mini|Sportklettern in der Wachau mini|Die Baskin Ainhize Belar beim Sportklettern

Sportklettern ist eine Form des Freikletterns, in welcher der sportliche Aspekt im Vordergrund steht. Dabei wird beim Klettern auf Hilfen zur Fortbewegung verzichtet, nicht jedoch auf eine Sicherung gegen Absturz. Dazu wird der Kletterer meist von einem Partner gesichert, mit dem er durch eine Sicherungskette verbunden ist (Kletterseil, Klettergurt, Bohrhaken etc.).

Die Wurzeln des Sportkletterns liegen im Freiklettergedanken, der sich in der Sächsischen Schweiz entwickelte und ab den 1930er Jahren auch in den USA verbreitete. Im westlichen Teil Deutschlands und in den Alpenländern erzwang das Sportklettern im Jahr 1977, nach der Erstbegehung der Route „Pumprisse“ durch Helmut Kiene, die unbegrenzte Öffnung der UIAA-Schwierigkeitsskala nach oben.

Beim Sportklettern stehen sportliche Motive im Vordergrund; es geht beim Sportklettern darum, die Kletterroute an sich, d. h. meist hohe technische Schwierigkeiten zu überwinden und eine Bewegung zu finden, mit der sich eine Stelle lösen, bzw. überwinden lässt. Sportklettern wird sowohl als Breitensport als auch als Wettkampfsport betrieben. Seit 2020 ist Sportklettern eine olympische Sportart.

Abgrenzungen zum alpinen Klettern Alpines Klettern ist das Klettern von Mehrseillängen-Routen im Gebirge, das sehr vielfältig sein kann, von einfachen, leicht zugänglichen Routen bis hin zu mehrtägigen Unternehmungen in abgelegenen Bergregionen.

Sportkletterrouten sind dagegen eher kurz (häufig bis zu 30 m, eher selten bis zu 100 m), meist in Klettergärten gelegen und zeichnen sich dadurch aus, dass sie über Routen in den unterschiedlichsten Schwierigkeitsgraden verfügen. Der sportliche Aspekt steht im Vordergrund. Dabei wird versucht Routen in einem anerkannten Begehungsstil (wie Onsight oder Rotpunkt) zu bewältigen. Die Routen sind meistens mit fixen und in neu erschlossenen Gebieten mit angebrachten Bohrhaken abgesichert. Durch die engen Hakenabstände und die optimal fixierten Sicherungspunkte ist die Verletzungsgefahr bei einem Sturz im Vergleich zu Stürzen im alpinen Gelände geringer, was ermöglicht, an der Sturz- und damit an der Leistungsgrenze zu klettern. Teilweise müssen aber auch wie im alpinen Stil mobile Sicherungsmittel wie Friends oder Klemmkeile angebracht werden. In Klettergärten sind zudem die Gefahren durch Naturgewalten wie Lawinen oder Steinschlag kleiner als unter alpinen Bedingungen.

Die Grenze zwischen Sportklettern und alpinem Klettern ist bedingt durch die Entwicklung der Sicherungsausrüstung und der immer höheren Leistungsgrenze der Kletterer mittlerweile fließend. Die Spielform des alpinen Sportkletterns bewegt sich in diesem unscharf definierten Grenzbereich zum alpinen Klettern.

Es existieren ehemals alpine Routen, die heute gut abgesichert sind und zu Sportkletterrouten geworden sind. Andererseits bezwingen heutige Spitzenkletterer auch unter alpinen Verhältnissen mit, je nach Route, schlechter Absicherung oder ganz ohne fixes Sicherungsmaterial Schwierigkeiten wie sie fürs Sportklettern typisch sind. So existieren mittlerweile auch alpine Sportkletterrouten von mehreren hundert Metern Länge und technischen Schwierigkeiten bis zum zwölften UIAA-Schwierigkeitsgrad.

Geschichte des Sportkletterns Lange Zeit war noch der Gipfel das Ziel und der Fels nur eines von vielen zu überwindenden Hindernissen auf den Weg dorthin. Nachdem die meisten Gipfel bestiegen waren, wurde erstmals der Weg zum Ziel und die Schlüsselstelle zum wesentlichen Element. Wichtiger als die Besteigung des Gipfels, wurde die Frage, auf welchem Weg und mit welchen Mitteln man dort hinauf gekommen war. Diese Entwicklung fand zuerst an den Türmen des Elbsandsteingebirges statt. 1874 stiegen Otto Ewald Ufer und H. Frick auf den Mönchstein. Die beiden verzichteten bewusst auf die bis dahin üblichen Hilfsmitteln wie Leitern, Steigbaum oder Spitzhacke. Hilfsmittel waren nur da zugelassen, wo sie der Sicherung und nicht der Fortbewegung dienten; eine Route sollte durch Körperkraft bewältigt werden. Der österreichische Kletterer Paul Preuß plädierte in seinen 1911 niedergeschriebenen Grundsätzen ebenfalls für einen weitgehenden Verzicht auf künstliche Hilfsmittel zur Fortbewegung und war damit einer der geistigen Väter des Freiklettergedankens. mini|Kurt Albert im Frankenjura Rudolf Fehrmann schrieb in seinem um 1913 erschienen Kletterführer der Sächsischen Schweiz die verbindliche Kletterregeln für dieses Gebiet beinhaltete. Diese Kletterregeln gelten im wenigen Änderungen noch heute. Diese hatte auch der Dresdner Fritz Wiessner verinnerlicht, als er im Zuge der Weltwirtschaftskrise 1929 in die USA auswanderte, wo er das sächsische Gedankengut in den amerikanischen Klettergebieten verbreitete. Damit legte er den Grundstein für die Entwicklung des Freikletterns im Yosemite Valley. Vor allem in den revolutionären Siebzigern wurde der Gedanke populär, die damaligen Kletterer brachen mit vielen bis dahin gepflegten Gepflogenheiten, vom Äußeren über dem Lebensstil bis zum Kletterstil.

Da durch die deutsche Teilung der Kontakt zu den sächsischen Kletterern abgerissen war, dominierte in den Alpen das technische Klettern. Reinhard Karl und Helmut Kiene waren in den Siebzigern ebenfalls im Yosemite Valley und re-importierten von dort den Freiklettergedanken nach Europa. Die erste von den beiden frei gekletterte Route im siebten Grad waren die Pumprisse am Fleischbankpfeiler im Wilden Kaiser. Kurt Albert reiste 1973 ins Elbsandsteingebirge, um mit Bernd Arnold zu klettern. Dort beeindruckte Albert der Kletterstil so, dass er ab 1975 jede Tour, die er frei begangen hatte, mit einem roten Punkt markierte. Der rote Punkt revolutionierte die Kletterszene und trieb das Niveau nach oben. In den Achtzigerjahren verschob Wolfgang Güllich die Grenze nochmals deutlich nach oben. Seine Free-Solo-Begehung der Separate Reality machte 1986 Schlagzeilen.

In den Neunzigerjahren schuf der Bau künstlicher Kletteranlagen neue Trainingsmöglichkeiten und die Entstehung von Kletterhallen begünstigte die Entwicklung zum Breitensport. Ebenso entwickelte sich das Bouldern aus einer kleinen Nische zu einer breit ausgeübten Sportart. Beide Spielarten zeichnen sich dadurch aus, dass die Risiken deutlich kleiner und überschaubarer sind als beim Klettern am Fels. 1991 fand die erste Sportkletter-WM in Frankfurt statt – die Branche professionalisierte sich zusehends. Typisch für diese Jahre ist auch, dass sich die verschiedenen Stile und Spielarten nebeneinander entwickelten und gegenseitig befruchteten. Aber auch an den großen Wänden legten die Schwierigkeiten zu: Lynn Hill gelang 1993 die erste frei Begehung der The Nose. mini|Janja Garnbret, erste Olympia Siegerin im Klettern Im 21. Jahrhundert wurden die Schwierigkeitsgrade weiter nach oben getrieben. Im Jahr 2012 gelang Adam Ondra in Norwegen erstmals der untere 12. Schwierigkeitsgrad und die damals gerade elfjährige Brooke Raboutou eine 11-. Das Hallentraining erlaubte nicht nur an die persönliche Sturzgrenze zu gehen, sondern ermöglichte auch das Experimentieren mit neuen Bewegungsformen und -stilen, dynamische Züge und Parcour-Elemente hielten Einzug. 2020 wurde Klettern mit drei Formen (Vorstieg (Lead), Bouldern und Speedklettern) olympische Sportart.

Begehungsstile im Sportklettern

Sportkletterrouten können auf verschiedene Arten durchstiegen werden. Diese Arten von Klettern werden als Begehungsstile bezeichnet. Dabei haben nicht alle Begehungsstile den gleichen sportlichen Wert. Was welchen sportlichen Wert hat, ist jeweils das allgemein anerkannte Resultat einer sich weiterbewegenden Diskussion unter allen Kletterern. Als vollwertig gelten heute nur – mit abnehmender Wertigkeit – die On-Sight-, die Flash- und die Rotpunktbegehung. Die Rotkreuzbegehung wird als nicht vollwertige Begehung trotzdem noch anerkannt. Das Durchklettern einer Route mit anderen Stilen wie AF- oder A0 wird nicht als Begehung anerkannt und dient lediglich dem Einüben als Vorbereitung einer stilmäßig anerkannten Durchsteigung der Route.

Bei der Rotpunktbegehung ist das Ziel die sturzfreie Durchsteigung einer Route oder Seillänge „in einem Zug“ mit eigener Kraft, im Sinne des Freikletterns. Die Zwischensicherungen und das Seil dürfen zu keinem Zeitpunkt der Begehung belastet werden (z. B. zum Ausruhen inmitten einer Route). Als klassische Rotpunktbegehung zählt nur die Bewältigung einer Route im Vorstieg, mit dem Einhängen aller Zwischensicherungen aus der Kletterposition.

Beim On-Sight-Klettern gelten die gleichen Regeln wie beim Rotpunktklettern, zusätzlich ist allerdings gefordert, dass die Begehung beim ersten Versuch erfolgreich sein muss. Dabei darf der Kletterer auch keine Vorinformationen haben, die durch frühere eigene Versuche, durch Erklärungen anderer Kletterer oder vorherige Beobachtung von anderen Kletterern in der Route entstanden sind. Auch während des Kletterns darf der Akteur von anderen Kletterern keine Tipps zugerufen bekommen. Erlaubt ist hingegen eine genaue optische Analyse vom Boden aus. Im Unterschied zur Rotpunktbegehung hat man demgemäß in jeder Route nur einmal die Chance, die Route On-Sight zu begehen. Hat man vor der Begehung einen Kletterer in der Route beobachtet oder Tipps zu dieser Route erhalten, gilt ein Durchstieg nur noch als Flash-Begehung. Auch hier gilt: Es gibt nur beim ersten Versuch eine Flash-Chance.

Die Rotkreuzbegehung ist eine Rotpunktbegehung im Nachstieg oder Toprope mit Seilsicherung von oben. Da bei dieser Form die psychische Komponente (Sturzangst) im Vergleich zum vorgestiegenen Rotpunktklettern weniger ausgeprägt gefordert wird, gilt dieser Stil als nicht vollwertig. Beispielsweise kann man so keine Neutour sportklettermäßig erstbegehen. Trotzdem ist er noch knapp anerkannt als Stil, mit dem eine Route begangen werden kann.T. Hepp, W. Güllich, G. Heidorn: Faszination Sportklettern. Ein Lehrbuch für Theorie und Praxis. Heyne, München 1992, S. 30. Dies zeigt sich beispielsweise daran, dass es auf der internationalen Rankingseite 8a.nu noch Punkte dafür vergeben werden.8a.nu: Scorecard and ranking explanation (http://www.8a.nu/site2/). Stand: 8. Januar 2008. AF steht für all free (alles frei) und meint den Durchstieg einer Route bei dem alle Bewegungen (all) mit eigener Kraft im Sinne des Freikletterns (free) vollzogen wurden. Im Gegensatz zu den obigen Stilen darf dabei aber beliebig, am Material hängend, Pause gemacht werden. Dabei muss aus der letzten vor der Pause eingenommenen Kletterstellung weitergeklettert werden. Es ist also nicht erlaubt, die Ruhepause zu nutzen, um eine Position aufzulösen, aus der ein Weiterklettern nicht möglich ist.

Der Begehungsstil A0 gehört zum technischen Klettern. A steht für artificiel (französisch für „künstlich“), A0 ist dabei der erste Schwierigkeitsgrad. Eine solche Begehung erlaubt das Halten und Fortbewegen mit Hilfe von Seil und Bohrhaken oder anderen Zwischensicherungen. Bis weit in die 70er Jahre war dies der vorherrschende Begehungsstil, indem mittels technischer Hilfsmittel heikle Stellen umgangen wurden. Inzwischen wird er nicht mehr angewendet und zwar weder beim Sportklettern, noch im alpinen Klettern.

Spielformen des Sportkletterns Das Sportklettern kann auf verschiedene Arten betrieben werden. Diese Spielformen überschneiden sich teilweise. Ein durchschnittlicher Sportkletterer praktiziert immer mehrere Spielformen. Differenzierungskriterien können die Motivation, der Ort, die Beschaffenheit der Wände, die Absicherung und anderes sein. Das gemeinsame aller Spielformen ist die Forderung nach dem anerkannten Begehungsstil.

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