mini|Querung der B 27 mit Schutzbrücke Die Materialseilbahn Dotternhausen–Plettenberg ist eine von der Holcim (Süddeutschland) GmbH betriebene Lorenseilbahn in Baden-Württemberg.

Die Seilbahn ist als Umlaufseilbahn mit 126 Lorenwagen ausgelegt, die jeweils eine Tonne Material aufnehmen können. Sie verbindet in 2,3 km langer gerader Strecke das in Dotternhausen an der Bahnstrecke Balingen–Rottweil gelegene Zementwerk über die Bundesstraße 27 hinweg mit dem unternehmenseigenen Kalksteinbruch am Westhang des Plettenbergs am Fuße der Schwäbischen Alb, in dem täglich 4.000 Tonnen Weißer Jura abgebaut werden.

Verlauf Die Materialseilbahn befindet sich westlich bzw. südwestlich der Ortslage von Dotternhausen und verläuft schnurgerade in südöstlicher Richtung.

Sie beginnt auf dem Werksgelände der Holcim. Nach 105 Metern wird die Bundesstraße 27 (Stütze 2), nach 200 Metern die Schömberger Straße (Stütze 3) und nach 690 Metern die Plettenbergstraße (Stütze 6) überquert. Diese Überquerungen sind jeweils mit einer Brücke zum Schutz vor Ladungsverlusten der Loren gesichert. Bei Kilometer 1,13 (Stütze 9) verschwindet die Trasse größtenteils im bewaldeten Hang des Plettenbergs, die Schneise ist jedoch gut sichtbar. Im Wald werden mehrere Wald- und Forstwege gequert, welche jedoch nur noch mit Warnschildern gesichert sind. Ab Kilometer 1,75 verläuft die Plettenbergstraße für ca. 100 Meter (bei Stütze 12 und 13) parallel zur Trasse. Nach 2,303 Kilometern endet die Materialseilbahn in der Bergstation auf dem Plettenberg, rund 200 Meter nördlich des 1002 Meter hohen Gipfels.

In Bergrichtung sind die Loren leer, der Materialtransport erfolgt ausschließlich talwärts.

Ein Großteil der Trasse befindet sich auf Grundstücken der Gemeinde Dotternhausen. Der Betreiber Holcim zahlt dafür seit dem Neubau der Seilbahn in 2020 eine Pacht von 500 Euro pro Monat an die Gemeinde.

Geschichte Erste Bahn Die erste Materialseilbahn wurde 1942 von der British Ropeway Engineering Company, kurz BRECO, gebaut. Sie hatte 65 Lorenwagen, die jeweils 1,7 Tonnen Material aufnehmen konnten. Die Strecke wurde von 13 Stützbauwerken getragen. Die Anlagen dieser Seilbahn wurden 1971 umfassend saniert.

Neubau Planung und Bau Der Planfeststellungsbeschluss für eine neue Materialseilbahn mit einer größeren Förderleistung wurde durch das Regierungspräsidium Tübingen im Dezember 2019 erlassen. Im September 2020 wurde die alte Seilbahn komplett demontiert und bis November des Jahres wurde gebaut. Berg- und Talstation sowie die Trasse wurden nicht verändert. Es wurden zwei Stützen abgerissen und fünf neu errichtet, sodass die Strecke nunmehr von 16 Stützen getragen wird.

Förderleistung und Personenbeförderung Die Seilbahn ist eine automatisch kuppelbare Einseilumlaufbahn mit 126 Loren, zusätzlich gibt es vier Ersatzloren sowie ein Wartungsfahrzeug. Die maximale Förderleistung liegt bei 450 t/h bei einer maximalen Fahrgeschwindigkeit von 6,0 m/s. Der Antrieb wurde in der Talstation als Oberflurantrieb errichtet, die Garagierung in der Bergstation. Pro Lore kann 1 t Material transportiert werden.

Es ist zudem möglich, mit der Seilbahn auch Personen zu transportieren, dazu stehen fünf Kabinen mit jeweils vier Sitzplätzen bereit. Allerdings werden nur Mitarbeiter transportiert, auch die neue Bahn ist nicht öffentlich zugänglich.

+Technische DatenPositionKennzahlLänge:2.303,2Höhenunterschied:311,3Fahrgeschwindigkeit:max. 6,0 m/sFörderleistung:max. 450 t/hDauerleistung:165 kWAnfahrtsleistung:290 kWAuffahrtsseite:Rechts (gegen den Uhrzeigersinn)Seildurchmesser:54 mmSpurweite:5 m

Betrieb Bei gleichbleibender Abbauleistung von 4.000 Tonnen je Arbeitstag auf dem Plettenberg sollte der Wochenendbetrieb der Materialseilbahn eingestellt werden. Dazu wurde ihre Förderkapazität von 300 auf 450 t/h erhöht, was zu einer Reduzierung der täglichen Nettobetriebszeit von ca. 13,5 auf 9 Stunden führen sollte. Die Sicherheitsstandards und die Lärmminderung sollten durch den Neubau verbessert werden. Geplant war die Reduzierung der täglichen Betriebszeiten von 6 bis 22 Uhr auf 6 bis 18 Uhr.

Nach der Fertigstellung Ende 2020 waren allerdings die Lärmemissionen im nicht akzeptablen Bereich, weswegen der Regelbetrieb zunächst nicht aufgenommen werden konnte. Seit Inbetriebnahme war die Seilbahntrasse durch einen Zaun abgegrenzt, um notwendige Arbeiten zur Lärmminderung abzusichern. Bis Spätsommer 2021 sollten die Umbaumaßnahmen zur Lärmreduzierung fertiggestellt sein, was jedoch nicht vollumfänglich erreicht wurde. Das Regierungspräsidium erteilte daraufhin zunächst nur eine befristete Betriebserlaubnis unter Auflagen, diese sollten bis 31. Oktober 2023 erfüllt werden.

Nach weiteren Nachbesserungen erteilte das Regierungspräsidium am 27. Oktober 2023 die Betriebsgenehmigung für die Seilbahn. Es gelten allerdings weiterhin die Einschränkungen, dass die Bahn nur mit max. 4,8 m/s gefahren und nur an Werktagen von 6 bis 22 Uhr betrieben werden darf.Betriebserlaubnis für Plettenberg-Seilbahn erteilt Pressemitteilung des Regierungspräsidiums Freiburg

Einzelnachweise

Kategorie:Luftseilbahn in Baden-Württemberg Kategorie:Luftseilbahn in Europa Kategorie:Bauwerk in Dotternhausen Kategorie:Erbaut 1942 Kategorie:Verkehrsbauwerk im Zollernalbkreis