mini|Ste-Croix, Chorhaupt von SO Die romanische Kirche Sainte-Croix befindet sich in der kleinen Gemeinde Veauce in der französischen Region Auvergne (Département Allier), am Flüsschen Veauce, das bei Ebreuil in die Sioule mündet, etwa 45 Kilometer nördlich von Clermont-Ferrand. Ihr harmonisch gestaltetes Chorhaupt erhebt sich vor der Kulisse des mit alten Bäumen bestandenen dicht belaubten Schlosspark, dem ehemaligen Sitz der Landesherren von Veauce, einer sehr alten Familie, deren Nachkommen es bis vor einigen Jahren noch bewohnten.

Die Kirche steht auf dem Grundriss eines lateinischen Kreuzes, mit einem Stamm, dem im späten 18. Jahrhundert auf zwei Joche halbierten Langhaus, den Kreuzarmen, als weit ausladende Querhausarme und einem Haupt, aus einem eher seltenen Umgangschor ohne Kapellenkranz. Ihr Langhaus ist dreischiffig, und von ihren ehedem vier Jochen sind noch zwei übrig geblieben.

Ihr Baumeister hatte zwar seinen Blick auf die romanischen Meisterwerke der Limagne gerichtet, mit ihren hergebrachten Bauweisen und Bauformen, er kopierte sie aber nicht, sondern interpretierte sie auf seine Art. Bernard Craplet, ein französischer Kunsthistoriker und Autor, bezeichnet Sainte-Croix de Veauce als “eine der schönsten Kirchen des heutigen Bourbonnais, eine der auvergnatischsten, doch mit einer persönlichen Note, die ihren Reiz erhöht.”

Geschichtliches Über die Daten ihrer Errichtung ist fast nichts bekannt, sie sind aber wahrscheinlich für das 11. Jahrhundert anzunehmen. Ihre Entstehung ist ebenso wahrscheinlich der Freigiebigkeit der eingangs erwähnten Familie der Herrschaften von Veauce zuzuordnen. Es steht aber fest, dass ein Ritter Aimo de Veauce im Jahr 1080 die Kirche von Veauce der benachbarten Abtei von Saint-Léger im benachbarten Ebreuil anvertraute. Diese Schenkung wurde gegen 1115 von Papst Paschalis II. bestätigt. Die Pfarrei von Veauce gehörte zur ehemaligen Diözese Clermont.

Das heutige Bauwerk verrät aber, dass die Kirche in zwei aufeinander folgenden Kampagnen errichtet worden ist, und zwar zuerst das Chorhaupt zusammen mit dem Querhaus, die in einem Zuge entstanden sind. Sie zeigen einen sehr homogenen Stil und stellen den schönsten Teil der Kirche dar. Der Einfluss der romanischen Limagne ist unverkennbar.

Das in der zweiten Kampagne entstandene Langhaus ist weniger typisch. Einiges deutet dabei auf einen Wechsel der verantwortlichen Baumeister oder Steinmetze hin. So ist zum Beispiel die Steinbearbeitung im Chor anders als im Langhaus. Im Chorjoch tragen die Steinquadern Farnwedelmuster, im Langhaus jedoch ausschließlich schräge Rillen. Im letzteren sind die Trommeln der Halbsäulen gleichförmig übereinander gelegt, in der Vierung jedoch weist jede zweite Trommel eine rückseitige Verlängerung in den Pfeilerkern auf. Im Chorhaupt sind zahlreiche Steine mit Steinmetzzeichen versehen, im Langhaus keine. Die mit Eckblättern versehenen Säulenbasen des Langhauses lassen auf eine spätere Bauzeit schließen.

mini|hochkant=0.5|links|Jakobspilger, Holzschnitt von 1568 mini|hochkant|Jakobsgrab, Santiago de Compostela

Als die Kirche gegen Ende des 11. Jahrhunderts in die Hände der Benediktinermönche der Abtei Saint-Léger de Ebreuil gelegt wurde, setzten die Pilgerfahrten auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela in Spanien ein. Es waren vor allem Mönche, wie hier die Benediktiner, die in die Rolle umsichtiger Akteure schlüpften, in dem sie für die Wallfahrt warben und die Organisation tatkräftig in die Hand nahmen.

Das Gebäude war damals bereits als Pilgerkirche konzipiert, mit Seitenschiffen und einem großzügigen Chorumgang, die auch ohne Kapellenanbauten die Ausstellung von Reliquien erlaubten, zu deren Verehrung die Pilger unter anderem aufgebrochen waren. Immerhin gab es zwei Querhauskapellen. Saint-Croix de Veauce lag knapp 14 Kilometer westlich der von Nevers nach Clemont fast geradlinig von Norden nach Süden verlaufenden Teilstrecke des Pilgerwegs (heute N7 und N9), der die ganze Region der Auvergne mit zahlreichen Pilgerkirchen für die Pilger erschloss.

Die Blütezeit der Wallfahrt nach Santiago datiert in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts, in der die Pilger jährlich zu Hunderttausenden nach Süden zogen. An diesen Wegen entstanden zahlreiche neue Kirchen, Klöster, Hospize, Herbergen und Friedhöfe, und vorhandene Einrichtungen wurden den neuen Anforderungen entsprechend erweitert. Man brauchte für eine Pilgerkirche vor allem mehr Bewegungsflächen für die zahlreichen Pilger, wie Chorumgänge und Seitenschiffe, und möglichst viele Kapellen, zur Präsentation von Reliquien und deren Verehrung. Die Pilgerkirchen dienten damals häufig auch als Übernachtungsort für die Pilger.

Als nach Mitte des 12. Jahrhunderts die Streitereien zwischen Frankreich und England um Aquitanien begannen, gingen die Pilgerbewegungen zurück. Die Kriege des 13./14. Jahrhunderts, wie etwa der Hundertjährige Krieg (1339–1453), brachten einen dramatischen Einbruch.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Glockenturm von Saint-Croix, wie zahlreiche Kirchen der Region, in der gotischen Epoche, etwa im 13. Jahrhundert, mit einem spitzen Turmhelm bekrönt worden ist, vielleicht sogar aus Stein, wie auch bei Notre-Dame de Châtel-Montagne.

Gegen Ende des 14. Jahrhunderts wurde zu Ehren des Schutzpatron Saint-Venerandus (um 385 Bischof von Clermont) von einem Jean Bessoles ein Kollegiatstift (gelegentlich auch als Stiftskapitel bezeichnet) gegründet, das knapp 400 Jahre Bestand hatte. Im Jahr 1766 wurde das Kapitel aufgelöst.

Im Jahr 1797, acht Jahre nach der Französischen Revolution (1789), wurde das Langhaus von Saint-Croix halbiert, das heißt, es verlor die ersten beiden der bis dahin vier Joche. Welche Ursachen diese „Verstümmelung“ des Bauwerks hatte, geht nicht aus den Quellen hervor, wie etwa ein Einsturz durch natürliche Baugrundverhältnisse, oder mutwilligen Einriss, bedingt durch die Verhältnisse der nachrevolutionären Zeit. Der im gleichen Jahr durchgeführte Verschluss des über den ganzen Aufriss geöffneten Langhauses mit einer neuen ungewöhnlich massiven Giebelwand und mit gewaltigen Strebepfeilern, deutet eher auf die erstgenannten Ursachen hin.

Wenn Saint-Croix mit einem steinernen gotischen Turmhelm versehen worden war, so wird dieser in der Revolution, oder kurz danach, eingerissen worden sein. Das trifft zumindest für das Obergeschoss des Vierungsturms zu, dessen Erneuerung auf das Jahr 1882 datiert wird. Vermutlich wurde zu dieser Zeit auch das erste Geschoss restauriert.

Die schlechte Quellensituation von Sainte-Croix de Veauce in der Vergangenheit wird auch in der Moderne nicht besser.

Bauwerk mini|hochkant=1.7|links|Ste-Croix de Veauce, Grundriss, Handskizze Abmessungen

(ungefähre Maße, aus der Skizze gemessen und hochgerechnet, ohne Pfeilervorlagen)

Gesamtlänge innen, heute: 22,5 m, im 11. Jh.: 30,5 m Gesamtlänge außen, heute: 24,5 m, im 11. Jh.: 32,0 m Langhaus Innenlänge, heute: 7,3 m, im 11. Jh.: 15,0 m Langhausbreite, innen: 10,5 m, außen: 12,5 m Mittelschiffbreite (zwischen den Scheidewänden): 4,4 m Querhauslänge, innen: 21,5 m, außen: 23,0 m Querhausbreite innen: 4,9 m Chorbreite: 4,4 m Breite Chor + Umgang, innen: 10,4 m, außen: 16,4 m Chorlänge innen: 6,0 m Länge Chor + Umgang, innen: 10,0 m Höhe Mittelschiff, unter Gewölbescheitel: 12,3 m Höhe Chorarkaden: 6,9 m

Äußere Erscheinung

Die Kirche Saint-Croix wurde fast vollständig mit großformatigen hellen Quadern aus Kalkwerkstein in regelmäßigem Verband gemauert. Lediglich auf den Wänden des Querhauses finden sich Mauerwerkspartien aus kleinformatigen Bruchsteinen in unregelmäßigem Verband, deren ehemaliger Verputz noch in Resten erhalten ist. Die nach Süden und Osten weisenden Bauglieder haben überwiegend eine hellgelbe bis orangefarbene Patina angesetzt. Hingegen finden sich auf nördlichen und westlichen Bauteilflächen hell- bis dunkelgraue Verwitterungsspuren.

Langhaus mini|Lang- und Querhaus von S Das heute erhaltene Langhaus ist seit 1779 nur noch halb so lang wie vorher. In ihm sind die beiden letzten Joche drei und vier des Ursprungsbauwerks erhalten. Es steht auf dem Grundriss eines Rechtecks, dessen lange Seiten quer zur Längsachse der Kirche verlaufen. Es wird in drei Schiffe unterteilt, das mittlere ist knapp doppelt so breit wie die Seitenschiffe. Sein Aufriss ist der einer Pseudobasilika, bei der das Mittelschiff zwar deutlich höher hinaufreicht als die Seitenschiffe, aber ohne durchfensterte Obergaden verbleibt und alle Schiffe unter einem gemeinsamen Satteldach mit etwa 30 Grad Neigung unterbringt.

Das Dach ist mit roten Hohlziegeln in römischem Format eingedeckt, die auch Mönch-Nonnen-Ziegel genannt werden. Die Ausladung der Traufen ist beträchtlich. Die spitz auslaufenden Sparrenenden des Dachstuhls liegen auf der Südseite auf kräftigen waagerechten Gesimsplatten, deren äußere Sichtseiten mit einem Schachbrett- und Zahnfries geschmückt sind, über die die Traufziegel knapp auskragen. Das Regenwasser kann hier ohne Dachrinnen frei abtropfen. Die Platten werden getragen von ebenso weit ausladenden Kragsteinen, teilweise als Hobelspankragsteine, andere mit figürlichen Skulpturen dekoriert sind. Auf der Unterseite der Gesimsplatten sind breitflächige geometrische Motive in Kreisen eingearbeitet, wie etwa Blütenblätter, Rosetten, Sonnen, Spiralen, flache Rauten. Ihr Relief ist aber kaum noch wahrnehmbar. An der nördlichen Traufe fehlen alle Dekorationen der Gesimsplatten und Kragsteine, die hier äußerst schlicht gestaltet sind.

Die Wände der Seitenschiffe verraten nicht, wie sonst üblich, die innere Jochteilung gegenüber den Pfeilern und/oder Gurtbögen der Gewölbe. Es handelt sich hier um die ehemaligen Joche drei und vier. Sie werden an ihren Ostenden von gut 1,5 Meter ausladenden rechteckigen Strebepfeilern begrenzt, die ursprünglich in Verlängerung der inneren Teilung der Joche zwei und drei standen. Ob diese Pfeilern ehemals inneren Gurtbögen gegenüberstanden ist nicht zu erkennen, aber durchaus wahrscheinlich. Sie reichen hinauf bis unter die Traufgesimsplatten, sind in Neigung der Dächer oberseitig abgeschrägt und dort mit Platten abgedeckt, die von Kämpferprofilen abgeschlossen werden. Vermutlich gab es solche oder ähnliche Strebepfeiler in Verlängerung der ehemaligen westlichen Fassadenwand.