurde schließlich die Umfahrung Enns (St. Valentin – Linz Kleinmünchen) dem Verkehr übergeben.
Im Zuge des Bahnhofsumbaues St. Pölten Hauptbahnhof wurden zwei Eisbergbogentunnel (ein eingleisiger für das Staugleis, ein zweigleisiger für die beiden Hauptgleise) westlich von St. Pölten errichtet und 2010 dem Verkehr übergeben.