Essen (Oldb) ist eine Gemeinde im Landkreis Cloppenburg in Niedersachsen und liegt im Oldenburger Münsterland.
Geografie Lage Essen gehört zur geografischen Landschaft Artland, grenzt nördlich an die Cloppenburger Geest an. Damit liegt die Gemeinde innerhalb der Norddeutschen Tiefebene am nördlichen Ausläufer der Schwemmlandebene des Artlands, „einer ausgedehnten Ebenheit, die von Talsandplatten und feuchten Niederungen nur schwach untergliedert wird“ und an der südlichen Spitze der Cloppenburger Geest einer „ackergeprägten, weitgehend offenen, wenig strukturierten Kulturlandschaft, die stark landwirtschaftlich genutzt wird und einen sehr geringen Waldanteil aufweist“. Ortsteile mini|Ortsteile in Essen
Folgende Ortsteile zählen zu Essen: Addrup (298), Ahausen (144), Barlage (74), Bartmannsholte (242), Beverdiek (11), Bevern (714), Bokel (10), Brokstreek (447), Calhorn (168), Darrel (32), Essen-Ort (inkl. Ostendorfe) (4015), Felde (128), Gut Lage (32), Herbergen (181), Hülsenmoor (1300), Nordholte/Stadtsholte (43), Osteressen (302), Sandloh (85), Uptloh (345) (in Klammern die Einwohnerzahlen).Website der Gemeinde Essen (Oldb)
Nachbargemeinden
Die Nachbargemeinden sind im Norden Lastrup und Cappeln, im Osten Bakum, im Südosten Dinklage, im Süden die Samtgemeinde Artland sowie im Westen Löningen.
Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Gebiet der Gemeinde Essen (Oldb) gehört zum Einzugsgebiet der Hase und damit zum Flusssystem der Ems.
Essen wird von den nördlichen Armen der Hase durchzogen, die ein Binnendelta bilden. Der Hauptarm heißt oberhalb der Einmündung der Lager Hase Essener Kanal, unterhalb Große Hase. Die Lager Hase entwässert große Teile des mittleren Landkreises Vechta; die eigentliche Hase mündet westlich des Ortskerns in sie.
Weitere Gewässer sind der Calhorner Mühlenbach, der Nadamer Bach und der Blocksmühlenbach.
Entlang des Landschaftsschutzgebietes Calhorner Mühlenbachs (LSG CLP 00012) befindet sich ein rund 300 ha großes Niedermoorgebiet mit Flach- und Niedermooren sowie ungenutzten Moorflächen, das zu den bedeutendsten Feuchtlandschaften der Region zählt. Der Name Hülsenmoor verweist auf historisch verbreitete Moor- und Feuchtstandorte.
Die Landschaft ist von Geestplatten und Niederungen geprägt, in denen durch stauendes Grundwasser feuchte Mulden, Moor- und Übergangsstandorte entstanden sind. Diese ökologisch wertvollen Flächen tragen zur Strukturvielfalt bei.
Im Bereich des Zusammenflusses von Lager Hase und Essener Kanal wurden Auen renaturiert, wodurch Altarme, Kleingewässer und naturnahe Uferzonen entstanden. Die Lager Hase wurde seit dem 18. Jahrhundert begradigt und eingedeicht, was ihre natürliche Dynamik einschränkte. Trotz Renaturierungs- und Hochwasserschutzmaßnahmen seit 2009 bestehen weiterhin Hochwasserrisiken, wie Ereignisse 2023/2024 zeigen.mini|Das Hase-Binnendelta des Artlands
Wasserbau und Wasserwirtschaft
Hochwasser als ständige Herausforderung Durch seine Lage am Rand des Hase-Binnendeltas gab es in Essen über Jahrhunderte hinweg immer wieder Überschwemmungen durch Hochwasser. Bis zum späten 18. Jahrhundert setzte die Große Hase von Quakenbrück aus den Lauf der Großen Mühlenhase in nördlicher Richtung bis Osteressen fort, passierte anschließend den Ortskern der Gemeinde im Bett der heutigen Lager Hase und erreichte ihren aktuellen Flussverlauf an der Stelle, an der heute die Lager Hase und der Essener Kanal zusammenfließen. Auf der Bearbeitung einer Karte des preußischen Generalmajors Karl Ludwig von Le Coq von 1805 ist die Gewässerverbindung zwischen Quakenbrück und Osteressen noch eingetragen. Durch den Bau des Essener Kanals im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts wurde Essen von den Wassermassen aus dem Osnabrücker Land entlastet. Eine weitere indirekte Entlastung Essens sollte der Bau des Hahnenmoorkanals um 1790 darstellen, indem er die Geschwindigkeit des Abflusses des Hasewassers erhöhen und dadurch Staueffekte oberhalb Löningens verhindern sollte, die ihrerseits einen zügigen Abfluss des Wassers aus dem Raum Vechta behindert hätten. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts funktioniert dieser Plan aber nur noch bedingt. Während des Hochwassers im März 1981 flossen pro Sekunde 110 Kubikmeter Wasser an Löningen vorbei. Bei solchen Mengen bilden sich Staus, die sich auch auf den Wasserstand bei Essen auswirken und Deichbrüche wie dem in Ehren am 26. Dezember 2023 begünstigen. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) bewertet die an seinem Pegel Uptloh am 13. März 1981, am 30. Oktober 1998 und am 22. Januar 2008 gemessenen Zahlenwerte als „Extremwerte“. Zum Jahreswechsel 2023/2024 gesellte sich das Weihnachtshochwasser 2023/2024 dieser Spitzengruppe hinzu.
Maßnahmen zum Hochwasserschutz Auf dem Gebiet der Gemeinde Essen wurden vom Haseausenverein Auen angelegt sowie Nebengewässer der Lager Hase und der Großen Hase renaturiert.
Der bis 1966 stark mäandrierende Calhorner Mühlenbach war bis 1973 begradigt und mit 15 Sohlabstürzen versehen worden. Bis 1993 wurde der Urzustand weitgehend wiederhergestellt; der letzte Sohlabsturz wurde 2006 beseitigt.
Ab 2009 wurde als Ausgleichsmaßnahme für den Bau der Umgehungsstraße Essen im Zuge der Bundesstraße 68 auf einer Fläche von 6,5 ha eine künstliche Auenlandschaft geschaffen, die im Dreieck zwischen der Lager Hase, dem Essener Kanal und der Ahauser Straße platziert wurde. Auf der Fläche „sollten möglichst hochwertige Lebensräume entstehen, eine ökologische Auenentwicklung eingeleitet und auetypische Überschwemmungen bei Hochwasser wieder zugelassen werden.“ Insgesamt wurden ca. 25.000 m³ Boden abgefahren, der unter anderem für Lärmschutzwälle wieder verwertet wurde. Für Erholungssuchende wurde an der Ahauser Straße eine Aussichtsplattform errichtet.
In der abgesenkten Fläche wurden ein Stillgewässer mit Tiefbereichen und Flachwasserzonen erstellt und eine Sandbank aufgeschüttet, die bei Hochwasser als Zufluchtsort für dort lebende Tiere dienen sollte. Die drei Meter hohen Böschungen sind Lebensräume für Uferschwalben, Grabwespen und Sandbienen. Zudem wurden in Teilbereichen der Böschung Natursteinauflagen und eine Trockenmauer aus Feld- und Bruchsteinen angelegt. Das Ziel bei der Modellierung dieser Auenlandschaft war die Entwicklung von Biotopstrukturen, die gefährdeten Pflanzen- und Tierarten Schutz geben und eine Wiederbesiedlung ermöglichen.
2021/22 wurde der durch den Ortskern fließende Nadamer Bach mit einer Sekundäraue versehen, und neben seinen Ufern wurden Aufforstungsmaßnahmen durchgeführt.
In den 2020er Jahren wurde die Durchgängigkeit des Blocksmühlenbachs für Fische hergestellt.
Untergrundverhältnisse Die Geologie von Essen (Oldenburg) ist überwiegend durch Ablagerungen der Saale-Eiszeit geprägt. Dazu zählen Sande, Kiese und Geschiebelehme sowie ausgedehnte Moorbildungen. Diese geologischen Voraussetzungen haben eine überwiegend flache Landschaft hervorgebracht, die heute vor allem landwirtschaftlich genutzt wird und durch Moor- und Niederungsflächen gekennzeichnet ist.
Die Hydrogeologie der Gemeinde ist durch gut durchlässige Sand- und Kiesaquifere bestimmt, die ergiebige Grundwasservorkommen enthalten. Das oberflächennahe Grundwasser befindet sich in Tiefen von etwa 1 bis 15 Metern und ist aufgrund der geringen Überdeckung besonders empfindlich gegenüber Verunreinigungen, insbesondere aus der landwirtschaftlichen Nutzung. Tiefer liegende Grundwasserleiter in Tiefen von über 30 Metern sind durch mächtigere Geschiebelehm- und Tonlagen besser geschützt und daher weniger anfällig für anthropogene Einflüsse.
Klima mini|hochkant|Artlandstraße hinter dem Bünne-Wehdeler Grenzkanal
In Essen herrscht ein durch feuchte Nordwestwinde von der Nordsee beeinflusstes gemäßigtes Seeklima mit milden Wintern, warmen Sommern und ganzjährig gleichmäßig verteilten, mäßigen Niederschlägen. Die Sommer sind häufig trocken und sonnig, während im Winter gelegentlich Schnee fällt.
2023 betrug die durchschnittliche Temperatur 11,2 °C. Sie ist tendenziell steigend. Sie betrug in den letzten zehn Jahren durchschnittlich 10,6 °C und in den letzten 100 Jahren waren es durchschnittlich 9,2 °C.
Zwischen Mai und August kann mit durchschnittlich 20–25 Sommertagen (klimatologische Bezeichnung für Tage, an denen die Maximaltemperatur 25 °C übersteigt) gerechnet werden.
Es gibt je nach Messmethode und Definition durchschnittlich etwa 1627–2275 Sonnenstunden pro Jahr.
Im Zeitraum 2012–2021 betrug die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge im Raum Essen (Oldb) 528 mm.
Geschichte Die Gemeinde Essen blickt auf eine über 1000-jährige Geschichte zurück. Eindeutige Funde aus der jüngeren Steinzeit (3000–1800 v. Chr.) weisen auf eine Besiedlung im Bereich der Gemeinde hin. So wurde in den Bauerschaften Bartmannsholte und Uptloh vom Staatlichen Museum für Naturkunde und Vorgeschichte in Oldenburg in einem Hügel reichhaltiges jungsteinzeitliches Material (Gefäße, Flachbeile und Feuersteinpfeilspitzen) gefunden.
Auch die Gräberfelder in den Ortsteilen Herbergen, Ahausen und in der Gegend um Nordholte und Calhorn geben Auskunft über die Existenz des vorgeschichtlichen Menschen im Gemeindegebiet.
mini|Im Museumsdorf Cloppenburg wieder aufgebautes Herrenhaus Arkenstede Anhand der Orts- und Flurnamen sowie schriftlicher Überlieferungen ist ersichtlich, dass in der Gemarkung Essen bereits im frühen Mittelalter mehrere Siedlungen vorhanden waren. Urkundlich erwähnt wurde Essen in einer Urkunde von 968, nach der die Gemahlin Alaburg oder Altburg des Gaugrafen Heinrich in Essen eine Basilika errichten ließ. In einer weiteren Urkunde verkündete Simon, Graf von Tecklenburg, dass ein Benediktinerinnenkloster gegründet werden soll. Das um 1157 gegründete Kloster der Benediktinerinnen brannte 1194 ab. Das Kloster wurde daraufhin als Kloster Malgarten neu gegründet. Um 1200 wurde die kurzlebige Burg Arkenau durch die Grafen von Tecklenburg bei der Bauerschaft Brokstreek gegründet. Bis 1400 verblieb Essen bei der Grafschaft Tecklenburg und gelangte nach dem Friedensvertrag mit Graf Nikolaus II. von Tecklenburg an das Hochstift Münster. In der Mitte des 15. Jahrhunderts entstanden die Adelsgüter Velthaus, Groß- und Klein-Arkenstede, Vehr, Lage und Calhorn.
Ebenfalls aus der Zeit Karls des Großen, unter dem das Münsterland in Gaue eingeteilt wurde, stammt die Einrichtung von Meierhöfen (Große Beilage, Crone-Münzebrock, Richthof). Zum Hasegau gehörten Essen, Löningen, Lastrup, Lindern, Menslage und Borg (heute Ortsteil von Menslage).
Zur Zeit der Reformation war unter Bischof Franz von Waldeck Essen rund 70 Jahre von 1543 bis 1613 lutherisch geprägt. In jener Zeit wirkte in dieser Region der evangelische Reformator Hermann Bonnus. Im Zuge der Gegenreformation unter Bischof Ferdinand von Bayern wurde die Region rekatholisiert.
Der große Brand in Essen von 1601 äscherte das halbe Dorf ein, so auch Kirche, Schule und Kaplanei. Die Kirche wurde provisorisch wiedererrichtet. Durch den Dreißigjährigen Krieg und seine Begleiterscheinungen (Pest von 1659, Pocken von 1661) erstarb das Leben in der Gemeinde fast völlig. 1651 zählte Essen nur noch 685 Einwohner; 1703 gab es etwa 3000 Einwohner.
1815 wurde durch den Wiener Kongress das Niederstift Münster mitsamt seinen damals fast ausschließlich katholischen Einwohnern – einschließlich dem Amt Cloppenburg und damit auch die Gemeinde Essen – dem Herzogtum Oldenburg zugeschlagen.
mini|Ufer der Lager Hase; im Hintergrund die katholische Pfarrkirche St. Bartholomäus Der Neubau der katholischen Pfarrkirche St. Bartolomäuserfolgte von 1870 bis 1875. Es erfolgte 1875 der Anschluss der Gemeinde Essen an die Oldenburger Südbahn (Oldenburg–Quakenbrück). 1888 wurde die Strecke Essen–Löningen dem Verkehr übergeben und Essen somit zum Eisenbahnknotenpunkt.