mini|hochkant=1.5|Religionssymbole Der Glaube (auch Glauben; lateinisch fides „Vertrauen, Glaube, Zutrauen“) im Kontext religiöser Überzeugungen ist eine Grundhaltung des Vertrauens in die Lehre einer Religion und der mit ihr verbundenen Personen. Im Gegensatz zum Wissen gründet die Wahrheitsvermutung eines Glaubens nicht auf Logik und Einsicht, sondern allein auf den Aussagen von Autoritäten.Franz Austeda: Lexikon der Philosophie. 6., erweiterte Auflage. Verlag Brüder Holline, Wien 1989, ISBN 3-85119-231-1, S. 130 (Stichwort: Glaube).

Der religiöse Begriff Glaube wird in den verschiedenen Religionen nicht nur unterschiedlich ausgelegt, sondern hat auch in jeder Religion einen anderen Stellenwert.

Der Glaube selbst ist kein religiöses Konzept des Judentums, sondern bezieht sich auf die ganze jüdische religiöse Tradition. Statt eines inhaltlich festgelegten Glaubens steht Gerechtigkeit auf der Grundlage der universellen Nächstenliebe und Gleichheit aller Menschen im Mittelpunkt.

Gemeinsam ist allen christlichen Strömungen der Glaube, dass alles Seiende durch Gott geschaffen wurde und im Dasein gehalten wird. Zentral im christlichen Glauben ist die Bejahung Gottes und seiner Autorität. Der Glaubensinhalt wird in der Dogmatik und in christlichen Glaubensbekenntnissen festgehalten, deren Glaubensinhalte sich in einigen Punkten unterscheiden.

Bereits im Koran wird eine wichtige Unterscheidung getroffen, nämlich zwischen der Annahme des Islams (islām) und der Annahme des Glaubens (īmān). An derartige Aussagen knüpft sich die Vorstellung, dass derjenige, der den Islam angenommen hat, also ein Muslim ist, nicht unbedingt ein „Gläubiger“ (mu'min) sein muss. Was genau zum islamischen Glauben (Īmān) gehört, ist zwischen den verschiedenen theologischen Schulen des Islams umstritten.

Der Sikhismus betont die Einheit der Schöpfung, einen gestaltlosen Schöpfergott und Gottvertrauen. Das zentrale Ziel ist es religiöse Weisheit für den Alltag nutzbar zu machen und nicht die Einhaltung unumstößlicher religiöser Dogmen.

Im Buddhismus bedeutet Glaube, die Lehren (Dharma) des Buddha als wahr anzuerkennen, noch ehe ihr Wahrheitsgehalt durch die eigenen Erfahrungen bestätigt werden kann. Dieses Konzept ist ein wichtiger Bestandteil sämtlicher buddhistischer Traditionen, auch wenn dieser Glaube in einzelnen Schulen dann unterschiedlich ausgeprägt sein kann. Vertrauen und Weisheit sind gleichermaßen wichtig. Der buddhistische Glaube grenzt sich somit vom „blinden Glauben“ ab.

Im Baháʼí-Glauben sind sowohl Glaube als auch Wissen für spirituelles Wachstum erforderlich.

Wortbedeutung Das deutsche Wort Glaube (seltener: Glauben), von mittelhochdeutsch geloube, gloube aus althochdeutsch gilouba und giloubo, kommt vom Verb glauben (in früherer Bedeutung „gutheißen“ aus der Grundbedeutung „sich etwas lieb/vertraut machen“), das ein Präfixverb mit Ablaut zu dem verwandten Adjektiv liebFriedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage, hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 260. ist, die beide ihre Wurzel im indogermanischen lub-/lewbʰ- (‚begehren‘, ‚lieb haben‘, ‚für lieb erklären‘, ‚gutheißen‘, ‚loben‘) haben. Das Wort wird in dem hier behandelten Sinn verwendet als Übersetzung des griechischen Substantivs πίστις pistis mit der Grundbedeutung „Treue, Vertrauen“. Das zugehörige Verb lautet πιστεύω pisteúō „ich bin treu, vertraue“ (πιστεύειν pisteúein, „treu sein, vertrauen“). Ursprünglich gemeint war also: „Ich verlasse mich auf …, ich binde meine Existenz an …, ich bin treu zu …“. Das Wort zielt demnach auf Vertrauen, Gehorsam (vergleiche: Gelöbnis, Verlöbnis), Treue.Etymologie des Wortes „Glauben“ Die Fügung „glauben an Gott“ etablierte Martin Luther.Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 1967, S. 260.

Das lateinische Wort credere (vgl. Credo und Kreditor) – von cor dare: „das Herz geben/schenken“ – ist direkt verwandt mit der altindischen Wurzel sraddha- („glauben“) und ist eine sehr alte (indogermanische) Verbalkomposition. Die Bestandteile bedeuten: „Herz“ und „setzen, stellen, legen“, zusammen also etwa „sein Herz (auf etwas) setzen“. Das unbestimmte „ich weiß nicht“ entspricht hingegen dem lateinischen Wort putare („glauben, dass“).

Im Hebräischen gibt es die Vokabel aman: sich an etwas festmachen. Die Vokabel aman mit der Schreibung „Aleph-Mem-Nun“ wird nur in der Stammesmodifikation des Hif'il (Aussprache „hä’ämin“) mit dem Wort „glauben“ übersetzt. Diese Stammesmodifikation drückt im Allgemeinen einen kausativen Aspekt der Grundbedeutung aus. Die Grundbedeutung, die auch im ursprünglich hebräischen Wort Amen (vgl. auch arabisch „Īmān“) erscheint, ist „fest“ oder „unerschütterlich“, die Bedeutung im Hif'il ist also „jemanden fest sein lassen“.

Das arabische Wort Īmān ist das Verbalsubstantiv der IV. Form des Stammes ʾ-m-n, welches auch in anderen semitischen Sprachen das Konzept von Vertrauen und Sicherheit zum Ausdruck bringt (siehe Amen), hat also eine doppelte Bedeutung, nämlich zum einen „Glauben“ im Sinne von „an etwas glauben“, aber auch „beschützen, sichern“.

Judentum

mini|hochkant|Tora im sephardischen Stil Die jüdische Religion ist die älteste der monotheistischen abrahamitischen Religionen und wird als ethischer Monotheismus bezeichnet. „Gott ist im Judentum Inbegriff ethischen Wollens.“ Nach dem Talmud (Sprüche der Väter), im rabbinischen Judentum, hat Mose die Tora (d. h. Lehre) von JHWH am Berg Sinai erhalten. Sie fasst Gottes Willen für das Verhalten ihm und den Mitmenschen gegenüber zusammen und enthält eine Reihe von Geboten und Verboten (hebr. Mitzwot). Die Tora wurde als Lehre zunächst von den Gelehrten mündlich überliefert und erst von Jehuda ha-Nasi (meist einfach Rabbi genannt) in der Mischna schriftlich fixiert. Die Mischna wiederum bildet die Basis des Talmuds, in welchem Diskussionen von Rabbinern zur Mischna festgehalten wurden.

Glaube selbst ist kein religiöses Konzept des Judentums. Eine hebräische annähernde Entsprechung für Glauben im religiösen Sinn ist Emuna (auch: Emunah, ), was meist unzureichend gemeinhin mit „Glaube“, „Zuversicht“ oder „Vertrauen in Gott“ übersetzt wird. Emuna steht für den Glauben an Gott und die fest verankerte Zuversicht in seine Hilfe und Führung, dabei handelt es sich nicht nur um einen intellektuellen Glauben, sondern auch um tiefes Vertrauen, standhafte Überzeugung und das Vertrauen, dass alles in der Welt Teil eines göttlichen Plans ist, der letztlich zum Wohl des Einzelnen und der Gemeinschaft führt.Tzvi Freeman: Emuna. Jenseits des Glaubens. Jüdische.Info, auf de.chabad.org

Emuna ('E-mu-na; hebräisch: אמונה) stammt von der hebräischen Wort-Wurzel אמן, von der Amen und die hebräischen Wörter für Treue, Verlässlichkeit, Übung, Künstler, Handwerker u. a. abgeleitet werden. Der deutsche Rabbiner Samson Raphael Hirsch übersetzte es mit „Vertrauensgrund“.Siddûr tefillôt Yiśrāʾēl / übers. u. erl. von Samson Raphael Hirsch. 3. Aufl. Frankfurt a. M.: Kauffmann, 1921, S. 263–265, Emet we-Emuna

Im Judentum wird der positive Wert jener Emuna und der negative Status eines ApikorusEpikoros, Apikoros, Apikores oder Epicurus (Hebräisch: אפיקורוס, übersetzt „Gottesleugner od. Freidenker“, pl. Epikorismus) (übersetzt mit „Gottesleugner“„186. Im Worte אפיקורוס [Epikoros] ist unverkennbar der Name Epikur zu finden, Epikureer, also Anhänger der epikuräischen Philosophie, die bekanntlich in der Lebenslust den letzten Zweck des Lebens sieht. Im Talmud sowie in der nach-talmudischen Literatur hat dieses Wort den festen Begriff Freidenker, Gottesleugner; aber auch verbal wird פקר in diesem Sinne gebraucht.“) beachtet. Emuna wird als angeboren und als Überzeugung und Erkenntnis einer tief in der Seele verwurzelten Wahrheit beschrieben. Emuna steht über dem Verstand und dem Gefühl und ist ein jüdisches Erbe von den Vorvätern und -müttern her. Apikorus ist ein jüdischer Begriff aus der Mischna. Er beschreibt eine Person, die nicht an Gott glaubt und die keinen Anteil an Olam Haba, an der zukünftigen Welt, dem Jenseits, hat:

Jüdischer Glaube bezieht sich auf die ganze jüdische religiöse Tradition. „Nicht Glauben hat der Ewige von Abraham gefordert.“ (Michael Holzman, in:, S. 157) Statt eines inhaltlich festgelegten religiösen Glaubens steht nach alter – schon weit vorchristlicher – Tradition Gerechtigkeit auf der Grundlage der universellen NächstenliebeMax Wiener in: Walter Homolka, Walter Jacob, Tovia Ben Chorin: Die Lehren des Judentums nach den Quellen. Band III; Knesebeck, München, 1999, S. 465. und Gleichheit aller Menschen im Mittelpunkt, was auch im liberalen Judentum bewahrt bleibt: „Das Judentum ist nicht nur ethisch, sondern die Ethik macht sein Prinzip, sein Wesen aus.“Leo Baeck, zitiert nach: Walter Homolka: Tradition und Erneuerung. Die Reformbewegung und ihre Dynamik als größte religiöse Strömung des Judentums. Herder Korrespondenz 11, 2007 (Online-Version).

Der jüdische Gelehrte Franz Rosenzweig drückte es sehr einfach aus:

In dieser Form ist der jüdische „Glaube“ ausgedrückt in: Gerechtigkeit und Liebe (Gottesliebe, Nächstenliebe, Feindesliebe), Tat und Erinnerung, in Freiheit zum Schutz des Lebens.

Das gegenwärtige Judentum, das diese Traditionen des ethischen Monotheismus bewahrt und anpasst, wird das rabbinische Judentum genannt. Dieses umfasst die Traditionen in der Neuzeit und im Mittelalter und umfasst die Vielfalt seiner Strömungen. Immer wieder wird in diesem Zusammenhang von jüdischen Glaubensprinzipien gesprochen, jedoch existiert im Judentum kein allgemeingültiger, zwingend geforderter Glaube, kein Credo.

Das rabbinische Judentum hat den antiken Macht- und Hoheitszentralismus der Tempelpriesterschaft viel radikaler abgelegt als das in den christlichen Gemeinden und Kirchen der Fall ist, die „bei sich einen besonderen Priesterstand schufen, an die biblischen Vorschriften über die jüdischen Priester anknüpften“,Felix Makower in: Walter Homolka, Walter Jacob, Tovia Ben Chorin: Die Lehren des Judentums nach den Quellen. Band III; Knesebeck, München, 1999, S. 233 ff. wie sich auch in den verschiedenen christlichen Dogmatiken zeigt. Rabbiner sind keine Priester und jüdische Traditionen verwalten sich hauptsächlich in demokratischen lokalen Gemeinden. Im Gegensatz zum Christentum oder Islam kann im Judentum jeder persönliche Glaube an den ein-einzigen Gott, das ewige Wesen akzeptiert werden. In der Gegenwart werden gleichwohl verschiedene religiöse Strömungen des Judentums praktiziert, welche die Bedeutung von Überlieferungen unterschiedlich gewichten.

Das vor-rabbinische tempelorientierte Judentum war eine religiöse Lebensform, deren Zentrum der Jerusalemer Tempel bildete und die den jüdischen Glauben konkret im kultischen Handeln verankerte. Im Mittelpunkt stand der Glaube, die „Emuna“ () in den einen Gott (JHWH), der als Schöpfer und Bundespartner Israels verehrt wurde und dem man durch Opfer, Gebote und rituelle Reinheit diente. Die religiöse Praxis äußerte sich vor allem in Tier- und Speiseopfern, die von einer priesterlichen Elite dargebracht wurden, welche zugleich die zentrale religiöse Autorität innehatte. Ihnen oblag die Ritualobservanz am heiligen Ort (Mischkan). Wichtige Feste wie Pessach oder Sukkot waren Ausdruck dieses Glaubens und eng an den Tempel gebunden, wodurch Jerusalem zum religiösen Mittelpunkt wurde. Grundlage bildete die Tora, die als göttliche Weisung das Leben regelte, jedoch noch ohne die später ausgearbeitete rabbinische Auslegungstradition. Die Form des Glaubens war stärker handlungsorientiert ausgerichtet, da sich die Beziehung zu Gott vor allem im praktischen und korrekten Vollzug religiöser Vorschriften und Rituale ausdrückte.