Reinfeld (Holstein) ist eine Kleinstadt im Kreis Stormarn (Schleswig-Holstein) zwischen Bad Oldesloe und Lübeck. Sie ist ein staatlich anerkannter Erholungsort und bekannt als Karpfenstadt. Reinfeld gehört zur Metropolregion Hamburg. Neuhof, Steinhof und Binnenkamp liegen im Stadtgebiet.

Geografie Reinfeld liegt an der Heilsau, die im Stadtgebiet zum Herrenteich gestaut ist. Der Herrenteich hat eine Größe von ca. 39,5 ha. mini|Blick auf Reinfeld aus östlicher Richtung mini|Südlicher Teil des Herrenteiches mini|ohne|Wahrzeichen: Das Karpfendenkmal an der Hamburger Chaussee

Geschichte Reinfelds Gründung geht auf das Jahr 1186 zurück, als auf Veranlassung von Graf Adolf III. von Schauenburg sich Zisterziensermönche aus dem Kloster Loccum hier niederließen und das Kloster Reynevelde gründeten.

Kurze Zeit nach der Gründung des Klosters wurde die Heilsau zum Herrenteich aufgestaut, um die Niederung trockenzulegen und Raum für den Ausbau des Klosters zu schaffen. In diesem Zusammenhang wurde die klostereigene Kornmühle an dem angestauten Herrenteich errichtet (später als Claudius-Mühle bezeichnet). (mit Abbildungen vom ehemaligen Mühlengebäude)

Die Mönche legten zahlreiche Teiche an, die sie zur Karpfenzucht nutzten. Die damals bis zu 60 Karpfenteiche reichten jedoch nicht aus, den Fischbedarf des Klosters zu decken, so dass zusätzlich noch größere Mengen Seefisch aus Lübeck hinzugekauft werden mussten, weil die Zisterzienser kein Fleisch essen durften. Das Kloster entwickelte sich dank der Vorhersicht seiner Äbte rasch zu einem der reichsten und angesehensten in Norddeutschland mit umfangreichem Landbesitz bis hin in das Baltikum und wertvollen Beteiligungen an der Saline Lüneburg. Dies änderte sich aufgrund der Säkularisation im Zuge der Reformation. Im Jahr 1581 wird das Kloster an Herzog Johann d. J. von Plön übergeben.

Nachdem das Kloster im 16. Jahrhundert abgerissen wurde, wurde an selbiger Stelle in der Zeit von 1599 bis 1604 ein fürstliches Schloss errichtet. Dabei dienten dem abgeteilten Herzog die Überreste des Klosterkomplexes als Baumaterial. Die ansehnliche Klosterkirche wurde 1635 bei einem Dammbruch des gestauten Herrenteichs komplett zerstört. An ihrer Stelle wurde 1636 eine wesentlich kleinere Kirche auf dem Eichberg überflutungssicher errichtet (sie trägt heute den Namen Matthias-Claudius-Kirche).

Seit des Herzogs Johanns Tod 1622 gehörte Reinfeld zum kleinen Herzogtum Schleswig-Holstein-Sonderburg-Plön, das in der Zeit von 1676 bis 1729 auch Nordalsen und Teile von Ærø umfasste (Norburg-Plön). Als die Plöner Linie der Herzöge 1761 ausstarb, fiel das Herzogtum an König Friedrich V. von Dänemark.

Das Reinfelder Schloss wurde 1775 abgerissen, die übrig gebliebenen Steine fanden Verwendung zum Bau eines Verwaltungsgebäudes, das als Forstamt genutzt wurde. In den Jahren 1762 bis zur Bundesexekution Ende 1863 stand Reinfeld unter dänischer Herrschaft. Der 1839 errichtete Bau der Alten Schule auf dem Gelände des ehemaligen Schlosses stammt noch aus dieser Zeit.Informationen zum Schloss Reinfeld

Am 1. August 1865 wurde der Bahnbetrieb von der Lübeck-Büchener Eisenbahn aufgenommen, nachdem seit 1863 eine Bahntrasse von Hamburg über Bad Oldesloe nach Lübeck errichtet wurde. Das damals errichtete Bahnhofsgebäude besteht heute noch.

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Deutschland schrittweise besetzt. Am 2. Mai 1945 besetzten britische Truppen (das 3. Royal Tank Regiment sowie das 1. Herefordshire Regiment der 11. Schottischen Armoured Division, Teil der 21st Army Group) auch Reinfeld sowie das benachbarte Bad Oldesloe.Hamburger Abendblatt: Kriegsende. Vor siebzig Jahren kapitulierte die Stadt Ahrensburg, vom: 2. Mai 2015; abgerufen am: 31. Mai 2017 Zu Kampfhandlungen kam es in Reinfeld nicht. Zwei Tage später unterschrieb Hans-Georg von Friedeburg im Auftrag des letzten Reichspräsidenten Karl Dönitz, der sich zuvor mit der letzten Reichsregierung in den Sonderbereich Mürwik abgesetzt hatte, bei Lüneburg die Teilkapitulation der Wehrmacht für Nordwestdeutschland, Dänemark und die Niederlande. (PDF, 16. S.; 455 kB) abgerufen am 9. November 2023. Die Bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht folgte am 8. Mai 1945. Während der Besatzungszeit waren es Truppen der 15. Schottischen Division, die die Umsetzung der britischen Militärregierung durchsetzte.

Seit Sommer 2003 gehört auch der Kreis Stormarn und damit Reinfeld zum Bereich des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV), in dem alle Verkehrsmittel des ÖPNV zu einheitlichen Tarifen verkehren.

Religion

Gemäß dem Zensus 2022 waren 40,8 % der Einwohner evangelisch, 4,2 % römisch-katholisch und 55,0 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Religion, Zensus 2022. Mit Stand März 2025 waren von den Einwohnern 35,8 % evangelisch, 3,9 % katholisch und 60,3 % waren konfessionslos oder gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an.Stadt Reinfeld (Holstein) Haushalt 2026 S. 13, abgerufen am 29. Mai 2026.

Die Zahl der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder ist demnach im beobachteten Zeitraum gesunken.

Politik Stadtvertretung mini|Rathaus Reinfeld Von den 22 Sitzen in der Stadtvertretung hat seit der Kommunalwahl am 14. Mai 2023 die CDU acht (Stimmenanteil 34,8 %), die SPD fünf (23,9 %), die Wählerinitiative W!R vier (19,8 %), Bündnis 90/Die Grünen vier Sitze (18,7 %) und Die Linke einen Sitz (2,8 %). Bürgervorsteherin ist seit 2023 Lisa-Maria Zielke (CDU), Bürgermeister seit 2020 Roald Wramp (parteilos).

Seit Ende des 19. Jahrhunderts verfügt Reinfeld über das ehrenamtliche, politische Amt eines Bürgervorstehers (seit der schleswig-holsteinischen Gemeindereform so betitelt), seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges darüber hinaus über das hauptamtliche, administrative Amt eines Stadtdirektors (bis 1949) bzw. Bürgermeisters. Während der Besatzung durch britische Truppen wurden die Stadtdirektoren von der Militärregierung eingesetzt (mit * gekennzeichnet). +Politische und administrative Bürgervertreter in ReinfeldBürgervorsteher (seit 1. April 1950, vorher Bürgermeister)Bürgermeister (seit 1. April 1950, vorher Stadtdirektor)seit 2023: Lisa-Marie Zielkeseit 2020: Roald Wramp2013–2023: Gerd Hermann2014–2020: Heiko Gerstmann (SPD)2003–2013: Hans-Peter Lippardt2002–2014: Gerhard Horn1994–2003: Detlev Andresen1990–2002: Diethard Bubolz1982–1994: Theodor Ohlen1987–1990: Holger Weidemann1970–1982: Claus Slama1969–1987: Michael Sachse1966–1970: Edgar Keiselt1955–1969: Richard Hingst1959–1966: Georg Jungk1952–1959: Hans Vagt1951–1952: Hans Joachim Jabs1949–1954: Hermann Schuldt1950–1951: Paul Albert Bertram1948–1950: Heinrich Schmidt1946–1948: Erich JostSeptember 1948-Juni 1949: Wilhelm Reese *Oktober 1947-September 1948: Wilhelm Mietzner *Juni 1947-Oktober 1947: Lorentz *Oktober 1946-Juni 1947: Wilhelm Schultz *August 1946-Oktober 1946: von Pein *1946: Heinrich SchmidtJuni 1946-August 1946: Wilhelm Reese *Mai 1945-Januar 1946: Heinrich EckholdtDezember 1945-Juni 1946: Arthur Pawel *1938–1945: Max Böhmker1926–1938: Walter Stamer1918–1926: Paul Katzschke1912–1918: Ernst Witt1886–1912: Volkmar Wegener

Wappen Blasonierung: „Geteilt von Rot und Blau. Oben ein hervorkommender, linksgewendeter goldener Abtstab zwischen zwei auswärts geneigten goldenen Ähren; unten ein waagerechter silberner Fisch.“[ Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein] Der Entwurf stammt vom Reinfelder Lithographen Josef Schreiber und wurde am 9. April 1930 vom Preußischen Staatsminister in Berlin genehmigt.

Flagge Blasonierung: „Die Flagge zeigt inmitten eines weißen, oben und unten von je einem schmalen roten Streifen begrenzten Feldes das Stadtwappen, etwas zur Stange hin verschoben. Beim Banner wird das Wappen um 90° gedreht.“

Städtepartnerschaften Reinfeld unterhält Partnerschaften mit Saint-Pryvé-Saint-Mesmin in Frankreich (seit 1994) und Kaliska in Polen (seit 1998) sowie Neubukow in Mecklenburg-Vorpommern (seit 1991). Bereits 1957 übernahm Reinfeld eine Patenschaft für die aus Körlin an der Persante Vertriebenen.Ostdeutsche Heimatstube Reinfeld

Jugendpolitisches Engagement Reinfeld führte als eine der ersten Gemeinden in Schleswig-Holstein 1996 das Gremium des Kinder- und Jugendbeirates ein. 2018 und 2020 wurde die Reinfelder Online-Schülerzeitung erKant.de beim Schülerzeitungswettbewerb der Länder, welcher von der Jugendpresse Deutschland und dem BVDZ jährlich durchgeführt wird, als beste Online-Schülerzeitung Deutschlands in der Kategorie Gymnasien ausgezeichnet. Die erKant ist eins der Projekte des sii-kids & -talents e. V., von dem zwei andere Projekte als „Projekt Nachhaltigkeit“ von RENN / RNE ausgezeichnet worden sind.

Stolpersteine Am 7. März 2014 wurden in Reinfeld auf Initiative von Kommunalpolitikern sowie Schülern und Lehrern aus der Immanuel-Kant-Schule unter großer Beteiligung der Öffentlichkeit zwei Stolpersteine verlegt: Carl-Harz-Straße 6: Für Carl Harz (1860–1943), Autor sozialkritischer Schriften, Immobilienmakler und Förderer von Stadtentwicklung, Bebauung und Tourismus in Reinfeld. Veröffentlichungsverbot 1939, „Schutzhaft“ in Lübeck-Lauerhof 1943, dort Flucht in den Tod am 13. August 1943 im Alter von 83 Jahren. Paul-von-Schoenaich-Straße 36: Für Richard Minkwitz (geb. 1886), Arbeiter, KPD-Mitglied, Widerstandskämpfer. Am 7. September 1933 ist er im Gestapo-Gewahrsam („Schutzhaft“) im „Blauen Haus“ in Bad Oldesloe erschlagen worden – im Alter von 47 Jahren. Ebenfalls seit 2014 wird der Wanderweg am nahen Neuhöfer Teich als Richard-Minkwitz-Weg benannt.

An den beiden Todestagen werden an den Stolpersteinen zum Gedenken Blumen niedergelegt.Damit der braune Spuk nicht zurückkehrt, Lübecker Nachrichten, 8. März 2014.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Matthias-Claudius-Kirche mini|Hünengrab bei Reinfeld

Kirchen und Museen Matthias-Claudius-Kirche, 1636 erbaut, mit mehreren Grabsteinen der Äbte des Klosters aus der 1635 zerstörten Klosterkirche und einer barocken Ausstattung Katholische St.-Marien-Kirche, 1964/65 nach Plänen von Karlheinz Bargholz erbaut, 2024 profaniert und 2026 abgerissen. Heimatmuseum, abgerufen am 9. November 2023. Mühlenmuseum im Claudius-Hof, im Gebäude der ehemaligen Claudius-Mühle

Weitere Sehenswürdigkeiten Hünengrab aus der Jungsteinzeit im Waldgebiet Neuer Hau Matthias-Claudius-Gedenkstätte aus Granit am Ufer des Herrenteichs mit dem vollständigen Text des Abendliedes, 1989 vom Bildhauer Jörg Plickat im Auftrag der Stadt geschaffen Die Liste der Kulturdenkmale in Reinfeld (Holstein) umfasst die in der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragenen Kulturdenkmale.

Natur Es befindet sich das Naturschutzgebiet Oberer Herrenteich in Reinfeld.

Sport Der SV Preußen Reinfeld hat rund 2.100 Mitglieder in 28 Sparten.Website des SV Preußen von 1909 e. V. Reinfeld, abgerufen am 5. Juni 2017. Die größte Sparte ist der Bereich Fußball mit drei Herren-Mannschaften, einer Alt-Herren-Mannschaft, einer Damen-Mannschaft und einer Vielzahl von Jugend-Mannschaften.

Die Reinfelder Rudergemeinschaft von 1963 e. V. veranstaltet am Karpfenfest-Wochenende (Ende August / Anfang September) jährlich das Reinfelder Rudervergnügen, eine Regatta für Laien-Mannschaften der Betriebe und Einrichtungen aus Stadt und Umgebung. Weiterhin ist der Tennis-Club Reinfeld e. V. aktiv, der fünf Tennisplätze und ca. 200 Mitglieder hat.

Wirtschaft und Infrastruktur

Medien In Reinfeld wird das „Stormarner Tageblatt“ als Lokalausgabe des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (sh:z) sowie die Lokalausgabe der Lübecker Nachrichten veröffentlicht. Auch das Hamburger Abendblatt veröffentlicht eine Lokalausgabe für den Kreis Stormarn, deren Redaktion jedoch in Ahrensburg beheimatet ist. In Reinfeld werden kostenlos die Zeitungen „Markt“, „Wochenblatt“ und „Blickpunkt“ verteilt.

Bildung Matthias-Claudius-Schule (Grundschule), ca. 476 Schüler (Stand: 2019/2020)