mini|Das Pfingstwunder im Codex Egberti Evangelistar (von ) bezeichnet ein liturgisches Buch in der katholischen und den orthodoxen Kirchen, das die Textabschnitte (Perikopen) aus den Evangelien des Neuen Testaments für die Lesung an den Sonn- und Feiertagen des Kirchenjahres enthält.
In der byzantinischen Liturgie heißt das Buch (oder )Jacques Noret: Ménologes, synaxaires, ménées. Essai de clarification d'une termonologie. In: Analecta Bollandiana 86 (1968) 21-24, besonders 23f., in der heutigen römisch-katholischen Liturgie lateinisch Evangeliarium, deutsch Evangeliar.Vergleiche: Die Bischofskonferenzen des deutschen Sprachraumes (Hrsg.). Evangeliar. Die Evangelien der Sonntage und Festtage in den Lesejahren A, B und C. Ausgabe A. Herder, Freiburg i. Br. 1985, .
Das liturgische Buch unterscheidet sich von einem Τετραευαγγέλιον und einer Evangelienhandschrift, die den vollständigen Text der vier Evangelien enthalten (z. T. ergänzt durch Listen der in der Liturgie verlesenen Perikopen, genannt (kleine) Synaxarien und (kleine) Menologien).
Geschichte Die ursprünglich durchgehende gottesdienstliche Lesung des Bibeltextes (lectio continua) wurde seit dem 5. Jahrhundert zunehmend von der Lesung ausgewählter Textabschnitte (Perikopen) abgelöst.
Zur Auffindung der Perikopen in den Evangeliaren wurden zunächst Stellenverzeichnisse in der Ordnung des Kirchenjahres, sogenannte Kapitulare (capitula evangeliorum), den biblischen Texten hinzugefügt. Seit dem späten 6. oder frühen 7. Jahrhundert wurden solche Verzeichnisse als eigenständige Bücher angelegt und dort die zu lesenden biblischen Textabschnitte vollständig ausgeschrieben, die dann als Vorlage der Lesung an die Stelle der Evangeliare traten.
Ein vollständiges Lektionar enthielt das Evangelistar mit der Sammlung der Evangelienperikopen und das Epistolar mit der Sammlung der Perikopen aus den übrigen biblischen Schriften (mit Ausnahme der Psalmenabschnitte). Beide Teile wurden meist als eigenständige Bücher angefertigt, unter denen sich die Evangelistare oft durch besonders prunkvolle Ausstattung auszeichnen.
Bekannte Beispiele sind das Godescalc-Evangelistar (781–783), der Codex Egberti (Reichenau, 980–993) oder der Codex Assemanianus (Nowgorod, 11. Jhd.).
Evangelistare Abbildung Bezeichnung Entstehungszeit Entstehungsort Anmerkungen Signaturzentriert|120pxGodescalc-Evangelistar zwischen 781 und 783Aachen (?)geschrieben mit goldener und silberner Tinte auf purpurgefärbtem PergamentParis, Bibliothèque nationale, Ms. nouv. acq. lat. 1203zentriert|120pxFragment eines Evangelistars zweites Drittel des 9. JahrhundertsReimsDüsseldorf, Universitäts- und Landesbibliothek, B. 113zentriert|120pxReichenauer Evangelistarum 970Reichenauer MalschuleLeipzig, Stadtbibliothek, Ms. CXCzentriert|120pxPoussay-Evangelistar um 970–990ReichenauParis, Bibliothèque nationale de France, Ms. lat. 10514zentriert|120pxGero-Codex kurz vor 976ReichenauDarmstadt, Hessische Universitäts- und Landesbibliothek, Hs 1948zentriert|120pxCodex Egberti 980–993Trier oder ReichenauAuftraggeber Erzbischof Egbert von TrierTrier, Stadtbibliothek, Cod. 24zentriert|120pxSeeoner Evangelistar1002/1014Kloster SeeonBamberg, Staatsbibliothek, Msc. Bibl. 95zentriert|120pxUta-Codex Anfang des 11. JahrhundertsRegensburgAuftraggeberin Äbtissin UtaMünchen, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 13601zentriert|120pxCodex Assemanianusfrühes 11. JahrhundertMazedonien, Schule von Ohridin kirchenslawischer Sprache in glagolitischer SchriftRom, Vatikanische Apostolische Bibliothek, Cod. Slav. 3zentriert|120pxEvangelistar Heinrichs II.um 1007/1012ReichenauAuftraggeber Kaiser Heinrich II. für den Bamberger Dom vermutlich anlässlich dessen EinweihungMünchen, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 4452zentriert|120pxEvangelistar Heinrichs III.zwischen 1039 und 1043Abtei EchternachAuftraggeber König Heinrich III.Staats- und Universitätsbibliothek Bremen, Ms. b 21zentriert|120pxCodex Aureus Pultoviensiszweite Hälfte des 11. JahrhundertsPrager Miniatorenschulein Kathedrale von Płock, gestiftet vielleicht von Königin Judith von PolenKrakau, Czartoryski-Museum, Ms. 1207zentriert|120pxCodex aureus Gnesnensiszweite Hälfte des 11. JahrhundertsPrager MiniatorenschuleGniezno, Erzbischöfliches Archivzentriert|120pxCodex Vyssegradensiskurz vor 1085Prager Miniatorenschulefür erste böhmische Königskrönung von Vratislav II.Prag, National- und Universitätsbibliothek, Cod. XIV, A 13zentriert|120pxEvangelistar von Archangelsk1092bei Nowgorod?in kirchenslawischer SpracheMoskau, Russische NationalbibliothekEvangelistar von Wraza13. JahrhundertNowgorod oder Umgebung?Sofia, Nationalbibliothek der Heiligen Kyrill und Methodzentriert|120pxEvangelistar von Lauryschawaum 1329Kloster Lauryschawa, Großfürstentum Litauenin kirchenslawischer SpracheKraków, Czartoryski-Museum
Weblinks
Veröffentlichungen zu Evangelistaren im Opac der Regesta Imperii Veröffentlichungen zu Perikopenbuch im Opac der Regesta Imperii Veröffentlichungen über Evangelistare im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Passauer Evangelistar – BSB Clm 16002
Einzelnachweise
Kategorie:Buchart (Liturgie)
Kategorie:Kodikologie
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