Ruppertsburg ist ein Ortsteil der Stadt Laubach im mittelhessischen Landkreis Gießen. Zum Ortsteil gehören auch die Siedlungsplätze Friedrichshütte und Henriettenhof.

Geografische Lage Ruppertsburg liegt auf einem Bergrücken am Rande des Naturparks Vulkanregion Vogelsberg an der Horloff, südwestlich von Laubach.

Durch den Ort führt die Landesstraße 3137. Die Bahnstrecke Villingen–Friedrichshütte verlief von 1890 bis zur Stilllegung im Jahre 1959 durch den Ort.

Ortsgeschichte mini|hochkant|Die 1757 eingeweihte Kirche mini|Alte Glocken aus der Buderus’schen Eisengießerei am Eingang der Kirche Mittelalter 1183 beurkundete Abt Siegfried von Hersfeld, dass der Landrücken oberhalb der Horloff, Ruberstisberc genannt, bislang unbesiedelt und unbewohnt war: „Notum sit ... quod nos (Abt Siegfried) montem qui Rupertisberc dicitur incultum et absque habistione invenimus.“ (Bekannt sei, ... dass wir, Abt Siegfried, den Berg, der Rubertisberc genannt wird, als unbewohnt und unbebaut vorfinden.)Helfrich Bernhard Wenck: Hessische Landesgeschichte II mit einem Urkundenbuch. Band III. Nr. 84, S. 83. Frankfurt am Main und Leipzig 1789. Abt Siegfried betont, dass er den Berg ohne die Hilfe des Reichsministerialen und Vogtes Kuno I. von Münzenberg nicht urbar machen könne. Daher belehnte der Abt diesen mit der Hälfte der jetzigen und künftigen Erträge der künftigen Ansiedlung. Diese Siedlung entstand auf einem Landrücken, der nach drei Seiten steil abfällt.Philipp Debus: Ruppertsburger Heimatgeschichte. Ruppertsburg 1954. S. 2.

Folgende historische Formen des Ortsnamens sind im Mittelalter belegt: 1366 heißt es in einer Urkunde „... an deme habe (Hof) zu Ruperathisburg“.Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1 - 5. Band 1: Starkenburg und Oberhessen. Darmstadt 1860 - 1873.Nr. 1009. Des Weiteren wird 1378 „... czu Rupperachtisburg vßwendig dez dorffes (außerhalb des Dorfes) ...“ erwähnt.Ludwig Baur: Hessische Urkunden 1, Nr. 1102. Hier wird erstmals die Siedlungsform Dorf für Ruppertsburg genannt. Der Ortsname lässt sich als „Siedlung auf dem Ruppertsberg“ deuten. Die Existenz einer Burg ist nicht belegbar.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 319. Der Personenname Ruppert liegt auch im Ortsnamen Ruppertenrod vor.

Nach dem Aussterben der Münzenberger fiel der Ort an die Grafen von Falkenstein (hessisches Adelsgeschlecht). In der Münzenberger Zeit spielt der Dokumentarfilm „Ein Tag auf Burg Münzenberg 1218“ in der TV-Reihe Terra X von 2022, welcher von Dieter Wolf wissenschaftlich betreut wurde, und u. a. von einer fiktiven Mühle zu Ruppertsburg in Münzenberger Besitz handelt.

1397 erhielt Graf Philipp VII. von Falkenstein-Münzenberg von König Wenzel die Erlaubnis zur Errichtung eines Galgens an dem Ort.

Bis Mitte des 13. Jahrhunderts zur Herrschaft Münzenberg gehörend, gelangte der Ort nach dem Tode Ulrichs II. von Münzenberg im Zuge der Münzenberger Erbschaft an die Grafen von Falkenstein. Nach deren Aussterben an die Grafen zu Solms und in Nachfolge der Solms’schen Teilung im Jahr 1432 an die Johannische Linie des Hauses Solms. Aus dieser Linie entstand die Linie Solms-Laubach.

Laut den Solmser Urkunden zahlten die Einwohner von Ruppertsburg im Jahr 1450 eine jährliche Bede von 40 Gulden an ihren Grundherren, den Grafen Johann von Solms. Dazu verpachtete er ihnen ab diesem Jahr für zusätzliche zwei Gulden den zwischen Ruppertsburg und dem gewüsteten Dorf Horloff gelegenen Wald, den sogenannten Horloffer Steinbühl, vorbehaltlich einer Wiederbesiedlung von Horloff.

Auch das Kloster Arnsburg hatte Besitzungen in Ruppertsburg; diese wurden 1489 an das Antoniterkloster Grünberg verkauft.Albrecht Eckhardt (unter Mitarbeit von Friedrich Schunder): Die oberhessischen Klöster. Regesten und Urkunden. Teil 3,1: Regesten Band 2. Marburg: Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, 1977.

Neuzeit Verwaltungsrechtlich gehörte Ruppertsburg 1820 zum Amt Laubach, wurde 1822 dem Kreis Hungen und 1837 dem Landkreis Grünberg zugeordnet. 1848 kam Ruppertsburg zum Regierungsbezirk Gießen, 1852 in den Kreis Schotten und 1938 in den Kreis Gießen bzw. von 1977 bis 1979 in den Lahn-Dill-Kreis alten Zuschnitts.

Bis 1548 gehörte Ruppertsburg zur Pfarrei Laubach, danach wurde es Filialgemeinde von Gonterskirchen. 1720 wurde die Kirchengemeinde eigenständig, als erster Pfarrer wird Johann Theodor Seiler (bis 1725) genannt. Das Kirchenpatronat lag bei den Grafen zu Solms-Laubach. 1757 wurde nach siebenjähriger Bauzeit die Kirche eingeweiht.

Für 1830 sind elf Einwohner jüdischer Religion verzeichnet, 1932 lebten zwei jüdische Familien im Ort. 1965 waren von 790 Einwohnern 50 katholischen Glaubens.

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die Gemeinde Ruppertsburg am 31. Dezember 1970 auf freiwilliger Basis in die Stadt Laubach eingemeindet. Für den Stadtteil Ruppertsburg wurde, wie für die anderen eingemeindeten ehemals eigenständigen Gemeinden von Laubach, je ein Ortsbezirk eingerichtet.

Wirtschaftsgeschichte 1409 kaufte Philipp von Falkenstein bei den Brüdern Bilgram von Ruppertsburg Land bei der Mühle von Ruppertsburg.Friedrich Battenberg: Solmser Urkunden. Regesten zu den Urkundenbeständen und Kopiaren der Grafen und Fürsten von Solms im Staatsarchiv Darmstadt (Ab. B 9 und F 24 B), im gräflichen Archiv zu Laubach und im fürstlichen Archiv zu Lich, 1131-1913. = Hrsg. Hessische Historische Kommission Darmstadt 1986. = Repertorien des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt 151-5. Band 1. Nr. 734. In weiteren Solmser Urkunden finden sich in den Jahren 1557 sowie 1631 und in den folgenden Jahren Mühlen beurkundet.

Im Jahre 1707 gründete Graf Friedrich Ernst zu Solms-Laubach am Rand der Gemarkung Ruppertsburg in Richtung Gonterskirchen die Friedrichshütte. Sie besteht noch heute. Im Jahre 1717 übernahm Johann Wilhelm Buderus I zunächst die Gesamtleitung des Hüttenbetriebes, ab dem 14. März 1731 dann als Pächter. Dieses Datum gilt als Gründungsdatum der heute weltweit agierenden Buderus AG. Die Friedrichshütte selbst wurde 1870 von Julius Römheld gepachtet, der sie 1879 um ein Eisenwerk erweiterte. Die heutige Maschinenfabrik Römheld in Ruppertsburg wurde 1967 errichtet und ist der größte Arbeitgeber im Ort.Geschichte der Friedrichshütte auf der Website der Römheld-Gruppe.

Die kunstgeschichtlich interessante Grabstätte der Familie Buderus befand sich bis 2002 in Ruppertsburg. Bis 2017 befanden sich die Grabmale im Firmenmuseum der Buderus AG in Hirzenhain und wurden durch den Heimatkundlichen Geschichtsverein Ruppertsburg wieder zurückgeholt. Heute befinden sie sich auf dem Friedhof in Ruppertsburg.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Ruppertsburg angehört(e):

vor 1806: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Laubach (Anteil an der Herrschaft Münzenberg), Amt Laubach (des Grafen Solms-Laubach) ab 1806: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande),Mediatisierung infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Amt Laubach (des Grafen Solms-Laubach) ab 1815: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande), Provinz Oberhessen, Amt Laubach (des Grafen Solms-Laubach) ab 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt LaubachPatrimonialgericht: Standesherrliches Amt Laubach des Grafen Solms-Laubach. ab 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk HungenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Laubach; 1822 gingen die Rechte des „standesherrlichen Amts Laubach“ an das Landgericht über, wo sie im Namen der Standesherren ausgeübt wurden) und Verwaltung. ab 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Deutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Schotten ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis GießenIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt LaubachAm 31. Dezember 1970 wurde Ruppertsburg als Stadtteil nach Laubach eingegliedert. ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Stadt Laubach ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Laubach ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Stadt Laubach

Gerichtszugehörigkeit seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Ruppertsburg ab 1806 das „Patrimonialgericht der Grafen Solms-Laubach“ in Laubach zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Die zweite Instanz für die Patrimonialgerichte waren die standesherrlichen Justizkanzleien. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. Ab 1822 ließen die Grafen Solms-Laubach ihre Rechte am Gericht durch das Großherzogtum Hessen in ihrem Namen ausüben. „Landgericht Laubach“ war daher die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Ruppertsburg zuständig war. Auch auf sein Recht auf die zweite Instanz, die durch die Justizkanzlei in Hungen ausgeübt wurde, verzichtete der Graf 1823. Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Laubach“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen. Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts, die Gemeinde Ruppertsburg wurde dem Sprengel des Amtsgerichts Gießen zugelegt. Die übergeordneten Instanzen sind jetzt das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011