Affalterbach ist eine Gemeinde im Landkreis Ludwigsburg in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart. Sie ist Teil des Gemeindeverwaltungsverbands Marbach am Neckar.http://www.affalterbach.de/index.php?id=46

Geographie Geographische Lage Affalterbach liegt im Ostteil des Neckarbeckens etwa fünf Kilometer südöstlich von Marbach am Neckar auf dem unteren Osthang des Lembergs, auf dem der höchste Punkt des Gemeindegebietes auf fast Höhe ragt. An der Nordostecke erstreckt es sich bis auf den Talgrund der Murr hinunter, dort befindet sich der tiefste Punkt auf wenig unter am Fluss. Im untersten Tal des linken Murrnebenflusses Buchenbach verläuft größtenteils die Ostgrenze der Gemarkung. Die Gemeinde Affalterbach liegt an der östlichen Grenze des Landkreises Ludwigsburg.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde gehören außer dem namengebenden Dorf Affalterbach der kleine Weiler Steinächle, in dessen Südosten und östlich davon der Weiler Wolfsölden, beide links über dem Buchenbachtal. Das Gehöft Birkachhof liegt gegenüber von Steinächle in einer Spitze des Gemeindegebietes hinüber auf die Höhe rechts des Buchenbachs. Die neuere Gartensiedlung Birkhau liegt isoliert zwischen dem Hauptort und Wolfsölden und hat dessen Flächenausdehnung. Neben diesem Siedlungsplatz ohne Ortsteilstatus gibt es noch wenige landwirtschaftliche Siedlungsgruppen, darunter die Bollenhöfe südlich von Affalterbach, die auch keine Ortsteile sind.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 431–433

Nachbargemeinden Affalterbach grenzt an die Gemeinden Kirchberg an der Murr im Norden, Burgstetten im Osten, Leutenbach im Südosten und Süden und ebenfalls noch im Süden an die Stadt Waiblingen im Süden, die alle zum benachbarten Rems-Murr-Kreis gehören. Im Südwesten grenzt die Gebietsexklave um den Weiler Siegelhausen der Stadt Marbach am Neckar an, im Westen die Stadt Ludwigsburg, im Westen und Nordwesten schließlich die Gemeinde Erdmannhausen, welche alle zum Landkreis Ludwigsburg gehören.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Affalterbach. Die gesamte Fläche der Gemeinde Affalterbach umfasst ca. 1018 ha.

Geschichte

Frühe Geschichte Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Jahre 972. Funde zeigen jedoch, dass diese Gegend schon vor 6000 Jahren in der Jungsteinzeit besiedelt wurde. Weitere Funde gibt es auch aus der Urnenfelderzeit und aus den Zeiten der keltischen und römischen Besiedlung. Wenige Kilometer entfernt wurde in Steinheim an der Murr der Schädel des Homo steinheimensis entdeckt, welcher auf ein Alter von 250.000 Jahren geschätzt wird. Es wird die Meinung vertreten, dass alle Europäer von diesem Homo steinheimensis abstammen. Aus kulturhistorischer Sicht liegt Affalterbach an der Grenze zwischen den Herrschaftsgebieten der Franken und der Alemannen.

Den Alemannen war es im Laufe von 200 Jahren gelungen, ein riesiges Gebiet zu erobern. Die Franken stellten sich 496 südlich von Köln zur Schlacht. Sie besiegten die Alemannen und warfen sie weit nach Süden zurück. Als Grenze bestimmten sie eine Linie, die über den Lemberg und Hohenasperg verlief. Damit war die Markung Affalterbach unmittelbares Grenzgebiet geworden. Vermutlich richteten die Franken am Lemberg einen Militärposten ein, der von diesem beherrschenden Punkt aus die Grenze sicherte und den Straßenverkehr überwachte, da über unsere Markung ein wichtiger Völkerweg führte.

1322 fiel Affalterbach an die Grafschaft Württemberg, wurde dem Amt Marbach unterstellt und ist somit ein Bestandteil Altwürttembergs.

Namensherkunft Der Gemeindename „Affalterbach“ leitet sich von dem altdeutschen Wort Affalter (= Apfelbaum) ab. Bereits im Jahr 972 gab es hier mehr Obstbau als andernorts. Noch 1965 standen auf der Gemeindemarkung 29.907 hochstämmige Obstbäume. Der Strombach trägt in seinem obersten Teil den Namen Apfelbach, ein kleines Fließgewässer im Süden Affalterbachs. Der Ortsname dürfte sich also vom Namen dieses Bachs herleiten.

16. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg mini|Bürgerhaus Kelter Detaillierte Aufzeichnungen gibt es erst ab dem Jahre 1525. Damals standen in Affalterbach 43 und in Wolfsölden drei Häuser, in denen 269 Einwohner lebten. Bis 1584 hatte sich die Zahl der Wohngebäude und der Einwohner annähernd verdoppelt. Großes Unheil brachte der Dreißigjährige Krieg über Affalterbach. Um 1640 dürften die letzten Überlebenden ihr Heimatdorf verlassen haben, das nun bis Frühjahr 1649 der Zerstörung und dem gänzlichen Verfall preisgeben war. Eine Bestandsaufnahme im Jahr 1652 ergab, es war kein einziges Haus mehr intakt und bewohnbar. 50 Jahre später (1703) wohnten in Affalterbach 344 Einwohner. Innerhalb von 100 Jahren verdreifachte sich diese Zahl. 1802 hatte Affalterbach 1033 Einwohner.

Diese Entwicklung brachte erhebliche soziale Probleme mit sich, da die Lebensgrundlagen dieselben geblieben waren. Trotzdem stieg die Einwohnerzahl weiterhin sprunghaft an. 1864 erreichte sie mit 1532 ihren vorläufig höchsten Stand. Damit war Affalterbach eine der bedeutendsten Gemeinden des Oberamts Marbach. Wie überall im Lande waren auch in Affalterbach die wirtschaftlichen Verhältnisse schlecht, da die Landwirtschaft die vielen Menschen nicht mehr ernähren konnte. Manche Einwohner versuchten sich als Handwerker. So gab es in Affalterbach im Jahre 1806, im Gründungsjahr des Königreichs Württemberg, nicht weniger als 10 Schneider, 18 Weber, 8 Schuhmacher, 4 Metzger, 1 Müller, 4 Bäcker, 5 Schmiede, 3 Wagner, 4 Küfer, 7 Maurer, 7 Zimmerleute, 2 Schreiner, 2 Schäfer und 1 Barbier. Die meisten von ihnen erreichten nicht einmal ein Existenzminimum. So verließen viele Menschen ihre Heimat und suchten ihr Glück in der Ferne. Von 1816 bis 1910 wanderten 496 Affalterbacher aus. Die meisten (383) gingen nach Amerika. Erst durch die beginnende Industrialisierung zum Ende des 19. Jahrhunderts verbesserten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse. Allerdings ging diese Entwicklung an Affalterbach vollkommen vorbei. Handel und Gewerbe konnten hier nicht Fuß fassen. Dazu trug der Gemeinderat seinen Teil bei, denn er wollte Affalterbach als eine landwirtschaftliche Gemeinde erhalten. Viele Menschen zogen deshalb weg. So ging die Einwohnerzahl ständig zurück und erreichte 1939 mit 1034 ihren niedrigsten Stand.

Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Affalterbach 1938 zum Landkreis Backnang.

1945 bis heute Da der Ort nach dem Zweiten Weltkrieg Teil der Amerikanischen Besatzungszone geworden war, gehörte er somit seit 1945 zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.

Zu Beginn der 1960er Jahre hatte der größte einheimische Betrieb – die Schreinerei Friedrich Feyhl an der Winnender Straße – nur fünf Mitarbeiter. Damals hatte die Gemeinde noch keine Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Heute ist Affalterbach eine Wohn- und Industriegemeinde mit teilweise noch dörflichem Charakter. Zweimal konnte Affalterbach den Titel des schönsten Dorfes im Landkreis Ludwigsburg erringen. Gleichzeitig haben hier moderne Industriefirmen ihren Sitz. Von einer Firma abgesehen hatten alle anderen Betriebe mit weniger als 20 Beschäftigten in Affalterbach angefangen. Heute gibt es über 1700 Arbeitsplätze mit steigender Tendenz.

Kreiszugehörigkeit Bis 1938 gehörte der Ort zum Oberamt Marbach und wurde dann dem Landkreis Backnang zugeteilt. Mit der baden-württembergischen Kreisreform 1973 wurde dieser allerdings aufgelöst und Affalterbach in den Landkreis Ludwigsburg eingegliedert.

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner 1525 269 1602 435 1703 344 1730 502 1745 625 1783 832 1802 1033 1824 1328 1854 1532 1869 1194 1889 1308 1901 1133 1939 1034 1950 1519 Jahr Einwohner 1961 1521 1965 1708 1967 2499 1970 3170 1984 4246 1994 4520 1995 4599 2000 4511 2003 4526 2010 4453 2014 4470 2016 4472 2017 4501 2018 4518 Jahr Einwohner 2019 4485 2020 4514 2021 4487 (Quelle unter)

Religionen mini|hochkant|Evangelische Kirche In Affalterbach gibt es eine evangelische (St. Martin) und eine römisch-katholische Kirchengemeinde (St. Johannes).

Weiterhin gibt es eine Versammlungsstätte der Zeugen Jehovas.

Politik Bürgermeister Bürgermeister ist seit 2000 Steffen Döttinger. Er wurde 2008, 2016 und 2024 wiedergewählt.

Gemeinderat Der Gemeinderat in Affalterbach besteht aus den 14 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem ErgebnisWahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums. Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands35,10532,174FWVFreie Wählervereinigung Affalterbach31,17434,655SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands18,83318,983ULAUnabhängige Liste Affalterbach8,36114,202GRÜNEBündnis 90/Die Grünen6,541––gesamt100,014100,014Wahlbeteiligung74,96 %68,03 %

Wappen und Flagge

Die Gemeindeflagge ist grün-weiß. Wappen und Flagge wurden am 24. Mai 1965 verliehen.

Gemeindepartnerschaften Affalterbach pflegt Partnerschaften mit Neuhausen/Erzgeb. in Sachsen und Téglás in Ungarn.

Sehenswürdigkeiten mini|Winterlicher Blick vom Lemberg Am Rand von Affalterbach befindet sich der 365 Meter hohe Lemberg. Bei schönem Wetter ist der Lemberg oberhalb der Weinberge ein beliebter regionaler Ausflugspunkt.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Affalterbach ist ausschließlich über Buslinien an die S-Bahn in Marbach am Neckar und somit weiter nach Stuttgart angeschlossen. Des Weiteren verkehren zu Stoßzeiten, am frühen Morgen und am Nachmittag, Busse nach Winnenden. Die Gemeinde Affalterbach gehört zum Gebiet des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart. Die nächsten Bahnstationen befinden sich in Marbach am Neckar (6 km), Winnenden (8 km), Backnang (9 km) und Ludwigsburg (12 km).

Luftverkehr mini|Funkfeuer Luburg Affalterbach ist Standort des Drehfunkfeuers Luburg (LBU VOR/DME), das auf 109,2 MHz sendet. Die deutsche Flugsicherung plante eigentlich 2023, die Anlage stillzulegen und zurückzubauen. Stand August 2024 ist die Anlage noch in Betrieb, der Rückbau ist ungewiss.http://www.ourairports.com/navaids/LBU/Luburg_VOR-DME_DE/#lat=48.9129981994629,lon=9.340229988098145,zoom=10,type=Satellite

Der nächste internationale Flughafen ist der Manfred-Rommel-Flughafen (STR) in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart.

Ansässige Unternehmen Neben einer Vielzahl an kleinen und mittelständischen Unternehmen haben sich auch größere Firmen in Affalterbach niedergelassen. Dazu zählen unter anderem: Mercedes-AMG GmbH, eine Tochterfirma der Mercedes-Benz AG HWA AG ausgegliederte Bereiche Automobilrennsport, das damalige DTM-Team „AMG-Mercedes“ und Teile des Sonderfahrzeugbaus Stern GmbH, Garten und Freizeitmöbel Schwaderer GmbH, Hersteller von Maschinenfüßen, Stellfüßen, Gelenkfüßen, Nivellierfüßen

Öffentliche Einrichtungen Es gibt ein Alten- und Pflegeheim der kreiseigenen Kleeblatt Pflegeheime.

Seit September 2003 gibt es ein Heimatmuseum im ehemaligen Wohnhaus des Affalterbacher Bürgermeister Friedrich Kurz.http://www.fair-hotels.de/Museen-Kultur/Museum-Suche/Heimatmuseum-Affalterbach.690.html Im Erdgeschoss dieses Gebäudes befindet sich das Gemeindearchiv.

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