Hornburg ist ein Ortsteil der Gemeinde Seegebiet Mansfelder Land im Landkreis Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt und liegt rund 8 km südsüdöstlich von Eisleben unweit der B 180.
links|mini|hochkant=0.4|alt=Schwarzweiß-Bild, ein wappenähnlicher Rahmen, in der Mitte ein liegendes Füllhorn, aus seiner offenen, linken Seite ragen viele kleine Blumen-Blüten heraus|Siegelbild von Hornburg
Geographie und Geologie Hornburg liegt im Südosten des Landkreises Mansfeld-Südharz, ca. 500 m nördlich der Bundesautobahn 38. Nach diesem Dorf ist der sich von hier aus in Richtung Nordwesten erstreckende Höhenzug des Hornburger Sattels benannt, der den östlichsten Ausläufer des Mittelgebirges Harz darstellt. Hornburg liegt dabei nahe der Wasserscheide zwischen der Rohne im Westen und der Salza im Osten. Das Gelände erreicht am Talberg westlich des Dorfes Höhen von . Die Dorfkirche steht auf einer Höhe von ca. .
Zum Ortsteil Hornburg gehört die Siedlung Holzzelle, das etwa zwei Kilometer nördlich von Hornburg liegt, und das Vorwerk Äbtischrode, das 2,5 Kilometer nördlich liegt.
Die Geologie von Hornburg wird maßgeblich durch den sogenannten Hornburger Sattel geprägt. Dabei handelt es sich um einen langgestreckten, bis etwa 320 m hohen Bergrücken im südöstlichen Harzvorland. Geologisch bildet der Sattel eine tektonische Aufwölbung (Antiklinale), die die Mansfelder Mulde im Nordosten von der Sangerhäuser Mulde im Südwesten trennt. Durch tektonische Bewegungen wurden die Gesteinsschichten hier angehoben und teilweise entlang der Hornburger Tiefenstörung versetzt, die die Südostbegrenzung des Sattels darstellt. mini|Hornburger Sattel Der Hornburger Sattel besteht überwiegend aus Sedimentgesteinen des Perm und der frühen Trias (vor etwa 300-250 Mio. Jahren). Dazu gehören vor allem Zechstein- und Buntsandstein-Schichten, die aus diversen Sandsteinen und Tonsteinen bestehen. Der rote und weiße Sandstein schmückt heute auch die Fassaden vieler Hornburger Bauwerke. In den sogenannten Hornburger Schichten treten unter anderem Quarzitansammlungen, Schieferton und Sandsteine auf. Darüber folgen jüngere Ablagerungen, unter anderem die Eislebener Schichten und der Untere Zechstein. mini|Hervorstehendes Gestein am Galgenberg In einigen Bereichen ist auch der Kupferschiefer aufgeschlossen, der im Mansfelder Land eine wichtige Rolle für den historischen Bergbau spielte. Zusätzlich werden viele Gesteinsschichten von eiszeitlichen Ablagerungen wie Löss, Sanden und Kiesen überdeckt.
Geschichte Die Ursprünge der Besiedlung reichen zurück bis in der Jungsteinzeit, vor rund 7000 bis 5000 Jahren. Funde von Linienbandkeramik und Randscherben belegen, dass sich frühe germanische Siedler in dieser Gegend niederließen. Eine ungleichmäßig wachsende Vegetation deckt im Sommer Kreise auf dem Feld südwestlich des Fichtenberges auf, die ebenfalls auf Grabfelder aus dieser Zeit hindeuten. Diese frühen Gemeinschaften verschwanden jedoch spätestens mit der Zeit der Völkerwanderung.
Erst im frühen Mittelalter, etwa im 8. Jahrhundert, gewann die Region wieder an Bedeutung. Vermutlich ließ sich ein Ritter oder Edelmann von den bewaldeten Hügeln und der markanten Landschaft begeistern und errichtete auf dem heutigen Fichtenberg eine hölzerne Burganlage, geschützt durch Erdwälle. Archäologische Funde von Schutt und Mauerresten bestätigen diesen Standort. Der Berg selbst, dessen Form an ein Horn erinnert, gab der Anlage ihren Namen, „Hornee“ oder „Horneie“, also die Burg auf dem Horne. Einer Überlieferung zufolge trug der Burgherr ein wundersames goldenes Horn bei sich, das heute noch als Symbol mit Blumen gefüllt im Ortswappen zu finden ist sowie die Fassade des Dorfgemeinschaftshauses ziert.
Da der Burgplatz jedoch begrenzt war, siedelte sich das Gefolge im Südosten entlang eines Wasserlaufs, dem Hornburger Graben an, der als Lebensader diente. In einem zwischen 881 und 899 entstandenen Verzeichnis des Zehnten des Klosters Hersfeld wird Hornburg als zehntpflichtiger Ort Hornberc im Friesenfeld erstmals urkundlich erwähnt und musste Abgaben an dieses entrichten. Interessanterweise wird darin keine Burg mehr erwähnt, was darauf hindeutet, dass sie zu diesem Zeitpunkt bereits verfallen oder zerstört war. Das Holz könnte dann genutzt worden sein, um Gebäude im Ort zu errichten.
Mit der Gründung des Benediktiner Klosters Holzzelle im 9. Jahrhundert, womöglich durch die letzte Besitzerin der Burg, eine Dynastin der Hornee, die in der Chronik genannt wird, brach eine neue Zeit an. Auch der Bau der Dorfkirche St. Ulrich geht auf diese Zeit zurück. Ihr ungewöhnlich nach Osten ausgerichteter Turm deutet darauf hin, dass er ursprünglich als eigenständige Kapelle diente. Erst in der Romanik musste dann das Kirchenschiff Richtung Westen angebaut werden, da östlich ein steiler Abhang klafft. Es gab sogar Pläne, einen weiteren mit Schiefer verkleideten Turm im Westen anzubauen, die jedoch wegen baulichen Schwierigkeiten verworfen werden mussten. mini|Pläne zur Kirchenerweiterung von 1914 Im Umfeld, nordöstlich der heutigen Ortslage entstanden in dieser Zeit die weiteren kleinen Siedlungen Klein-Hornburg, welches in das heutige Hornburg eingepfarrt war, Westdorf, Hornberg und Pohlingen. Diese verschwanden jedoch im Laufe des Mittelalters wieder. Die Bewohner zogen vermutlich nach Hornburg und aus den Siedlungen wurden Wüstungen. Ihre Existenz ist heute nur noch durch Flurnamen wie dem Polischen Grund und archäologische Spuren belegt.
Um 1200 hatten dann Edelherren von Querfurt den Besitz des Dorfes inne. 1217 schenkten die Gebrüder Burchard und Gebhart zu Querfurt dem Sankt Marienhospital an der Brücke zu Halle mehrere Gehölze bei Hornburg.
Die folgenden Jahrhunderte waren von Krisen geprägt. Pestepidemien suchten die Region immer wieder heim, besonders zwischen dem späten 16. und 17. Jahrhundert. Zwischen 1636 und 1639 war das Dorf nahezu menschenleer, es sollen nur noch zwei Bauernhöfe bewohnt gewesen sein, da viele Bewohner in den nahegelegenen Wäldern Schutz vor dem schwarzen Tod suchten. Auch der Fichtenberg erhielt in dieser Zeit eine düstere Bedeutung. Auf seiner Spitze soll ein Galgen errichtet worden sein, weshalb er in einigen Quellen als Galgenberg benannt wurde. Er sollte abschreckend wirken, diente aber wohl auch als Grabhügel, was durch unzählige gefundene Urnen belegt wird. Es lässt sich leicht erkennen, dass der Berg von Menschenhand bearbeitet und später auch als Obstplantage genutzt wurde.
Spätestens ab dem 16. Jahrhundert stand der Ort Hornburg unter der Herrschaft der Grafen von Mansfeld, die es dem Kloster Holzzelle unterstellten. Das Dorf, das nun von drei Windmühlen umringt war, blühte in der Landwirtschaft wieder auf, bis der Dreißigjährige Krieg im Jahr 1618 ausbricht und damit diese Entwicklung unterbrach. Kriegszüge, Plünderungen und Seuchen führten zu einem dramatischen Bevölkerungsrückgang.
Auch in den folgenden Jahrhunderten blieb die Gegend nicht von Konflikten verschont. Immer wieder zogen preußische, französische und schwäbische Truppen durch den Ort, forderten Einquartierungen, Abgaben von Tausenden Talern und Versorgung. Erst mit dem Sieg Preußens wurde das Gebiet neu geordnet und dem damaligen Mansfelder Seekreis in der preußischen Provinz Sachsen zugeordnet. Ein interessantes Zeugnis aus dem Jahr 1854 ist eine Porzellantellersammlung, die von allen Städten und Gemeinden des Seekreises dem Landrat von Kerßenbrock zum Dienstjubiläum überreicht wurde. Darauf sind Darstellungen aller Ortschaften aus unserer Region zu sehen, unter anderem auch von Hornburg und Äbtischrode.mini|249x249px|Gedenkkreuz für die Gefallenen des deutsch-französischen Krieges 1872Mit dem 20. Jahrhundert kamen erneut Herausforderungen. Der Erste Weltkrieg forderte 18 Opfer aus der Gemeinde, deren Namen auf einer Granitsäule vor der Kirche verewigt sind. 1928 wird dann die Domäne Holzzelle noch an die nun eigenständige Gemeinde Hornburg angeschlossen. Im Nationalsozialismus wird zusätzlich Alberstedt der Ortsgruppe Hornburg hinzugefügt. Der Zweite Weltkrieg hinterließ jedoch noch tiefere Spuren. 27 Hornburger verloren ihr Leben. Zwar blieb der Ort von Bombenabwürfen verschont, doch Luftkämpfe über der Region führten zu mehreren Flugzeugabstürzen. 1944 brachten US-Begleitjäger eine Messerschmitt zum Absturz, dabei kommt der Pilot und Obergefreite Hermann Röge um und wird auf dem Alten Friedhof in Hornburg beigesetzt. Ein Jahr darauf stürzte dann eine amerikanische Spitfire ab, der Pilot Robert James Dixon überlebte und wurde gefangen genommen. Nachdem Hornburg zunächst von den amerikanischen Streitkräften besetzt wurde, zog dann die Rote Armee ein und so stürzte in den 1960ern eine sowjetische MiG auf dem Hügel Richtung Erdeborn ab, wenige Flugzeugteile werden heute in der Kirche aufbewahrt. mini|Denkmal der im 2. Weltkrieg Gefallenen Nach Kriegsende begann der Wiederaufbau unter völlig neuen politischen Vorzeichen. 1950, im Zuge der Gebietsreformen, wurde die Gemeinde dem Kreis Querfurt zugeordnet, bis sie 1994 in die Verwaltungsgemeinschaft „Am Hornburger Sattel“ im Kreis Eisleben eingeordnet wurde. Die Eingliederung in die DDR brachte die Gründung eines demokratischen Blocks aus KPD und SPD in Hornburg mit sich. Landwirtschaftliche Betriebe wurden kollektiviert, eine LPG wurde gegründet, und durch die Aufnahme von Vertriebenen stieg die Einwohnerzahl auf einen Höchststand von etwa 1300 Menschen.
Die kommenden Jahrzehnte brachten dann durch Förderprogramme vom Land einige Neubauten, Umbauten und Abrisse mit sich. Einrichtungen wie die Feuerwehr, die Kirche, das Pfarrhaus, das Dorfgemeinschaftshaus und das Schulgebäude überdauerten die Zeit und stehen heute noch.
Am 1. Januar 2010 schlossen sich die bis dahin selbstständigen Gemeinden Hornburg, Amsdorf, Aseleben, Erdeborn, Lüttchendorf, Neehausen, Röblingen am See, Seeburg, Stedten und Wansleben am See zur Einheitsgemeinde Seegebiet Mansfelder Land zusammen.StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010 Gleichzeitig wurde die Verwaltungsgemeinschaft Seegebiet Mansfelder Land, zu der Hornburg gehörte, aufgelöst.
Die Gemeinde verfügte vorher über kein genehmigtes Wappen. Lediglich im Siegelinnenraum zeigt sich ein blumengefülltes Füllhorn.
Holzzelle und Äbtischrode Der seit 1928 zu Hornburg gehörende Ortsteil Holzzelle entstand durch die Gründung des, der Jungfrau Maria geweihten Benediktinerinnen-Klosters Zelle. Das Kloster wurde vermutlich bereits im 9. Jahrhundert gegründet, erste urkundliche Erwähnungen finden jedoch erst 1147 statt. Es wurde im Baueraufstand von 1525 verwüstet und niedergebrannt, es erinnern nur noch zwei Steinsäulen und die Kapelle an das einst mächtige Kloster. Erhalten gebliebene Gebäude wurden erst zu einem gräflichen Amt, dann 1780 zur preußischen Domäne und von 1808 bis 1814 Dotationsort des frz. Marschalls Davout. In der DDR wurde Holzzelle von einem Volksgut bewirtschaftet und ein Wagen wurde vom Konsum Querfurt aufgestellt. Bis 2003 existierte im ehemaligen Gut auch ein Reiterhof. Heute wird der Hof zur Pferdezucht und Landwirtschaft genutzt. In Holzzelle stehen heute neben dem Hof noch vier Wohnhäuser. mini|Siedlung Holzzelle Der Ortsteil Vorwerk Äbtischrode wurde 1817 als Klostergut gegründet und wurde ebenfalls vom Forst genutzt. Der ehemalige Besitzer Schobes wurde mit seinem Schwiegervater in einem Mausoleum im nahegelegenen Wald beigesetzt. Nach einigen Besitzwechseln und verschiedenen Pächtern kaufte es 1898 der preußische Staat. Nach der Ende wurde Äbtischrode privatisiert. Heute ist das alte Wohn- und Wirtschaftsgebäude unbewohnt und ein neues Wohnhaus wurde gegenüber erbaut. Darin leben die einzigen drei Einwohner von Äbtischrode, die die Ackerflächen bewirtschaften. mini|Vorwerk Äbtischrode
Sehenswürdigkeiten und Einrichtungen mini|Blick auf Hornburg und die Dorfkirche