Ljubuški [] () ist eine Großgemeinde (Općina) in Bosnien und Herzegowina mit rund 28.000 Einwohnern. Die mehrheitlich von Kroaten bevölkerte Gemeinde liegt in der westlichen Herzegowina und gehört zum Kanton West-Herzegowina der Föderation.
Hauptort und Verwaltungssitz der Gemeinde ist die gleichnamige Stadt am Fuße der Buturovica-Anhöhe, in der rund 15 % der Bevölkerung lebt.
Lange galt das Jahr 1444 als erste urkundliche Erwähnung unter dem Namen Lubussa, bis zuerst im Frühjahr 2008 ein älteres Schriftstück aus dem Jahre 1438 mit der Bezeichnung Liubussa und im Dezember 2009 schließlich ein Eintrag vom 15. Februar 1435 mit der Bezeichnung Gliubussa auftauchte.Radoslav Dodig: Vječno starenje Ljubuškoga. Auf: poskok.info, 29. Dezember 2009. Abgerufen am 4. Oktober 2014. In der Neuzeit war Ljubuški eine osmanische Festung gegen die Venezianer, wovon die Burgruine auf dem Gipfel der Buturovica-Anhöhe Zeugnis ablegt. Heute spielt die Gemeinde als Teil von Korridor Vc in der paneuropäischen Verkehrsplanung eine Rolle und ist auf sportlicher Ebene durch den städtischen Handballverein HRK Izviđač bekannt.
Geographie Lage und Ausdehnung mini|400px|Blick vom Südwesten auf das Stadtgebiet von Ljubuški Das Gemeindegebiet von Ljubuški liegt im Westen der Herzegowina, direkt an der Grenze zu Kroatien und umfasst eine Fläche von 292,7 km².. Webseite des Amts für Statistik der Föderation Bosnien und Herzegowina. Abgerufen am 4. Oktober 2014. Nachbargemeinden sind Čapljina im Süden, Čitluk im Osten, Grude und Široki Brijeg im Norden sowie auf kroatischer Seite Metković und Vrgorac im Westen. Die nächsten Großstädte sind Mostar 36 km in östlicher und Split 120 km in nordwestlicher Richtung. Die Entfernung zur Hauptstadt Sarajevo beträgt 170 km.
Früher war Ljubuški ein Verwaltungszentrum in der westlichen Herzegowina. Diesen Status hat die Gemeinde Mitte der 1990er Jahre wegen der Festlegung der neuen Kantonsgrenzen innerhalb der Föderation Bosnien und Herzegowina an Široki Brijeg verloren, weil Ljubuški im Kanton West-Herzegowina nunmehr geographisch eine Randlage einnimmt.
Ortschaften
Das Stadtgebiet von Ljubuški erstreckt sich vom Hang der Buturovica-Anhöhe bis weit in eine Niederung in südwestliche Richtung hinein. Es nimmt damit nur einen geringen Teil der Gemeindefläche ein, denn neben der Stadt selbst befinden sich noch 34 Ortschaften auf dem Gemeindegebiet.
Die Ortschaften von Ljubuški (Einwohnerzahlen gemäß Volkszählung 2013): Bijača (178 Einwohner) Cerno (393 Einwohner) Crnopod (197 Einwohner) Crveni Grm (900 Einwohner) Dole (219 Einwohner) Grab (1.162 Einwohner) Grabovnik (446 Einwohner) Gradska (154 Einwohner) Greda (118 Einwohner) Grljevići (362 Einwohner) Hardomilje (911 Einwohner) Hrašljani (819 Einwohner) Humac (2.824 Einwohner) Kašće (55 Einwohner) Klobuk (1.434 Einwohner) Lipno (260 Einwohner) Lisice (658 Einwohner) Ljubuški (4.387 Einwohner) Miletina (413 Einwohner) Mostarska Vrata (530 Einwohner) Orahovlje (218 Einwohner) Otok (602 Einwohner) Pregrađe (894 Einwohner) Proboj (726 Einwohner) Prolog (690 Einwohner) Radišići (2.447 Einwohner) Stubica (315 Einwohner) Studenci (1.155 Einwohner) Šipovača (661 Einwohner) Teskera (408 Einwohner) Vašarovići (823 Einwohner) Veljaci (1.276 Einwohner) Vitina (2.009 Einwohner) Vojnići (585 Einwohner) Zvirići (292 Einwohner)
Landschaft und Natur mini|Weite fruchtbare Felder zwischen karstigen Erhebungen wie hier in Vitina prägen das Landschaftsbild Landschaftlich gehört Ljubuški zum Hügel- und Bergland am Unterlauf der Neretva, das in der Regel von einigen hundert Meter hohen karstigen Erhebungen und ausgedehnten fruchtbaren Feldern geprägt wird. Allerdings hat in den letzten Jahren auch der Bewuchs der Anhöhen deutlich zugenommen, was in erster Linie auf den drastischen Rückgang der Ziegenhaltung zurückzuführen ist. Das Weideland nimmt etwa 10.000 Hektar der Gemeindefläche ein, während rund 16.000 Hektar bewaldet sind. Es herrschen Laubbäume wie Eichen, Hainbuchen und Eschen vor, allerdings sind auch viele immergrüne Kiefern und Tannen vorhanden. Die höchste Erhebung im Gemeindegebiet ist der 959 m hohe Vrlosin.Radoslav Dodig: Crtice o podneblju i povijesti Ljubuškog kraja [Grundzüge über die Landschaft und die Geschichte der Gegend von Ljubuški]. In: Ante Markotić (Hrsg.): Ljubuški kraj, ljudi i vrijeme [Die Gegend von Ljubuški, Menschen und Zeiten]. Mostar 1996, S. 349. mini|links|Der Trebižat, natürlicher Wasserlieferant der Felder In der Wildnis werden die karstigen Hügel in erster Linie von Giftschlangen wie der Hornviper sowie von Eidechsen bevölkert. In den bewaldeten Gebieten sind Wölfe und Füchse als Raubtiere sowie Wildschweine und Hasen als häufigste Beutetiere anzutreffen. In der Vogelwelt sind der Lannerfalke und das Steinhuhn typische Arten, wobei auch Fasane, Spechte und Wachteln nicht selten sind.
Wichtigster Wasserlieferant ist der Fluss Trebižat, der im Gemeindegebiet von Grude in der Ortschaft Peć-Mlini direkt an der Grenze zu Kroatien entspringt. Nach einem 50 km langen Lauf – zum größten Teil durch das Gemeindegebiet von Ljubuški – mündet der Trebižat in die Neretva. Der Fluss ist bekannt für sein reiches Vorkommen an Aalen und weist zahlreiche Stromschnellen und Wasserfälle auf. Bekannt sind die Kravica-Wasserfälle im Dorf Studenci und der Koćuša-Wasserfall im Dorf Veljaci. Zur Herkunft des Namens Trebižat, den man mit drei Mal fliehen frei übersetzen kann, gibt es zwei Theorien: Nach populärer Meinung ist der Name deshalb gewählt worden, weil der Fluss während seines Laufes gleich dreimal von der Oberfläche verschwindet und unweit davon wieder auftaucht, während Linguisten von einer veralteten italienischen Bezeichnung für Aal (trebizatto) ausgehen.Hrvoje Belani: Trebižat - oaza hercegovačkog kamena i krša. Auf: križevci.info, 7. September 2009. Abgerufen am 4. Oktober 2014.
Klima mini|Klimadiagramm von Mostar Das Klima in Ljubuški ist gemäßigt und mediterran geprägt. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt rund 16 °C (zum Vergleich: Berlin etwa 10 °C), wobei der kälteste Monat der Januar, der regenreichste der Dezember und der heißeste und trockenste der Juli ist. Die Sommer sind reich an Sonnenstunden und zählen zu den intensivsten in Bosnien und Herzegowina, weil Ljubuški bereits in Küstennähe liegt, das Klima aber trockener ist als in den Ortschaften am Adriatischen Meer. Im Winter fallen die Temperaturen zwar vergleichsweise selten unter den Gefrierpunkt, dennoch kommt es immer wieder zu Schneefällen, wobei der Schnee meistens nicht lange liegen bleibt. Wie für die Herzegowina typisch liegt die Niederschlagssumme zwischen 1.400 und 1.500 mm und ist außerhalb der Sommermonate überaus hoch.
Da die Gemeinde selbst über keine eigene Wetterstation verfügt, werden auch heute noch zur allgemeinen Beschreibung des Klimas in der Regel die Daten der Normalperiode von Mostar herangezogen. In Ljubuški selbst ist lediglich der Privatmann Zoran Jurič aus der Ortschaft Vitina als Hobbymeteorologe tätig und notiert seit einigen Jahren rudimentäre Vergleichsdaten zur tatsächlichen klimatischen Lage der Gemeinde.
Geschichte Altertum mini|Römerlager Gračine
Funde von Knochen, Stein- und Metallgegenständen belegen, dass die Gegend um Ljubuški bereits in der Steinzeit bewohnt wurde. Diese Funde sind heute im Museum des Franziskanerklosters von Humac ausgestellt, wobei die meisten Stücke aus der Bronze- und Eisenzeit, einzelne auch aus der Jungsteinzeit stammen.. Webseite der Pfarre Humac. Abgerufen am 4. Oktober 2014. Es kann davon ausgegangen werden, dass die in dieser Periode siedelnden Einwohner Illyrer waren, die ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. von den Römern bedrängt und im ersten vorchristlichen Jahrhundert unterworfen wurden. Dass die Gegend auch zur Römerzeit bewohnt blieb, belegen die in Gračine (einem Ortsteil von Humac) befindlichen Überbleibsel eines antiken Römerlagers. Anhand der Ausgrabungen, die zahlreiche Wertgegenstände wie Münzen, Vasen, Schmuck, Gläser, Werkzeug und Waffen zu Tage gebracht haben, wurde lange Zeit vermutet, dass die Ruinen Überreste einer antiken Handelsstadt namens Bigeste seien. Inzwischen geht man davon aus, dass die freigelegten Mauerreste ein luxuriöseres Auxiliarlager waren, in dem auch Veteranen einquartiert wurden.Radoslav Dodig: Povijest ljubuških naselja (2) [Geschichte der Ortschaften von Ljubuški (2)]. In: Ljubuško silo. Nr. 4, Ljubuški 2008, S. 26.
Mittelalter Im Zuge der slawischen Landnahme auf dem Balkan formierten sich entlang der östlichen Adriaküste ab dem 7. Jahrhundert zahlreiche slawische Herrschaften. Den Beschreibungen des byzantinischen Kaisers Konstantin VII. Porphyrogennetos zufolge wurde das heutige Gemeindegebiet von Ljubuški zunächst Teil von Paganien. Innerhalb dieses Gebietes, das von narentanischen Piraten beherrscht wurde, lag es in der südöstlich gelegenen Gespanschaft Rastoka.De Administrando Imperio (Kapitel 30–36, ins Serbische übersetzt). Auf: Montenegrina.net. Abgerufen am 4. Oktober 2014. mini|links|Die Tafel von Humac Christlich wurde die Region vermutlich erst im 11. oder 12. Jahrhundert, nachdem der heidnische Staat im Zahumlje aufgegangen war. Ein Indiz dafür ist die ins späte 12. oder frühe 13. Jahrhundert zu datierende Tafel von Humac (Humačka ploča), auf der die Stiftung einer dem Erzengel Michael geweihten Kirche festgehalten worden ist.Milan Nosić: Humačka ploča [Die Tafel von Humac]. In: Ante Markotić (Hrsg.): Ljubuški kraj, ljudi i vrijeme [Die Gegend von Ljubuški, Menschen und Zeiten]. Mostar 1996, S. 149–159. Die älteste schriftliche Erwähnung einer Ortschaft aus der heutigen Gemeinde von Ljubuški geht ebenfalls auf das späte 12. Jahrhundert zurück; es handelt sich dabei um das heutige Dorf Veljaci, das in der Chronik des Popen von Duklja als Pfarre bzw. Gespanschaft Vellica genannt wird..
mini|Schenkungsurkunde vom 26. April 1395: König Dabiša übergibt sein herrschaftliches Dorf Veljaci in den Besitz seiner Tochter Stana
1326 wurde die gesamte Region vom bosnischen Banus Stjepan II. Kotromanić erobert und anschließend dem Fürstentum Bosnien einverleibt. Allerdings gab sein Nachfolger Tvrtko I. bereits 1357 das Gebiet zwischen den Flüssen Cetina und Neretva dem ungarischen König Ludwig I. als Mitgift für die 1353 geschlossene Heirat zwischen ihm und Tvrtkos Cousine Elisabeth. Nach Ludwigs Tod 1382 verstrickte Elisabeth König Tvrtko in Konflikte mit den Ungarn. Nachdem sie 1387 ermordet worden war, übernahm Tvrtko gewaltsam wieder die Kontrolle über die Gebiete, die er 1357 abgetreten hatte. Formell wurden sie aber erst unter seinem Nachfolger Stjepan Dabiša nach dem Friedensschluss mit König Sigismund im Jahr 1394 an das bosnische Königreich wieder angeschlossen.Ivo Lučić: Ima li Hercegovine? [Gibt es die Herzegowina?]. In: Status. Nr. 8, Mostar 2005, S. 99–121.
Ljubuški selbst wurde als Ortschaft erstmals 1435 unter dem Namen Gliubussa genannt, wobei aus dem Jahre 1438 auch die Schreibweise Liubussa sowie aus dem Jahre 1444 auch die Bezeichnungen Lubiusa, und vor allem Lubussa überliefert sind.Ivan Vukoja (Hrsg.): Ljubuški u hrvatskoj matici [Ljubuški in der Matica hrvatska]. Ljubuški 2003, S. 13. Zu dieser Zeit war das bosnische Königreich bereits starkem Druck seitens der Osmanen ausgesetzt und verlor zunehmend die Kontrolle über das Gebiet. Diesen Umstand nutzte der im Süden Bosniens mächtig gewordene Herzog Stjepan Vukčić Kosača 1448 schließlich, um die von ihm beherrschten Gebiete dem bosnischen Königreich zu entziehen.
Osmanische Herrschaft