mini|Kristina Schröder (2019) rahmenlos|klasse=skin-invert-image
Kristina Schröder (geborene Kristina Köhler; * 3. August 1977 in Wiesbaden) ist eine deutsche Politikerin der CDU, für die sie von 2002 bis 2017 als Abgeordnete im Deutschen Bundestag saß. Von November 2009 bis Dezember 2013 war sie Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Kabinett Merkel II.
Leben Ausbildung und Beruf Schröder ist die Tochter des Oberamtsanwalts Helmut Köhler, der als ehemaliger Rallye-Beifahrer, zumeist als Copilot des Rennfahrers Horst Rack, und späterer DMSB-Offizieller in der deutschen Motorsportszene bekannt ist.eWRC results: Rallye-Resultate Helmut Köhler 1965–1979 Ihre Mutter ist Immobilienmaklerin.Sven Becker, Lutz Kinkel: Von wegen „Küken“., stern.de vom 1. Dezember 2009. Schröder absolvierte 1997 an der Diltheyschule in Wiesbaden ihr Abitur und studierte danach an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz Soziologie, Mittlere und Neue Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaft. 2002 schloss Schröder ihr Studium als Diplom-Soziologin ab. Während ihres Studiums war sie von 1997 bis 2002 als Mitarbeiterin bei der hessischen CDU-Landtagsabgeordneten Birgit Zeimetz-Lorz und von 1998 bis 2002 als studentische Hilfskraft am Institut für Soziologie der Universität Mainz tätig. Schröder führt seit 2018 eine eigene Beratungsfirma namens Kristina Schröder Consulting GmbH. Sie ist zudem Gründungsmitglied des 2021 gestarteten Thinktanks Republik21 und startete 2025 gemeinsam mit der Jungen Union Hessen die Union Academy, in der junge politische Führungskräfte der Hessen-CDU ausgebildet werden sollen.
Promotion Parallel zu ihrer Abgeordnetentätigkeit im Bundestag ab 2002 wurde Schröder bis April 2009 bei Jürgen W. Falter am Institut für Politikwissenschaft der Universität Mainz nach der Vorlage einer Studie über Gerechtigkeit als Gleichheit promoviert. Die Studie untersuchte, wie sich die Wertvorstellungen der CDU-Bundestagsabgeordneten von denen der übrigen CDU-Mitglieder unterschieden. Im Januar 2010 wurden Vorwürfe gegen Schröder laut, sie habe Teile ihrer Dissertation durch Hilfskräfte anfertigen lassen. Der Präsident der Universität, Georg Krausch, stellte klar, dass es keinen Hinweis auf ein mögliches wissenschaftliches Fehlverhalten der Kandidatin gebe; Zuarbeiten von Hilfskräften seien „wissenschaftlich legitim und im Rahmen vieler Dissertationen üblich“. Zudem waren der Doktorvater Falter und die Hilfskraft bereit, eidesstattlich zu versichern, dass alles korrekt ablief.Matthias Thieme: In: Frankfurter Rundschau vom 16. Januar 2010, abgerufen am 27. Januar 2010.Thorsten Denkler: Das schwarze Netz von Frau Doktor. In: Süddeutsche Zeitung vom 30. November 2009, abgerufen am 23. Februar 2011.
Partei Schröder trat als Schülerin 1991 in die Junge Union (JU) und 1994 auch in die CDU ein. Sie gehört seit 1992 dem JU-Kreisvorstand in Wiesbaden an und war von 1997 bis 2003 JU-Kreisvorsitzende. Schröder gehört seit 1995 dem CDU-Bezirksvorstand Westhessen und seit 2002 dem Landesvorstand der CDU Hessen an. Seit 2013 ist sie Ehrenvorsitzende der Jungen Union Wiesbaden.Lebenslauf. Vom 7. Juni 2019.Kristina Schröder ist neue Ehrenvorsitzende der Jungen Union Wiesbaden. Vom 7. Juni 2019. Seit 2024 ist sie Vorsitzende des Kuratoriums der „Union Academy“, einem Nachwuchsförderprogramm der CDU Hessen und der Jungen Union Hessen.
Abgeordnete Schröder gehörte von 2000 bis 2001 der Stadtverordnetenversammlung von Wiesbaden an.
Von der Bundestagswahl im Herbst 2002 bis zur Bundestagswahl 2017 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages. Dort war sie ordentliches Mitglied im Innenausschuss und Berichterstatterin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Islam, Integration und Extremismus. Ab November 2008 war sie Obfrau der CDU/CSU-Fraktion in dem 2006 eingesetzten und im Juni 2009 beendeten BND-Untersuchungsausschuss (Kurnaz-Untersuchungsausschuss).
Schröder zog bei der Bundestagswahl 2002 und 2005 über die Landesliste Hessen in den Deutschen Bundestag ein. Bei der Bundestagswahl 2009 gewann sie das Direktmandat im Wahlkreis Wiesbaden mit 40,8 % gegen die damalige Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (32,6 %). Auch bei der Bundestagswahl 2013 erhielt sie die meisten Wählerstimmen und damit das Mandat. Bei der Bundestagswahl 2017 kandidierte sie nicht mehr für das Parlament.
Familienministerin Am 30. November 2009, etwa fünf Wochen nach dem Amtsantritt des Kabinetts Merkel II, kam es zu einer Kabinettsumbildung, nachdem Bundesarbeitsminister Franz Josef Jung zurückgetreten war. Schröder wurde infolgedessen Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend; die bisherige Ministerin Ursula von der Leyen wurde Arbeitsministerin. Am 2. Dezember 2009 wurde Schröder vor dem Deutschen Bundestag vereidigt.
mini|hochkant|Kristina Schröder auf dem Maschinenbaugipfel 2012
Im Anschluss an ihren Amtsantritt als Bundesfamilienministerin unterstützte Schröder weitgehend die Familienpolitik ihrer Vorgängerin von der Leyen, forderte aber beim umstrittenen Betreuungsgeld sowohl Barzahlungen wie auch Gutscheine und sprach von einem „schweren Zielkonflikt“.Köhler folgt von der Leyens Kurs. Die Zeit, 28. November 2009. Ebenso kündigte sie an, dass alle familienpolitischen Leistungen des Staates „vom Ehegattensplitting bis zum Kindergeld“ bis 2013 evaluiert werden sollen. Ziel sei „nicht eine Kürzung der Mittel, sondern ihr effizienter Einsatz“. In: RP-Online vom 31. Januar 2010.
Im Februar 2010 sprach sie sich in einem Interview mit Spiegel Online für die Einführung eines „Forum Internet“ aus, in dem sie Experten aus diesem Bereich (wie zum Beispiel dem Chaos Computer Club) die Möglichkeit geben wollte, an Gesetzesentwürfen, die das Internet und Dazugehöriges betreffen, in Form einer virtuellen Diskussionsrunde teilzunehmen. Außerdem strebte sie ein Treffen mit der Piratenpartei Deutschland an, um mit ihnen über den umstrittenen Jugendmedienschutz-Staatsvertrag zu diskutieren.Familienministerin Schröder rüffelt von der Leyen. In: Spiegel Online vom 25. Februar 2010.
Sie sprach sich 2010 für einen Rechtsanspruch auf eine bis zu zwei Jahre dauernde Familienpflegezeit mit halber Arbeitszeit aus. Der Arbeitnehmer solle dabei während dieser Zeit und für einen ebenso langen darauf folgenden Zeitraum jeweils 75 % des Gehalts beziehen.Schröder fordert Recht auf zwei Jahre Pflegezeit. In: Spiegel Online vom 3. März 2010. Betriebe mit weniger als 250 Beschäftigten sollen die Lohnaufstockung während der Pflegezeit als zinslosen Kredit von der KfW Bankengruppe erhalten können.
In einem Interview mit Focus sprach sie sich im Mai 2010 für eine Ausdehnung der zwei nicht übertragbaren Monate (so genannte „Vätermonate“) des Elterngeldes auf vier Monate aus. Sie arbeite auch an einem Teilelterngeld, das jedem Elternteil ermöglichen solle, zwölf Monate lang in Teilzeit zu arbeiten. Zudem kündigte sie an, gemeinsam mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) eine Kampagne zu starten, die unter dem Motto Vollzeitnahe Teilzeitarbeit Unternehmen dafür gewinnen soll, beiden Elternteilen die Möglichkeit zu geben, für die Erziehung der Kinder eine gewisse Zeit die berufliche Arbeitszeit zu reduzieren. Sie führte als Beispiel eine 30-Stunden-Arbeitswoche für beide Partner an. Die Pläne der Novellierung des Elterngelds sollten durch eine Erweiterung des Elterngeldanspruchs beider Elternteile von 14 auf insgesamt 16 Monate umgesetzt werden; dem widersetzte sich das Finanzministerium. Die Pläne scheiterten ein Jahr später endgültig.Felix Berth: Arbeit statt Babypause. In: Süddeutsche.de vom 11. April 2011.
Im Oktober 2010 startete sie mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag die Initiative für „familienbewusste Arbeitszeiten“. Sie forderte Unternehmen auf, mehr „Teilzeitplus“-Stellen mit einem Arbeitsumfang von 30 bis 35 Stunden anzubieten. Sie betonte, für 90 Prozent der Eltern sei bei der Wahl des Arbeitgebers die Familienfreundlichkeit mindestens ebenso wichtig wie das Gehalt. Die tatsächlichen Arbeitszeiten entsprächen oft nicht den Wünschen der Beschäftigten. Als Beispiele für eine mögliche Ausrichtung betrieblicher Abläufe an Familien nannte sie dabei einen Beginn betrieblicher Besprechungen vor 16 Uhr, einen Vorrang für Eltern beim Urlaub in den Schulferien, die Gleitzeit, Teilzeitmodelle mit 70 bis 80 Prozent der Vollarbeit und Langzeitkonten.
In einem Grundsatzpapier der Hessen-CDU, in dem mehr Möglichkeiten zur Freistellung oder Teilzeitarbeit für Eltern sowie Lebensarbeitszeitkonten gefordert werden, wird Schröders Aussage zitiert, Zeit für die Familie sei die eigentliche „Leitwährung moderner Familienpolitik“.
Im November 2011 warfen ihr die Ersteller der Studie Zwangsverheiratung in Deutschland vor, dass durch ihre Formulierungen in einem FAZ-Gastbeitrag die Gefahr bestünde, dass anti-muslimische Ressentiments Auftrieb erhielten. Die Studie war im Auftrag des Familienministeriums erstellt worden. Schröder hatte nach Auffassung der Wissenschaftler die Ergebnisse der Studie „schlichtweg falsch“ wiedergegeben. Unter anderem habe sie „angedrohte Straftaten mit tatsächlich stattgefundenen gleichgesetzt“ und aufgrund nicht belastbar ermittelter Daten die Behauptung aufgestellt, dass 83,4 Prozent der Betroffenen muslimische Eltern hätten. Schröder hielt dem entgegen, dass sie die Aufteilung zwischen Opfern versuchter und vollendeter Straftaten für zynisch halte. Sebastian Edathy (SPD) warf ihr vor, nicht auf Inhalte zu setzen, sondern ideologisch zu handeln. Er legte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Entlassung Schröders nahe.
Am Abend der Bundestagswahl 2013 teilte sie mit, dass sie künftig nur noch Bundestagsabgeordnete für ihren Wiesbadener Wahlkreis sein wollte; sie wolle mehr Zeit für ihre Tochter haben.FAZ: Kristina Schröder will mehr Zeit für Lotte.Interview; Süddeutsche Zeitung. Am 7. April 2016 teilte Schröder mit, dass sie zur Bundestagswahl 2017 nicht antreten werde.FAZ.net: CDU Abgeordnete Kristina Schröder zieht sich aus Bundestag zurück. 7. April 2016
Sonstiges Engagement Schröder war Mitglied der Europa-Union Parlamentariergruppe Deutscher Bundestag und amtierte vom 7. Dezember 2011 bis zum 30. November 2017 als Präsidentin der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung. Sie schreibt seit November 2017 als Kolumnistin für die Tageszeitung Die WeltLust an der Auseinandersetzung, Die Welt, 1. November 2017 und ist seit Sommer 2020 ehrenamtliche Botschafterin der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, eine Lobbyorganisation, die ausschließlich von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie finanziert wird.Webseite der Initiative Neue Soziale MarktwirtschaftInitiative Neue Soziale Marktwirtschaft: Wer trägt die INSM, Zugriff am 1. Oktober 2025
Im November 2021 gründete sie mit 14 weiteren Personen die von Andreas Rödder geleitete rechtskonservative Denkfabrik Republik21, die sich aus Spenden chemienaher Unternehmer sowie durch staatliche Förderung finanziert und deren Geschäftsführer von 2024 bis Juni 2026 der FDP-Politiker Martin Hagen war.Lobbyregister des Deutschen Bundestages, Registernummer: R004107, Ersteintrag: 7. April 2022, Stand: 1. Oktober 2025 Laut eigener Aussage soll Republik21 neue Konzepte bürgerlicher Politik entwickeln.Stefan Sessler, Christian Deutschländer, Georg Anastasiadis: Nach 16 Jahren Merkel: Ex-Ministerin Kristina Schröder will mit Denkfabrik neue Konzepte bürgerlicher Politik entwickeln, merkur.de, 11. November 2021 Schröder fungiert als stellvertretende Leiterin der Denkfabrik.
Seit 2022 ist sie im Vorstand von Hessischer Kreis e. V. Im August 2022 tat sie sich als Kritikerin der Maßnahmen gegen die COVID-19-Pandemie in Deutschland hervor, für die sie eine gesellschaftliche Aufarbeitung fordert.Katja Thorwarth: Tote Ärztin Kellermayr: Diffamierung von AfD, Reichelt und Impfgegnern offenbaren Abgründe, fr.de, 5. August 2022
Privatleben