200px|mini|Das hermetische Rosenkreuz des Golden Dawn
Der Order of the Golden DawnDer ursprüngliche Name, wie er auch auf der Gründungsurkunde (Charter) steht, lautete eigentlich Order of the Golden Dawn in the Outer, siehe: Ellic Howe, The Magicians of the Golden Dawn, S. 18., besser bekannt als Hermetic Order of the Golden DawnDer Name Hermetic Order of the Golden Dawn wurde erst durch Israel Regardie und seine Veröffentlichungen populär. Obwohl der Zusatz Esoteric bzw. Hermetic vereinzelt in einigen Briefköpfen bzw. Lehrschriften zu finden ist, war Golden Dawn in the Outer der offizielle Name. Nick Farrell: King over the Water, S. 17. (Hermetischer Orden der Goldenen Dämmerung, kurz Golden Dawn), war eine magische Geheimgesellschaft. Sie wurde am 12. Februar 1888 von William Robert Woodman, Samuel Liddell MacGregor Mathers und William Wynn Westcott in England gegründet.Für das genaue Gründungs- und Eröffnungsdatum siehe: Henrik Bogdan, Western Esotericism and Rituals of Initiation, Albany 2007, S. 125. Am 1. März 1888 erfolgte die offizielle Eröffnung des Isis-Urania Tempels No. 3 in London.Siehe: Ellic Howe, The Magicians of the Golden Dawn, S. 18. Der Orden bestand bis 1900/1903 und zerfiel dann wegen innerer Streitigkeiten in diverse Nachfolgeorganisationen.
Als esoterisch arbeitender Orden wurde er zum Prototyp ähnlicher Organisationen. Viele der modernen magischen oder esoterischen Strömungen wie Wicca und Thelema können bis zu diesem Orden zurückverfolgt werden. Der Golden Dawn gilt als eine der einflussreichsten Geheimgesellschaften des Okkultismus und der Esoterik im 19. und 20. Jahrhundert.Relinfo.ch: Rituale des ‹Esoteric Order of the Golden Dawn› (EOGD) und des «Grosstempels des EOGD Licht Liebe Leben» in Zürich Sein Einfluss ging weit über konventionellen Okkultismus hinaus.Robert Anton Wilson: Everything Is Under Control. Conspiracies, Cults, and Cover-ups. Pan Books 1999, ISBN 0-330-38994-7, S. 188–189.
Bekannte Mitglieder des Ordens waren unter anderem Aleister Crowley, Arthur Machen, Pamela Colman Smith, Arthur Edward Waite und William Butler Yeats.Die kompletten Mitgliederlisten wurden 1986 von R. A. Gilbert in The Golden Dawn Companion veröffentlicht.
Geschichte Alle drei Gründer – Westcott, Woodman und Mathers – waren sowohl Freimaurer als auch Rosenkreuzer der Societas Rosicruciana in Anglia. Westcott und Mathers gehörten außerdem der von Anna Kingsford gegründeten Hermetic Society in London an. All drei teilten ein großes Interesse an ritueller Magie, Astrologie, Alchemie, Tarot und der Kabbala. Im viktorianischen Zeitalter waren viele Leute unzufrieden mit den esoterischen Studienmöglichkeiten und den jeweiligen esoterischen Schwerpunkten, welche sich ihnen boten. Im Gegensatz zur Theosophischen Gesellschaft, die sich zunehmend an östlichen Weisheitslehren orientierte, wollen die drei Gründer eine Geheimgesellschaft mit dem Schwerpunkt westlicher Mysterien, insbesondere in der Tradition der Rosenkreuzer, ins Leben rufen. Es war schließlich Westcott, der Woodman und Mathers dafür gewinnen konnte, sich an der Gründung des Golden Dawn zu beteiligen.
Das Cipher Manuscript mini|Cipher Manuscript fol. 47
Die Grundlagen der Lehren des Golden Dawn entnahm man dem sogenannten Cipher Manuscript, das Westcott zufolge vom Priester und Freimaurer A. F. A Woodford im August 1887 in einem Antiquariat entdeckt worden sein soll.Adolphus Frederick Alexander Woodford (1821–1887) war Mitglied der Quatuor Coronati Lodge, einer freimaurerischen Forschungsloge, und Freund von Westcott. Obwohl er bereits 1887 starb, wird er wegen seiner Namensähnlichkeit oft mit Woodman verwechselt und fälschlicherweise als einer der drei Gründer bezeichnet. So vertauscht z. B. Hans-Dieter Leuenberger in seiner Einführung zur deutschen Ausgabe von Regardies Das magische System des Golden Dawn Woodfords Vornamen, dem er die Initialen von Woodman zuordnet; S. 42.Telepolis.de: Der böseste Mann von der Welt: Aleister Crowley und die Schrecken der Magie - Teil 1: Geheime Meister, Scarlet Women und die Goldene Dämmerung - Crowley wird Magier Es war in einem Alphabet verfasst, das einer überlieferten Geheimschrift von Abt Trithemius ähnlich ist, und konnte von Westcott entschlüsselt werden. Das 60-seitige hermetische Manuskript enthält in skizzierter Form fünf Einweihungsrituale, sowie entsprechendes Lehrmaterial, u. a. die bisher geheimen Zuordnungen des Tarots zu den hebräischen Buchstaben.Das Cipher Manuscript wurde von Darcy Küntz veröffentlicht in: The Complete Golden Dawn Cipher Manuscript 1996. Eine Online-Version findet sich hier. Dem Manuskript war weiters ein Zettel beigelegt, demzufolge man bei einer Frau Anna Sprengel (Soror Sapiens Dominabitur Astris) mehr erfahren könne.Israel Regardie: The Complete Golden Dawn System of Magic. New Falcon Publications, Vereinigte Staaten, 1995, ISBN 1-56184-037-8. Die Rosenkreuzerin Anna Sprengel lebte in Deutschland und war gemäß ihrer Aussage Vorsteherin des Hermetischen Ordens der Goldenen Dämmerung in Deutschland. William Wynn Westcott will von ihr die Erlaubnis zur Gründung des Golden Dawn in the Outer (des äußeren Ordens der Goldenen Dämmerung) erhalten haben. Schließlich beauftragte Westcott Mathers, die allgemein gehaltenen Ritualskizzen zu arbeitsfähigen Ritualen auszuarbeiten.From Cipher to Enigma: The Role of William Wynn Westcott in the Creation of the Hermetic Order of the Golden Dawn in: Carroll Runyon, Secrets of the Golden Dawn Cipher Manuscript, 1997, S. 209–211. Soweit die Angaben Westcotts. In der Realität konnte bis heute weder die Existenz von Frau Sprengel geschweige denn die eines deutschen Orden der Goldenen Dämmerung nachgewiesen werden. Die Vermutungen gehen dahin, dass Westcott die ganze Geschichte erfunden hatte, um eine im Dunkel der Vergangenheit sich verlierende Tradition vorzutäuschen und damit die Gründung des Golden Dawn in ein mystisches Licht zu tauchen. Jedenfalls war es Westcotts Absicht, einen eigenen esoterischen Orden ins Leben zu rufen, dazu benötigte er eine Tradition und diese Geschichte lieferte, gleichgültig ob wahr oder falsch, den nötigen Hintergrund. Je nach Quelle soll das Manuskript von Kenneth R. H. Mackenzie, Eliphas Levi, A. F. A. Woodford, Francis X. King, J. Falk oder von Woodman und Mathers selbst verfasst worden sein.Tarrdaniel.com: The Cipher Manuscript
Gründung und Wachstum Am 12. Februar 1888 verfassten Woodman, Mathers und Westcott eine Gründungsurkunde und legten damit den Grundstein für den Golden Dawn. Am 1. März 1888 eröffneten sie den ersten Golden Dawn-Tempel. Dies war der Isis-Urania Tempel No.3 im Londoner Stadtbezirk Westminster. Nach den drei Gründern Woodman (Ordensname: Magna es Veritas - M.V.), Mathers (‘S Rioghail Mo Dhream S.R.M.D.) und Westcott (Sapere Aude S.A. / Non Omnis Moriar - N.O.M.) wurde als erstes Mitglied Moina Mathers (Vestigia Nulla Retrorsum - V.N.R.) initiiert. Von Anfang an achtete der Golden Dawn auf einen gepflegten Ruf mit einem tadellosen Leumund als eine exklusive, magische Geheimgesellschaft. Obwohl der Golden Dawn jedem offenstand, wurden potenzielle Mitglieder zunächst persönlich angefragt und eingeladen. Dabei wurden zukünftige Mitglieder unter den Freimaurermeistern sowie bei der Societas Rosicruciana in Anglia gesucht. Später konnten weitere Mitglieder auch durch Publikationen, die sich an Okkultisten richteten, Vorträgen sowie durch eine gut organisierte Flüsterkampagne gewonnen werden. Im Herbst 1888 hatte der Isis-Urania Tempel 32 Mitglieder (9 Frauen, 23 Männer) und zwei weitere Tempel wurden eröffnet. Im Februar 1889 hatte der Golden Dawn bereits 60 Mitglieder.Goldendawnireland.org: The Hermetic Society of the Golden Dawn in IrelandStichtingargus.nl: Golden Dawn, Hermetic Order of theThe Structure and Administration of the Order, S. 30ff in: The Golden Dawn Companion von R. A. Gilbert.
Zunächst existierte nur der äußere oder erste Orden (Hermetic Order of the Golden Dawn). In diesem wurden die fünf Grade Neophyt, Zelator, Theoricus, Practicus und Philosophus rituell bearbeitet. Neben Zeremonien gab es Anleitungen für die Herstellung von Räucherwerk, für die Weihe von Lotus-Stäben sowie für das Zeichnen und die Weihen von Pentakeln. Daneben bekamen die Mitglieder Lehrschriften zum Selbststudium. Weiter wurde theoretisches Grundlagenwissen über die Kabbala, Astrologie, Tarot und Alchemie vermittelt. Einzige Ausnahme war das Kleine Pentagrammritual, das gelehrt wurde, damit sich der Schüler ein erstes Bild von den unsichtbaren Kräften und deren Lenkung machen konnte. Wie ein Zeitzeuge berichtete, gab es im Golden Dawn zu diesem Zeitpunkt nichts, was eine viktorianische Jungfrau erschrecken konnte. Bis anhin existierte der zweite oder innere Orden (Ordo Rosae Rubeae et Aureae Crucis), der die Adeptengrade umfassen sollte, nur auf dem Papier, da es noch keine entsprechenden Initiationsrituale gab. Es wurde lediglich der sogenannte Portalgrad geschaffen, der als Bindeglied zwischen äußeren und inneren Orden fungierte. Am 23. August 1890 riss der Kontakt mit Frau Sprengel ab, angeblich war sie verstorben und die anderen Mitglieder des deutschen Rosenkreuzer-Ordens waren zu keiner weiteren Unterstützung bereit.
Ordo Rosae Rubeae et Aureae Crucis miniatur|Mathers bei einer Zeremonie im Golden Dawn
Das Material in den Händen von Westcott und Woodman, aus welcher Quelle sie es auch bekommen hatten, war anscheinend noch zu mager, um darauf eine tiefschürfende Ordenstätigkeit aufbauen zu können. Das Wissen der beiden reichte trotz jahrelanger Beschäftigung mit der Thematik nicht aus, um die notwendigen lückenlosen Einweihungszeremonien aufstellen zu können. Im Herbst 1891 begann Mathers diesen zweiten oder inneren Orden, den eigentlichen magischen Orden, zu schaffen, den Ordo Rosae Rubeae et Aureae Crucis (Orden der Roten Rose und des goldenen Kreuzes), auch kurz R.R. et A.C. genannt. Dabei behauptete Mathers, in Paris den Kontakt zu den verborgenen Meistern, den Mitgliedern des innersten oder dritten Ordens, hergestellt zu haben. Jedenfalls schrieb er in den folgenden Jahren fünf umfangreiche Rituale, von denen jedes der Initiation in einen Grad diente. Von einem Frater L.E.T (Lux e tenebris) will er weitere Instruktionen für den Aufbau des zweiten Ordens erhalten haben. Er schuf daraufhin das zentrale Initiationsritual des Ordens, das des Adeptus Minor Grades. Dafür wird die in der Fama Fraternitatis geschilderte Wiederauffindung des verborgenen Grabes von Christian Rosencreutz rituell umgesetzt. Es wird eigens das Gewölbe der Adepten konstruiert, eine begehbare siebenseitige Initiationskammer. Dieses Gewölbe gilt als Widerspiegelung des Universums, unter anderem entsprechen seine farbig bemalten Seiten den sieben Planeten. Darin steht der sogenannte Pastos, ein Sarkophag, in dem der Chefadept während des Rituals liegen wird, um den Ordensgründer Christian Rosencreutz zu verkörpern. Es waren Annie Horniman (Ordensname: Fortiter Et Recte - F.E.R.) und Florence Farr (Sapientia Sapienti Dona Data - S.S.D.D.), die im Dezember 1891 als Erste das neue Adeptus Minor Ritual durchliefen. Westcott selbst bekleidete das Amt des Cancellarius (lat. Kanzler), etwa um 1890 war er Praemonstrator (lat. Amtsträger, Lehrer) und ab 1892 Chefadept (Großmeister).Golden-dawn.com: The Golden Dawn F.A.Q.