Karlshorst (Betonung auf der letzten Silbe) ist ein Ortsteil des Bezirks Lichtenberg in Berlin.
Lage Karlshorst erstreckt sich beiderseits der Bahnstrecke Berlin – Frankfurt (Oder). Es teilt sich in die drei LOR-Planungsräume Karlshorst-West (nördlich der Bahntrasse und westlich der Treskowallee), Karlshorst Nord (nördlich der Bahntrasse und östlich der Treskowallee) sowie Karlshorst-Süd (südlich der Bahntrasse).Adressverzeichnis für die lebensweltlich orientierten Räume Berlin-Lichtenberg (PDF)
Geschichte
Früheste Besiedlung Beim Bau einer neuen Wohnanlage (Treskowhöfe; Treskowallee zwischen Römerweg, Hönower Straße und Cäsarstraße) wurden 400 Relikte einer frühen Siedlung aus der Bronzezeit auf dem Gelände entdeckt und gesichert. Die Archäologen nehmen aufgrund der freigelegten Struktur an, dass sich der eigentliche Siedlungskern an anderer Stelle befunden hatte.Rätselhaftes Siedlungsmuster
Gründung mini|hochkant|Gedenkstein zur Gründung von Karlshorst in der Wandlitzstraße
Die erste urkundliche Erwähnung von Karlshorst erfolgte am 11. September 1825 als Vorwerk Carlshorst. Benannt wurde es nach dem Vornamen Carl von Treskows, dem Besitzer des Ritterguts Friedrichsfelde, der das Vorwerk auf seinem Grund anlegte, und dem Flurnamen ‚Horst‘. Als eigentliches Gründungsdatum gilt jedoch der 25. Mai 1895, als mit der Kolonie Karlshorst die ersten Wohnhäuser im heutigen Prinzenviertel errichtet wurden. Vier denkmalgeschützte Häuser in der Lehndorffstraße sind die ältesten Gebäude des Ortsteils. Die nachfolgende Bebauung, zunächst westlich der heutigen Treskowallee, vollzog sich nach den grundlegenden Vorstellungen von Oscar Gregorovius über mehrere Jahrzehnte je nach der Finanzlage der Grundstückskäufer. Bereits 1894 war die heutige Trabrennbahn Karlshorst als Galopprennbahn für Hindernis- oder Jagdrennen eröffnet worden; Jagdrennen hatten bereits in den Jahrzehnten davor in freier Natur stattgefunden.Steer, S. 11 f
Die Schreibweise Karlshorst (‚K‘ statt ‚C‘) wurde am 24. Juni 1901 offiziell festgelegt.
Vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis April 1945 Nach der Fertigstellung des Bahnhofs Karlshorst 1902 konnte man sowohl Berlin als auch das Naherholungsgebiet um den Müggelsee in Köpenick problemlos und schnell erreichen. So wurde die Villenkolonie schnell zu einem der beliebtesten Vororte der Hauptstadt und wurde oft als „Dahlem des Ostens“ bezeichnet. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg wurde auch östlich der Treskowallee das Gebiet bis zur Waldowallee bebaut.
Bis 1920 war Karlshorst Bestandteil der Gemeinde Friedrichsfelde. Mit dem Inkrafttreten des Groß-Berlin-Gesetzes wurde Karlshorst am 1. Oktober 1920 ein Ortsteil des Berliner Bezirks Lichtenberg.
Nach Plänen des Architekten Peter Behrens entstanden zwischen 1919 und 1921 südwestlich der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahnstrecke die Waldsiedlung mit zweigeschossigen Ein- bis Vierfamilienhäusern sowie Hausgärten und Stallungen für Kleintierhaltung.
Um 1930 wurde das St.-Antonius-Hospital der Marienschwestern in der Köpenicker Allee 39–57 erbaut. Es lag in einem 48.000 m² großen Waldgrundstück und gehörte damals mit 300 (später 375) Betten, vier Operationssälen und Patientenzimmern mit Radios und Kopfhörern zu den modernsten Krankenhäusern Deutschlands. Offene und gedeckte Liegeterrassen mit einer Fläche von 4000 m², vorrangig für Tuberkulosekranke, dienten der Frischlufttherapie. Freiluftgymnastik und Diäten wurden therapiebegleitend angeboten.Bärbel Laschke, Walter Fauck, Jürgen Weyda: die denkmale. Heimatkundlicher Wegweiser durch Berlin-Karlshorst. Teil I: Östlich der Treskowallee. Kulturring in Berlin, Berlin 2010, S. 27.Christine Steer: Karlshorst. Nobler Vorort und Schauplatz der Geschichte. be.bra Verlag, Berlin 2018, S. 95–97. 1945 wurde das Gelände für die sowjetischen Streitkräfte geräumt, in deren Sperrgebiet das Krankenhaus nun lag. Nach der Verkleinerung des Sperrgebietes war dort seit 1963 das DDR-Ministerium für Land-, Forst- und Nahrungsgüterwirtschaft untergebracht. Nach der politischen Wende fiel das Krankenhausgelände in das Eigentum der katholischen Kirche zurück. Der Gebäudekomplex wurde umfassend rekonstruiert. Seitdem befindet sich hier die Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin (KHSB).
In der Zeit des Nationalsozialismus wurde 1936–1938 die Pionierschule I der Wehrmacht an der Zwieseler Straße mit etwa 20 Einzelgebäuden errichtet, darunter ein großes Hörsaalgebäude, und ein Hochbunker. Sie diente der Offizierausbildung. 1942 wurde sie in Festungspionierschule umbenannt.
1945–1994 mini| Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel unterzeichnet am 9. Mai 1945 im Offizierskasino der Festungspionierschule Karlshorst die bedingungslose Kapitulation Deutschlands
In der Nacht vom 8. zum 9. Mai 1945 wurde in Karlshorst im Offizierskasino der Festungspionierschule, wo sich während der Schlacht um Berlin das Hauptquartier der 5. Stoßarmee der Roten Armee befand, die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht unterzeichnet. Die Gebäude dienten dann bis 1949 als Hauptquartier der SMAD und später der Sowjetischen Kontrollkommission bis zu deren Auflösung 1953. Daneben befand sich im Hauptgebäude der ehemaligen Pionierschule bis zum vollständigen Truppenabzug 1994 die KGB-Zentrale Karlshorst als weltweit größte Zentrale des KGB außerhalb der Sowjetunion.Es lehrt uns nicht Krieg zu führen. In: Die Zeit, Nr. 19/1993; 4. Absatz. Bevor die KGB-Zentrale dort eingerichtet wurde, war sie in einem anderen Objekt des großen Sperrgebietes Karlshorst untergebracht.
Der nördliche Bereich von Karlshorst beiderseits der Treskowallee wurde noch im Mai 1945 zu großen Teilen sowjetisches Sperrgebiet. Tausende Karlshorster mussten innerhalb von 24 Stunden ihre Wohnungen verlassen.Zeitreise durch Karlshorst auf berlin.de, abgerufen am 25. Mai 2015. Die im Sperrgebiet stehenden Kirchen, die katholische Pfarrkirche St. Marien und die evangelische Pfarrkirche Zur frohen Botschaft, wurden von den Militärs entwidmet und meist zu Lagerzwecken benutzt.
Im Jahr 1949 wurde das besetzte Gebiet auf die östlich der Treskowallee gelegenen Straßen und Plätze verkleinert. Ein Laden der sowjetischen Militärhandelsorganisation Wojentorg (im Volksmund Russenmagazin genannt) avancierte in dieser Zeit zu einer Einkaufsmöglichkeit mit moderaten Preisen und ohne Lebensmittelkarten. In den folgenden Jahren wurde die Sperrmauer von der Magistrale zurückgezogen und das Sperrgebiet weiter verkleinert, bis es 1963 nur noch einen Bereich rund um die ehemalige Festungspionierschule umfasste.Susanne Schilp: Karlowka oder die verbotene Stadt. In: Berliner Woche, 24. April 2015, abgerufen am 25. Mai 2015. Im Gebäude, in dem die Kapitulation der deutschen Wehrmacht besiegelt worden war, richtete die DDR 1967 in Zusammenarbeit mit der Regierung der Sowjetunion das Museum der bedingungslosen Kapitulation des faschistischen Deutschland im Großen Vaterländischen Krieg 1941–1945 ein. Daraus entstand ab 1991 das Museum Berlin-Karlshorst, das der Kapitulation und der Entwicklung der deutsch-sowjetischen Beziehungen seit 1945 gewidmet ist. Als neuer Standort für die in Karlshorst stationierten Truppen wurde ein größeres Areal südlich der Trabrennbahn mit Kasernen bebaut und mit einer Mauer umgeben. Dazu kamen in den 1970er Jahren für die Offiziere und deren Familien noch einige Plattenbauten, die nach 1994 abgerissen wurden.
Im Jahr 1950 wurde im Gebäude des früheren Kant-Gymnasiums an der Treskowallee 8 die Hochschule für Planökonomie eröffnet. Sie wurde 1954 in Hochschule für Ökonomie (HfÖ) umbenannt und bestand bis 1991. Heute befindet sich hier der Campus Treskowallee der Hochschule für Technik und Wirtschaft.
Die Protokollstrecke für Staatsgäste der DDR zwischen dem Flughafen Schönefeld und der Berliner Innenstadt führte über die Treskowallee, die von 1961 bis 1992 Hermann-Duncker-Straße hieß.
Karlshorst war in der DDR Sitz zahlreicher Botschaften und Wohnort vieler ausländischer Diplomaten.
Gemäß den Bestimmungen des Zwei-plus-Vier-Vertrages wurden 1994 die letzten russischen Soldaten aus Karlshorst abgezogen.
Nach 1994 Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen an den Wohnhäusern und der Ausbau der Infrastruktur führten ab 1994 dazu, dass sich Karlshorst wieder zu einem gefragten Wohngebiet entwickelte. Der Erhalt der Trabrennbahn, der Neubau vieler Ein- und Zweifamilienhäuser und zahlreiche neue Siedlungsprojekte, u. a. der Wohnpark Carlsgarten, sind dabei besonders erwähnenswert. Auf Teilen des ehemaligen Militärgeländes entstand seit 2010 ein neues Wohngebiet namens Gartenstadt Karlshorst mit drei Quartieren (Am Biesenhorster Sand, Am Stadtgarten, An der Promenade). auf gardo.info Bis 2031 werden hier an der Köpenicker Allee weitere 526 Wohneinheiten errichtet.
Zwischen Blockdammweg, Trautenauer Straße und Hönower Wiesenweg errichtet das Unternehmen Bonava seit 2020 ein Wohngebiet mit Namen Parkstadt Karlshorst.Grundsteinlegung für die Parkstadt Karlshorst. Pressemitteilung des Bezirksamts Lichtenberg, 29. Juni 2020.
Für das Gebiet Karlshorst-Ost wurde im Auftrag des Bezirksamtes Lichtenberg ein Rahmenplan erstellt, der kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen des Städtebaus und der Stadterneuerung enthält.
Für die Trabrennbahn gibt es ein Bebauungskonzept mit Umwidmung von Sport- und Grünflächen zu Bauland für Wohnungsbau, das in der Bevölkerung sehr umstritten ist.
Bevölkerung Bei der Volkszählung von 1895 hatten die Kolonie Karlshorst 173, das Vorwerk Karlshorst 25 und die Trainieranstalt Karlshorst 16 Einwohner.Gemeindelexikon für das Königreich Preußen 1898, Bd. III S. 39, Fußnote 31 Zehn Jahre später wurden bei der Volkszählung von 1905 für die Kolonie Karlhorst 6.160 und für das Vorwerk Karlshorst 50 Einwohner verzeichnet.Gemeindelexikon für das Königreich Preußen 1908, Bd. III S. 110, Fußnote 30 Für die Folgezeit sind bis 1946 keine Einwohnerzahlen verfügbar, da Karlshorst erst nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem offiziellen Ortsteil wurde und seine Einwohnerzahlen bis dahin in den Zahlen für Friedrichsfelde enthalten waren.
Karlshorst weist seit den 2000er Jahren besonders durch den Zuzug junger Familien ein rasches Bevölkerungswachstum auf.Stadtteilprofil 2015 Karlshorst (PDF; 5,4 MB) S. 10–15. Zwischen 2007 und 2025 stieg die Einwohnerzahl um 53 Prozent.
Jahr Einwohner1919–1946 Statistisches Jahrbuch von Berlin (jeweilige Jahre)1950 und 1963 Statistisches Jahrbuch der DDR 1964 1946 13.384 1950 17.421 1963 24.910 1991 18.040 2000 19.455 Jahr Einwohner 2007 20.826 2010 21.720 2015 26.003 2020 28.206 Jahr Einwohner 2021 28.370 2022 30.268 2023 30.913 2024 31.890 2025 31.821
Quelle 1946–1963: Statistisches Jahrbuch der DDR 1964, S. 8Quelle ab 2007: Statistischer Bericht A I 5. Einwohnerregisterstatistik Berlin. Bestand – Grunddaten. 31. Dezember. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (jeweilige Jahre)
Sehenswürdigkeiten
Bauten Vom Beginn des 20. Jahrhunderts an gehörte die 1894 eröffnete heutige Trabrennbahn Karlshorst zu den wichtigsten Attraktionen des Ortes und war ein wesentlicher Faktor bei dessen Aufschwung.
Die evangelische Kirche Zur frohen Botschaft, die zwischen 1909 und 1910 erbaut und 1956 nach der Rückgabe durch die Sowjetarmee neu eingeweiht wurde, birgt die bekannte Amalien-Orgel. Sie wurde von 1753 bis 1755 von Johann Peter Migendt für die Prinzessin Anna Amalia von Preußen, die Schwester Friedrichs des Großen, gebaut und ist die älteste erhaltene Orgel Berlins. Sie wurde 2009/2010 umfassend restauriert. Die Kirche befindet sich in der Weseler Straße 6.
Die katholische Pfarrkirche St. Marien ist ein denkmalgeschützter Kirchenbau in neoromanischen Formen aus den Jahren 1935 bis 1937. Sie diente nach 1945 vorübergehend als Depot der Sowjetarmee und wird seit 1949 wieder als Gotteshaus genutzt. Sie befindet sich in der Gundelfinger Straße 37.