Der Wahlkreis Nürtingen (Wahlkreis 09) ist ein Landtagswahlkreis in Baden-Württemberg. Er umfasste bei der Landtagswahl 2021 die Gemeinden Aichtal, Altdorf, Altenriet, Bempflingen, Beuren, Filderstadt, Frickenhausen, Großbettlingen, Kohlberg, Leinfelden-Echterdingen, Neckartailfingen, Neckartenzlingen, Neuffen, Nürtingen und Schlaitdorf aus dem Landkreis Esslingen.
Die Grenzen der Landtagswahlkreise wurden nach der Kreisgebietsreform von 1973 zur Landtagswahl 1976 grundlegend neu zugeschnitten und seitdem nur punktuell geändert.Wahlkreiseinteilung von 1975 (PDF; 344 kB) Der Wahlkreis Nürtingen unterliegt durch seine Lage zwischen den Oberzentren Stuttgart und Reutlingen starkem Bevölkerungswachstum durch Suburbanisierung, was zur Landtagswahl 2011 eine Verkleinerung des Wahlkreises notwendig machte. Deswegen wurde die Gemeinde Wolfschlugen an den Wahlkreis Esslingen sowie die Gemeinden Oberboihingen und Unterensingen an den Wahlkreis Kirchheim angegliedert.
Wahl 2026 Die Wahl zum Landtag am 8. März 2026, bei der erstmals mit Vergabe einer Erst- und einer Zweitstimme gewählt wurde, brachte im Wahlkreis folgende Ergebnisse:
Neben der direkt gewählten Maren Steege (CDU) konnte ebenso Clara Schweizer (GRÜNE) über die Landesliste der Partei in den Landtag einziehen.
Wahl 2021
Die Landtagswahl 2021 hatte im Wahlkreis Nürtingen dieses Ergebnis:
Direktkandidat Partei Stimmen in % Landtagswahl 2016Stimmen in % Winfried Kretschmann Grüne 38,8 34,9 Thaddäus Kunzmann CDU 21,6 25,2 Dennis Birnstock FDP 11,6 9,1 Regina Birner SPD 9,2 10,5 Hansjörg Schrade AfD 9,1 14,4 Anil Besli Die Linke 2,6 2,1 Markus Mangold Freie Wähler 2,6 – Daniel Friesch Die PARTEI 1,4 0,7 Tansel Gündüz dieBasis 0,9 – Michael Buchmann ÖDP 0,7 0,7 Lena Crnjac KlimalisteBW 0,7 – Sabine Mayer-Paris WiR2020 0,5 – Kristin Bürkle DiB 0,4 –
Wahl 2016
Die Landtagswahl 2016 hatte folgendes Ergebnis:Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Wahlkreisergebnis (Abgerufen am 14. März 2016)
Direktkandidat Partei Stimmen in % Landtagswahl 2011 Winfried Kretschmann Grüne34,925,7 Thaddäus Kunzmann CDU25,239,7 Daniel Lindenschmid AfD14,4– Sebastian Schöneck SPD10,522,1 Michael Brodbeck FDP9,14,6 Peter Rauscher Die Linke2,12,0 Sebastian Kurz ALFA0,8– Andreas Bierlein Die PARTEI0,7– Michael Buchmann ödp0,70,8 Ingo Mörl PIRATEN0,71,8 Ulrich Deuschle REP0,61,8 René Schrade NPD0,20,7
Wahl 2011 Die Landtagswahl 2011 hatte folgendes Ergebnis: (Abgerufen am 20. April 2011)
Direktkandidat Partei Stimmen in % Landtagswahl 2006Stimmen in %umgerechnet auf die Wahlkreiseinteilung 2011 Thaddäus Kunzmann CDU39,741,1 Winfried Kretschmann Grüne25,713,8 Walter Bauer SPD22,123,1 Hosam el Miniawy FDP4,613,9 Peter Rauscher Die Linke2,0 WASG: 2,4 Jan Lüdtke-Reißmann PIRATEN1,8– Egon Eigenthaler REP1,83,8 Michael Buchmann ödp0,80,5 Ronnie Hellriegel NPD0,70,6 Anneliese Bauer Volksabstimmung0,50,5 Uwe Herthneck Die Violetten0,2– – Sonstige–0,2
Abgeordnete seit 1976 Seit der Landtagswahl 2026 wird ein Direktmandat durch die relative Mehrheit der Erststimmen bestimmt. Bis zur Wahl 2021 hatte jeder Wähler bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg nur eine Stimme, mit der sowohl der Direktkandidat als auch die Gesamtzahl der Sitze einer Partei im Landtag ermittelt werden.Landtag Baden-Württemberg: Erläuterung des Wahlrechts Dabei gab es keine Landes- oder Bezirkslisten, stattdessen wurden zur Herstellung des Verhältnisausgleichs unterlegenen Wahlkreisbewerbern Zweitmandate zugeteilt.
Die Vergabe der Zweitmandate erfolgte bis 2006 auf der Ebene der Regierungsbezirke in der Reihenfolge der absoluten Stimmenzahlen. Bedingt durch die überdurchschnittliche Größe des Wahlkreises war es im Wahlkreis Nürtingen für Bewerber der kleineren Parteien daher vergleichsweise leicht, ein Landtagsmandat zu erringen. Das begünstigte die Entwicklung zu einem Prominentenwahlkreis. Mit dem SPD-Landesvorsitzenden Nils Schmid, dem grünen Fraktionsvorsitzenden Winfried Kretschmann und dem früheren FDP-Fraktionsvorsitzenden Ulrich Noll sind hier derzeit gleich drei Parteien mit Spitzenpolitikern auf Landesebene vertreten. Durch die zur Wahl 2011 vorgenommene Änderung, nach der künftig der Stimmenanteil für die Zuteilung der Zweitmandate maßgeblich ist, war der erneute Gewinn eines Nürtinger Zweitmandates für die SPD unwahrscheinlich. Nils Schmid kandidierte daher zur Landtagswahl 2011 im für die SPD sicheren Wahlkreis Reutlingen.
Den Wahlkreis Nürtingen vertraten seit 1976 folgende Abgeordnete im Landtag:
Partei Art des Mandats Gewählte CDU Direktmandat Gerhard Mahler 1976Friedrich Volz 1980, 1984, verstorben am 16. Mai 1988Annemarie Hanke, nachgerückt am 20. Mai 1988; 1988, verstorben am 17. Februar 1992Ulrich Stechele, nachgerückt am 17. Februar 1992Jörg Döpper 1992, 1996, 2001, 2006Thaddäus Kunzmann 2011Maren Steege 2026 Grüne Direktmandat Winfried Kretschmann 2016, 2021 Zweit-/Listenmandat Winfried Kretschmann 1980, 1988, 1996, 2001, 2006, 2011Clara Schweizer 2026 SPD Zweitmandat Werner Weinmann 1976, 1980, 1984, 1988, 1992, 1996, verstorben am 13. Februar 1997Nils Schmid, nachgerückt am 20. Februar 1997; 2001, 2006 FDP Zweitmandat Friedrich Bergmann 1984Ulrich Noll 1996, 2001, 2006Dennis Birnstock 2021 REP Zweitmandat Egon Eigenthaler 1996
Zur Landtagswahl 1984 stellten die Grünen aufgrund eines Fristversäumnisses keine Kandidaten in den drei Wahlkreisen des Landkreises Esslingen auf. Dadurch wurde in Verbindung mit der Zweitmandatsregel indirekt der Landtagseinzug des FDP-Kandidaten Bergmann begünstigt.
Zur Landtagswahl 1992 kandidierte im Wahlkreis Nürtingen der als „Remstal-Rebell“ bekannte Bürgerrechtler Helmut Palmer als parteiloser Einzelbewerber und trug so entscheidend dazu bei, dass keine der drei kleineren Parteien ein Zweitmandat erringen konnte. Leidtragender war vor allem Winfried Kretschmann (Grüne), der sein Mandat trotz Stimmenzuwachses mit 207 Stimmen Rückstand auf Reinhard Hackl (Böblingen) verlor. Bei der Wahl 1980 hatte Kretschmann selbst sein Mandat allerdings mit nur 29 Stimmen Vorsprung auf Willi Hoss (Stuttgart I) gewonnen. (PDF; 74 kB)
Einzelnachweise
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