Schkopau ist eine Gemeinde im Saalekreis in Sachsen-Anhalt. Der Kernort Schkopau liegt rund 6 km nördlich von Merseburg und 11 km südlich von Halle (Saale). Die längste Eisenbahnbrücke Europas, die Saale-Elster-Talbrücke, verläuft über das Territorium Schkopaus.

Geographie Lage Im Norden grenzen Halle (Saale) und Kabelsketal an Schkopau, im Osten Schkeuditz im Landkreis Nordsachsen, im Süden Leuna und Merseburg sowie Bad Lauchstädt und Teutschenthal im Westen.

Die Saale und ihre rechten Nebenflüsse Weiße Elster und Luppe bilden die Saale-Elster-Aue, die einen Teil der Gemeinde einnimmt.

Gemeindegliederung mini|hochkant=0.6|Kirche in Kollenbey Die Gemeinde Schkopau ist eine Einheitsgemeinde und gliedert sich in folgende Ortschaften und Ortsteile: Ortschaft EinwohnerDez. 2021 Ortsteile Burgliebenau 420 Burgliebenau Döllnitz 1170 Döllnitz Ermlitz 1695 Ermlitz, Oberthau und Rübsen Hohenweiden 788 Hohenweiden, Neukirchen, Rattmannsdorf, Rockendorf und Röpzig Knapendorf 459 Bündorf, Dörstewitz und Knapendorf Korbetha 256 Korbetha Lochau 1141 Lochau und Wesenitz Luppenau 478 Löpitz, Lössen und Tragarth Raßnitz 1226 Pritschöna, Raßnitz und Weßmar Röglitz 280 Röglitz Schkopau 2674 Kollenbey und Schkopau Wallendorf (Luppe) 719 Pretzsch, Wallendorf und Wegwitz

Die Ortschaften von Schkopau (anklickbare Karte):

Geschichte mini|hochkant=0.6|links|Kirche in Schkopau mini|hochkant=0.6|Schloss Die Gegend um Schkopau war bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Nahe Schkopau lag der bereits im 19. Jahrhundert abgetragene Schwedenhügel mit einem ursprünglichen Durchmesser von 40 Metern. Im Ortsteil Raßnitz wurde während der frühen Bronzezeit um 1800 v. Chr. von Angehörigen der Aunjetitzer Kultur der Bornhöck errichtet. Mit 65 m Durchmesser war er bis zu seiner Zerstörung im 19. Jahrhundert einer der größten Grabhügel Mitteleuropas.

Mittelalter und Frühe Neuzeit Vermutlich bestand an der Stelle der im Jahre 1215 erstmals erwähnten Burg Schkopau schon im neunten Jahrhundert eine karolingische Befestigung. Erstmals erwähnt wird der Ort Schkopau im Jahre 1177. Eine Urkunde, die am 4. Oktober 1177 in Merseburg ausgestellt wurde, erwähnt einen Albert von Schapowe als Zeugen.Internetseite der Gemeinde Schkopau Die älteste belegte Namensform von Burg und Stadt lautet Scapowe. Um 1470 erwarb der Merseburger Bischof Thilo von Trotha die Schkopauer Burg und belehnte seinen Bruder Klaus von Trotha mit ihr. Daraus entstand später das heutige Schloss als Wohnsitz der Familie von Trotha.

Schkopau gehörte bis 1815 zum hochstiftlich-merseburgischen Amt Merseburg, das seit 1561 unter kursächsischer Hoheit stand und zwischen 1656/57 und 1738 zum Sekundogenitur-Fürstentum Sachsen-Merseburg gehörte.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas, Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 84 f. Das Neorenaissance-Schloss, das heute als Hotel genutzt wird, besitzt einen Bergfried aus dem 16. Jahrhundert. 1732 bis 1734 wurde die Dorfkirche Schkopau errichtet.

19. und 20. Jahrhundert Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kam der Ort im Jahr 1815 zu Preußen und wurde 1816 dem Kreis Merseburg im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen zugeteilt, zu dem er bis 1952 gehörte. Bei der Kreisreform in der DDR kam der Ort im Jahr 1952 zum Kreis Merseburg im Bezirk Halle, der 1994 zum Landkreis Merseburg-Querfurt und 2007 zum Saalekreis kam.

Durch die Gründung der Buna-Werke GmbH Schkopau 1936/1937 wurde die Region wirtschaftlich stark beeinflusst. Es war das weltweit erste Synthesekautschuk-Werk und stellte eine Palette weiterer chemischer Produkte her. Während des Zweiten Weltkrieges hatten die Buna-Werke einen hohen Anteil ausländischer Arbeitskräfte, darunter Kriegsgefangene. In Schkopau befand sich auch ein Arbeitserziehungslager. Die Buna-Werke wurden im Juli und besonders im November 1944 von der US-Luftwaffe bombardiert. Nach entsprechenden Produktionsausfällen erfolgte danach der teilweise Wiederaufbau. Die Stadt Schkopau war von den Angriffen auf das benachbarte Werk mit betroffen. In Schkopau und der Region bis zum Kollenbeyer Holz detonierten 82 Sprengbomben. Der Bevölkerung war die Mitnutzung eines der Luftschutzbunker im Werk gestattet.

Am 14. April 1945 wurden die Stadt und die Buna-Werke von US-Truppen besetzt, die Anfang Juli durch Rote Armee abgelöst wurden.

Im Zuge der Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa siedelten sich auch Katholiken in Schkopau an, so dass die katholische St.-Anna-Kirche eingerichtet wurde. Sie entstand in einer Baracke des ehemaligen Reichsarbeitsdienstes, wurde am 22. August 1948 eingeweiht und nach der heiligen Anna benannt. Am 22. November 2015 erfolgte ihre Profanierung.Kirchen der katholischen Pfarrei St. Norbert Merseburg, abgerufen am 6. August 2018. 1953 fanden spontane Arbeiterdemonstrationen statt (Aufstand vom 17. Juni 1953). In der DDR waren die Bunawerke Zentrum der Chlorchemie mit Carbidherstellung. Carbid diente zur Herstellung von Ethin (Acetylen), aus dem mittels Reppe-Chemie (als Alternative zur Petrochemie) eine Vielzahl von chemischen Produkten (z. B. PVC) gewonnen wurde. Die Werkseinrichtungen wurden nach der Wiedervereinigung maßgeblich von der Firma Dow Chemical Company übernommen.

Von 1952 bis 1994 lag Schkopau im Kreis Merseburg (1952 bis 1990 im DDR-Bezirk Halle, dann im Land Sachsen-Anhalt). Nach der Kreisreform 1994 gehörte die Gemeinde zum Landkreis Merseburg-Querfurt, seit der Kreisreform 2007 ist sie Teil des Saalekreises.

Eingemeindungen Die Gemeinde Luppenau wurde am 1. Juli 1950 gebildet. Weitere Eingemeindungen fanden zum gleichen Zeitpunkt auf dem Gebiet der jetzigen Gemeinde Schkopau statt. Am 1. August 2004 wurden insgesamt acht Gemeinden eingegliedert.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004 Drei von ihnen (Döllnitz, Hohenweiden und Lochau) wechselten vom Saalkreis in den Landkreis Merseburg-Querfurt. Am 1. Januar 2005 kamen die Gemeinden Knapendorf und Luppenau hinzu.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2005 Damit hörte am 1. Januar 2005 die bisherige Verwaltungsgemeinschaft Saale-Elster-Aue auf zu bestehen. Am 1. Januar 2010 wurde Wallendorf (Luppe) aus der Verwaltungsgemeinschaft Leuna-Kötzschau nach Schkopau eingemeindet.StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Bündorf 01.07.1950 Eingemeindung nach Knapendorf Burgliebenau 01.08.2004 Döllnitz 01.08.2004 Dörstewitz 01.07.1950 Eingemeindung nach Knapendorf Ermlitz 01.08.2004 Hohenweiden 01.08.2004 Knapendorf 01.01.2005 Kollenbey 01.07.1950 Korbetha 01.08.2004 Lochau 01.08.2004 Löpitz 01.07.1950 Zusammenschluss mit Lössen und Tragarth zu Luppenau Lössen 01.07.1950 Zusammenschluss mit Löpitz und Tragarth zu Luppenau Luppenau 01.01.2005 Neukirchen 01.07.1950 Eingemeindung nach Hohenweiden Oberthau 01.07.1950 Eingemeindung nach Ermlitz Pretzsch 01.04.1937 Eingemeindung nach Wallendorf Pritschöna 01.07.1950 Eingemeindung nach Raßnitz Raßnitz 01.08.2004 Rattmannsdorf 01.07.1950 Eingemeindung nach Hohenweiden Rockendorf 01.07.1950 Eingemeindung nach Hohenweiden Röglitz 01.08.2004 Röpzig 01.07.1950 Eingemeindung nach Hohenweiden Tragarth 01.07.1950 Zusammenschluss mit Löpitz und Lössen zu Luppenau Wallendorf (Luppe) 01.01.2010 Wegwitz 01.04.1937 Eingemeindung nach Wallendorf Wesenitz 01.08.1938 Eingemeindung nach Lochau Weßmar 01.07.1950 Eingemeindung nach Raßnitz

Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 3.349 2005 11.077 2010 11.458 2015 10.935 2020 10.986 Jahr Einwohner 2021 10.937 2022 10.922 2023 10.860 2024 10.815 2025 10.646

Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Der starke Anstieg der Einwohnerzahl zwischen 1990 und 2005 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Schkopau besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Gemeinde aus 28 Mitgliedern und dem Bürgermeister.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 37 Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 69,2 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 AfD 16,1 % 4 29,6 % 4 CDU 25,7 % 7 28,3 % 8 SPD 16,7 % 5 17,7 % 5 Kultur- und Traditionsverein der Freiwilligen Feuerwehr Schkopau (KFFS) 3,7 % 1 5,8 % 2 PRO Döllnitz 6,1 % 2 5,5 % 1 Bündnis 90/Die Grünen 5,8 % 2 3,5 % 1 Initiative pro Bürger (IpB) 6,1 % 2 3,3 % 1 FDP 5,6 % 1 3,0 % 1 Einzelbewerberin Karin Würden – – 2,2 % 1 Einzelbewerber Dieter Pillert 1,1 % – 1,1 % – Die Linke 10,6 % 3 – – Einzelbewerber Hans Pomian 2,5 % 1 – – Insgesamt 100 % 28 100 % 24

Bei der Wahl 2024 entfielen auf die AfD acht Sitze, von denen vier unbesetzt bleiben, weil die Partei nur vier Kandidaten nominiert hatte.

Bürgermeister 2012–2019: Andrej Haufe (CDU) seit 2019: Torsten Ringling (parteilos)

Am 9. Oktober 2011 wählten erstmals alle Ortsteile der Einheitsgemeinde Schkopau einen neuen Bürgermeister. Haufe wurde in der Stichwahl mit 54,1 % der gültigen Stimmen gewählt.

Ringling wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 28. Oktober 2018 mit 73,4 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt. Er trat sein Amt am 1. Februar 2019 an. Bei der Bürgermeisterwahl am 28. September 2025 wurde er mit 77,5 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt. Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61

Wappen, Flagge und Dienstsiegel Am 2. September 2025 beschloss der Gemeinderat der Gemeinde Schkopau die Beantragung der Genehmigung des Wappens beim Landkreis Saalekreis mit folgender Blasonierung:

„In Grün ein silberner Retortenkolben mit nach vorn wehender geschwungener silberner Rauchfahne allseits begleitet von 12 goldenen Eichenblättern.“

In derselben Sitzung beschloss der Gemeinderat der Gemeinde Schkopau die Beantragung der Genehmigung der Flagge beim Landkreis Saalekreis mit folgender Flaggenbeschreibung:

„Die Flagge der Einheitsgemeinde Schkopau ist weiß-grün (1:1) gestreift (Querform: Streifen waagerecht verlaufend, Längsform: Streifen senkrecht verlaufend) und mittig mit dem Gemeindewappen belegt, das (nur bei der Flagge) zusätzlich eine weiße Außenkontur hat.“

Wappen und Flagge gestaltet vom Heraldiker Jörg Mantzsch aus Magdeburg; genehmigt durch den Landrat des Saalekreises am 19. November 2025.

Die bisherige Gemeinde Schkopau führte ein 1997 genehmigtes Wappen.

Logo Seit 2011 führt die Gemeinde Schkopau zwei Logos. Die Elemente der Logos stellen einen Bezug zu prägnanten Punkten der Gemeinde dar. Zum einen sind dies die Hauptfarben der in den Ortsteilen existierenden Wappen. Wenn man diese betrachtet, stellt man die drei dominierenden Farben Blau, Grün und Gold fest, welche als Grundlage für das Logo dienten. Auf der Suche nach einem Symbol, welches die Vergangenheit und Zukunft charakterisiert, wurde der „Buna-Kolben“ (Plaste und Elaste aus Schkopau) in moderner Form genutzt, da die Wirtschaft die Basis für die Entwicklung von Schkopau darstellt.Logos der Gemeinde Schkopau

Sehenswürdigkeiten

Saale-Elster-Aue mit der Saale-Elster-Talbrücke, Europas längster Eisenbahnbrücke Schloss Schkopau im Neorenaissance-Stil mit Schlosspark Dorfkirche Schkopau Haus der Freundschaft

mini|hochkant=0.7|Friedensdenkmal Gedenkstätten

Grabstätten auf dem Friedhof des Ortsteiles Burgliebenau für vier polnische und sowjetische Frauen und Männer, die während des Zweiten Weltkrieges Opfer von Zwangsarbeit wurden Grabstätte auf dem Neuen Friedhof für 45 Frauen, Kinder und Männer, die während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppt und in den Buna-Werken Opfer von Zwangsarbeit wurden Grabstätten auf dem Ortsfriedhof für 29 Opfer von Zwangsarbeit aus verschiedenen Nationen mini|Saale-Elster-Talbrücke über dem Rattmannsdorfer See