→ Für einen Überblick über die S-Klasse seit 1951 siehe Mercedes-Benz S-Klasse
Die Baureihe 126 ist die von 1979 bis 1991 gebaute sogenannte „S-Klasse“ und Nachfolger der von 1972 bis 1980 gebauten Baureihe 116. Wichtigster Fortschritt ist die Senkung des Kraftstoffverbrauchs. Erreicht wird dies durch die Senkung sowohl des Luftwiderstands als auch des Gewichts. Größtes Versäumnis ist die Übernahme der Sechszylindermotoren, die bereits 1972 bei der Übernahme in die Vorgängerbaureihe veraltet und noch immer in Produktion waren. Im September 1981 stellte Mercedes-Benz auf der IAA in Frankfurt die Coupé-Variante (C 126) als Nachfolger des C 107 vor. W 126 bezeichnet Limousinen mit normalem und V 126 solche mit um 140 mm verlängertem Radstand. Nachfolger ist die Baureihe 140, die im März 1991 vorgestellt wurde und deren Produktion im Juli 1991 anlief. 38 Sonderschutzfahrzeuge der Baureihe 126 wurden noch bis April 1992 gebaut und Mercedes-Benz South Africa fertigte die Baureihe in kleiner Stückzahl bis Juni 1994.
mini|500 SEC (1985–1991)
Geschichte
Grundsatz
Die ersten Fahrzeuge der Nullserie wurden im Februar 1979 fertiggestellt und letzten Erprobungsfahrten unterzogen. Sie hatten ausschließlich kurzen Radstand. Die Fahrzeuge mit verlängertem Radstand wurde erst im Herbst, gerade rechtzeitig zur Präsentation auf der IAA im September, fertiggestellt.
Insgesamt wurden 892.126 Exemplare produziert, davon 74.060 Coupés. Im Oberklasse-Segment war die Baureihe 126 unangefochtener Weltmarktführer und bis heute ist sie die meistgebaute Oberklasselimousine,Auto Bild klassik vom 20. Juli 2009: Saccos Meisterwerk (30 Jahre Mercedes W 126), am 2. Oktober 2020 abrufbar. was an der ungewöhnlich langen Bauzeit liegt. Die Baureihe wurde über zwölf Jahre lang produziert, ein im Automobilbereich bei Großserienfahrzeugen ungewöhnlich langer Modellzyklus. Rund 75.000 Fahrzeuge jährlich liegt im üblichen Rahmen der S-Klasse.
Verantwortlich für die Entwicklung des W 126 waren Bruno Sacco, zum damaligen Zeitpunkt Leiter der Hauptabteilung Stilistik, und Werner Breitschwerdt als Direktor des Bereichs PKW-Aufbauten.
Entwicklungsziel
Senkung des Kraftstoffverbrauchs
Infolge der Ölkrise konzentrierte man sich bei der Entwicklung der neuen S-Klasse parallel zum sicherheitstechnisch Bestmöglichen vor allem auf ökonomische Kriterien wie etwa die Senkung des Fahrzeuggewichts, und dadurch auf die Verbesserung des fahrzeugspezifischen Verbrauchs im Vergleich zur Vorgängerbaureihe.
Reduzierung des Strömungswiderstandes
Durch eine strömungsgünstige Form mit einem cw-Wert von 0,36 statt 0,41 sowie leichtere Bauweise konnte der Verbrauch gegenüber dem Vorgänger um über 10 % gesenkt werden. Durch weitere Maßnahmen im Rahmen des „Mercedes-Benz Energiekonzepts“ im Jahre 1981 sank der Verbrauch weiter; der 500 SE verbraucht bis zu 30 % weniger als der Vorgänger 450 SE.
Gewichtsreduzierung
Die Gewichtsreduzierung von 60 kg beim 280 SE bis zu 280 kg beim 500 SEL im Vergleich zum 450 SEL 6.9 wurde unter anderem durch den vermehrten Einsatz von Kunststoffen erreicht. Die Karosserie wurde mit Hilfe von Rechnern konstruiert (CAD). Einige Teile bestehen aus mit Titan, Vanadium und Niob legierten Stählen, die bei geringerer Materialstärke die gleiche Festigkeit wie herkömmliche Bleche bieten.
Ungewöhnlich lange Bauzeit
1979: 1. Serie
Während dieser Produktionszeit wurde die Baureihe stets weiterentwickelt und verbessert. Daher spricht man bei Fahrzeugen, die bis August 1985 produziert wurden, von der ersten, und bei Fahrzeugen, die danach gebaut wurden, von der zweiten Serie, die im September 1985 auf der IAA in Frankfurt präsentiert wurde.
1985: 2. Serie
Im Jahre 1985 erfuhr die Baureihe eine Modernisierung, deren Umfang über normale Modellpflegemaßnahmen hinausgeht. Dabei wurde das Exterieur-Design behutsam modifiziert. Neben geänderten Stoßfängern, Seitenbeplankungen und Leichtmetallrädern (oder Radzierkappen) gab es neu entwickelte Motoren. Im September enden die sogenannten Modelljahre. So zählen Modelle, die bis September produziert wurden zum jeweils laufenden, die nach September produzierten zum darauffolgenden Modelljahr. Bis auf eine geringe Anzahl von Fahrzeugen aus Südafrika wurden alle W 126 in Sindelfingen gefertigt.
Limousinen (W 126 und V 126)
1979: 1. Serie
Grundsatz
Die ersten Modelle waren ab Dezember 1979 erhältlich. Der W 126 wurde zuerst als viertürige Limousine angeboten. Der Hubraumangabe in der Modellbezeichnung, ein Zehntel des Hubraums in cm³, sind Buchstaben nachgestellt.
280 S
Das einzige Modell, das nur den Buchstaben „S“ in der Modellbezeichnung trägt, ist der 280 S der ersten Serie, der noch einen Vergasermotor hatte. Diese Modellvariante wurde scherzhaft als „Kolonialmodell“ bezeichnet, da sie besonders in Ländern gefragt war, wo man komplizierte Einspritzanlagen schlecht warten konnte, und daher Vergasermodelle bevorzugte.
280 SE bis 500 SEL
Alle anderen Modelle des W 126 haben Motoren mit Saugrohreinspritzung und tragen deshalb das Kürzel „SE“; das „E“ bezeichnet einen Einspritzmotor. Ausnahme ist das Exportmodell mit Dieselmotor und der Bezeichnung „SD“ („D“ für Diesel). Daneben war von Anfang an eine Langversion der Baureihe 126 erhältlich (V 126, Ausnahmen: 280 S und 260 SE). Diese Fahrzeuge tragen die Modellbezeichnung „SEL“, bzw. „SDL“. Das „L“ für lang bezieht sich auf einen um 140 mm verlängerten Radstand für mehr Fußraum der Passagiere im Fond.
1980: Langversionen (V 126)
Neben den verlängerten hinteren Türen gibt es zwischen Kurz- und Langversion ein weiteres Unterscheidungsmerkmal: Das hintere Dreiecksfenster ist etwas größer und der Steg zwischen versenkbarer Seitenscheibe und Dreiecksfenster, der bei den S/SE-Modellen lediglich eine verchromte Leiste aufweist, trägt bei den SEL-Modellen ein in Wagenfarbe lackiertes Mittelteil.
1981: Energiekonzept
Obwohl die Fahrzeuge deutlich sparsamer als ihre Vorgänger waren, wurden die V8-Aggregate im Rahmen des „Mercedes-Benz Energiekonzepts“ bereits 1981 überarbeitet: Die Leistungseinbußen der V8-Motoren resultieren aus der Reduzierung von Abgasschadstoffen und Kraftstoffverbrauch. Unter anderem wurde hier die Schubabschaltung realisiert und bei den V8-Modellen die Leerlaufdrehzahl elektronisch auf ca. 500/min reduziert. Daneben wurden Nockenwellen mit geänderten Steuerzeiten und luftumspülte Einspritzventile eingesetzt sowie die Verdichtung erhöht. Die Hinterachsübersetzung wurde bei den V8-Modellen deutlich verlängert. Der Motor des 380er erhielt eine kleinere Bohrung und einen längeren Hub für ein günstigeres Hubverhältnis. Diese Variante war bereits gegen Aufpreis mit Katalysator erhältlich.
1981: Airbag
1981 wurde als Weltpremiere der Fahrerairbag in Kombination mit einem Turbinengurtstrammer für den Beifahrersitz optional angeboten.
Ab 1981: weitere Modellpflege
Ab dem Modelljahr 1982, das im September 1981 begann, wurde der Drehregler für die Kühlleistung der Klimaanlage durch einen Zweifachschalter ersetzt. Mit dem Modelljahr 1984 war bei Wahl der elektrischen Sitzverstellung nun auch eine elektrische Höhenverstellung der vorderen Kopfstützen integriert. Ebenfalls wurde der als Reiserechner bezeichnete Bordcomputer ins Sonderausstattungsprogramm aufgenommen. Optional war für die Limousinen mit langem Radstand nun die sogenannte Coupé-Sitzanlage verfügbar.
1985: 2. Serie
mini|alt=260SE|260 SE von 1990
Grundsatz
Im September 1985 wurde eine umfangreiche Modernisierung der Baureihe vorgenommen, die über eine übliche Modellpflege (bei Mercedes-Benz „MOPF“ genannt) hinausgeht.
Im Kern besteht sie aus der lange überfälligen Einführung zeitgemäßer und größerer Sechszylindermotoren und der Vergrößerung des kleinen Achtzylindermotors sowie dem Übergang auf die sogenannte „+1-Bereifung“, die mit den gerade neu aufgekommenen Serie-65-Niederquerschnittsreifen die Vergrößerung der Räder um einen Zoll ermöglicht, da die Reifensilhouette dabei unverändert bleibt.
Daneben gibt es eine weiter verbesserte Geräuschisolierung des Fahrgastraumes; die zweite Serie soll ungefähr 25 kg mehr Dämmmaterial als die erste haben.
Außenausstattung
Die Änderungen sind zum einen optischer Art mit geänderten Stoßfängern und Schutzleisten, jetzt in glattflächiger Ausführung an den Seiten der Karosserie, sowie neu gestaltete Leichtmetallrädern oder Radzierblenden. Durch die tiefer herabgezogenen Stoßfänger konnte der Auftrieb vorn weiter verringert und die Luftabströmung hinten verbessert werden. Dadurch gelang es, die Fahrstabilität bei hohen Geschwindigkeiten zu erhöhen. Zudem erhielten die Schweller eine Kunststoffverkleidung, die farblich der Türbeplankung angepasst war.
Innenausstattung
Im Innenraum waren die Veränderungen eher marginal. Das Kombiinstrument (Tachoeinheit) verfügt nun über mattierte Zifferblätter und neue Kontrollleuchten für niedrigen Kühlmittelstand, Scheibenwaschwasserstand, Motorölstand und darüber hinaus auch über eine Glühlampenausfallkontrolle, die sämtliche Leuchtmittel der Fahrzeugaußenbeleuchtung (auch die Kennzeichenbeleuchtung) überwacht, damals ein Novum. Weiter wanderte der Schalter für das nun auch aufstellbare Schiebedach von der Mittelkonsole in den Dachhimmel und ist ab Ende 1987 beleuchtet. In dieser neuen Konsole ist zudem eine Gurtwarneinrichtung in Form eines roten und mit Symbolen versehenen Leuchtbalkens angebracht.
Mittelkonsole
Die im unteren Bereich der Mittelkonsole zwischen Aschenbecher und Ablagefach angeordneten Schalter für Sonderausstattungen wie elektrische Fensterheber und Sitzheizung, die zuvor baugleich mit denen der Baureihen 123 und 201 waren, wurden durch die Schalter aus der Ende 1984 eingeführten Baureihe 124 ersetzt. Da die Schalter im oberen Bereich der Mittelkonsole und in den hinteren Türen beibehalten wurden, entsteht diesbezüglich ein weniger homogenes Erscheinungsbild. Ebenfalls wurde bei einigen Schaltern der Einbauort verändert. So wurden unter anderem die Schalter für die Sitzheizung, die sich bei der ersten Serie im Bereich der Schalter für die elektrischen Fensterheber befanden, ebenso in einer neu gestalteten Konsole mit verkleinertem Ablagefach unterhalb des Aschenbechers eingebaut, wie auch der Schalter für die Zweiklang-Fanfare, der bei der ersten Serie oberhalb der Regler für Heizung und Belüftung angebracht war. Beim Einbau einer optionalen Standheizung wurde deren Bedienfeld ebenfalls in diese Konsole eingebaut. Das lässt Platz für zwei weitere Schalter. Wurden weitere Sonderausstattungen geordert, die mehr Schalter notwendig machten, entfiel o. g. Konsole und wurde durch eine Holzblende ersetzt.
Zwei Schaltprogramme für Automatikgetriebe
Fahrzeuge mit Automatikgetriebe erhielten, mit Ausnahme einiger Exportmodelle (z. B. für Japan, erkennbar am SA-Code 498), einen Schalter zur Auswahl der Getriebecharakteristik. Zur Auswahl stehen die Einstellungen „S“ für Standard, oft fälschlicherweise als Sport gedeutet und „E“ für Economic. Die Auswahl „E“ sorgte für ein früheres Hoch- und ein späteres Runterschalten der Fahrstufen und soll Kraftstoff sparen. In der Praxis sorgt diese Einstellung nur für einen kaum messbaren Verbrauchsvorteil, lässt das Fahrzeug aber erheblich träger wirken.
mini|500 SEL vor der kleinen Modellpflege im September 1988 mit silbergrauer Beplankung
1985: geregelter Dreiwegekatalysator